Montag, 23. März 2009

Müllabfuhr in Irland: Großer Müll

Tatsächlich gibt es seit einigen Jahren im äußersten Südwesten Irlands eine geregelte Müllabfuhr. Bis 2002 warfen die Leute ihren Müll in schwarzen Plastiksäcken an die Straße, wo er irgendwann vom County Council kostenlos abgeholt wurde, viele sparten sich den Weg und verbrannten den Abfall hinter dem Haus. Dann kamen die Mülltonnen und die Müllgebühren, das Kosten sparende Verbrennen wurde seitdem zum Massenphänomen und die schwarzen Müllbeutel in Wiesen, Flüssen und Straßengräben nahmen rapide zu.

2004 dann der große Wurf: Das Cork County Council als lokale Abfallbehörde führte ein hyper-modernes Abfallsystem ein und rechnete die Müllgebühren verursacherorientiert nach Gewicht ab – ein Chip an der Mülltonne und eine Waage am Müllwagen machten es möglich. Doch es half alles nichts: Man hatte versäumt, die Pflicht zur Tonne einzuführen, und ohne diese Kontrolle drücken sich nun noch mehr Haushalte um Abfuhr und Gebühr. Der Müll der Tonnenlosen wandert irgendwohin, wird verbrannt, vergraben, in den Straßengraben oder in den Wald geworfen, im besten Fall privat zur Deponie gefahren.

Die schwache Beteiligung an der öffentlichen Müllabfuhr ließ den eigentlich vorbildlichen Abrechnungmodus nach Gewicht vorerst scheitern, die Behörde erhöhte die allgemeine Grundgebühr für die angeschlossenen Haushalte drastisch, um sich wenigstens einen Grundstock an Einnahmen zu sichern. Und jetzt meldet das Council die totale Kapitulation: Allzu viele Kunden haben der öffentlichen Müllabfuhr den Rücken gekehrt, die Finanzierung ist komplett ins Wanken geraten. 

Wortreich beschwört der Müllbeauftragte des County Councils, Teddy Brown, derzeit die Bürger, wo er kann, sich wieder für die Tonne zu entscheiden. Selbstkritisch räumt er ein, dass die  Abrechung nach Gewicht zu früh eingeführt worden sei, weil es in Südwest-Irland vor vier, fünf Jahren noch gar keine Recycling-Kultur und kein Bewusstsein dafür gegeben habe; und um die Leute zur Rückkehr zur Müllabfuhr zu bewegen, kördert er sie jetzt mit einer Jahres-Flatrate von 250 Euro. Hau alles in die Tonne, bis sie randvoll ist - ob das Council mit diesem Konzept die "Recycling-Kultur" fördert oder ob das Gegenteil eintritt? 

An die einfachste Lösung, die Einführung einer Teilnahmepflicht einzuführen, traut sich die Behörde jedenfalls nicht heran. Zu groß scheint die Angst vor dem rebellischen Freiheitsdrang der Bevölkerung – zu groß zumindest in einem Jahr, in dem die Regionalparlamente neu gewählt werden. 

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