Freitag, 8. Januar 2010
Nationaler Notstand im eisigen Irland.
Was heißt eigentlich "Vorsorge" auf Irisch?
Was heißt eigentlich "Vorsorge" auf Irisch?
Hoppla, die Regierung in Dublin ist – von der Opposition aufgeschreckt – aus dem Winterschlaf aufgewacht, und ruft gleich den Nationalen Notstand aus. Irland "versinkt" unter einer vier Millimeter dicken Eisschicht, und alle Räder stehen still, weil der strenge Frost es will, und weil das Enteisen von Straßen nicht zu den bevorzugten Stärken der irischen Behörden zählt. Der Schwarzwälder lächelt genauso in sich hinein wie der Alpenländer, der Nordamerikaner oder der Skandinavier.
Wohlwollende halten den sogenannten Führungskräften, die versuchen das Land zu regieren und zu verwalten, zugute, dass der nun seit 20 Tagen anhaltende strenge Frost mit Schnee und Eis auf der üblicherweise von milden Wintern gesegneten grün-weißen Insel eine meteorologische Ausnahmeerscheinung ist, die nur alle 50 Jahre vorkommt. Letztmals herrschte ein richtig langer und kalter Winter in Irland im Jahr 1962/63, also vor 47 Jahren. Allerdings: Das Risiko, dass ein solch harter Winter wieder einmal eintreten würde, war immer vorhanden. Einmal mehr bestätigt sich, dass das Land und seine frierenden Regierenden noch immer vor allem auf Spontanpolitik spezialisiert sind. Erst die lange Liste der Versäumnisse macht klar, dass auch das irische Schnee- und Eischaos überwiegend "home made" ist – hausgemacht.
Es kann noch wesentlich schlimmer kommen – die irische Eiszeit wird mindestens weitere zehn Tage anhalten. In wenigen Tagen aber werden das ohnehin knappe Streusalz und der Split ausgehen - die Vorräte sind erschöpft, und Ministerpräsident Brian Cowen redet sich damit heraus, dass "der große internationale Bedarf an Salz und Split" daran schuld sei. Hört sich gut an, stimmte aber im vergangenen Sommer nicht. Das eigentliche Problem verbirgt sich hinter solchen Aussagen: Das Prinzip "Vorsorge" ist ein Fremdwort auf der Insel, es fehlt an Vorsorge und Planung. Ob Siedlungen gebaut werden, in denen am Ende die Schule fehlt, ob versäumt wird, trotz voller Kassen die Straßen zu bauen, über den die entfesselte Wirtschaft rollen soll, oder ob vergessen wurde, in den fetten Jahren Rücklagen für magere Jahre zu bilden – es haperte stets an der vorausschauenden Planung.
Fehlende Vorsorge prägt auch das marode Gesundheitssystem, das als schlecht funktionierendes Reparatursystem ausgelegt ist. Fehlende Vorsorge erst machte die große Flut im November zur Katastrophe für das Land, weil der Hochwasserschutz vielerorts fehlte; und fehlende Vorsorge ist nun der Grund dafür, dass 75 Prozent der Grundschulen im Land geschlossen bleiben, dass der öffentliche Verkehr in den Ballungszentren zum Erliegen kam, dass das öffentliche Leben stark eingeschränkt ist, dass den Bauern die Schafe wegsterben, weil sie keine Ställe und kein Wasser haben, dass Menschen wie Blogger Harald ihre Nächte im Büro verbringen müssen, weil sie nicht mehr nach Hause kommen, dass viele andere gar nicht erst zur Arbeit erscheinen, weil Busse, Bahnen und Flugzeuge ausfallen. Wir haben es nicht mit einem skandinavischen Winter und meterhohen Schneemassen zu tun – es gilt zunächst lediglich, vier Millimeter Eis zu entfernen. Die Wartung der spiegelglatten Straßen und Gehwege würde einen großen Teil der aktuellen Probleme schon lösen.
