Dienstag, 17. März 2009

In Irland ist eigentlich nie "Tag des Herrn" – außer vielleicht für ein paar ausgelaugte Engländer


Nach einem langen Patrick´s Day Wochenende ist heute endlich Patrick´s Day. Viele mögen vom Feiern schon erschöpft sein, in Dublin und in vielen anderen Orten in Irland geht es erst richtig los: Die Paraden stehen an.   

Hier auf dem Land in West Cork war schon am Sonntag Paradetag, und so lädt ein stabiles atlantisches Hoch mit Sonne und viel blauem Himmel heute am Nationalfeiertag zum Arbeiten in den Garten oder zum Wandern in die Berge. Feiertag und Arbeiten, das geht hier bestens zusammen: Katholizismus hin, Frömmigkeit her: Wat mut, dat mut. In Irland haben sonntags viele Geschäfte offen, und wer am schönen Sonntag die Wiese mähen, eine Mauer bauen oder einen Baum fällen muss, der macht sich an die Arbeit.  Da kann der Herrgott doch nichts dagegen haben – allenfalls ein paar ausgelaugte ruhebedürftige Engländer, und der ein oder andere Deutsche, der auch abseits der Heimat von seiner alten Kehrwochenmentalität dominiert wird. 

Neben der falschen Vorstellung, am siebten Tage würde der katholische Ire bevorzugt ruhen, können wir ins unserer kleinen Reihe "Irland - Schein und Sein" auch gleich noch mit einem anderen falschen Vorurteil aufräumen: Die Gemütsmenschen in Grün seien besonders tierlieb, hört man immer wieder. Uns wunderte in unseren ersten Irlandjahren, wie wenig dies vor allem für die Leute auf dem Lande zutrifft. Sollte man das Verhältnis von Mensch und Tier hier an der Peripherie als zumindest äußerst distanziert bezeichnen? 

Der Hund (Foto oben, unten), das ist Tommi. Der Border Collie stammt aus einem Neuner-Wurf, den ein Mädchen vor Jahren aus dem Coomhola River gefischt hat. Junge Hunde in Plastiktüten im Fluß? Das machen manche Farmer hier so, der Fluss dient auch der Entsorgung von Müll und unerwünschtem Leben  – vier der jungen Hunde in der Plastiktüte waren tot, fünf überlebten. Das nur ein Beispiel von Vielen. Angesichts der zweifelhaften Qualität des Tierschutzes auf der Insel haben sich sogar merkwürdige Rettungsorganisationen etablieren können, die Border Collies außer Landes vermitteln.

(Unser Hund) Tommi führt derweil ein Luxusleben und säuft aus einem Waschbecken mit silbernem Wasserhahn, wie man sieht. Verglichen mit seinen Artgenossen über dem Großen Teich - ja, denen mit eigenem Spielzimmer, mit Friseur, Hunde-Restaurant und eigenem Friedhof - führt Tommi dennoch ein rechtes Hundeleben. 

Anthropologen wollen nachgewiesen haben, dass das Verhältnis der Menschen zu ihren Haustieren kein Selbstgewähltes ist, sondern vom sogenannten "Entwicklungsgrad" der Gesellschaft abhängt. Der Theorie zufolge steht die Zahl der Kinder und die der Haustiere in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis. Demnach haben Menschen in den traditionellen Agrargesellschaften viele Kinder und keine Haustiere (dafür viele Nutztiere). Ganz das Gegenteil ist in überentwickelten und überdehnten Gesellschaften wie den USA zu beobachten: Kaum noch Kinder, viele Haustiere. Die Hündchen und Kätzchen werden zum Kinderersatz und dementsprechend menschlich-untierisch, nein tierisch artungerecht behandelt. 

Wir wünschen einen tierisch guten Patrick´s Day! Und nein: Tommi läuft nicht in der Patrick´s Day Parade mit, auch wenn es diesen Blogeintrag abrunden würde.

1 Kommentar:

  1. Ich habe zwar keine Ahnung, wie man von St. Patrik auf den Hund kommt, aber es sind ein paar Grundideen im Thema, die mir auch entgegen kommen.

    Nur, ich bin oft mit Iren und deren Hunden in den Bergen unterwegs.
    Ich ärgere mich regelmässig, dass die "Köter" mich völlig links liegen lassen und ihr Leben geniesen. Sehr diszipliert geniesen.
    An Stränden ist das anders. Da bin ich mitten drin, zur Belustigung aller, weil sich sonst keiner nach Stöckchen bückt.

    Nun kann es natürlich sein, dass wir in unterschiedlichen Welten wandern!

    Eagleeye Kerry

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