Samstag, 28. Februar 2009

"Die Frauen sind schuld am Niedergang Irlands"



Die wahren Schuldigen für den wirtschaftlichen Niedergang Irlands, für Kreditklemme, Arbeitslosigleit und Celtic-Tiger-Konsumwahn sind endlich ausgemacht: Es sind die arbeitenden Frauen. "Braucht Ihre Frau wirklich einen Job?", fragte der Polit-Kommentator Newton Emerson diese Woche in der Irish Times und antwortete sich selber: Die arbeitenden Frauen haben die Kreditklemme verursacht. Mit dem zweiten Haushaltseinkommen haben sie die Hauspreise in schwindlige Höhen gepuscht". Als Heilmittel empfiehlt Emerson, die Frauen zurück ins Heim zu holen und damit die Arbeitslosigleit und die Folgen ihrer "östrogen-getriebenen Raffgier" zu beseitigen. 

Vorsicht, Satire! Der Beitrag zur Befeuerung des häuslichen Geschlechterkriegs rangiert in der Online-Ausgabe der Irish Times auf der Liste der meistgelesenen und meistversendeten Artikel derzeit auf Platz 1. Hoffen wir, dass alle Leser wissen, wer Newton Emerson ist. 

Der 38-jährige Satiriker aus dem Norden hat mit seinem beißenden Humor und mit intelligentem Sarkasmus schon manche Debatte humoristisch befeuert. Er verlor wegen seines Schandmauls mehrere Jobs, überlebte aber immerhin die Jahre der Gewalt in Nordirland unbeschadet: Mit Vorliebe und viel Geschick goss er in den unruhigen Jahren  mit seinen "Portadown News" (Foto) bis ins Jahr 2005 Öl ins Polit-Feuer und genoss den Schutz des Narren. Es heißt, alle am Konflikt beteiligten Spitzenpolitiker bis hin zu Tony Blair hätten die Emerson-Eskapaden mit Genuss gelesen.

Es gibt in Irland sicher eine Menge Männer, die den vermeintlich frauenfeindlichen Beitrag für bare Münze nehmen und ihm aus vollem Herzen zustimmen. Gerade auf dem Land wird das traditionelle Familienideal und die althergebrachte Arbeitsteilung des frühen 20. Jahrhunderts in Ehren gehalten. Wie schreibt Emerson so schön: Die Antwort auf alle Deine Probleme starrt Dich vermutlich gerade an. Nimm die Zeitung runter und stelle Dir diese selbstlose Frage: Braucht diese Frau wirklich einen Job?"

1 Kommentar:

  1. Als ich diesen Artikel las, musste ich zuerst einmal laut lachen. Das ist Irland!
    Ich erinnere mich, dass, als 1990 Mary Robinson zum Presitenten gewählt wurde, ihr Vorgänger ( ich erinnere mich jetzt nicht an die Schreibweise des Namens)sich öffendlich weigerte ihr zu gratulieren.
    Als man ihn bat ein paar Worte zu sagen, sage er sinngemäß: Es sei eine Schande dass eine Frau die Wahl gewonnen habe und er hoffe, dass das nie wieder passieren wird.

    AntwortenLöschen

Wir freuen uns über Deine / Ihre Meinung. Zur Meinung gehört, dass man und frau auch zu ihr stehen und zu erkennen geben, wer diese Meinung vertritt.

Kommentare werden derzeit moderiert.

Bitte benutze (n Sie) eine der angebotenen Identitäten, um sich auszuweisen. Danke. Der Wanderer

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.

IMPRESSUM

Dieser Blog wird geschrieben und editiert von: Good News Media Markus Bäuchle, Eliane Zimmermann, Starlight House, Ardaturrish Beg, IRL-Glengarriff, Co. Cork. mbaeuchle (at) mac.com Haftungsausschluss: Die Texte in diesem Blog wurden von den Verfassern nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen und regelmäßiger Aktualisierungen dieses Blogs übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sowie für die Inhalte von Kommentaren sind ausschließlich deren Betreiber/AutorInnen verantwortlich.