Wahrscheinlich werden sich die Niederländischen Antillen oder die Vereinigten Arabischen Emirate niemals um einen Vorrat an Streusalz und Split kümmern müssen, Irland allerdings ginge besser vorbereitet in den nächsten Winter, wenn die Regierung in Dublin und die County Councils die Wetter-Szenarien der Klimaforscher ernst nehmen und sich darauf planvoll einstellen würden – auch in Zeiten leerer Kassen.
PS: Dass das Leben auch im Winter ungerecht ist beweist, dass wir im Südwesten die klirrende Kälte und das helle, ganztags sonnige Hochdruckwetter genießen dürfen – weil wir von zuhause arbeiten und weil unsere Versorgungsleitungen (toi toi toi) trotz Dauerfrost nicht eingefroren sind.
Foto: Der zugefrorene Loughrea, County Galway, von Robert Cannon.
Wohlwollende halten den sogenannten Führungskräften, die versuchen das Land zu regieren und zu verwalten, zugute, dass der nun seit 20 Tagen anhaltende strenge Frost mit Schnee und Eis auf der üblicherweise von milden Wintern gesegneten grün-weißen Insel eine meteorologische Ausnahmeerscheinung ist, die nur alle 50 Jahre vorkommt. Letztmals herrschte ein richtig langer und kalter Winter in Irland im Jahr 1962/63, also vor 47 Jahren. Allerdings: Das Risiko, dass ein solch harter Winter wieder einmal eintreten würde, war immer vorhanden. Einmal mehr bestätigt sich, dass das Land und seine frierenden Regierenden noch immer vor allem auf Spontanpolitik spezialisiert sind. Erst die lange Liste der Versäumnisse macht klar, dass auch das irische Schnee- und Eischaos überwiegend "home made" ist – hausgemacht.
Es kann noch wesentlich schlimmer kommen – die irische Eiszeit wird mindestens weitere zehn Tage anhalten. In wenigen Tagen aber werden das ohnehin knappe Streusalz und der Split ausgehen - die Vorräte sind erschöpft, und Ministerpräsident Brian Cowen redet sich damit heraus, dass "der große internationale Bedarf an Salz und Split" daran schuld sei. Hört sich gut an, stimmte aber im vergangenen Sommer nicht. Das eigentliche Problem verbirgt sich hinter solchen Aussagen: Das Prinzip "Vorsorge" ist ein Fremdwort auf der Insel, es fehlt an Vorsorge und Planung. Ob Siedlungen gebaut werden, in denen am Ende die Schule fehlt, ob versäumt wird, trotz voller Kassen die Straßen zu bauen, über den die entfesselte Wirtschaft rollen soll, oder ob vergessen wurde, in den fetten Jahren Rücklagen für magere Jahre zu bilden – es haperte stets an der vorausschauenden Planung.
Fehlende Vorsorge prägt auch das marode Gesundheitssystem, das als schlecht funktionierendes Reparatursystem ausgelegt ist. Fehlende Vorsorge erst machte die große Flut im November zur Katastrophe für das Land, weil der Hochwasserschutz vielerorts fehlte; und fehlende Vorsorge ist nun der Grund dafür, dass 75 Prozent der Grundschulen im Land geschlossen bleiben, dass der öffentliche Verkehr in den Ballungszentren zum Erliegen kam, dass das öffentliche Leben stark eingeschränkt ist, dass den Bauern die Schafe wegsterben, weil sie keine Ställe und kein Wasser haben, dass Menschen wie Blogger Harald ihre Nächte im Büro verbringen müssen, weil sie nicht mehr nach Hause kommen, dass viele andere gar nicht erst zur Arbeit erscheinen, weil Busse, Bahnen und Flugzeuge ausfallen. Wir haben es nicht mit einem skandinavischen Winter und meterhohen Schneemassen zu tun – es gilt zunächst lediglich, vier Millimeter Eis zu entfernen. Die Wartung der spiegelglatten Straßen und Gehwege würde einen großen Teil der aktuellen Probleme schon lösen.
