Donnerstag, 5. Februar 2009

Ein Ire redet kubanisch

Was unterscheidet diese beiden Männer?  Der Commandante Fidel Castro (links) ist legendär für seine ausufernden, oft fünf, sieben oder gar neun Stunden langen Reden. Der Senator Denis O´Donovan (rechts) ist es nicht. Könnte es aber ebenfalls werden. Denn während diese Zeilen entstehen, redet er wieder. Denis O´Donovan, ein Politiker aus Bantry in Irlands schönem Südwesten, sitzt seit 14 Jahren schon in einer der beiden Kammern des irischen Parlaments – mal als Abgeordneter, mal als Senator. Sein Erkennungszeichen als Fianna Fail Politiker war bislang seine Unauffälligkeit. Doch nun ist alles anders. Senator Denis ist empört über die Pläne seiner eigenen Partei, die Hafenbehörde seiner Heimatstadt Bantry aufzulösen und die Verwaltung der Hafenbehörde im 80 Kilometer entfernten Cork zuzuschlagen. 

Bei der ersten Lesung der Novelle des Unheil bringenden neuen   Hafengesetzes ergriff O´Donovan deshalb das Wort und erklärte seinen Parteifreunden wie den Kollegen der Opposition geschlagene vier Stunden lang, warum dieses Gesetz nicht kommen darf. Die Selbständigkeit des Hafens von Bantry, so der neuerdings unbeugsame Senator, muss erhalten werden. Bevor Denis letzten Donnerstag um 16.10 Uhr seine Rede beendete, ließ er den Senat wissen, das er nur  vorübergehend schweigen will. Und heute redet er weiter, um das Gesetzgebungsverfahren mit seinem Redestreik aufzuhalten, zu verzögern, am Ende erfolgreich zu torpedieren. 

Der konservative Politiker, der bislang auf den Hinterbänken als politischer Bodyguard des schlitzorigen Ex-Regierungschef Bertie Ahern auffiel ("Bertie´s Boy), ist auf dem besten Weg, in der Bantry Bay Helden-Status zu erlangen. Grimmig erklärte er der Lokalpresse: Ich rede weiter, bis ich mein Ziel erreicht habe. Sie können mich nur stoppen, wenn Sie mir Redeverbot geben oder wenn sie das Gesetz zurückziehen. Sie, das sind die Parteifreunde in der Regierung. Gut gebrüllt Denis  - und um der historischen Wahrheit die Ehre zu geben: O´Donovan sieht sich weniger in der revolutionären sozialistischen ("Bantry libre ó muerte") als in der republikanisch-irischen Tradition. Im 19.  Jahrhundert schon hatten irische Politiker mit Verzögerungs-Palaver und Redestreiks die englischen Besatzer parlamentarisch gequält. 

***Und das noch:
Denis O´Donovan muss in seinem Redefluss gestärkt werden. Die Bantry Bay braucht eine unabhängige Hafenbehörde, die das Zusammenspiel der Kräfte auf dem Wasser in Kenntnis der Probleme reguliert, die den Interessenausgleich zwischen Fischern und Tourismus, zwischen Kommerz und Umwelt  erfolgreich moderiert. Im fernen Cork würden die Belange der Bucht und der hier lebenden Menschen sicher nicht annähernd so gut vertreten. 

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