Mittwoch, 26. August 2009

Keine Zukunft für das Irish Pub?

Ob die Wirte Irlands wohl zu den Gewinnern der großen Wirtschaftskrise gehören würden, hatten wir im Dezember auf dem Irland Blog gefragt. Immerhin reimte schon Wilhelm Busch in der Frommen Helene: "Es ist bekannt von altersher, wer Sorgen hat, hat auch Likör". Sorgen haben derzeit viele Menschen auf der Insel, doch möglicherweise nehmen sie ihre vermeintliche Medizin inzwischen bevorzugt zuhause ein. Warum sonst hätte der Verband der irischen Pubs (außerhalb Dublins) gestern einen derart dramatischen Appell abgesetzt: "Rettet das Irish Pub" skandiert die Wirte-Lobby "Vintners Federation of Ireland" (VFI) und ruft ungeniert nach Staatshilfen.

Die Wirte machen geltend, dass seit Jahresbeginn im ländlichen Irland ein besorgniserregendes Pub-Sterben eingesetzt habe, das sich nach der Urlaubssaison noch verschärfen würde. Einer Umfrage zufolge berichten über 80 Prozent der befragten Wirte im Jahresvergleich über Umsatzeinbußen in der Hauptferienzeit dieses Sommers. 5000 Pub-Arbeitsplätze sieht der VFI bereits verloren und fordert deshalb ein staatliches Beshäftigungsprogramm, den Verzicht auf die geplante Absenkung der Promillegrenze von 0,8 auf 0,5 sowie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Getränke und der Wassergebühren.

Das Gejammer über den Niedergang des Pubs gibt es natürlich schon lange. Heute allerdings ist ein Pub mit Schanklizenz, traditionell die Lizenz zum Gelddrucken, schon für den Preis eines Appartements zu haben. Der lange Abstieg des Pubs begann in den 70er Jahren, als das Fernsehgerät in der Bar und in allen Wohnungen Einzug hielt. Seitdem hat sich der irische Lebensstil dramatisch verändert, die Leute sind abends genauso müde vom hektischen Arbeitsalltag wie andernorts in Europa, sie können vergleichsweise preiswerteren Alkohol in Supermärkten und vielen Off-License-Geschäften kaufen und genehmigen sich ihren Absacker lieber zuhause. Dass die Leute selbst am Wochenende oft nicht mehr ins Pub strömen, besorgt viele Wirte umso mehr.

Als Nachrichtenbörse, Heiratsmarkt und Lebensmittelladen hat das Pub ohnedies lange ausgedient. Dazu kam im April 2004 das erste Rauchverbot in ganz Europa; und seit ein, zwei Jahren überzieht die Polizei auch die ländlichen Straßen regelmäßig mit Alkoholkontrollen. Vorbei die Zeiten, als John und Mary ihre Halbwüchsigen am Freitagabend in den Jugendclub fuhren und die zwei Stunden Wartezeit bis zum Abholen mit zwei, drei Pints überbrückten.

Das Pub - eine Institution nur noch für Urlauber?

Auch am anderen Ende der Service-Industrie wird Gegenwind für das Irische Pub erzeugt: Viele Iren bevorzugen längst einen Abend im feinen Speiserestaurant und blicken eher verächtlich auf "die primitive Kneipe" mit allenfalls spartanischem Barfood-Angebot. Der Restaurantkritiker John McKenna haut genau in diese Kerbe: "Unsere Pub-Kultur liegt im Sterben, die Ära des Public House in Irland geht zu Ende, die Ära des Qualitäts-Restaurants hat begonnen". Der Autor des Bridgestone-Restaurantführers macht den Lifestyle-Wandel der Iren dafür verantwortlich, andererseits aber auch das Versagen der Pub-Wirte, sich an die neuen Zeiten anzupassen. Der scharfzüngige Mckenna ließ sich im Januar von der Irish Times mit einem Abgesang auf die klassische irische Institution der Geselligkeit zitieren: "Service ist ein Fremdwort im irischen Pub und deswegen ist das Pub-Konzept am Ende."

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Is there a future for the Irish pub? The Vintners Federation of Ireland (VFI) has started a campaign "Save the Irish pub" and is looking for the helping hand of the government. Grants for workers, a reduction of VAT and less püressure on drink drivers are the main points on the wish-list of the publicans. Obviously many rural pubs have closed down in the past months and VFI warns there is more bad news to come.
The decline of pub culture has actually begun three decades ago on the brink of the age of television, wealth and modern lifestyle. Today many Irish prefer to buy at the off-license, to drink at home or to visit a nice restaurant instead. Some say, the pubs have missed out on adapting to the changes of the times and lack of service is the main reason for the end of the pub age. What do you think?

1 Kommentar:

  1. Das scheint eine konsequente Entwicklung zu sein. In England ist das schon seit gut 2 Jahren zu beobachten. Dort allerdings geht es noch härter zu: Asiatische Investoren kaufen die kleinen Familienpubs und gestalten die zu Sportsbars um. Bei den bisher hohen Kaufpreisen hatten die ansässigen Familienbetriebe kaum eine Chance, einen Pub wirklich käuflich zu erwerben. Das alles erinnert an Schlecker in Deutschland: hauptsache, ein Standort ist mit unserer Marke belegt. Egal, was danach passiert. Aber ich bin mir sicher, dass sich diese Entwicklung auch wieder umkehrt. Denn die funktioniert nur, wenn die Preise steigen. Das tun sie derzeit nicht. Und deshalb werden auch die Pubs in Irland sich wieder berappeln. Ob Service oder nicht - es bleibt ein Wohnzimmer der Iren (vielleicht nicht mehr allein das, aber doch eines).

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