Wahrscheinlich werden sich die Niederländischen Antillen oder die Vereinigten Arabischen Emirate niemals um einen Vorrat an Streusalz und Split kümmern müssen, Irland allerdings ginge besser vorbereitet in den nächsten Winter, wenn die Regierung in Dublin und die County Councils die Wetter-Szenarien der Klimaforscher ernst nehmen und sich darauf planvoll einstellen würden – auch in Zeiten leerer Kassen.
PS: Dass das Leben auch im Winter ungerecht ist beweist, dass wir im Südwesten die klirrende Kälte und das helle, ganztags sonnige Hochdruckwetter genießen dürfen – weil wir von zuhause arbeiten und weil unsere Versorgungsleitungen (toi toi toi) trotz Dauerfrost nicht eingefroren sind.
Foto: Der zugefrorene Loughrea, County Galway, von Robert Cannon.
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Politik
Mittwoch, 6. Januar 2010
Väterchen Frost hält Irland fest im Griff
Väterchen Frost wird atlantischer Westeuropäer: Eis und Schnee halten Irland weiter fest im Griff. Für die kommenden 24 Stunden hat der irische Wetterdienst MET Eireann erneut eine Wetterwarnung herausgegeben: Vor allem die Ostküste von den Wicklow Mountains über Dublin bis hinauf in den Norden erwartet heftige Schneefälle: Bis zu fünf Zentimeter Neuschnee wurden für heute angekündigt, dazu weiter fallende Temperaturen bis minus zehn Grad. Am kältesten wird es in den Midlands.
Im County Cork sind es vor allem die vereisten, spiegelglatten Straßen, die das öffentliche Leben fast komplett zum Erliegen bringen. Die meisten Schulen haben – wie auch in Limerick, Clare und Donegal – die Weihnachtsferien verlängert und öffnen nicht wie geplant morgen, sondern erst am kommenden Montag wieder. Die meisten Vereinstermine hier auf dem Land wurden abgesagt, das Training fällt aus, Fußballspiele wurden storniert, Veranstaltungen verschoben. Auf den Straßen ist es einsam geworden – der Verkehr im Südwesten ist fast völlig verschwunden.Ununterbrochen warnen der Wetterdienst und die AA Roadwatch in den Medien, dass die Menschen nach Möglichkeit daheimbleiben und ihre Autos stehen lassen sollen. Nachdem sich zu Beginn der Kälteperiode Mittte Dezember zahlreiche Unfälle ereignet hatten, sind die Straßen nun wie ausgestorben. Das macht Sinn ein einem Land, in dem Winterreifen nicht bekannt sind.
MET Eireann rechnet damit, dass sich am Wetter in den nächsten zehn (!) Tagen nichts ändern wird: Der Dauerfrost mit Kälterekorden und Schneefällen hält an.
Fotos: Auf eisglatten Straßen haben die Kinder ihren Spaß. Sie träumen von Bobbahnen, schlittern über das Eis und freuen sich über zusätzliche schulfreie Tage. Foto: Markus Baeuchle
Dienstag, 5. Januar 2010
Postkartenidylle und Wirklichkeit in Irland
Wir alle lieben diese typisch irischen Postkartenidyllen. Grüne Wiesen, blauer Himmel, ein sauber weiß getünchtes Cottage, das sich malerisch im dunkelblauen Wasser einer Meeresbucht spiegelt. Herrlich. Wir sehen uns in diesem Cottage schon wohnen.
Was die Augen des Besuchers bezirzt, was die Phantasie anregt – und was ästhetisch stimmig ist, stellt sich in der Lebensrealität der Bewohner oft völlig anders dar. Manche Irlandfreunde, die sich den Traum erfüllten und sich ein traditionelles irisches Steincottage kauften, wissen ein Lied davon zu singen: Die Räume hinter den nicht isolierten Wänden sind oft feucht und kalt und im Winter mangels tauglicher Heizung kaum warm zu bekommen.
