Montag, 6. Juli 2009

PJ Kelly ist schwer auf Draht: Mit dem Kleiderbügel auf Wassersuche


Antwort positiv: Was der verbogene Drahtkleiderbügel seinem Besitzer signalisierte, mag für manchen purer Hokuspokus sein. PJ Kelly aus Lissycasey bei Ennis in West Clare freilich hatte keinerlei Zweifel: Da ist eine Quelle im Boden. Dort, wo der Mann mit dem Kleiderbügel vor zwei Jahren ein Feld abschritt, eröffnete vergangene Woche die Wasserfabrik von "Clare Spring Water" und füllt nun 6000 Flaschen feinstes und reinstes Mineralwasser pro Stunde ab. Ein starkes Indiz für die Theorie also, dass der Draht die Wahrheit sagte und dass PJ Wasser im Boden (auf)spüren kann.

PJ Kelly ist Wünschelrutengänger, und seine Fähigkeit, Aktivität unter der Erde mithilfe eines gebogenen Drahts zu erkennen, wird in Irland als handwerkliche Fertigkeit weitgehend akzeptiert. Auf der Insel, wo Übersinnlichem (oder Anderssinnlichem) weniger Skepsis entgegenschlägt als auf dem Kontinent, wird der Wünschelrutengänger regelmäßig geholt, wenn ein neuer Brunnen gebaut werden soll.

Als PJ Kelley freilich das Feld in West Clare abschritt, um eine Wasserquelle für ein neues Wohnaus zu finden, wurde ihm schnell klar, dass er auf mehr gestoßen war: In 170 Metern Tiefe ortete er gleich drei unabhängige und äußerst ergiebige Quellen. Für die nicht gerade mit Arbeitsplätzen verwöhnte Gegend in West Clare bringt der Wasserfund rund 20 neue Jobs und einen jährlichen Verdienst von rund 1,5 Millionen Euro.

PJ Kelly ist im übrigen kein kauziger Sonderling, er steht mitten im Leben und sitzt seit 1974 für die Regierungspartei Fianna Fail im Grafschaftsrat (County Council) von Clare. Kelly entdeckte sein Fähigkeit Wasser und unterirdische Energien aufzuspüren als junger Mann vor über 40 Jahren: Er hielt damals eine Zange in Händen, und der Energieschock, den sie ihm vermittelte, ließ ihn "tanzen" – wie er sagt.

Ein Farmer vom Sheeps Head in West Cork, der das Rutengehen ebenfalls seit Jahrzehnten betreibt, behauptet, dass all die Steinkreise und Standing Stones der Gegend vor 4000 bis 5000 Jahren auf hoch energetische Erdlinien gestellt wurden und so in einem Strahlungs-Zusammenhang zueinander stehen. Für den Mann vom Sheeps Head ist klar, dass frühere Menschengenerationen diese Erdstrahlen genauso so wahrnehmen konnten wie wir heute einen Fernsehbildschirm betrachten, und dass diese Fähigkeit, die heute nur noch wenige beherrschten, deshalb nichts Besonderes ist. Sie sei nur in Zeiten der Reizüberflutung einer veränderten Wahrnehmung zum Opfer gefallen und in einigen wenigen Menschen erhalten geblieben.

Na dann, lasst uns einen Kleiderbügel biegen und unser Glück versuchen. Ein Ypsilon-förmiger Zweig tut es auch. Die Disziplin des Wünschelrutengehens wird heute übrigens der Disziplin der Radiästhesie zugeordnet und wissenschaftlich erforscht.

Foto: Ausschnitt aus der Irish Times

Sonntag, 5. Juli 2009

Irland Update: Wo bleibt das Positive?

Die beherrschenden Themen auf der Insel passen zum Wetter: Nach einem Bilderbuch-Juni, wie es ihn seit 50 Jahren nicht mehr gab, schüttet uns der Juli mit Tropenregen zu: Bilder aus Dublin oder Mayo zeigen Straßen und Autos, die in meterhohen Fluten versinken, der Himmel schickt immer mal wieder und und in kürzester Zeit 80 Liter Wasser auf den Quadratmeter, als wäre das ganz normal. Die beherrschenden Themen jedenfalls geben den Menschen auf der Insel auch das Gefühl, dass sie im Regen stehen.

