Montag, 16. März 2009

Money, Money, Money, oder: Die "völlig normale" Gier


Irland und Deutschland. Zwei Männer, dieselbe Triebfeder: Gier. Der irische Finanzberater Ted Cunningham wurde dabei ertappt, wie er auf einem Kirchen-Parkplatz von zwei Engländern im Namen zweier bulgarischer Geschäftsleute vier Taschen voller Geld in Empfang nahm. Die Männer, die ihm die 800.000 Pfund Sterling – mit viel Vertrauen und ohne eine Quittung zu verlangen – in die Hand drückten, kannte Ted nach eigenem Bekunden nicht. Jetzt sagte der irische Geldjongleur vor Gericht in Cork aus, so ein Vorgang sei nichts Ungewöhnliches und völlig normal.

Dieselben Worte hörte man am Wochenende von einem gefallenen Manageridol in Deutschland: Klaus Zumwinkel, der Ex-Postchef  lässt sich von seinem ehemaligen Arbeitgeber Pensionsansprüche in Höhe von 20 Millionen Euro in einem Rutsch überweisen. Als kleine Belohnung sozusagen für die erlittene Härte, Steuer und Strafen nachzahlen zu müssen. Zumwinkel verteidigte seine unstillbare Gier in der BamS mit den Worten, der Vorgang sei "völlig normal". 

Die Fälle ähneln sich in der grotesken Beurteilung dessen, was heute als normal gelten darf. Beiden Männern ist der Blick für die Realität offensichtlich völlig entglitten. Die Fälle unterscheiden sich andererseits gravierend:

1. Klaus Zumwinkel ist ein rechtskräftig verurteilter Straftäter. Ted Cunnigham befindet sich allenfalls auf dem Weg dorthin.

2. Das irische Geldbündel stammt offensichtlich aus dem schlagzeilenträchtigen Überfall auf die Northern Bank in Belfast im Jahr 2004 und Ted war offensichtlich der Mann für die Hygiene, er sollte die Pfundnoten waschen.  Das meinen zumindest die Strafverfolgungsbehörden.  Das deutsche Geldbündel stammt weder aus einem Bank- noch aus einem Postbankraub, auch wenn es ein wenig so wirkt.

3. Während Ted und die Seinen ihren Geldgeber, nämlich die Northern Bank, unsanft von ihrem Eigentum trennten, bezahlt die Deutsche Post den unfreiwillig ausgeschiedenen Ex-Chef freiwillig – und ganz so, als ob da nichts gewesen wäre. Das ist der eigentliche Skandal.

Die vielen Menschen, die in Deutschland gerade um ihren Arbeitsplatz bangen, die kurzarbeiten oder sich um das Nötigste sorgen müssen, sie werden sich wundern, warum ein Herr  Zumwinkel und all die gierigen Bänker bislang so gut wegkommen. Aber vielleicht tut sich ja doch noch etwas, was das Gerechtigkeitsbedürfnis im Land stillen kann.

Spaßiges Detail am Rande: Ted Cunnigham war mit seinen vier Taschen sichtlich überfordert. Er schleppte erst zwei Taschen vom Parkplatz nach Hause und kam später zurück, um sich die beiden anderen unbeaufsichtigten Geld-Beutel abzuholen. War das Gottvertrauen oder einfach völlig normal?



1 Kommentar:

  1. Ohne auf die Geschichte eingehen zu wollen - Gier ist International- hast du das Gute alte Irische Punt ausgegraben :-)

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