In dem malerischen Cottage auf unserem Foto etwa lebte bis vor drei Jahren eine alte alleinstehende Frau, die sich im Winter – frierend, schlecht ernährt und krank – nicht mehr selber versorgen konnte. Sie lebt mittlerweile im Altenheim. In diesen Wintertagen sitzen hinter alten irischen Steinmauern viele arme und alte Leute frierend an ihren offenen Feuerstellen und versuchen ihren Körper warm zu halten.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Celtic-Tiger-Jahre an fast einem Drittel der irischen Bevölkerung spurlos vorbei gegangen sind. In vielen ländlichen Gegenden, in abgelegenen Seitentälern oder in den Bergen des Westens, aber auch mitten in den Dörfern leben Menschen so einfach und primitiv, als hätte es den großen Wohlstandsboom auf der Insel nie gegeben. Sie sind die Leidtragenden dieses bitter kalten Winters.
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Montag, 4. Januar 2010
Willkommen auf der weißen Grünen Insel
Winterschlaf beendet, Festtagspause vorbei, der Wanderer ist wieder auf den Beinen: Zunächst den LeserInnen des Irland-Blogs ein später Neujahrsgruß: Alles Gute für den "kleinen Rest" des Jahres. (Nur noch 355 Tage bis Weihnachten). Vielleicht sehen wir uns 2010.
Für einen Teil der Insel gab es tatsächlich wie versprochen weiße Feiertage, und die Mitte Dezember einsetzende Kältewelle hält die weiße Grüne Insel weiterhin fest im Griff. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, mancherorts bis minus neun Grad, eiskalte Nächte und frostig kalte Tage, dazu Schnee im Osten und Norden, sowie Eis im Südwesten: Die Menschen können sich nicht an eine vergleichbare Kältewelle erinnern – und die Meteorologen geben ihnen recht. Zwar gab es im Winter 1962/63 ähnliche grimmige Wintertage, doch die Dauer des aktuellen Winterwetters deutet auf einen weiteren Allzeit-Rekord in den turbulenten Wetter-Statistiken Irlands hin: So lange war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie so kalt.
Abgesehen davon, dass die Inselbewohner an Frost und Schnee nicht gewohnt sind, dass sie ihre Autos derzeit entweder stehen lassen oder bevorzugt in den Straßengraben setzen, abgesehen davon, dass die Wasserleitungen allerorten platzen, dass die Häuser, vor allem die alten Cottages, kaum warm zu bekommen sind, auch abgesehen davon, dass die Flughäfen zeitweise gesperrt und Busse außer Betrieb sind: Die Iren, die ohnedies bevorzugt vom Wetter reden, haben seit Wochen ein Topthema zu besprechen. Mit roten Nasen und eisigen Ohren diskutieren sie die herrschende Eiszeit. Fällt dann das Stichwort "Erderwärmung", ist ein Lacher garantiert. So also sieht "Global Warming" aus, so fühlt sich der Klimawandel an: sau-kalt.
Tatsächlich sorgt ein Tief über den Azoren – das ist der Ort im Südatlantik, der üblicherweise die wetterbestimmenden Hochs verwaltet – für das irische Ausnahmewetter. Dieses Tief lädt das Hochdruckwetter aus dem kalten Norden nach Irland ein und blockiert die in dieser Jahresreszeit sonst üblichen Tiefdruckgebiete aus dem Westen. Wir haben also Hochdruck – und das bedeutet auch: schönes Wetter, Bilderbuchwetter. Strahlend blauer Himmel, phantastische Sonnenuntergänge, klare Luft und gute Fernsicht. Nordischer Winter auf der Grünen Insel - warum auch nicht? Wir genießen ihn.
Für einen Teil der Insel gab es tatsächlich wie versprochen weiße Feiertage, und die Mitte Dezember einsetzende Kältewelle hält die weiße Grüne Insel weiterhin fest im Griff. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, mancherorts bis minus neun Grad, eiskalte Nächte und frostig kalte Tage, dazu Schnee im Osten und Norden, sowie Eis im Südwesten: Die Menschen können sich nicht an eine vergleichbare Kältewelle erinnern – und die Meteorologen geben ihnen recht. Zwar gab es im Winter 1962/63 ähnliche grimmige Wintertage, doch die Dauer des aktuellen Winterwetters deutet auf einen weiteren Allzeit-Rekord in den turbulenten Wetter-Statistiken Irlands hin: So lange war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie so kalt.