:: Die Regierung hält Job-Verluste mittlerweile für vollkommen normal – eine Anpassungs-Leistung sozusagen, um Überkapazitäten abzubauen und das Lohn- und Preisniveau zu senken. Mit bis zu 3000 Arbeitsplatzverlusten pro Woche, so heißt es, kann die Regierung leben. Eine halbe Million Menschen werden Ende des Jahres in Irland voraussichtlich arbeitslos sein – dies bei einer Bevölkerung von vier Millionen. Das ist verglichen mit Deutschland rund das Zweieinhalbfache.

:: Im einst sichersten Land Europas sind die Menschen über eine Tat schockiert, die sich am Freitagnachmittag um 15.45 im Herzen Dublins ereignete. In Parnell Street, am Anfang der O´Connell Street wurde ein 31jähriger Mann auf offener Straße und am hellichten Tag niedergestochen und blieb in einer großen Blutlache liegen. Noch mehr erregte viele Iren, dass hunderte Fußgänger an dem um sein Leben kämpfenden Mann vorbeigingen, ohne ihm zu helfen.

:: Die Staatsverschuldung scheint nicht mehr zu stoppen: Die Deckungslücke im irischen Staatshaushalt klafft immer weiter auseinander: Sinkende Steuereinnahmen stehen steigenden Ausgaben für Arbeitslose, vor allem aber für die Rettung der angeschlagenen Banken gegenüber. Während die Öffentlichkeit weitgehend still hält, wird der regierungskritische Ton in den Medien schärfer, und kritische Wirtschaftswissenschaftler wie Morgan Kelly vom UCD halten den Weg in den Staatsbankrott für kaum noch abwendbar. Als großer Fehler wird der Regierung angekreidet, die Banken zu entschulden und die Schulden den Bürgern des Landes aufzubürden. Zwei Generationen Iren würden die Zeche in Form hoher Steuern und erbärmlicher Staatsleistungen dafür zahlen müssen, dass die Regierung im vergangenen Jahr eilfertig verprach, für alle Schulden (außer Aktien) von sechs irischen Banken geradezustehen.

:: Zunehmend ins Schussfeld gerät die von der Regierung für den Herbst geplante Bad Bank Nama, die den Banken faule Kredite in Höhe von 90 Milliarden Euro zum "Schnäppchenpreis" von 75 Miliarden Euro abnehmen soll. Im Gegenzug wird der Staat Eigentümer von tausenden Grundstücken, halbfertigen Büro-Blocks, Gewerbeanlagen und Wohnsiedlungen und kultiviert die vage Offnung, diese "Assets" in besseren Zeiten zu höheren Preisen wieder verkaufen zu können. Ob es allerdings in den kommenden zehn oder 20 Jahren in diesem Land überhaupt wieder einen funktionierenden Immobilienmarkt geben wird, erscheint mehr als fraglich. Wahrscheinlicher ist, dass mehr Häuser abgerissen als neue gebaut werden.

:: Während sich die Probleme potenzieren, wird das irische Parlament nach der kommenden Woche den Laden erst einmal für drei Monate Sommerpause dicht machen, und auch die Regierung ruht sich aus. Die Empfehlungen der Experten-Kommision "Board Snip" zur Entschärfung der Stasatsverschuldung kommen in der kommenden Woche auf den Tisch des Finanzministers. Konsequenzen will die Regierung allerdings erst im Herbst oder Winter ziehen. Hat ja Zeit. Im vergangenen Jahr machte Ministerpräsident Brian Cowen geschlagene zwei Monate Sommerferien – und während die Regierungsarbeit ruhte, spitzte sich die Wirtschaftskrise im Land drastisch zu, und das "Nein" der Bürger beim EU-Lissabon-Referendum wurde vorbereitet – durch Tatenlosigkeit. Ob steigender öffentlicher Druck die Steuermänner ohne Plan vor einer erneuten Ferienorgie abhalten wird?

