Freitag, 13. März 2009

Die Wahrheit über das Wappen von Irland:
Willkommen im Land der Strippenzieher


Einer der großen "Aufreger" im Irland der vergangenen zehn Jahre war regelmäßig die Frage: "Warum darf der John ein neues Haus mitten in die Landschaft bauen und Paddy darf es nicht?" Formal gibt es auch in Irland ein Baurecht für Alle, und es gibt die Baubehörden der County und City Councils, die eigentlich jeden Bürger nach gleichen Maßstäben behandeln sollten. 

In der irischen Realität des großen Bauwahns allerdings fiel immer wieder auf, dass alle gleich und manche etwas gleicher behandelt wurden. Gerne weisen benachteiligte Bauwillige dann darauf hin, dass im Land der Familienclans, wo Jeder fast Jeden kennt, die Frage der richtigen Beziehungen eine überlebenswichtige ist. Nicht umsonst weiß ein alter Witz, warum ausgerechnet die Harfe das offizielle Wappen Irlands ist: Am besten fährt auf der Insel, wer die Strippen der förderlichen Beziehungen geschickt zupft ("pull the strings").  In Deutschland nennt man das etwas nüchterner "Vitamin B". Wer jedenfalls von der Harfe redet, kommt dann auch meist auf die berühmten Brown Bags zu sprechen, die netten braunen Briefumschläge, gefüllt mit zielförderndem Bargeld.

Das ganz große Rad der Immobilienspekulation drehten in den Boomjahren die Landbesitzer, die genügend Einfluß hatten, um ihre Grundstücke - oft ehemaliges Farmland – als zentrales Bauland ausweisen zu lassen. Wer im Powerplay von Zoning und Rezoning an den richtigen Strippen zog und etwas Glück hatte, war schnell ein gemachter Mann; und bald kümmerten sich öffentliche Tribunale mit Millionenaufwand und doch weitgehend erfolglos um das heiße Eisen Korruption, Politik und Bauwirtschaft. Verdächtigungen gab und gibt es viele, doch meistens blieb es dabei.

Nicht so im Fall eines bekannten Multi-Funktionärs und "Gschaftlhubers" aus Kerry: Vor Gericht stand gestern Patrick O´Donoghue, der Direktor des Gleneagle Hotels und Bürgermeister von Killarney.  Weil es sich bei der Stadt in Süd-Kerry um die touristische Kapitale des Südwestens und bei O´Donoghue um einen einflussreichen Mann aus einer einflussreichen Familie handelt, erregt der Fall landesweit Aufsehen.

Und siehe da: Laut Irish Times von heute bekannte sich der Politiker, der der Regierungspartei Fianna Fail angehört, schuldig: "Richter, ich bin schuldig", hat er gestern vor dem Strafgericht in Tralee bekannt. Erstmals überhaupt steht mit O´Donoghue ein Lokalpolitiker wegen "Verstoßes gegen die Ethik" vor Gericht, und der Grund ist sein Verhalten in Grundstückfragen. O´Donoghues Familie gehört das renommierte Gleneagles Hotel in Killarney samt dem Brehon Hotel und einem dem INEC, einem der größten Veranstaltungszentren des Landes.  Um die Hotel-Anlage, etwa 1,5 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums, besitzt die Familie weiteres Land, und so versuchte der Councillor, Tourismus-Funktionär und FF-Politiker, den Stadtrats-Kollegen von Killarney im Jahr 2006 die Umwidmung eines 20 Acre großen Grundstücks in Bauland "schmackhaft" zu machen.  

Aus dem erhofften Millionengeschäft wurde nichts. Offensichtlich zog der Hotelier dieses Mal die falschen Strippen und sieht sich nun mit dem Vorwurf der unzulässigen Einflussnahme auf ein politisches Entscheidungsgremium konfrontiert. O´Donoghue wurde offensichtlich von Stadtratskollegen geoutet. Interessanterweise wählten ihn diedieselben politischen Kräfte dann im vergangenen Sommer ohne Gegenstimme zum Bürgermeister der Stadt. Ein Urteil des Gerichts wird am 30. Juni erwartet. 

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