Dienstag, 17. November 2009

In Irland hält der telefonische Lügen-Detektor Einzug


Wenn die Zeiten schlechter werden, Geld und Wohlstand abnehmen, dann bleiben Reaktionen der Menschen meist nicht aus: Manche werden laut und gehen auf die Straße, andere gehen ins Pub und werden laut und unangenehm, wieder andere werden erfinderisch und suchen nach neuen Einkommensquellen. Der Verband der Irischen Versicherungsindustrie klagt deshalb über einen eklatanten Anstieg des Versicherungsbetrugs auf der Insel. Die Lobby der Versicherungskonzerne startete jedenfalls in der vergangenen Woche eine PR-Kampagne gegen den weniger ehrlichen Teil ihrer Klientel, die suggerierte, die Zahl der Betrugsfälle hätte sich innerhalb eines Jahres glatt verdoppelt.

Einen weit drastischeren Weg wählt "Hibernian Aviva" . Statt selber große Worte zu verlieren, untersucht der Versicherungskonzern künftig die Worte derer, die einen Versicherungsfall geltend machen und Geld sehen wollen: Hibernian setzt demnächst schon telefonische Lügen-Detektoren ein. Die als "Voice Stress Monitors" bekannte Computerprogramme werden Kundengespräche am Telefon künftig daraufhin sezieren, ob der Anspruchssteller am anderen Ende der Leitung die Wahrheit sagt: Die Digitalschnüffler analysieren, ob der Kunde überlange Sprechpausen einlegt, ob er lange braucht, um zu antworten, oder ob seine Stimme Symptome von Stress verrät.

Die Telefon-Lügendektoren werden in den USA von Banken und Versicherungen bereits seit einiger Zeit eingesetzt. "Erfolgreich", wie es immer wieder heißt – wobei man sich vorstellen kann, dass auch ehrliche Kunden das Fracksausen bekommen, wenn sie wissen, dass der Lügendetektor gerade mithört und sie auf dem Prüfstand stehen.

Als unschöne Entwicklung empfindet der Wanderer die neue Form der Telefonüberwachung. Wieder einmal wird dem (zugegeben bisweilen unehrlichen) kleinen Mann nachgestellt, während der strukturelle Großbetrug hinter den Glasfassaden der Versicherungskonzerne und Banken ungehindert seinen Lauf nimmt.

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