:: Wo aber bleibt das Positive in diesen Tagen? Dies vielleicht: Die Regierung bastelt an einem Gesetz, das Blasphemie, "Gottelästerung" , genauer das Verächtlichmachen, Beschimpfen oder Verpotten religiöser Symbole und Figuren unter Strafe stellen soll. Die Strafen für Blasphmie sollen nun doch nur maximal 25.000 statt ursprünglich geplanter 100.000 Euro betragen – Rezessionsrabatt sozusagen. In einer Zeit, da viele katholische Funktionäre auf der Insel wegen mannigfacher Missbrauchs-Vergehen am Pranger stehen, den entrückten Ober-Hirten gesetzlich in Schutz zu nehmen, ist eine drollige Sache – oder soll das Gesetz auch die iridischen Stellvertreter besser vor den aufgewachten Schäfchen schützen? Auch das keine wirkliche Good News. Wir vertrösten Euch auf morgen. Da wird alles besser: Das Wetter, die Nachrichten...

Donnerstag, 2. Juli 2009

Unterwegs mit Aika Sumeragi

"Für alle Fans großer Augen, kleiner Münder, gigantischer Killer-Roboter und verrückter Kampfszenen, für die Anhänger des Cosplay und des gelegentlich blitzenden Höschens, für alle Freunde der Waffen und kurze Röcke tragenden, hübschen und doch extrem tödlichen japanischen Schulmädchen": Mit dieser Widmung wirbt ein großer Manga- und Anime-Laden in Cork, Irland, um seine jungen Kunden.

Da der Wanderer nicht nur wandert, war er in den vergangenen Wochen beruflich mit der Schüler-Agentin Aika Sumeragi (R-16, Bild) und ihren Kollegen von der Manga und Anime-Front in unbekannten japanischen Welten unterwegs. Er entdeckte, dass die Kinder und Jugendlichen Europas längst mehr eint als unterscheidet. Viele sind infiziert von den fantastischen Geschichten und Figuren der japanischen Jugendkultur. Ob irische, englische oder deutsche Kinder; Yu-gi-Oh und Co beeinflussen unsere lieben Kleinen wahrscheinlich mehr, als mancher Erwachsene sich auszumalen wagt. Ist da ein neuer heimlicher Kulturimperialismus am Werk?

Ein Dank an OVA Films für die Bereitstellung des Bildmaterials

Dienstag, 30. Juni 2009

"Du kannst hier nicht über den Tod reden"

Der Wanderer schreibt diesen Irland Blog () nun seit gut einem halben Jahr und hat dabei Einiges gelernt. Zu den Illusionen des Unerfahrenen zählte die Annahme, dass Blogs Orte des Austausches seien, Plattformen zum Diskutieren und Kommentieren. In der vergangenen Woche summierte sich die Zahl der Kommentare auf dieser Seite auf 4 (!) Einträge. Das ist Grund genug, selber ein wenig sommer-faul zu werden und die eigenen Energien in Richtung Berge und Strand zu lenken.

Dies ist die Zeit, um über das Leben und den Tod nachzudenken. Während sich das globale Geplapper über das Ableben eines unglücklichen Popmusikers in einer Endlosschleife dauerverstärkt, sagt Ally Cassidy: "Du kannst hier in Irland nicht über den Tod reden". Die Irin meint, dass ihre Landsleute nicht wissen, wie sie mit Tod und Trauer umgehen sollen, dass sie in Hilflosigkeit gefangen sind und den Tod deshalb tabuisieren. Ally lebt und arbeitet im buddhistischen Retreat "Dzogchen Beara" bei Castletown Berehaven in West Cork und leitet dort das Spiritual Care Programm.

Ally und ihre Freunde versuchen Raum zu geben, um über das Leben und den Tod zu sprechen, Raum für Glück und Raum für Trauer. Die Autorin Miriam Mulcahy berichtete im Wochenendmagazin der Irish Times, warum sie selber nach Dzogchen Beara ging, wie sie Ally traf und was es mit dem entrückten Ort hoch auf den Klippen über Bantry Bay auf sich hat: "Die Kunst des Lebens und des Sterbens". Lesenswert, bedenkenswert, kommentierungswürdig. Man kann auch darüber schweigen.

