Donnerstag, 10. September 2009

"Ein Teil der irischen Kultur"
"Drinking - Part of Irish Culture"

















Irland ist um seine Jugend stets besorgt.

Das weiß man aus Sonntagsreden, staatlich finanzierten Hochglanzbroschüren und aus einschlägigen Gesetzestexten. Jugendliche unter 18 Jahren dürfen in Irland laut Gesetz keinen Alkohol kaufen. Jugendliche unter 18 Jahren dürfen in Irland laut Gesetz in der Öffentlichkeit, auf Straßen und Plätzen keinen Alkohol trinken. Gemäß einem Gesetz aus dem Jahr 2008 kann die Polizei Jugendlichen unter 18 Jahren nun auch die alkoholischen Getränke abnehmen, wenn der Verdacht besteht, dass die Minderjährigen den Alkohol in der Öffentlichkeit trinken.

55.500 Schüler haben gestern in Irland die Ergebnisse ihrer Junior-Certificate-Prüfungen erhalten und anschließend bis spät in die Nacht gefeiert. Der erste Schulabschluß im Leben gilt für die 15- und 16jährigen Absolventen als triftiger Grund, im Sinne eines Initiationsritus richtig Party zu machen und es krachen zu lassen.

In vielen Städten Irland kam es gestern traditionell zu wilden Junior-Cert-Saufgelagen (in Deutschland in der Extremform auch bekannt als "Koma-Saufen"), in diesem Jahr aufgrund des guten Wetters bevorzugt unter freiem Himmel. Beispiel: ein Städtchen in West Cork. Das Jugend-Cafe, das zur Abschlussparty eingeladen hatte, bleib fast menschenleer. Limo und Cola waren wenig gefragt. Der Square im Stadtzentrum indessen geriet zur Partymeile. Bier und Vodka flossen in Strömen. Unter die feiernden Schüler mischten sich stadtbekannte Schluckspechte. Beobachter sprachen von einem Massenbesäufnis. Das Resultat: Prügeleien und Zerstörungen. Eine kaputte Telefonzelle, ein beschädigtes Tourismus-Informations-Display, viele zerstörte graue Zellen in jungen Köpfen. Und die Polizei drehte uninspiriert ihre Runden mit dem Streifenwagen um den Platz herum, ohne einzugreifen.

Fragt man irische Eltern, warum das so ist, hört man bevorzugt diese Antworten:

1. Das ist halt Teil der irischen Kultur.

2. Was willst Du dagegen machen, dagegen kannst Du nicht ankommen.

3. Wenn die Polizei die öffentlichen Gelage polizeilich unterdrückt, gehen sie andernorts unkontrolliert und noch heftiger weiter.

Es lebe der Jugend-Alkoholismus auf der Insel. Wir fragen den Leiter der örtlichen Sekundarschule, Denis O´S.: Muss diese Art von Jugend-"Kultur" wirklich akzeptiert werden? Ist die irische Gesellschaft ihrer Zukunft, ihren jungen Leuten, nicht ein bisschen mehr schuldig als ein paar faule Ausreden? Wir hoffen auf eine inspirierende Antwort.

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Ireland cares for its young people, for its future. This is the law.

Buy alcohol

  • Age 18 – if under 18 you must be accompanied by a parent in an off-licence. You may only remain on a licensed premises up to 9pm (10pm from May-September) if accompanied by a parent. If aged between 15-17 years you may remain on the premises after 9pm when attending a private function at which a substantial meal is being served.

Drink alcohol

  • Age 18 – if you are under 18 you can drink alcohol in a private residence, providing you have parental consent

Drinking in public

Under the Criminal Justice (Public Order) Act 1994, it is an offence for you to be so drunk in a public place that you could reasonably be presumed to be a danger to yourself or to anyone around you. If found guilty of this offence, you could be fined €500 and a member of the Garda Siochana can confiscate any alcohol you may be carrying.

It is illegal for a licence holder to sell alcohol in a closed container (i.e., can or bottle) for consumption off the premises in a place 100 metres from the premises. If you purchase alcohol in this way, you can be fined €300 by the Gardai.

While there is no national legislation prohibiting drinking in public, each local authority area is entitled to pass bye-laws prohibiting the consumption of alcohol in a public place. Contact your local authority to find out about these bye-laws in your area.

