Dienstag, 6. Oktober 2009

Ein Baumpark in Not: Rettet das alte Arboretum von Ardnagashel


Das alte Arboretum von Ardnagashel: Dies ist die wahre Geschichte eines ganz besonderen Ortes in Irland. Dies ist die Geschichte von Bauwahn, Gier und Rücksichtlosigkeit. Dies ist die Geschichte von englischen Bäumen auf irischem Boden. Ist dies eine Geschichte mit Happy End? Ihr Titel heißt: "Rettet das alte Arboretum von Ardnagashel".


Das Townland von Ardnagashel liegt in der Bantry Bay in West Cork, am Meer zwischen Glengarriff und Bantry. Im Jahr 1800 kaufte Arthur Hutchins das 100 Acres große Land (Kaufpreis: 1000 Pfund). Arthur´s Familie war im 17. Jahrhundert aus Südengland und Wales nach Irland gekommen und hatte sich in 150 Jahren auf der Insel etabliert. Die Hutchins waren zu Wohlstand gelangt und zählten zu den mächtigen Familien in West Cork. Arthur Hutchins baute in Ardnagashel ein Herrenhaus im Stil des anglo-irischen Landadels, er legte Gärten an und einen ansehnlichen Baumpark, in dem die Familie Bäume aus dem gesamten Empire, aus Nordamerika, Asien, Australien, Neuseeland und Südamerika pflanzte: Riesige Weißtannen, alte Buchen, Japanische Sicheltannen, Mammutbäme, Kork-Eichen, seltene Kopf-Eiben, rekordverdächtig große Griselinia, Myrten, Nootka-Zypressen und Pittosporum.



Arthur lebte unverheiratet mit seinem Bruder Emmanuel in Ardnagashel House. Auch Schwester Ellen Hutchins (Schattenriss oben) verbrachte Abschnitte ihres nur 30 Jahre währenden Lebens auf dem Familiensitz. Die lungenkranke junge Frau taxierte, dokumentierte und malte in wenigen Jahren vor ihrem Tod 1200 in Bantry Bay wachsende Pflanzen. Diese Arbeit sollte als "Ellen´s List" in die Geschichte der Botanik eingehen, die junge Frau (1785 bis 1815) wurde später als "erste Botanikerin Irlands" gewürdigt. 1839, nach dem Tod von Familienoberhaupt Arthur zog dessen Bruder Samuel nach Ardnagashel und entwickelte es zu voller Pracht.

Die Hutchins galten in den Zeiten der Großen Hungersnot und den Jahrzehnten der irischen Emanzipation als vergleichsweise freundliche und menschliche Großgrundbesitzer. Sie hielten viele Iren in Arbeit, betrieben eine Suppenküche für die Armen und setzten sich in Widerspruch zur englischen Regierung. Samuel machte die Regierung in London verantwortlich für das Elend der Hungersnot in den Jahren 1845 bis 1848, der Millionen Iren zum Opfer fielen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die Hutchins den Großgrundbesitz von Ardnagashel nicht mehr halten. Die Zeiten hatten sich geändert, Irland war unabhängig geworden, Arbeit teuer geworden, die alten Einkommensquellen waren versiegt. Ardnagashel House und der westliche Teil des Estates wurden 1947 an den Abenteurer und Asienreisenden Ronald Kaulback verkauft, in dessen "Ära" im Arboretum zahlreiche seltene Rhododendren und Azaleen gepflanzt wurden, die er selber aus dem Himalaya mitgebracht hatte. Kaulback betrieb im Big House von Ardnagashel ein Sommerhotel mit Restaurant, bevor es 1958 abbrannte und in zwei Phasen durch wesentlich schlichtere Gebäude ersetzt wurde.


Während die Hutchins-Familie 30 Acres des einst zehnmal größeren Besitzes im Osten des Estates für sich retten konnte, wechselte Ardnagashel West in der Folgezeit erneut mehrfach den Besitzer und wurde schließlich zweigeteilt. Das Arboretum mit Haus, Stallungen und hundezwingern gehört heute der Ferienhausgesellschaft "Rent an Irish Cottage" aus Limerick, die widerum eng mit Limericks größtem Immobilienmakler "O´Connor Murphy Gubbins" verbandelt ist. In den alten Stallungen sind heute Ferienwohnungen untergebracht, Ardnagashel House firmiert als "House No 10" als schlichte Ferienhaus (Foto unten) – und dem alten Arboretum droht der Untergang.



Womit wir bei der eigentlichen Geschichte wären.
Im Jahr 2004, auf dem Höhepunkt des irischen Bau-Booms beantragte "Rent an Irish Cottage", die mittlerweile schon über mehr als 500 Ferienhäuser in Irland betrieben, den Bau einer weiteren Ferienhausanlage im alten Arboretum – das ganze nach einem der üblichen Steuersparmodelle und ohne jegliche Rücksicht auf den wertvollen alten Baumbestand. Sie Baulöwen aus Limerick hatten die Rechnung ohne den Ur-Enkel von Gründervater Samuel, Richard Hutchins gemacht. Dieser führte im Alter von damals schon fast 90 Jahren einen erfolgreichen Kampf für den historischen Baumpark. Auf sein Betreiben kam ein Kompromiss zustande, der aus drei wesentlichen Punkten bestand:

1. Das alte Arboretum bleibt unbebaut und unberührt.

2. Die Ferienhausgesellschaft "Rent an Irish Cottage" darf auf der ehemaligen Pferdewiese in der Nachbarschaft acht weitere Ferienhäuser bauen.

