Samstag, 17. Januar 2009

Der Stolz der Handwerker


Irische Handwerker auf dem Lande sind Meister der Improvisation. "Kaputt" gibt es hier nicht, Die fetten Jahre überdauert hat das Wissen aus den dunklen Zeiten der Armut, das Wissen darum, wie man sich mit einfachsten Mitteln hilft und Dinge wieder zusammenflickt, die woanders auf dem Müll landen würden. Diese Qualität hat in vielen Handwerkerhänden auch die Jahre des Keltischen Tigers überlebt – und ist nun Gold wert.

Dass die handwerkliche Exzellenz von Iren bisweilen hinter der kontinentaler Kollegen zurückbleibt, ist eine andere Sache. Manche Freunde meinen, es liegt an der eher dürftigen Ausbildung. Ein Bauunternehmer in Irland ist beispielsweise jemand, der 8 Jahre als einfacher Bauarbeiter in England überleben konnte und dann in besseren Zeiten in die Heimat zurückkehrte. Andere unterstellen irischen Handwerkern mangelnd ausgeprägten "Handwerker-Stolz", eine gewissse Distanz also zu ihrer Tätigkeit. Diesen Freunden muss man vorhalten, dass Handwerker-Stolz nicht die entscheidende Sekundärtugend für eine berufliche Tätigkeit ist.

Mein Freund LeBook gab immer große Stücke auf seinen ausgeprägten Handwerker-Stolz, auch wenn er nicht als Handwerker im engeren Sinne unterwegs war. Er schrieb und konzipierte als Journalist, er schrieb über dieses Metier, er entwickelte jene Zeitschrift, er konnte mit profundem Halbwissen fast alles für alle beschreiben – und freute sich stets, wenn die Beiträge handwerklich gelungen waren. LeBook begeisterte sich für die Apotheken-Rundschau genauso wie für die Werberpostille "horizont", das VW Magazin oder die Frankfurter Rundschau. Hauptsache das Ding war handwerklich gut gemacht. Handwerklicher Stolz kann den Menschen weit tragen, ohne dass er viel fragen muss – im extremen Fall bis zum Design einer neuen Droge oder eines menschenvernichtenden Super-Virus.

LeBook jedenfalls fand irgendwann heraus, dass auch die größte Leidenschaft für das Handwerk nicht weit genug trägt: Wer Tische tischlert, müsse Tische mögen, beharrte er nun apodiktisch und streng. Wer über die Erzeugung von Wurstwaren schreibt, muss die Wurst gerne essen und wer über Werbemenschen berichtet, sollte diese und deren manipulative Luftschlösser im Grundsatz gut leiden können.

Fehlt diese grundsätzliche Sympathie, dann wendet sich das Handwerk im Laufe der Zeit gegen den Handwerker selbst und richtet in seinem Innersten zunächst kaum spürbare, mit den Jahren jedoch zunehmend schmerzende innere Verheerungen an. Diese schleichende Selbstvergiftung, diese subtile Autoaggression höhlt ihn von innen aus, sie brennt ihm die Leidenschaft aus dem Leib, bis nur Leere übrig bleibt – ein dumpfer Phantom-Schmerz und viel Zynismus. LeBook jedenfalls hat es so erlebt, und heute, nach Jahren heilsamer Abstinenz, wählt er seine Sujets mit Bedacht und innerer Anteilnahme.

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