Mittwoch, 18. März 2009

Neulich im Schalterklo der Deutschen Botschaft in Dublin


31 Trimleston Avenue, Booterstown, County Dublin, Irland. Wenn Sie in der Deutschen Botschaft in Dublin vorsprechen, um einen neuen Reisepass oder ein Visum zu beantragen, dann sind Sie für das Botschaftspersonal ein „Schalterkunde“. Sie werden innerhalb der festgelegten „Schalterzeiten“ bedient – allerdings nicht in einer „Schalterhalle“, wie Sie jetzt vielleicht vorschnell gefolgert haben. Nein bedient werden Sie in einem Räumchen, das etwa halb so groß ist wie ein Klo im Hilton, dafür aber meist fünfmal so gut frequentiert.   

Wenn Sie Glück haben, ergattern Sie eine der wenigen Sitzgelegenheiten im Schalterklo. Wenn Sie Pech haben, steht die Tür gerade offen und es ist drinnen kälter als draußen. Wenn Sie noch mehr Pech haben, sind ihre Unterlagen wieder nicht ganz vollständig oder das Passbild ist einen Millimeter zu groß und sie müssen leider noch ein drittes mal erscheinen. Wenigstens das haben Sie sich selber zuzuschreiben.   

Aus Sicherheitsgründen begegnen Sie den Schalterbeamten nicht direkt. Die Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland sind durch dickes Panzerglas von ihren Kunden getrennt. Damit man dennoch miteinander reden kann, gibt es eine Gegensprechanlage. Die hat den Vorteil, dass man auch bei stundenlangem Warten im Schalterklo nie Langeweile verspürt – nimmt man doch gerne und rege Anteil an den Schicksalen seiner Mitkundinnen und Kunden, die früher aufgestanden sind und nun gerade vom Kundenverwalter verangehört werden.  

Täuscht es, dass Russen oder Schwarzafrikaner, oder der nette Libyer, der in Dublin forscht und nun ein Visum für einen Kongress in Düsseldorf benötigt, schon mal etwas schnittiger zu ihrer persönlichen Situation befragt werden? Man mag sich täuschen, die Fälle sind ja meistens auch viel komplizierter – und zwischen Wirtschaftsasylanten und anständigen Besuchern zu unterscheiden, ist sicher ganz schön schwer. Wir wollen deshalb nicht auf der anderen Seite des Glases stehen.   

Wir würden uns dort auch ein wenig schämen. Weil wir dann Vertreter der Bundesrepublik Deutschland wären; und weil es so wirken würde, dass uns unsere Kunden nicht übermäßig willkommen sind. Oder würden Sie Ihre Gäste auf dem ungeheizten Klo empfangen?  

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