3. Die Ferienhausgesellschaft stellt für das alte Arboretum einen Management-und Pflegeplan auf. Sie legt diesen der County-Regierung von Cork vor; sie unterhält und pflegt den alten Baumpark diesem Plan gemäß zunächst für zehn Jahre.

Kämpfte erfolgreich für das Arboretum: Richard Hutchins (94)

Die Baugenehmigung mit Auflagen erteilte die Planungsbehörde des Cork County Council am 19. September 2005.

Die acht Ferienhäuser wurden im Jahr 2006 auf der alten Pferdewiese – auf der übrigens auch der erste Rugby Club von Glengarriff gespielt und trainiert hatte - gebaut. Die Ferienhausgesellschaft aus Limerick, die die Westküste Irlands in den Boomjahren vor dem großen Crash mit zahlreichen monotonen Ferienhausanlagen überzogen hat, hat von ihrem Recht Gebrauch gemacht und die Steuerspar-Siedlung hochgezogen. Die damit verbundenen Pflichten allerdings wurden bis heute nicht einmal im Ansatz erfüllt:

Das alte Arboretum liegt im Dornröschenschlaf und verwildert. Brombeeren, Efeu und tausende Myrten wuchern – der wertvolle alte Baumbestand nimmt unumkehrbaren Schaden. Die alten Spazierwege und Pfade sind längst verschwunden, prächtige Bäume, die zu den ältesten, schönsten und größten in Irland zählen und deshalb in den Rekordlisten von Baum-Gesellschaften als "Champion Trees" registriert sind, sterben langsam ab. Ihnen fehlt Luft und Licht.

Papier ist in Irland noch geduldiger als andernorts auf der Welt, und dass die Behörden die Einhaltung der Baubedingungen kontrollieren und einfordern, kommt in Ausnahmefällen vor. Um die alten Bäume von Ardnagashel jedenfalls hat sich seit 2005 keine Behörde schützend gekümmert – Vorschriften hin, Vorschriften her; und die Immobilien-Löwen von Limerick sind wohl zu sehr mit Geldzählen beschäftigt, um einen Gedanken an ihre Pflichten in Ardnagashel zu verschwenden.

Alle freundlichen Bemühungen der "Freunde des alten Arboretums von Ardnagashel", zusammen mit den Eigentümern ein Konzept zum Erhalt des Baumparks umzusetzen, sind am völligen Desinteresse der Eigentümerfamilie Gubbins und der "Rent an Irish Cottage"-Direktorin Margaret Dillon gescheitert.

Die Freunde von Ardnagashel geben allerdings nicht auf. Sie fragen nun das Cork County Council: Warum wird das Arboretum von Ardnagashel nicht gehegt und gepflegt, wie geltendes Recht es fordert? Warum dürfen die Eigentümer jahrelang ohne Konsequenzen gegen behördliche Auflagen und damit gegen geltendes Recht verstoßen?


Über die Antwort der Planungs- und Baubehörde werden wir berichten. Die Geschichte des Arboretums und eine Dokumentation des wertvollen Baumbestands haben wir im Jahr 2006 anlässlich des Besuchs der "Irish Tree Society" in Ardnagashel in einer Broschüre veröffentlicht, die als PFD-Version hier gefunden werden kann.

Wer sich zwischenzeitlich für den Erhalt des Arboretums, das wir das "Ellen Hutchins-Arboretum" nennen, einsetzen will, kann dies mit Schreiben an die Eigentümer tun:

Rent an Irish Cottage, Direktorin Margaret Dillon: info@rentacottage.ie

Vertreter der Eigentümerfamilie, JC Gubbins: jcgubbins@omgauctioneers.ie


Kommentare:

  1. Was für eine Geschichte ! Ich hoffe, der Aufruf bewirkt etwas!!

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  2. Hallo, ich war diesen Sommer in Irland und habe auf dem Ardnagashelanwesen eine Ferienwohnung gemietet. Die alten Ställe wurden schön umgebaut und bis auf ein paar Dinge, die wir vom Service nicht wie angegeben vorfanden, war das wohnen dort eine angenehme Sache. Das Anwesen und das Arboretum haben mich fasziniert. Ich war hin und weg von der Schönheit und Vielfalt dieser Pflanzen dort. Doch leider muss ich sagen, dass der Park sehr leidet weil er nicht mehr gepflegt wird. Heute weiß ich aus Berichten, dass dort noch viel mehr zu sehen wäre, aber wir haben es schlicht weg nicht mehr gefunden, da alte Wege fehlten und vieles zugewuchert war.Mein Herz habe ich wirklich in diesem Fleckchen Erde verloren und es muss echt etwas unternommen werden, dass dieses kleine Paradies gerettet und immer gepflegt wird, so wie damals im Vertrag auch festgehalten wurde. Doch wie kann man bewirken, dass etwas geschieht? An wenn kann man sich wenden? Von Deutschland aus fühlt man sich eher mahtlos und viel zu weit weg. Ich denke, wenn ich in Irland leben könnte, würde ich dort jeden Tag losziehen und Unkraut entfernen, nur um diesen Park zu retten. Ellen würde sich freuen. Schade, dass kein Verantwortlicher vor Ort, diesem Erbe gerecht wird. Richard hat sein best mögliches getan. Jetzt sind wir dran. Liebe Grüße von Nicole

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