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Montag, 28. Dezember 2009
Freitag, 25. Dezember 2009
Irische Weihnachts-Traditionen (Teil 2):
Der Tag des Zaunkönigs
Der Tag des Zaunkönigs
Ja ist denn schon Fasching? Morgen, am 2. Weihnachtstag, ziehen in einigen Orten Irlands verkleidete Menschen musizierend von Tür zu Tür und halten die Hand auf. Sie tragen Hüte und Gewänder aus Stroh, ihre Gesichter sind schwarz angemalt und an der Spitze des Umzugs marschiert der Träger eines Holzstabes. Traditionell steckte auf der Spitze dieser Stange aus dem Holz der Stechpalme (Holly) ein toter Zaunkönig. Diese Tradition des aufgespießten Vogels ist verloren gegangen. Dennoch: Morgen ist "The Wren" – und die verkleideten Gestalten, die durch die Straßen ziehen, sind die "Wren Boys". Der "Wren", einer der kleinsten Vögel der Erde, spielt dabei noch immer eine interessante Rolle.
"The Wren", auch bekannt als "The Wran" und im Westen der Insel genauso ausgesprochen, rührt im kollektiven Gedächtnis der Iren an Zeiten, die mehr als 1200 Jahre zurückliegen. Die alten Geschichten wollen wissen, dass irische Soldaten auf dem Sprung waren, die Wikinger, die Invasoren aus dem Norden, überraschend zu schlagen. Im letzten Moment haben Zaunkönige die schlafenden Feinde gewarnt - in einer Version der Geschichte trommelten die kleinen Vögel mit ihren Schnäbeln auf den Schildern der Wikinger, in einer anderen auf den Schlagzeugen. Die "Norsemen" jedenfalls wachten rechtzeitig auf und es wurde nichts aus dem hinterhältigen Angriff.
Der Zaunkönig ist seit diesen Zwischenfällen in einem früheren Jahrtausend bei den Bewohnern der Grünen Insel in Ungnade gefallen - er gilt seitdem als Vogel des Teufels. Und das erklärt, warum die Wren Boys vor dem Umzug in den Wald zogen, um einen Zaunkönig zu töten, der dann auf den Pfahl gespießt und durch die Straßen getragen wurde.
Bezeichnenderweise hatten die Kelten den Zaunkönig im vorchristlichen Irland in hohen Ehren gehalten. Der kleine Piepmatz galt als Vogel der Könige, sein Platz war an der Seite der Druiden. Er wurde geehrt für seine überlegene Klugheit, die ihn noch über den Adler stellte: Die keltischen Sagen berichten vom Wettstreit der Vögel, wer am höchsten fliegen kann. Den Wettbewerb gewann der Zaunkönig. Er hatte sich – quasi als Blinder Passagier" – im Gefieder des Adler versteckt und stieg mit diesem hoch in die Lüfte. Erst als der Adler ermüdete und zur Umkehr ansetzte, stieg der Zaunkönig aus und flog zum Sieg.
Weitere Legenden wollen wissen, dass der "Wren" den Heiligen Stephan (Bild), der sich vor seinen Verfolgern versteckt hielt, durch lautes Zwitschern verraten hat. Der im 1. Jahrhundert lebende Stephan wurde darauf bekanntlich gesteinigt. Dem Zaunkönig sicherte die christliche Fabel einen festen Platz im irischen Kalender: Der Stephanstag ist auch der Tag des Zaunkönigs.
Die katholische Kirche verfolgte im alten Irland nicht nur den Wren, sondern auch die Ziele der "Wren Boys". Denn wenn diese von Haus zu Haus zogen und die Bewohner um Geld baten, dann gipfelte der Umzug meist in einem Fest, das wir heute als Party bezeichnen würden – nach katholischem Verständnis eine Gelegenheit, Sünden zu begehen. So passt es, dass "Wren" auch eine alte Bezeichnung für die Prostituierten in Irland ist.
