Sonntag, 6. Dezember 2009

Irland - ein Schiff ohne Kapitän. Es ist die Zeit der Leichtmatrosen.


Politik ist kein Zuckerschlecken in diesen Monaten in Irland. Vor allem nicht für die Regierung: Selten hat man einen Regierungschef derart in Miskredit gesehen wie derzeit den irischen Ministerpräsidenten Brian Cowen. Das ganze Land lästert über diesen Taoiseach, die Menschen fluchen, sie machen sich lustig, sie verhöhnen den Mann aus Offaly – die Rede ist vom schwächsten irischen Ministerpräsidenten, die das junge Land je hatte. Dem Mann, der sogar die Gummistiefel vergisst, wenn er die überfluteten Gebiete seines Landes besucht, wird die vollkommene Führungsschwäche nachgesagt. Und doch: Brian Cowen "regiert" noch immer.

Das Land dümpelt in der schwersten Krise seit der Unabhängigkeit in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, doch was immer diese Regierung anfassst: Sie scheint die schwierige Lage noch zu verschlimmern. Ein Rettungskonzept ist nicht in Sicht. Nirgends.

Den Vogel abgeschossen hat nun ein Kommentator der Corker Straßenzeitung "Evening Echo", als er schrieb: "Mittlerweile kommen mir Zweifel, ob Brian Cowen - politisch gesprochen - auch nur seine Schuhe binden kann." Starker Tobak, und doch: Kommentator Cathal McCarthy schreibt, was viele denken. Dieses führungslos dümpelende Schiff Irland braucht dringend einen fähigen Kapitän und hat doch nur einen (schwergewichtigen) Leichtmatrosen an der Spitze. Wer aber ist die Alternative?

Warum gibt es keinen Regierungswechsel, obwohl die Opposition beste Umfragewerte hat und die der Regierung und ihrer Akteuere im tiefsten Keller verharren? Obwohl die Menschen im Land den Wechsel wollen? Es scheint, dass Irland vor einem viel grundlegenderen Wechsel steht als dem zwischen der regierenden Fianna Fail und der so ähnlichen oppositionellen Fine Gael. Und es sieht auch so aus, dass im Moment, da das Schiff sinkt, niemand auf die Kommandobrücke drängt, um in letzter Stunde mit unterzugehen. Mut scheint auch nicht die Sache der politischen Opposition in Irland zu sein.

Spannend wird werden, was die Debatten um das Staatsbudget 2010 am kommenden Mittwoch bringen werden. Vielleicht doch die Vorentscheidung für einen Regierungswechsel? Skeptiker meinen, dass diese verbrauchte Regierung dem stillgelegten Land aufgrund des politischen Vakuums noch ein weiteres Jahr erhalten bleiben wird. Keine schönen Aussichten.

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