Montag, 29. Juni 2009

Irland – Wo Iren Engländern eine Lektion in Englisch erteilen

Wenn Iren Irisch reden, legt der Rest der Welt meist fasziniert die Ohren an und versteht nichts. Wenn Iren Englisch reden bisweilen auch. Selbst Engländer und Amerikaner können oft nicht glauben, dass sie das Englisch der Leute von der Insel zwar vernehmen, aber in keiner Weise verstehen. Das liegt vor allem an der Vorliebe der Iren für den Slang, die regional ausgeprägte, sehr saloppe Umgangssprache.

Jeder, der sich länger in Irland aufhält, stößt irgendwann an die Grenzen des Verständlichen – meistens im fortgeschrittenen Stadium, wenn er die Sprache gut genug beherrscht,um zu verstehen, dass er nichts versteht. Wenn der Nachbar über seinen eigenen Freund redet, den man nicht kennt, und er diesen stets als "your man" bezeichnet, dann leidet man mutmaßlich nicht unter Vergesslichkeit sondern steckt mitten in einer Englisch-Lektion für Nicht-Iren. "Your Man", oder "Dein Mann" bezeichnet im irischen Slang einfach den Mann, über den man gerade redet, den eben.

Oder wenn John fragt, ob man mit ihm "for the piss" gehen will – dann lädt er nicht zum gemeinsamen Abstrullern ein, wohl aber zum gemeinsamen Besäufnis. Und wenn er von ihr im Auto mitgenommen wird, ist das gewöhnlich "a lift", es sei denn, sie legt mit ihm eine Pause zu zweit ein, dann könnte es auch "a ride" gewesen sein – oder "a lift and a ride". Und so weiter.

Feck it! Es gibt tausende dieser schwer verständlichen Eigentümlichkeiten in der englischen Umgangssprache der Iren, und was "your man" in Cork versteht, versteht der in Donegal noch lange nicht. Doch es gibt auch Hilfe: Man findet online längst genügend Websites, die all das Kauderwelsch gut "übersetzen". Der Wanderer bevorzugt die Regional-Slang-Datenbank von www.slang.ie . No bodder.

Sonntag, 28. Juni 2009

Was kümmert den Irland-Urlauber die Wirtschaftskrise? (Teil 1)

Ob Ire, ob Deutscher, ob Österreicherin: Wer in Irland lebt, bekommt die tiefe Wirtschaftskrise nach den Boomjahren an allen Ecken und Enden zu spüren. Sei es, dass der Job weg ist, dass das Finanzamt das Gehalt schröpft wie noch nie oder dass die Straßen nicht mehr richtig gewartet werden – die Auswirkungen sind meist unerfreulich.

Wie aber sind Irland-Urlauber, die in diesem Sommer für zwei oder drei Wochen die Insel bereisen, von der Mega-Rezession betroffen? Bekommen sie die Veränderungen überhaupt mit, leiden sie darunter? Hier einige Beobachtungen mit der Bitte an Leserinnen und Leser, die eigenen Erfahrungen zu beschreiben.

--->> Wer keine Vergleichsbasis hat, sieht keine Veränderungen. Alle Ersturlauber sehen die Insel in der Momentaufnahme Sommer 2009 – und spielen vor allen dieses beliebte Vergleichsspiel: Das ist ja viel (teuer, billliger, schöner, grüner, bunter, unpünktlicher, voller...) als bei uns (daheim). Versuchen wir also einen Vergleich Irland 2007 zu Irland 2009 und betonen. Dies sind persönliche, von keiner Statistik getrübten Eindrücke:

-->> Mehr Platz: Die Baufahrzeuge sind verschwunden, der Schwerverkehr ist stark zurückgegangen. Rezession bedeutet weniger Verkehr, Immobiliencrash heißt: Es wird kaum noch gebaut. Deshalb gibt es auch...

