Dienstag, 21. Juli 2009

Irland Update:
Asche, Schulden, Bock und Gärtner

Die Früchte einer unglücklichen Jugend. Frank McCourt, der Englischlehrer aus Irland, der in New York lehrte, kam spät zu literarischem Weltruhm. Erst nach seiner Pensionierung, mit 66 Jahren, konzentrierte sich der in den USA geborene Ire auf das Schreiben von Romanen und landete mit "Die Asche meiner Mutter" (Angela´s Ashes) einen Welt-Bestseller. Er beschrieb darin seine eigene von Armut geprägte Kindheit in Limerick. Frank McCourt starb 78-jährig in seiner Heimat New York. Friede auch seiner Asche.

Die Zeche der wüsten Bau-Party. Die Pegel steigen, die Ratten kriechen aus den überlaufenden Kanälen, und die gefallenen Masters of the Irish Builder´s Universe suchen reihenweise Schutz vor Ihren Gläubigern. Die Bauunternehmen und Bauträgerfirmen, die das Land in maßloser Gier zehn Jahre lang umpflügten und aus Ackerland und Altstädten Milliarden machten, sie wollen nun gerettet werden. Das implodierte Imperium des wegen seiner zurückgezogenen Lebensweise "Shycoon" genannten Liam Caroll (er baute tausende Wohnungen in Dublin) soll bei den Banken mit 1,2 Milliarden Euro in den Miesen zu stehen: Die Giertruppe von John Fleming aus West Cork (Inchydoney Spa; Sheraton Hotel, Fota; Radisson Hotel, Limerick) bringt es nun auch auf eine Milliarde. Während der Kollege John O´Dolan aus Galway, der das Immobilien-Monopoly Schlossallee-versessen selbst in Dubai spielte, die feige Hintertür nahm, um den Gläubigern zu entkommen, hoffen Carroll, Fleming und Konsorten noch, ihre Köpfe retten zu können und beantragten Gläubigerschutz beim High Court.

Ja wer schnippelt denn da? Der stets glänzend informierte Fintan O´Toole macht uns heute in der Irish Times darauf aufmerksam, wer da in der umstrittenen Kürzungs-Kommission zur Sanierung der Staatsfinanzen, vulgo "Board Snip", eigentlich tätig ist. O´Toole kommentiert, dass die Regierung den Bock zum Gärtner gemacht hat, und dass die fünf Mitglieder der Spar-Kommission genau die Kreise repräsentieren, die uns die irische Version der Finanzkrise eingebrockt haben: zwei Ex-Zentral-Bänker, ein Steuervermeidungs-Experte, ein Ex-Finanzdienstleistungs-Lobbyist, der heute in Hedge Fonds macht, sowie eine zentrale Figur aus dem Finanzministerium. Diese Leute haben die drastischen Kürzungsvorschläge gemacht, die derzeit hohe Wellen in Irland schlagen. Fintan O´Toole erklärt nun, warum es die Kommission einseitig auf den öffentlichen Dienst und die Staatsausgaben (zum Beispiel die Sozialhilfe) abgesehen hat – und warum Unternehmenssteuern, Steuerschlupflöcher oder Konjunkturprogramme für die kleinen Leute im Board Snip-Entwurf des anstehenden Streichkonzerts gar nicht vorkommen. Alles klar?

Unterwegs auf Irlands Inseln. Wer Foto-Tags lesen kann (und wer kann das nicht...), der wusste schnell Bescheid. Die Kommentatoren unseres gestrigen Posts "Unterwegs auf Irlands Inseln" sind jedoch vorrangig Irland-Experten. Sie haben sofort erkannt: Wir wanderten auf Whiddy Island in der Bantry Bay. Demnächst einmal mehr zu der historisch interessanten Insel, die heute fast ausschließlich mit dem Tankerunglück vom 8. Januar 1979 in Verbindung gebracht wird (Die Explosion der Betelgeuse forderte damals 50 Todesopfer). Whiddy hat sicherlich mehr zu bieten als Phantasien für Katastrophenfans und Pilgerfahrten für Hinterbliebene.

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