Freitag, 1. Mai 2009

Das alte Irland feiert Beltane,
das neue Irland geht zur Arbeit


Was den Deutschen die Freinacht, Walpurgisnacht und der Maifeiertag, das ist den Iren Beltane oder Bealtaine: eine fast vergessene Tradition, ein Fest, dessen Wurzeln viele nicht mehr kennen. Beltane, wichtiger Fixpunkt im keltischen Jahreskreis, markierte den Übergang zur hellen und warmen Jahreszeit und wurde auch als "erster Tag im Sommer" bezeichnet. Davon ist im nasskühlen irischen Frühjahr 2009 genauso wenig zu spüren wie vom Maifeiertag, der heute als ganz normaler Arbeits- und Schultag über die Bühne geht (Stattdessen feiert Irland am Montag den May Bank Holiday).

Im alten Volksglauben lebt der Mythos des keltischen Fruchtbarkeits- und Feuerfests fort. An Beltaine wurden demzufolge die Winterfeuer ausgetreten und neue Sommerfeuer angezündet, der Sommer wurde mit Tänzen und Übergangsriten begrüßt. Ganz genaues weiß man nicht und vieles ist schlichte Folklore; doch geheimnisvolle Geschichten ranken sich in großer Zahl um die keltisch-irischen Maifeiern.

In enger Verbindung mit Beltane steht der Weißdorn (Hawthorn, Crataegus, unser Foto). Der auch Maibusch und Feendorn genannte kleine Baum, der bevorzugt entlang von Grundsrückgrenzen gepflanzt wird, beginnt gerade zu blühen. Im Gegensatz zum Frühblüher Schwarzdorn entwickelt der Weißdorn erst seine Blätter und dann die schönen aber ungeliebten weißen Blüten, die irischen "Blumen des Bösen".

Im alten Irland begegneten die Menschen dem Weißdorn mit einer Mischung aus Furcht und Respekt. Als Hort der Feen und anderer "little people" wurden dem dornigen Baum ("Christus-Dorn") magische Kräfte zugewiesen. So war in West Cork auf dem geraden Weg ins Verderben, wer blühende Weißdornzweige ins Haus brachte. Auch war es verpönt, seine Kinder mit dem vermeintlichen Todbringer Weißdorn zu schlagen - dazu nahm Dad lieber Weide oder Hasel.

Noch heute findet man den Weißdorn in Feenkreisen, wo Anhänger der alten Lehre ihn an Beltane mit bunten Stoffetzen schmücken und ihn als Träger der Hoffnung verehren. Auch an den Heiligen Quellen der Christen stehen meist Weißdornbüsche und -Bäume. Und manchmal findet man unter einem alten Weißdorn-Solitär tatsächlich noch Gegenstände wie Talismänner oder Münzen – Geschenke an die Geistwesen und Feen, um diese gewogen zu stimmen.

Ob dies tatsächlich funktioniert, wissen wir nicht. Nachgewiesen ist allerdings die positive Wirkung des Weißdorns in der Medizin als herzstärkendes Tonikum. Die Pyocyanidine und Flavanoide des Crataegus fördern die Durchblutung des Herzmuskels, steigern die Herzleistung und kräftigen den Kreislauf.


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