Im Irland der Gegenwart hat die Tradition des "Wren", die fast schon vergessen war, eine neue Bedeutung gewonnen: Der Umzug der verkleideten Musikanten und der Strohmänner wird heute vor allem zum Spendensammeln genutzt. In der Gemeinde des Wanderers werden die "Wren Boys" morgen ausziehen, um Geld für die örtliche Schule zu sammeln. Das Dach ist undicht geworden und muss dringend repariert werden. The Wran, in Glengarriff organisiert vom traditionsbewussten Klempner Cornelius Connolly, wird zur Instandhaltung der Schule maßgeblich beitragen.
PS: Wenn jemand gerne dieser sehr guten, aber auch sehr kleinen Zwergschule helfen will, deren Existenz im quasi-bankrotten Irland leider nicht gesichert ist, soll sich bitte beim Wanderer melden, der die Daten des Schulkontos gerne weiter gibt.
* Das Fest des Zaunkönigs wird auch in Dingle jedes Jahr mit einem Umzug begangen. Auf dieser Dingle-Website wird der Brauch gut beschrieben.
PS: Wenn jemand gerne dieser sehr guten, aber auch sehr kleinen Zwergschule helfen will, deren Existenz im quasi-bankrotten Irland leider nicht gesichert ist, soll sich bitte beim Wanderer melden, der die Daten des Schulkontos gerne weiter gibt.
* Das Fest des Zaunkönigs wird auch in Dingle jedes Jahr mit einem Umzug begangen. Auf dieser Dingle-Website wird der Brauch gut beschrieben.
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Donnerstag, 24. Dezember 2009
Irische Weihnachts-Traditionen (Teil 1):
Der Christmas Swim im eiskalten Meer
Der Christmas Swim im eiskalten Meer
Der Christmas Swim von Glengarriff, der eigentlich ein Kurz-Triathlon ist (Jump, Swim and wieder Rausklettern), wurde vor mehr als 15 Jahren von einem Mann namens Long John O´Sullivan ins Leben gerufen. Unterstützung bekommt der Lange regelmäßig von Pat O´Shea, dem Betreibe
r des Sparladens, vom Ortsarzt Jeremy Cotter und Frau Aisling (Kaltbaden ist gesund!) und von ein paar Nachwuchskräften. Die deutschen Farben vertritt würdig einer der ohnehin härtesten Burschen der Region. Stefan (der Mann mit der hellblauen Mütze) schwimmt jeden Tag jahrein, jahraus frühmorgens im Meer und sieht den Weihnachts-Schwimm eher als gemütliches Späßchen.
r des Sparladens, vom Ortsarzt Jeremy Cotter und Frau Aisling (Kaltbaden ist gesund!) und von ein paar Nachwuchskräften. Die deutschen Farben vertritt würdig einer der ohnehin härtesten Burschen der Region. Stefan (der Mann mit der hellblauen Mütze) schwimmt jeden Tag jahrein, jahraus frühmorgens im Meer und sieht den Weihnachts-Schwimm eher als gemütliches Späßchen.Warum sich Leute im Winter in kaltes Wasser stürzen? Viel Geld zum Unterhalt von Schulen, Sporthallen oder Gemeindehäusern, wird in Irland bei Charity-Veranstaltungen gesammelt. Die einen schwimmen und lassen sich feiern, die anderen schauen zu, zahlen für die Gaudi und bekommen noch einen heißen Whiskey obendrauf. Die Einnahmen fließen auf das Konto zum Unterhalt der Gemeindehalle, von der fast jeder im Ort profitiert. Das ist Weihnachten in Irland - am Ende gibt es nur Gewinner.
