Donnerstag, 6. August 2009

(Kein) Licht am Ende des Tunnels

Der Vor-dem-Frühstücks-Blick in die Medien Irlands verrät keine Geheimnisse. Ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt im Land ist nicht abzusehen, es gibt kein Licht am Ende des Tunnels.*** Das Loch im Staatsbudget ist Ende Juli schon wieder eine halbe Milliarde Euro größer als es die vom Finanzminister mehrfach nach-verschlechterte Prognose wissen will. Pro Tag werden derzeit etwa 200 Menschen auf der Insel zusätzlich arbeitslos, im Juli waren es über 6350 "neue". Zwei große Banken des Landes (AIB und Bank of Scotland in Ireland) schreiben 3,6 Milliarden Euro an faulen Immobilienkrediten ab.

Die Regierung hat derweil ihre Stimmenmehrheit im Parlament eingebüßt, nachdem gestern zwei Fianna-Fáil-Parlamantarier aus Protest gegen die Schließung einer Krebsstation im Krankenhaus von Sligo ihren Austritt aus der Regierungspartei erklärt haben. Der lange Abschied der Regierung Cowen von der Macht nähert sich ganz allmählich dem Ende. Was aber kommt dann?

Und die gute Nachricht? Es werde Licht. Gleich dreimal:

:: Licht an: Am vergangenen Wochenende hat EirGrid, der Betreiber des irischen Stromnetzes, einen neuen Rekord registriert: Zeitweise wurden bis zu 39 Prozent des Strombedarfs durch Windenergie abgedeckt. Die irischen windfarmen produzierten vergangenen Freitag beispielsweise 999 Megawatt – genug, um 650.000 Haushalte zu versorgen. Die Regierung will den Anteil an erneuerbarer Energie an der Stromversorgung bis zum Jahr 2020 stabil auf 40 Prozent ausbauen. Das dürfte leicht gelingen, da alleine die Windfarm-Kapazitäten in den kommenden Jahren vervierfacht werden sollen.

:: Silberstreif am Tourismus-Horizont: Die Haupt-Urlaubswoche des Jahres beschert den Feriengebieten Irlands Legionen von Gästen und gute Einnahmen. Orte wie Killarney und Kenmare sind in diesen Tagen nach dem Bank Holiday Wochenende nur zu genießen, wenn man Menschenmassen und dichtes Gedränge in Shops und Straßen mag. Im irischen Südwesten dominiert derzeit ein Sprachgemisch aus viel schlechtem Englisch (was auf zahlreiche irische Inlands-Urlauber schließen lässt) und beachtlich viel Deutsch. Teutonien macht offensichtlich unverdrossen Urlaub in Irland, während Amis und Poms die unvorteilhaften Wechselkurse auf Balkonien in Norfolk, Virginia, und in Swindon, Wilthshire, verfluchen.
Urlauber-Fotomotiv Kenmare River, alte Brücke am Ende der Bucht.

:: Stimmungsvolles Licht: Das Wetter hat sich gebessert. Schönwetterwolken und Hochdruck kreieren das typisch intensive irische Licht mit den satten Farben. Die Temperaturen darf man als frühlingshaft bezeichnen. Und ab dem 16. August, so raunen sich die Inselbewohner derzeit zu, wird sich ein super-stabiles Hoch über der Insel festsetzen und für mindestens drei Wochen Sommer-Sonnen-Superwetter sorgen. Woher die Leute das wissen? Sie wissen es natürlich nicht, doch sie beschwören den Wettergott nun kollektiv, indem sie die Worte selbsternannter Wetterpropheten gebetmühlenartig wiederholen. Was würde unser wetterforschender Nachbar Stefan dazu sagen? "Unseriös das ganze Gerede, aber das gute Wetter würden wir schon nehmen."



*** Stimmt, das Sprachbild vom Licht ist ganz schön abgegriffen, doch das Foto vom Turner-Tunnel auf der County-Grenze zwischen Kerry und Cork muss heute sein. Als tröstenden Ausgleich für die Schwach-Metapher ein schönes Bonmot aus dem Irlandforum, das Mitglied Midori in der Signatur ihrer Nachrichten trägt und das die Situation im Land ganz gut aufs Korn nimmt: "Aufgrund der allseitigen Kürzungen wird das Licht am Ende des Tunnels nun abgeschaltet".

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