-- >> Weniger Lärm: Es ist wieder ruhiger geworden im Land. Kaum Baulärm, keine Steinbrecher, keine Betonmischer, keine kreischenden Sägen.

-->> Die Preise sinken: Mit der Nachfrage sinken auch die Preise. Lebensmittel sind deutlich billiger geworden, auch die Preise für B&B und Hotelzimmer tendieren deutlich nach unten. Eine B&B-Übernachtung gibt es schon wieder ab 25 Euro pro Person. Verhandeln lohnt sich wieder. Und Vorsicht: Manche Shops, Vermieter und Serviceunternehmen versuchen derzeit noch, fehlendes Geschäft mit überhöhten Preisen zu kompensieren. Vergleichen lohnt sich. Am wenigsten sinken die Preise bislang noch in den Restaurants. Grund sind deren hohe Fixkosten.

-->> Das Angebot nimmt ab: Die Rezession fordert Opfer. Gerade in den Städten in den großen Shoppingmalls haben bereits etliche Shops dicht gemacht. Auch die Infrastruktur auf dem Land hat begonnen zu leiden: Schönheitssalons, Modeläden, Einrichtungshäuser, auch Restaurants und Hotels haben den Betrieb eingestellt. Für den Urlauber spielt das bislang keine entscheidende Rolle, weil es sich meist um den Abbau von Überkapazitäten handelt.

-->> Die Pubs sind wieder voller: Wer Sorgen hat, hat auch Liklör, und wer keine Arbeit hat, hat Zeit zum Feiern. Die Pubs dürften von der Wirtschaftsmisere profitieren.

-->> Mehr Iren an der Front: Die nette, vermeintlich irische Bedienung stellte sich meist nach dem zweiten Satz als genauso nettes Polenmädel aus Wroclaw heraus. Weil viele Osteuropäer die Insel seit dem Ende des Booms verlassen haben, trifft der Urlauber tatsächlich wieder mehr Iren auf der Insel. Er kann nun an der Ladenkasse, im Restaurant oder an der Mautstelle selber nachprüfen, wie es um die hoch gerühmte irische Gastfreundschaft und Freundlichkeit steht.

-->> Die Immobilienpreise sinken drastisch: Wer die Mittel hat und aus dem Urlaub ein Ferienhäuschen mitbringen will, hat in Irland bald wieder Grund sich umzuschauen. Noch sind die Preise wohl zu hoch, doch sie werden weiter fallen – und einzelne Schnäppchen gibt es schon.

Es scheint also, dass Irland-Urlauber von der Krise eher profitieren. Wer weiß mehr?

Statt Smart fahren:
Gewinnen und ab zum Wandern nach Irland

Hier auf dem Irland-Blog stellen wir seit einigen Wochen immer wieder sonntags diese einfache Frage: Warum schreiben wir Blogs, warum kommunizieren wir in Blog, warum bloggst Du? Wer uns die beste Antwort schickt, wird eingeladen, an unserer Wanderwoche im September in Irland (12. - 19. September) teil zu nehmen. Ihr könnt klassisch mit uns wandern oder am Stock gehen (Nordic Walking), egal. Wir führen Euch zu den schönsten Orten des Südwestens, die dem Normaltouristen meist verborgen bleiben.*

Jetzt aber erst mal an die Denkarbeit. "Warum bloggst Du?", hatten wir bereits einige Wochen lang gefragt. Die Reaktion: Schlapp: Wenig mehr als zehn Leser haben sich schon Gedanken gemacht und ihre Version formuliert. Aber das kann ja noch werden.

Endgültiger Einsendeschluss ist der 20. Juli 2009.

Also: Warum bloggst Du, warum bloggen wir? Antworten bitte im Kommentarfeld.
Oder an: info@wanderlust.ie

*Die Teilnahme an unserer Wanderwoche kostet bei Bezahlung 390 Euro. Der Gewinner mit der besten Antwort nimmt mit einer Begleitperson seiner Wahl umsonst teil. (Dem Gewinner bleiben als Kosten An- und Abreise nach Glengarriff, West Cork und ein Eigenanteil an den subventionierten Unterkunftskosten von 20 Euro pro Nacht und Person). Der Gewinner wird aus den 10 besten Antworten ausgelost.

