Sonntag, 19. Juli 2009

Wir tragen Irland nach Europa

Acht Promille, oder 0,8 Prozent: das ist der Anteil der Iren an der Bevölkerung im "Europa der 27 Länder". Vier Millionen Iren (und davon nur die Wahlberechtigten) bestimmen am 2. Oktober wesentlich über die Existenz von einer halben Milliarde Menschen in Europa, wenn sie abermals über eine EU-Verfassung, die nicht so genannt werden darf, abstimmen. Die Aufmerksamkeit, die unserer kleinen Insel an der Peripherie Europas durch die erneute Volksbefragung zuteil wird, erscheint unangemessen. Manche meinen, hier wedelt der Schwanz mit dem Hund, und man wird den Eindruck nicht los, dass das proeuropäische "Rest-Europa" den Iren dieses ersehnte Ja zum Reformvertrag um fast jeden Preis mit Puderzucker und jeder Menge Sonderrechten abkaufen will.

Zuckerbrot servierte selbst die deutsche Bundeskanzlerin, die wiederholt gen Westen flötete (und flöten ließ), Irland könne nur als EU-Mitglied finanziell überleben und werde notfalls auch finanziell von der starken EU-Mitgliedern unterstützt, heißt: vor dem drohenden Staatsbankrott bewahrt. Mal anders formuliert: Deutsche Steuerzahler sollen nun für die Riesensause blechen, die ein keltisches Völkchen im kollektiven Rausch zehn Jahre lang gefeiert hat, ohne den geringsten Gedanken an den nächsten Morgen zu verschwenden.

Dass Regierungen ihre Projekte gerne elitär am eigenen Volk vorbei verfolgen und dass die Völker die Signale von oben nicht immer hören wollen, belegte nicht nur das Nein der Iren bei der ersten Volksabstimmung zum EU-Vertrag im vergangenen Jahr. Auch eine aktuelle repräsentative Umfrage des anglophilen Berliner Think Tanks "Institut für Unternehmerische Freiheit" offenbart, was "die Menschen an der Basis so denken": 71 Prozent der Deutschen sind nämlich strikt dagegen, Irland mit Finanzspritzen aus deutschen Steuergeldern aus der Patsche zu helfen. Die Verweigerungshaltung zieht sich quer durch alle politischen Lager; allenfalls bei Anhängern der "Grünen" ist die Ablehnung gegen die "Grüne Hilfe" mit 54,6 Prozent nicht vollends eindeutig ausgeprägt.

Keine guten Gaben für die Grüne Insel also? Kein deutsches Alka-Seltzer für den irischen Massenkater? Die ganze Sache riecht äußerst unangenehm, und dennoch: Der Atlantik ist zu breit, Amerika zu weit, um die Insel der Neuen Welt zuzuschlagen. Zudem, so schlagen Wohlgesonnene vor, muss berücksichtigt werden, dass "Staat machen" gar nicht so einfach ist und geübt werden muss. Immerhin hatte Irland erstmals in der jungen, nur knapp 90-jähirgen Geschichte, selber Wohlstand zu verwalten. Möglich also, dass die irische Regierung und ihre Stimmbürger das wirtschaftlich-gesellschaftliche Schlamassel nicht aus bösartiger Gier sondern aus jugendlichem Übereifer und pubertärer Überforderung angerichtet haben. In diesem Sinne: Erziehungsbeihilfe statt Bailout für Ja-Sager.

Das Foto stammt von der NASA. Es zeigt eine neue Höhenkarte Westeuropas. Die Karte der gesamten Welt im Höhenrelief kann hier kostenlos geladen werden. Zu den Farben der Karte: In this colorized version, low elevations are purple, medium elevations are greens and yellows, and high elevations are orange, red and white.

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