Dienstag, 14. Juli 2009

Ein Schloss in tiefem Projektschlaf

Sie erinnern sich vielleicht an unsere Irland-Geschichte aus dem April: "Dunboy Castle Hotel. Willkommen im Haus Größenwahn". Die 50-Millionen-Hotel-Ruine auf der Beara Peninsula fungiert heute als Beton gewordenes Symbol des keltischen Tigerwahnsinns. Nur 30 Autominuten östlich schlummert derweil das alte Schloss von Glengarriff in tiefem Projektschlaf.

Auch "Glengarriff Castle", zwei Kilometer außerhalb des gleichnamigen Örtchens direkt an der Bucht von Bantry gelegen, sollte vor fünf Jahren noch der ganz große Tourismus-Knaller werden: Vier-Sterne-Hotel mit 94 Zimmern, tolle Shops, 18 Luxus-Appartments (Modellfoto oben) dazu. Fünf örtliche Geschäftsleute mit besten Drähten in die Politik brachten jeweils 15 Prozent an den 86 Acres historischen Bodens und an der alten Schlossruine aus dem frühen 19. Jahrhundert in ihren Besitz. Sie drückten gegen allerlei Widerstand eine Baugenehmigung durch.

Doch dann kehrte Ruhe ein auf dem Schlossareal, das ohne Übertreibung als einer der schönsten verwilderten Gärten in Südwestirland bezeichnet werden kann. Das Schloss stammt aus dem Jahr 1801: Colonel Simon White, der Bruder von Lord Bantry, und seine Frau Sarah bauten es mit Hilfe vieler irischer Hände und legten einen prächtigen Landschaftspark an, auf den selbst der preußische Lebemann Fürst Pückler-Muskau (der mit dem Eis...) erhabenste Loblieder sang.

Warum wurde aus "Glengarriff Castle" eigentlich kein zweites "Dunboy"? Die sechs Eigentümer warfen ihre "Gelddruckmaschine" offensichtlich ein wenig zu spät an und scheiterten bei der Suche nach Investoren, die ihnen erst einmal 30 Millionen Euro für das Grundstück bezahlt und dann das Hotel gebaut hätten. Der Traum vom ganz großen Geld erfüllte sich nicht und muss nun wohl für ein paar Jahre dem realistischen Wachzustand weichen. Inzwischen wird das Castle-Areal von Maklern für "nur" noch 20 Millionen Euro angeboten, auch dies scheint angesichts der wirtschaftlichen Lage in Irland ein reiner Phantasiepreis.


Die fünf geschäftssüchtigen Iren hatten das Schloss vor ein paar Jahren einem Deutschen abgekauft: Der hatte das Areal in den 80-ern günstig mit Masse aus dem Familienerbe erstanden, nachdem das Schloss-Hotel seinen Betrieb einstellte – und er ruinierte das Anwesen. Johann B. gilt heute als der Mann, der das Schloss herunterwirtschaftete. Er deckte das Dach ab, zerstörte den Dachstuhl, die Inneneinrichtung und sägte die wertvollen Bäume im Park im Dutzend um. Später tauschte der Schlossherr seine Unterkunft vorübergehend gegen eine Zelle in einem asiatischen Knast, um am Ende nach Deutschland in den Schoß der Familie zurückzukehren. Wie es ihm geht? Wir wissen es nicht. Finanziell jedenfalls hat er noch ein kleines Polster in Irland: 25 Prozent von Glengarriff Castle blieben bis heute in seinem Besitz.

Das 208 Jahre alte Glengarriff Castle könnte, als Landschaftspark mit restaurierter Schlossruine, neben Garinish Island zum Wahrzeichen der Region werden – wenn es historisch nicht zu englisch und als Spekulationsobjekt zu wertvoll wäre.

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