Freitag, 16. Oktober 2009

Warum uns Sonnenuntergänge faszinieren

Der Tag fängt mal wieder mit dem Ende an: Aufgewacht und über Sonnenuntergänge nachgedacht. Warum faszinieren uns Sonnenuntergänge? Warum müssen wir sie ständig fotografieren und uns dann auch noch als kitsch-versessen beschimpfen lassen? Warum ist der Sonnenuntergang eines der liebsten Postkartenmotive des modernen Urlaubers.

Endlich hat jemand das Thema angedacht und lässt an seinem Ergebnis teilhaben: James Hamilton-Paterson erklärt uns heute morgen auf Spiegel Online Einiges über die untergehende Sonne und über uns selbst. Bevor wir sein Fazit zitieren, eine eigene Antwort: Die Beziehung zum Sonnenuntergang wurzelt in denselben archaischen Schichten des Menscheitsbewusstseins wie die Beziehung zum Meer und zu den Berggipfeln: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, wie überleben wir jetzt, warum müssen wir auf Berge steigen, warum ans Meer fahren?

Große Fragen, die an unsere Existenz rühren und die gleichzeitig die Endlichkeit dieser Existzenz thematisieren. Der Untergang der Sonne ist die Metapher für das Ende des Lebens – bei gleichzeitiger Gewissheit, dass es (todsicher) einen nächsten Sonnenaufgang geben wird. In die untergehende Sonne schauen ist Philosophieren ohne Begrifflickeit, ohne Worte, aber mit tiefem Verstehen.


Und hier nun James Hamilton-Patersons Antwort:

« Menschen, die gewohnheitsmäßig Sonnenuntergänge fotografieren oder Postkarten davon verschicken, wollen damit eigentlich sagen: "Hier habt ihr den Beweis! Ich bin ein Mensch, der ein tiefes Empfinden für Natur und die ästhetischen Qualitäten von Naturereignissen hat. Ich habe den Blick eines Malers, denn kein Sonnenuntergang ist dem anderen gleich, ihre Wirkungen verändern sich vielmehr in einem fort. Ich bin aber auch ein nachdenklicher Mensch, denn Bilder von Sonnenuntergängen haben etwas Ruhiges, ja eine spirituelle Qualität.

Und was diese Postkarte angeht, die ich euch schicke: Ihr habt bestimmt bemerkt, dass die aus Thailand/Palau/dem südlichen Pazifik stammt - wie schon die Palmen zeigen! -, was bedeutet, dass ich genug Geld und Muße habe, um für zwei Wochen um die halbe Welt zu gondeln, und außerdem so viel Feingefühl, dass ich euch eben nicht eine Juxkarte mit einer anzüglichen Bildunterschrift schicke oder eine von Eingeborenenmädchen, die Baströcke tragen und irgendeinen 'National Geographic'-Tanz vollführen. Mit anderen Worten: Ich bin ein weit gereister, nachdenklicher, sensibler Mensch mit gutem Geschmack." . . .

Nicht beabsichtigt dürfte die Botschaft sein: "Ich dachte, es schadet dir nichts, daran erinnert zu werden, dass das menschliche Dasein etwas mit Sonnenuntergängen zu tun hat und dass wir uns mit jedem Tag ein Stückchen weiter westwärts bewegen. Drum rate ich dir: Bewahre jeden Sonnenuntergang in deinem Herzen, denn du hast immer weniger Gelegenheiten, noch einen zu erleben. »


Reisende, ein Trip nach Irland lohnt sich auch in der kühleren Jahreszeit. Auf der Insel ist nun die Zeit der spektakulären Sonnuntergänge angebrochen. Für Irlands Südwesten gilt: Sonnenuntergang und Dämmerung machen im Herbst und im Winter, wenn die Sonne direkt im Atlantik abtaucht, deutlich mehr her als im Sommer.

Das Foto zeigt einen Sonnenuntergang über der Beara Pensinula in West Cork.


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