Auch in Dingle wird geschwommen
Gast-Autorin Nicola hat die mutigen Weihnachtsschwimmer, die nun vielerorts für einen guten Zweck ins Wasser gehen, an ihrem Lieblingsort in Irland, auf der Dingle Peninsula, beoabachtet. Nicola machte sich Gedanken, wie man und frau diese Mutprobe möglichst schadlos überstehen. Hier ihr Bericht:

"Wie an vielen anderen Küsten auch, fühlen auf der Dingle-Halbinsel um die Jahreswende herum manche Menschen den unwiderstehlichen Drang, sich in kaltes Winter-Atlantikwasser zu stürzen (und auch wieder herauszukommen). Diese Neigung ist mir völlig fremd, übt aber eine gewisse Faszination auf mich aus. Immerhin gehe ich ja auch in die Sauna, wo ist da der Unterschied, könnte man fragen. Ich würde antworten: Es ist ein großer Unterschied, ob ich aus 90 °C Hitze in 10 °C kaltes Wasser im sogenannten Eisbecken springe, oder ob ich mich aus einer kalten Umgebung in ein kaltes Wasser bewege, dessen Oberfläche meinen Körper erst nach und nach bedeckt. Plus kalter, nasser Boden und kalter Wind und kalte Spritzer vorab . . .
Die Leute von Dingle beleben auch dieses Jahr ihre "coolste Weihnachtstradition" und zelebrieren ihren Christmas Day Swim am ersten Feiertag am Strand von Beenbawn, an der Ausfahrt des Dingle Harbour. Die Wassertemperatur dürfte tatsächlich unter zehn Grad liegen, aber es werden wieder "large crowds" erwartet - genaue Zahlen liegen nicht vor. Natürlich wird der Startschuss nicht vor halb eins gegeben, damit die Kirchgänger/innen keinen Stress bekommen, und hinterher gibt es eine heiße Suppe. Bei der Gelegenheit wird auch Geld für einen guten Zweck gesammelt, dieses Jahr fiel die Wahl auf Autism Ireland. Würde ich in der Nähe leben, würde ich mir das sicher anschauen...
Falls jemand Lust hat, am heimischen Strand oder Flussufer ein ähnlich cooles Erlebnis durchzuführen, hier die einschlägigen Tipps der Veranstalter:
:: In den Stunden vorher viel dicke Kleidung tragen, um den Körper richtig aufzuheizen.
:: Eine Stunde vorher etwas warmes Zuckerwasser trinken.
:: Mütze und Handschuhe mitbringen, besonders für hinterher.
:: Möglichst wenig mit nassem Sand und kalten Steinen in Berührung kommen, so lange wie möglich auf einem Handtuch stehen.
:: Die Kleider erst im letzten Moment ablegen.
:: Nach dem Verlassen des Wassers von oben nach unten anziehen (zuerst die Mütze auf), und die Füße auf etwas Trockenes stellen.
:: Für Kinder: warme Kleidung und warme Getränke, wie heißen Fruchtsaft. Kinder haben wenig Temperaturgefühl und merken nicht, wenn sie kalt werden, daher gut darauf achten, dass sie es den Rest des Tages richtig warm haben.
Ein Gläschen Hot Whiskey nach dem Bad – und man fühlt sich warm. Die perfekte - und gar nicht gesunde Illusion, wie uns die Ärzte versichern.
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Mittwoch, 23. Dezember 2009
Bilderbuchwetter im winterlichen Irland
Am Mittwochmorgen setzen Regen und Schnee ein im Südwesten Irlands. Während MET Eireann für Mittwochnacht minus acht Grad und die kälteste Nacht des Jahres ankündigt, ist das Thermometer am frühen Morgen erst einmal deutlich über den Gefrierpunkt gestiegen. Wir sind derweil gespannt, ob Donegals Wetter-Prophet Michael Gallagher recht behält: Der Postbote aus dem Norden hatte der Insel "Weiße Weihnacht" versprochen.
Blue Pool, Glengarriff, County Cork.
Hier noch ein paar Fotos von gestern, einem sensationell schönen Wintertag, dem 22. Dezember 2009. Die Aufnahmen entstanden im Blue Pool von Glengarriff, das unterste hoch über Bantry Bay in Ardaturrish.
Blue Pool, Glengarriff, County Cork.
Bantry Bay, County Cork.
Alle Fotos: © Markus Baeuchle 2009
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