Dienstag, 3. März 2009

Die Müllkippe Meer muss endlich dicht gemacht werden.
Neue Hoffnung für Mensch und Tier in der Bantry Bay



Die Iren betrachten das Meer als ihre Müllkippe.
Benoîte Groult, franz. Schriftstellerin

Die Bantry Bay im Südwesten von  Irland ist mit ihren 36 Kilometern die längste Bucht des Landes und eine der schönsten der Welt. Ihre Schönheit wird in Liedern besungen und in der Literatur gepriesen. Die Blicke an schönen Tagen sind überwältigend, eine Bootsfahrt in der Bay gehört zu den herausragenden Naturerlebnissen. 

Allerdings hat das bedenkenlose Profitstreben in den letzten 20 Jahren vor diesem Juweel nicht halt gemacht. In der Bucht wurde in dieser Zeit mit massiver finanzieller Unterstützung der EU die größte Muschelzucht in Europa aufgebaut. Muschelfarmer arbeiten traditionell mit viel Kunststoff: Plastikschnüren, Seilen, Stricken, Tonnen. Da das Meer in Irland immer als Mülldeponie betrachtet wurde (was in Vor-Kunsttoff-Zeiten auch ökologisch funktionierte), überließen auch die Muschelfarmer ihre ausgedienten Schnüre, Tonnen, Stricke und Seile einfach dem Meer. Das Ergebnis kann jedes Frühjahr nach den Winterstürmen an den Stränden betrachtet werden: Sie sind übersät mit Plastikabfällen jeder Größe (Foto unten). 

Die einfache und doch so folgenschwere Rechnung: Die Miesmuschelindustrie entsorgt seit Jahren zum Nulltarif auf Kosten der Allgemeinheit. Die Leidtragenden sind die Bauern, deren Kühe das angeschwemmte salzüberzogene Plastik fressen, die Vögel und die Fische, sowie die Leute, die den Müll aus ihren Gärten und Feldern sammeln müssen. Und natürlich die Tourismusindustrie.

Hinter dem Hauptverschmutzer der Bucht, der größten Muschelfirma namens Bantry Bay Seafoods, wie auch hinter dem größten Bauunternehmen und der größten Windfarm der Region, steht ein Mann: Bob Murnane. Patriarch Bob waltete Jahrzehnte lang nach Gutsherrenart und hat die über weite Strecken herrschende Partei des Landes, Fianna Fail, finanziell immer gut bei Laune gehalten. Bob gibt Arbeit, Bob hat Beziehungen, Bob hat Macht. Doch auch diese Macht stößt nun an Grenzen.

Wir arbeiten seit drei Jahren daran, Lösungen im Einvernehmen mit den Muschelfarmern zu finden. Die kleinen Unternehmen haben ihre Verantwortung für die Verschmutzung unumwunden zugegeben und kooperieren von Beginn an, sie säubern jährlich im Frühjahr gemeinsam mit Anwohnern die Strände vom angeschwemmten Müll. Die Arbeit zeigt mittlerweile erste Erfolge. Bobs Bantry Bay Seafoods allerdings gab sich lange unbeeindruckt, das Entsorgunsverhalten zu überdenken, warb lediglich auf der Firmenwebsite unverdrossen damit, Umweltschützer Nummer 1 zu sein. Nun weht dem Unternehmen, durch den Druck der Öffentlichkeit und nach Skandalen mit gesundheitsgefährdenden Muscheln in Frankreich, Irland und den USA, der Wind scharf ins Gesicht. Prozesse stehen an, ein Geschäftsführer musste gehen und die Firma bewegt sich nun auf die Andersdenkenden zu.

Die Vorzeichen stehen deshalb gut, dass alle lokalen Muschelfarm-Betreiber am Mittwochabend in Bantry den Code of  Practice unterschrieben, den der engagierte Hafenmeister von Bantry, Alec O´Donovan, mit Unterstützung von Bürgerinitiativen und kooperativen Muschelfischern ausgearbeitet hat. Mit der Unterschrift würden sich die Muschelfischer erstmals und freiwillig dazu verpflichten, sauber und umweltschonend zu arbeiten, den Müll zu entsorgen statt ihn ins Meer zu kippen und auf die Natur mehr Rücksicht zu nehmen.  Wir setzen auf "freiwillig", weil man von der irischen Umweltpolitik so gut wie gar nichts erwarten kann, schon gar nicht in Zeiten der Krise. Die Grünen in der Regierung haben kläglich versagt und die Betonköpfe von FF und FG sehen das Problem überhaupt nicht... 

Saubere gesunde Muscheln jedenfalls, da sind wir sicher und daraus haben wir nie einen Hehl gemacht, kommen aus sauberen Gewässern und aus sauberen Farmen. Oder etwa nicht? Das wissen natürlich auch die Muschelfarmer und sie erkennen langsam die Macht des Internets, das unliebsame Nachrichten rasend schnell auch abseits der kontrollierten Medien weltweit verbreiten kann (Es lebe das Blogging!).  

Wer gerne sehen möchte, wie die Strände nach den Winterstürmen aussehen.: Auf der Mini-Website Save Bantry Bay haben wir traurig stimmende Fotos aus dem Frühjahr 2008 veröffentlicht. 80 Prozent des Mülls stammt nach unseren Schätzungen von der Muschelindustrie.

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