Samstag, 27. Juni 2009

Der lange Weg vom pfeifenden Geierknochen zur irischen Tin Whistle

Man stelle sich vor: 25.000 Jahre, bevor die ersten Menschen von Schottland über den Nordkanal nach Irland übersetzten, saßen im Hohlen Fels von Blaubeuren schon Menschen zusammen und spielten Flöte. Gestern präsentierten Archäologen in Tübingen in Südwestdeutschland der Öffentlichkeit das älteste Musikinstrument der Welt: eine 35.000 Jahre alte, aus Gänsegeierknochen gefertigte Fünfloch-Flöte – gefunden in einer Höhle in Blaubeuren bei Ulm.

Die Ur-Flöte dürfte der Prototyp für die irische Blechflöte, die Tin-Whistle, sein. Auch wenn wir geneigt sind, dem vermeintlich ur-irischen Musikinstrument Tin Whistle eine lange Tradition beizumessen - die Neigung gründet auf Unwissen. Die irische Sechslochflöte wurde gerade gestern erst erfunden: 1843, vom Engländer Robert Clarke; und erst im irischen Folk-Revival der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts setzte sich die Penny Whistle aus Blech (heute Messing) als oft genutztes und beliebtes irisches Musikinstrument durch.

Was wohl in den 34.800 Jahren geschah, zwischen der geselligen Steinzeit-Musikrunde im Hohlen Fels und dem Tag, als Robert Clarke erstmals Löcher in eine Blechröhre stanzte, um ihr Töne zu entlocken? Brachten die ersten Ankömmlinge vor 10.000 Jahren bereits Musik auf die Insel mit? Wir wissen es nicht. Die Tübinger Forscher wollen jedenfalls wissen, dass die Musik als gemeinschaftserzeugende, expansive kulturelle Tätigkeit dem Menschen einen Überlebensvorteil sicherte und dass er deshalb den Neanderthaler im Evolutionskampf ausstach. Und noch eine Aussage der Forscher gibt zu denken: Prinzipiell beherrschten die Menschen musikalisch vor 35.000 Jahren bereits alles, was wir heute auch beherrschen.


Über den Fund berichten die Forscher Nicholas Conard und andere in der aktuellen Ausgabe der narturwissenschaftlichen Zeitschrift Nature.

Freitag, 26. Juni 2009

Michael kommt nun doch nicht nach Irland

Ein Jahrhundert-Künstler ist nach einigen Jahrhundert-Tourneen, einem Jahrhundert-Prozess und einem Jahrhundert-Absturz nach einem halben Lebens-Jahrhundert von der Welt gegangen – ein Jahrhundert-Tod, wird geraunt, so wie bei Kennedy damals. Die Medien feiern den größten Toten seit langem – und dies weltweit. Michaels Musik gefiel mir nicht, sie berührte mich nicht. Mir gefiel aber der letzte Satz, den Harald zu Michael Jackson geschrieben hat: "Und er hat mir immer irgendwie leid getan".

Kleiner Nachtrag (Samstag): Wahrscheinlich kann die Magie Michael Jacksons nur verstehen, wer ihn einmal live, zumindest aber in seinen Videos gesehen hat. Marc Fischers Beschreibung eines Konzertbesuchs in Hamburg auf "Eines Tages" ließ mich verstehen, was den Zauber dieses zerbrechlichen Menschen ausmachte, und warum ihn so viele für einen Giganten hielten. Fischers Beitrag (Der Zwerg, Nullmann und ich...): sehr lesenswert. Michaels Bukarest-Konzert im übrigen, das die ARD gestern abend ausstrahlte, war berührend – auch für Leute, die seine Musik nicht mögen.

