Dienstag, 10. November 2009

Die Müllabfuhr in der Hosentasche

Die Müllabfuhr tragen viele Iren in ihrer Hosentasche mit sich herum: Sie ist preiswert, immer zur Hand und arbeitet scheinbar rückstandsfrei. Die Rede ist vom Feuerzeug. Nach alter Sitte unterscheiden Iren drei Formen der Müllentsorgung: 1. Ab in die Grube hinterm Haus. 2. Ins Meer damit. 3. Feuerzeug dranhalten und verbrennen.

Die vierte und offizielle Variante der Müllentsorgung hat sich gerade in den ländlichen Regionen Irlands noch nicht vollends durchsetzen können. Hohe Müllgebühren und schlechter Entsorgungs-Service halten die Methoden 1 bis 3 weiterhin gut im Rennen.


Beliebt ist vor allem die Feuertonne: Ein altes Ölfass im Garten oder im Hinterhof wird mit Müll gefüllt und angezündet. Ein paar aufgeschichtete Bausteine tuns auch. Die Nachbarn kennen das: Es muss Samstag sein, der Rauch der Verwesung weht durchs Townland. Was soll´s? Nase zu und durch . . .

Nur wenige Spielverderber finden die Feuerzeug-Methode nicht so vorteilhaft. Sie machen mit säuerlicher Miene geltend, dass das Abfackeln von Hauhalts- und Gewerbemüll viele schädliche Abgase produziert – unter anderem das tödliche Seveso-Gift Dioxin. Es sind vor allem deutsche und holländische Meckerer oder englische Reinluftfanatiker, die sich um Seelenfrieden und gesunde Luft gebracht sehen, wenn die Müllerauchschwaden die Lufthoheit ignorieren und durch ihre Reviere wabern. Aber auch zugezogene Stadt-Iren können schon einmal die Nase ob der traditionellen Entsorgungsmethode rümpfen.

Aufgebrachte "Blow-ins" und umweltbewusste Einheimische wissen seit ein paar Jahren zumindest Irlands Umweltbehörde EPA auf ihrer Seite. Die hat ausgerechnet, dass über 50 Prozent der Dioxin-Emmisionen auf der Insel durch "Backyard Burner" verursacht werden – von Menschen, die die Müllgebühren sparen und ihren Abfall im Hinterhof abfackeln. Es kommt deshalb schon einmal vor, dass die EPA mit Hubschrauber-Fahndern auf Umweltfinkenjagd geht und die Müllverbrenner von der Luft aus bekämpft.

Ob die Behörde das verbrannte Hubschrauber-Kerosin in der Umweltbilanz ihrer Einsätze positiv gerechnet bekommt, ist nicht bekannt. Weit verbreitet im Land hat sich allerdings das Wissen, dass die Gefahr, von den EPA-Fahndern erwischt zu werden, äußerst gering ist. Es sei denn, man liegt mit den Nachbarn über Kreuz und die geben den anonymen Judaskuss. Dann kostet die heiße Müllabfuhr ganz schnell ganz viel: bis zu 3000 Euro Strafe oder zwölf Monate Haft.

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