Under the Intoxicating Liquor Act 2008 the Gardaí have the power to seize alcohol in the possession of a child under 18 years of age where the Gardaí have reasonable cause to believe that the alcohol will be consumed by a child under 18 years in a public place.


And this is reality

55.500 students got their results for their junior certificates yesterday. In many irish towns and cities students were partying and celebrating from midday to midnight. Most of these parties were just fine. But many others degenerated into drink orgies with plenty of booze and plenty of drunk young girls and boys aged 15 or 16. Take this town in West Cork: party goers stayed away from the local youth café and preferred the town square as their party zone where many of the students drank alcohol, many heavyly: beer, wodka, more – resulting in a drinking bout, in brawls, vandalism and many dead brain cells. Gardai policing round the square did not interfere.

Asking parents why this is as it is, they would reply: "That is part of the Irish culture" or "There is nothing you can do, it is a loosing battle" or "If the Garda makes them stop they go somewhere else where they can´t be controlled."

Stop. Cop-out, lame excuse. We ask D.O´P., principal of the local secondary school: What else than these verbal excuses has Irish society to offer its young people? Nothing beyond the poor standard phrase of drink as part of Irish culture? Hopefully not. Let´s hope for an inspirational answer.

Kommentare:

  1. Das Saufen ist ein höchst bedauerliches Problem in Irland, eigentlich auf den ganzen britischen Inseln. So lange aber Whiskey und Guinness überall völlig offiziell als Teile der irischen Kultur gefeiert werden; solange die Tourismus-Behörden gerade mit den "stimmungsvollen" Pubs werben und Brennerei- und Brauerei-Touren anbieten; solange möglichst viele Morgenkater bei einigen Touris als "erfolgreicher Irland-Urlaub" verbucht werden; solange offensichtliche Langzeit-Alkoholiker als "Originale" bewundert werden; solange unkontrolliertes Trinken als soziales Kavaliersdelikt gilt und die gesundheitlichen, finanziellen und familiären Folgen tabuisiert werden; solange "was vertragen können" (oder auch mal nicht) als Zeichen des Erwachsenseins gilt; solange ist in der ganzen Wahrnehmung (national und international) eine derartige Verzerrung vorhanden, dass ein Umdenken wohl nur schwer möglich ist.

    Wer mag sich schon damit auseinandersetzen, warum so viel getrunken wird und wie Abhilfe zu schaffen wäre? Und wer hätte Lust, als Erwachsener Vorbild zu sein und sein Verhalten selbst zu ändern – vor allem, wenn es schwer fällt? Nicht in den Pub zu gehen, weil man weiß, dass man nicht rechtzeitig aufhören kann, bedeutet in manchen Orten die soziale Isolation. Ein mir bekannter nicht-irischer Künstler, der an der Westküste lebt, hat nach einiger Zeit aufgehört, in den Pub zu gehen, weil es ihm gesundheitlich und finanziell nicht mehr gut tat. Viele Kontakte sind ihm daraufhin verloren gegangen und es hat eine Weile gedauert, ehe er sich einen neuen Freundeskreis aufgebaut hatte. Es geht, und es ist schwer.

    Wie will die Garda bei den Jugendlichen die Gesetze umsetzen und dabei ernst genommen werden, wenn laut Presse ein Großteil der Beamten selbst ein massives Alkoholproblem hat??? Im Dorf weiß doch jeder, wer alkoholmäßig wie drauf ist. Es ginge nur auf die radikale Tour: Alkohol (wie Nikotin) offiziell als Nervengift und Droge bezeichnen und binge drinking als krank, hilfsbedürftig und völlig uncool erkennen – egal ob es Jugendliche betrifft, Erwachsene, die eigenen Eltern, den Pfarrer oder Touristen. Ein erstes, einfaches Mittel wird wohl jetzt in Schottland angedacht: ein Mindestpreis für alkoholische Getränke, der so hoch ist, dass Jugendliche und Geringverdiener sich den nicht mehr leisten können. (http://www.irishtimes.com/newspaper/health/2009/0908/1224254063380.html) Klar, dass die Sprit-Industrie dagegen Sturm läuft...

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  2. Danke, Nicola, für diese klare Analye.
    Die Antwort des Schulleiters fiel übrigens wenig inspirierend aus: Er habe alles getan, was er als Leiter der Schule tun muss, hat sogar die Polizei im Vorfeld informiert; im übrigen seien die Eltern in der Pflicht. Klar.

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