Vor einigen Monaten noch machten Gerüchte die Runde, Jacko wollte nach Irland ziehen – vor allem um in Kontakt mit Feen und Leprechauns zu treten. Offensichtlich hatte er sich auch Immobilien auf der Insel angeschaut. Mehr dazu im Belfast Telegraph.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Viel Freude mit Eircom und T-not-at-Home

Irland bewegt sich gesamtwirtschaftlich gerade auf das Niveau zu, über das seine technologische Infrastruktur nie hinaus kam. Was die einstige Staats-Telekom "Eircom" und die irische Regierung beim Aufbau eines breitbandigen Kommunikationsnsetzes (DSL-Internet) geleistet haben, darf in der Dritten Welt als vorbildlich gelten. Jetzt steht die ausgeblutete und mehrfach geplünderte Eircom, die nach wie vor das Festnetz auf der Insel betreibt, wieder einmal zum Verkauf.

Die geldknappen australischen Eigentümer (ehemals bekannt als "Babcock Brown") wollen ihre irische Beteiligung verschachern. Vier Milliarden Euro Schulden, der angekündigte Abbau von weiteren 1200 Stellen und Gehaltskürzungen von zehn Prozent für die Verbleibenden verheißen der Eircom (und dem Kommunikations-Standort Irland) keine allzu große Zukunft. Mit dem Abzug der letzten hellen Köpfe muss gerechnet werden. Ein weiteres düsteres Kapitel in der Tragödie "Irlands scheiternde Infrastrukturpolitik" wird geschrieben.

Hallo Deutschland? Deutsche Telekom dort? T-Home, T-Com? Kein Anschluss unter diesen Nummern. Auch Deutschlands Telekom hat schon viele Stunden unserer Lebenszeit sinnlos vernichtet. Bis heute ist der Wanderer wegen einer geschäftlichen Anrufweiterschaltung erbarmungswürdiger Kunde der Deutschen Telekom. Hier ein kleiner Leckerbissen für Technik-Masos aus dem Frühjahr 2009 – streng chronologisch:

1. Die Telekom kündigt uns das Produkt X (Grund: Produkt wird aufgegeben). Sie bietet eine Kundenberatung an, um Ersatz zu schaffen.

2. Die gerne und bald viermal angefragte Kundenberatung kommt nicht zustande. Kundenanrufe aus dem Ausland sind bei der Deutschen Telekom nicht vorgesehen (Trost: T-Not-at-Home – Im Call Center wäre wahrscheinlich eh niemand daheim.) Auf Faxe, geschweige denn Emails, reagiert man nicht.

3. Die Telekom schreibt uns! Sie bedauert, dass wir das Produkt X gekündigt haben (!), möchte uns als Kunden aber unbedingt behalten und bittet um Anruf – die angegebene 0800-Nummer ist aus dem Ausland nicht erreichbar, die Bonner Festnetznummer auch nicht.

4. Wir resignieren, akzeptieren widerstandslos den Gang der Dinge. Wochen später erreichen uns nach und nach mehrere gleichautende Textbaustein-Depeschen (sie Briefe zu nennen, wäre ein Euphemismus), offensichtlich eigenverantwortlich von Computern zusammengestückelt, später handschriftlich umadressiert nach Irland. Die ursprünglich computer-generierte Adresse war noch 1995 völlig korrekt. Wir wissen nun definitv: Alle Bemühungen, der Telekom die richtige Adresse zu vermitteln (im Lauf der Jahre ein halbes Dutzend schriftliche Eingaben) sind kläglich gescheitert. Big Telko merkt sich vieles, kann aber daraus keinen Sinn destillieren.

5. Die Kündigungsfrist ist lange abgelaufen. Das gute alte Produkt X liefern die Bonner Kommunikations-Genies weiterhin anstandslos. Man zahlt und ist zufrieden.

6. War was?


Foto: Manufaktum. Es gibt sie noch, die guten Telekom-Firmen.

Zeit und Geld sparen mit Ryanair?

