Freitag, 6. Februar 2009

Tipps zum Wandern in Irland (1):Auf Wegen und auf eigene Faust

Die Iren sind eine junge Wandernation, entsprechend ausbaufähig präsentiert sich das landesweite Wanderwegenetz. Verglichen mit England oder Deutschland gibt es nur wenig ausgebaute und beschilderte Wanderwege. Die Geschichte weiß warum: Bis ins frühe 20. Jahrhundert war Irland von den Engländern besetzt und regiert, dann kam die Landreform, und das gesamte Land wurde zu Gunsten der davor weitgehend besitzlosen irischen Bevölkerung privatisiert. 

Von einem öffentlichen Wanderwegenetz wollte dann zunächst niemand etwas wissen. Wer hart auf dem Feld, im Torf oder auf dem Hof arbeitete, musste am Wochenende nicht auch noch an die frische Luft;  und von A(rdaturrish) nach B(allilicky) ging man gemütlich auf den wenig befahrenen Straßen – zumindest bis in den späten 80er Jahren auch im ländlichen Irland der Wohlstand einkehrte und mit ihm die Autos, der Verkehr, die Gefahren. 

Erst mit den Schreibtisch-Berufen, dem Geld, der Freizeit und den Zivilisations-Krankheiten kam in der breiten Bevölkerung der Wunsch auf, Wandern zu gehen, Spaziergänge zu machen, sich an der Natur zu erfreuen. Seitdem bemühen sich County-Verwaltungen und Gemeinden um Wanderwege. Es gibt mittlerweile mehrere ausgezeichnete Fernwanderwege wie den Beara Way oder den Sheeps Head Way auf den südwestlichen Halbinseln des Landes, es gibt auch eine zunehmende Anzahl schöner und gut ausgeschilderter Rundwege, etwa im Nationalpark von Killarney oder im Naturschutzgebiet von Glengarriff. (Diese Wege werden wir in einer der nächsten Folgen unserer Wander-Tipps auf diesem Blog vorstellen.) 

Erst seit etwa zehn Jahren setzen sich engagierte Menschen dafür ein, dass der irische Staat seine schützende Hand ausstreckt, die zunehmend aggressive Abschottung des Privatlandes eindämmt und den freien Zugang in die herrliche Landschaft und auf die faszinierenden Berge des Landes per Gesetz garantiert. Auch die schönsten Orte des Landes, die Berggipfel oder die Wiesen mit großartigen, jahrtausende alten Steinkreisen, gehören meist Privatleuten. Die Kämpfer für freien Zugang organisieren sich in einer Bürgerinitiative namens "Keep Ireland Open" und fordern, was man aus England lange schon kennt: das "Right to Roam", also ein allgemeines öffentliches Wegerecht und das Recht zu wandern, wo und wohin man will. 

Es sind vor allem die größten Landbesitzer, die Bauern, die überzeugt sein wollen, den Stacheldraht und die verschlossenen Feldtore zu öffnen. Seit einem Jahr lockt der Staat nun Bauern in schönen Landschaften, dass sie öffentlichen Zugang zu ihrem Land gewähren, dass sie die Wege öffnen und pflegen. Das Konzept ist durchaus umstritten, denn die Bauern erhalten nach dem Geschmack mancher Städter ohnehin schon viel zu viele Subventionen, als dass man ihnen nun auch noch den freien Zugang für Wanderer abkaufen müsste; und dem Staat geht nun in der Wirtschaftskrise auch zunehmend das Geld aus.

Im Alltag, fernab der in den Medien ausgetragenen Konflikte, herrschen ohnedies andere Regeln vor: Die meisten Bauern sind nette Menschen, die einem gerne zeigen, wie man den Gipfel am leichtesten erreicht. Und wo wenig geregelt ist, regelt mancher die Dinge am besten selbst. Man sucht sich seinen Weg fernab der Wege und der Wegweiser, wandert querfeldein, besteigt  Gipfel, schaut von Steilküsten hinaus aufs Meer. Denn immer gilt in Irland auch das libarale Prinzip: Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist zunächst einmal erlaubt. Warum das so ist und welche Spielregeln zu beachten sind: demnächst hier! 

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