Freitag, 20. Februar 2009

Warum Leute freiwillig ausgerechnet in Irland leben
oder: Irische Hecken statt schwedischer Gardinen


Warum man und frau freiwillig in diesem Land leben, in dem es doch immer nur regnet (unausrottbares Fehlurteil Nummer eins), wo der Besuch im Krankenhaus einem Besuch in der Dritten Welt gleicht, und wo jetzt auch noch die Wirtschaft den Bach runter und der Staat pleite gehen? Es gibt viele gute Gründe auf diese ewige "Warum ausgerechnet Irland"-Frage. Wir Natur-Romantiker haben sie für uns skizzenhaft hier beantwortet, und jede Einwanderer-Generation stellt und beantwortet sie vermutlich neu.

Schon in den frühen 6oer Jahren zog es Deutsche in größerer Zahl nach Irland. Sie waren vor allem von Angst motiviert, fürchteten die Eskalation des Kalten Krieges, der Kuba-Krise, und flüchteten vorsorglich und vorübergehend vor dem möglichen atomaren Fall-out an den vermeintlich sicheren Rand Europas.

In den 70er Jahren bahnten sich die 68er - gelockt von Gertrude Degenhardts Illustrationen (im Bild: There is a Hurling Queen), von Planxty, den Dubliners und ihren Heile-Welt-Visionen den Weg zum eigenen Cottage - das man zumeist schon von weitem an den bunt gestrichenen Fenstern erkannte. 

In den 70er und 80er Jahren erinnerte das Irland der Immigranten bisweilen auch an Australien, das die Briten bekanntlich als Sträflingskolonie umtrieben.  Neben vielen ehrbaren Leuten zog es auch finanziell Schiffbrüchige an die Peripherie Europas. Nicht wenige Bankrotteure, die in Deutschland eine private oder firmenrechtliche Bauchlandung hingelegt hatten, wählten den Last Exit Lisdoonvarna, weil sie sich hier am Rande Europas vor dem Zugriff der heimischen Behörden recht sicher fühlen durften. Sie meldeten sich nach "New York City, Campingplatz" oder nach einem anderen schwer zugänglichen Ort wie "Tel Aviv" ab und vollendeten ihre Lebens-Karriere eher leise hinter irischen Hecken statt hinter schwedischen Gardinen. 

Warum aber heute 20- und 30-Jährige Irland freiwillig als ihren Lebensort wählen, hat meistens ganz andere Gründe. Der junge Österreicher Harald, der seit einem halben Jahr mit seiner Familie in Blessington lebt, legt seine Gründe auf  "News aus Irland"  dar und kommt zu interessanten Antworten. Wir verlinken gerne auf den Blog, auf dem Harald täglich seine Erfahrungen in der neuen Heimat beschreibt und aktuelle Ereignisse kommentiert. 

1 Kommentar:

  1. Hallo!
    Erstmal danke sehr, als "jung" hat mich schon lange keiner mehr bezeichnet ;-)
    Wie gesagt, ich denke, es gibt für jeden ganz spezifische Gründe, natürlich ändern die sich etwas mit den Generationen bzw. gibt es altersspezifische Muster, aber so wirklich kann die Frage wohl jeder nur für sich selber beantworten.
    Meine persönliche Vermutung ist, dass sich das Schema auch schon wieder verändert, da derzeit einfach der Typus Auswanderer großteils wegfällt, der der gutbezahlten Jobs (die es ja massenhaft gab) hierher gekommen ist in den letzten Jahren.
    Auf jeden Fall ist es immer wieder sehr spannend, die Geschichten und Beweggründe anderer Auswanderer (oder eigentlich aus Irland geschrieben eher Einwanderer) zu verfolgen (jenseits von großteils gefakten TV-Serien) und mit den eigenen Beweggründen zu vergleichen bzw. die Unterschiede zu erkennen.
    Ich werde mich bemühen noch während des Wochenendes den nächsten Teil mit unseren Beweggründen online zu stellen. Mal sehen.
    Danke für den Link übrigens :-)

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