Donnerstag, 30. April 2009

Die Gärtner sind die eigentlichen Gewinner der Krise in Irland

Eine Freundin aus dem Mealagh Valley bestellte vor zwei Wochen den Bagger und ließ ihren geliebten Zierpflanzen-Garten räumen. Was wir für ein Werk der Zerstörung hielten, ist in Wahrheit ein privates Vorsorgeprogramm für möglicherweise magere Zeiten. Die Frau machte Platz für einen Folientunnel; in dem kleinen Treibhaus wird sie künftig ihr eigenes Gemüse anbauen. Unsere Freundin liegt voll im Trend, denn der eigene Gemüsegarten ist wieder in. In wirtschaftlich turbulenter Zeit vertrauen viele Menschen in Irland wieder zuerst einmal sich selbst.

Wie jüngst in Clonakilty gründen sich landauf, landab sogenannte "Local Food Groups", um Wissen und Erfahrungen über den Anbau eigenen Gemüses zu sammeln und auszutauschen. Die professionellen Gärtnereien haben Hochkonjunktur, die Nachfrage nach Setzlingen, Samen und Gartenwerkzeugen lässt deren Geschäft boomen.

Manfred, ein Bio-Bauer bei Bantry, der neben Jungpflanzen und reifem Gemüse auch Folientunnel, Edelspaten und Dünger verkauft, freut sich über die Geschäfte seines Lebens. Tatsächlich wird im ländlichen Irland die Uhr derzeit zurück gedreht. Drängte es vor gerade zwei Jahren noch die letzten Bauern aus ihrem eigenen Garten in Richtung eines bequemeren Lebens mit Tiefkühl-, Dosengemüse und McDonalds, so haben heute viele Haushalte die Kehrtwende bereits vollzogen. Auch Stadtleute fahren wieder gerne hinaus in ihren Schrebergarten, um dort für den Eigenbedarf zu graben und zu pflanzen: Als "Smallholders´" bewirtschaften sie ihr eigenes gemietetes "Allotment".

Vor zwei Jahren gab es in den drei Townlands in unserer Umgebung noch einen einzigen Nachbarn, der selber Kartoffeln anbaute. Er wurde gerne mitleidig belächelt, galt doch der "Old Way" als geradezu unmodern verachtenswert. Seit diesem Jahr werden auch andernorts wieder kräftig Kartoffelbeete beackert.

Ein bemerkenswertes Revival erleben in diesen Monaten die gärtnernden Aussteiger, die der Wachstumswirtschaftswelt schon vor 15 oder 20 Jahren den Rücken gekehrt haben und sich mit großem eigenem Garten weitgehend selbst versorgen. Leute wie Sioned Jones (unser Foto), die abseits der Dörfer am Couzane Gap in West Cork lebt und dort sieben Acre Gartenland und Mischwald bewirtschaftet, fühlen sich plötzlich wieder auf der Gewinnerseite.

Selbstversorgerin Sioned jedenfalls mahnt alle Besucher zur Umkehr und zum eigenen Garten. Die Anhängerin des Szenarios 2012, demzufolge die globale Wirtschaft in drei Jahren komplett zusammenbricht, sieht auf die Menschen in Europa fundamentale Versorgungsprobleme zukommen. Während Wirtschaftsexperten den nächsten Aufschwung schon greifbar nah sehen, prophezeit Sioned den totalen Niedergang und die Rückkehr zur lokalen Selbstversorgungswirtschaft.

So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen, und Kartoffeln, Lauch, Kohl...

1 Kommentar:

  1. So soll es sein,wenn man denn moechte :-)

    Genau dieses Prinzip fuehren wir auf www.autark365.eu mit ca. 3000 Helfern durch. Moeglichst autark in/fuer 365 Tage - jeder nach seinem gusto - wie er/sie moechte.

    Dazu brauchen wir kein Crashszenario - Untergangsprophezeiungen gibts leider jeden Monat neu !

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