Nach den schrillen Diskussionen um Dicken-Steuer (Fat Tax) und Toiletten-Eintrittsgeld (Struller-Pfund) arbeitet der irische Billigflieger Ryanair wieder an einem ernsthaften Projekt, um die Kosten für das Fliegen zu reduzieren: Ryanair plant, die Gepäckaufgabe am Flughafen prinzipiell abzuschaffen und Gepäck nur noch gegen Aufpreis zwischen Flughafen und Flugzeug zu transportieren. Im Normalfall sollen die Passagiere ihr Gepäck direkt bis zum Flugzeug bringen und dort auch wieder an sich nehmen. Die Tests sollen im Herbst beginnen.

Ryanair-Sprecher Stephen McNamara wies gestern im irischen Radio darauf hin, dass es dieses System im Grunde bereits gibt: für Kinderwagen. Zudem kündigte McNamara an, dass Ryanair-Kunden nach Einfürhung des Selbstschlepp-Modells mehr Gepäck als bisher ohne Aufpreis transportieren können.

Viele Arbeitsabläufe auf den Flughäfen weltweit sind antiquiert und überholt. Der Ryanair-Ansatz, das Fliegen mit einer Busreise zu vergleichen, führt immer wieder zu Konzepten, wie man das Produkt "Flugreise" schneller und billiger machen kann. Ryanairs neues Projekt macht auch Hoffnung, dass Reisende künftig keine Zeit mehr in langen Warteschlangen an Check-in-Schaltern vergeuden müssen und dass sie bei frühen Flügen eine halbe Stunde länger schlafen können.

Die Flughäfen müssen sich gründlich reorganisieren, um solche neuen Abläufe zu ermöglichen, und Sicherheitsbedenken ("Chaos auf dem Vorfeld") werden auch auszuräumen sein. Doch das ist notwendig, sind Flughäfen doch schwerfällige und zeitfressende Unternehmen aus einer Zeit, in der das Fliegen noch etwas Besonderes war – und zudem Einrichtungen, die ganz auf die Bedürfnisse der Fluggesellschaften ausgerichtet sind und wenig auf die der Reisenden. Warum sonst lässt man/frau am Airport noch immer viel zu viel Zeit und Geld liegen? Sind nicht schon die vielen Lounges ("Schmerzfreier Warten") Eingeständnis genug, dass die Organisation des Flugverkehrs große strukturelle Defizite hat?

Mittwoch, 24. Juni 2009

Der kleine große Unterschied: IE und IR

In diesen Tagen des Aufruhrs kam mir wieder die Frage in den Sinn: Was ist der Unterschied zwischen IE und IR? Möglicherweise der zwischen Leben und Tod, zumindest aber der, dass man in IE ganz groß die Klappe aufmachen kann (was dieser Blog und einige andere immer wieder beweisen), wofür man in IR wahrscheinlich gleich verhaftet werden würde.

IE steht als postalisches Kürzel, was viele nicht wissen, für Irland. Das eigentlich näher liegende Kürzel IR steht für Iran. So kommt es immer wieder vor, dass selbst große Verlage oder die bedauernswerte Telekom uns Post nach IR-Glengarriff schicken, die dann erst eine Warteschleife bei den Ajatollahs im Iran dreht und – wenn es gut läuft – von dort auf die rechte Bahn nach IE geschickt wird. Selbst eine Ausgabe des "Spiegel" - dazu auch noch eine mit viel nackter Haut auf dem Titel - erreichte uns vor einigen Jahren mit deutlicher Verspätung, aufgeschlitztem Umschlag und dem Stempel: "Missent to Iran".

Bei allem Nachholbedarf, den auch die irische Gesellschaft bezüglich der Wahrung von Bürgerrechten noch hat: Wir freuen uns, in diesem schönen Land zu leben, das liberal vor allem immer wieder dort ist, wo der Staat sich nicht einmischt. Wir senden in diesen Tagen gute Wünsche aus IE nach IR – und hoffen für die Menschen im Iran, dass sie das große Privileg der Meinungsfreiheit bald so wie wir in Europa in vollem Umfang genießen können. In die Tonne Rente mit den unnachgiebigen Ajatollahs und den Polit-Radikalen vor deren Karren. Freiheit für IR.