Donnerstag, 24. Dezember 2009

Irische Weihnachts-Traditionen (Teil 1):
Der Christmas Swim im eiskalten Meer






Wer öffentlich zur Schau stellen will, wie mutig, abgehärtet und taff er (oder sie) ist, sollte sich morgen, am ersten Weihnachtstag, nach der Kirche, um 12:30 Uhr in Glengarriff, County Cork, am Pier einfinden. Der "Christmas Swim" gehört in Glengarriff mittlerweile zu Weihnachten wie die Bescherung für die Kinder. Zehn bis 15 kälteunempfindliche Iren, unterstützt von ein bis zwei Deutschen und genauso vielen Engländern stürzen sich jedes Jahr unter dem johlenden Beifall des vielköpfigen Publikums von der Kaimauer – fünf Meter tief hinunter ins eiskalte Wasser. Super abgehärtete Wassersportler sind über Weihnachten in vielen Teilen Irlands zu bestaunen (mehr dazu weiter unten). 


Der Christmas Swim von Glengarriff, der eigentlich ein Kurz-Triathlon ist (Jump, Swim and wieder Rausklettern), wurde vor mehr als 15 Jahren von einem Mann namens Long John O´Sullivan ins Leben gerufen. Unterstützung bekommt der Lange regelmäßig von Pat O´Shea, dem Betreiber des Sparladens, vom Ortsarzt Jeremy Cotter und Frau Aisling (Kaltbaden ist gesund!) und von ein paar Nachwuchskräften. Die deutschen Farben vertritt würdig einer der ohnehin härtesten Burschen der Region. Stefan (der Mann mit der hellblauen Mütze) schwimmt jeden Tag jahrein, jahraus frühmorgens im Meer und sieht den Weihnachts-Schwimm eher als gemütliches Späßchen.



Warum sich Leute im Winter in kaltes Wasser stürzen? Viel Geld zum Unterhalt von Schulen, Sporthallen oder Gemeindehäusern, wird in Irland bei Charity-Veranstaltungen gesammelt. Die einen schwimmen und lassen sich feiern, die anderen schauen zu, zahlen für die Gaudi und bekommen noch einen heißen Whiskey obendrauf. Die Einnahmen fließen auf das Konto zum Unterhalt der Gemeindehalle, von der fast jeder im Ort profitiert. Das ist Weihnachten in Irland - am Ende gibt es nur Gewinner.


Auch in Dingle wird geschwommen


Gast-Autorin Nicola hat die mutigen Weihnachtsschwimmer, die nun vielerorts für einen guten Zweck ins Wasser gehen, an ihrem Lieblingsort in Irland, auf der Dingle Peninsula, beoabachtet. Nicola machte sich Gedanken, wie man und frau diese Mutprobe möglichst schadlos überstehen. Hier ihr Bericht: 



"Wie an vielen anderen Küsten auch, fühlen auf der Dingle-Halbinsel um die Jahreswende herum manche Menschen den unwiderstehlichen Drang, sich in kaltes Winter-Atlantikwasser zu stürzen (und auch wieder herauszukommen). Diese Neigung ist mir völlig fremd, übt aber eine gewisse Faszination auf mich aus. Immerhin gehe ich ja auch in die Sauna, wo ist da der Unterschied, könnte man fragen. Ich würde antworten: Es ist ein großer Unterschied, ob ich aus 90 °C Hitze in 10 °C kaltes Wasser im sogenannten Eisbecken springe, oder ob ich mich aus einer kalten Umgebung in ein kaltes Wasser bewege, dessen Oberfläche meinen Körper erst nach und nach bedeckt. Plus kalter, nasser Boden und kalter Wind und kalte Spritzer  vorab . . .

Die Leute von Dingle beleben auch dieses Jahr ihre "coolste Weihnachtstradition" und zelebrieren ihren Christmas Day Swim am ersten Feiertag am Strand von Beenbawn, an der Ausfahrt des Dingle Harbour. Die Wassertemperatur dürfte tatsächlich unter zehn Grad liegen, aber es werden wieder "large crowds" erwartet - genaue Zahlen liegen nicht vor. Natürlich wird der Startschuss nicht vor halb eins gegeben, damit die Kirchgänger/innen keinen Stress bekommen, und hinterher gibt es eine heiße Suppe. Bei der Gelegenheit wird auch Geld für einen guten Zweck gesammelt, dieses Jahr fiel die Wahl auf Autism Ireland. Würde ich in der Nähe leben, würde ich mir das sicher anschauen...


Falls jemand Lust hat, am heimischen Strand oder Flussufer ein ähnlich cooles Erlebnis durchzuführen, hier die einschlägigen Tipps der Veranstalter:


:: In den Stunden vorher viel dicke Kleidung tragen, um den Körper richtig aufzuheizen.


:: Eine Stunde vorher etwas warmes Zuckerwasser trinken.


:: Mütze und Handschuhe mitbringen, besonders für hinterher.


:: Möglichst wenig mit nassem Sand und kalten Steinen in Berührung kommen, so lange wie möglich auf einem Handtuch stehen.


:: Die Kleider erst im letzten Moment ablegen.


:: Nach dem Verlassen des Wassers von oben nach unten anziehen (zuerst die Mütze auf), und die Füße auf etwas Trockenes stellen. 


:: Für Kinder: warme Kleidung und warme Getränke, wie heißen Fruchtsaft. Kinder haben wenig Temperaturgefühl und merken nicht, wenn sie kalt werden, daher gut darauf achten, dass sie es den Rest des Tages richtig warm haben. 




Ein Gläschen Hot Whiskey nach dem Bad – und man fühlt sich warm. Die perfekte - und gar nicht gesunde Illusion, wie uns die Ärzte versichern. 


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