Freitag, 30. Januar 2009

Es ist Zeit für die nächste Stufe

Das böse Wort von der Plan-Wirtschaft macht wieder die Runde. Das regelmäßige Lesen des Magazins „Der Spiegel“ vermittelt ein  Bild der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weltlage, die Spiegel-Autor Philipp Oehmke in anderem Zusammenhang so beschreibt: „Das System ist in Ordnung, es wurde bloß von der Gier und Verantwortungslosigkeit einzelner Lehman-Brüder und Heuschrecken gesprengt.“ Leider liest man im Spiegel wie in den anderen systemtragenden Medien wenig darüber, wie eine neue Wirtschaftsordnung aussehen könnte. Die Wirtschaftsversteher diskutieren systemimmanent und verdrängen, dass das freie Spiel der Marktkräfte wohl Wachstum sichern, aber gleichzeitig alle Lebensgrundlagen auf der Erde zerstören wird.

In dieser Woche eine Überraschung: Der Spiegel gibt dem linken Literaten Ditmar Dath eine Plattform. Der Romanautor und Ex-Chefredakteur von "Spex"  darf offen Front machen, und er macht es intelligent. Dath ist kein Moralist, wenngleich er obszön findet, dass jemand mehr besitzt, als er selbst nutzen kann, oder dass Profitstreben die westlichen Gesellschaftlichen regiert und dominiert. Menschen wie er

 „denken radikal demokratisch nicht aus Jux und Humanismus, sondern weil sie wissen, daß Gesellschaften, in denen die Mehrheit unmündig, elend und schlecht erzogen ist, erfahrungsgemäß dazu neigen, beim erstbesten Versorgungs- oder Raumordnungsengpaß in blutige allgemeine Angstbeißerei abzurutschen.“

Dath fordert, dass wir die moderne Technik anders begreifen und nutzen müssen. Die Kernthese seiner Streitschrift Maschinenwinter (Suhrkamp, April 2008):

Kommunikationstechnik und global vernetzte Computer sind heute so weit entwickelt, dass eine weltweite,  demokratisch kontrollierte Planung möglich ist. Weltweite Planung gibt es längst in Konzernen. Sie müsste volkswirtschaftlich eingesetzt und sinnvoll (nicht am Profit) ausgerichtet werden. Dass zentrale Planung im real existierenden Sozialismus gescheitert ist, ist kein Beweis, dass sie nicht möglich wär, denn die neuen Technologien erweitern die Gestaltungsmöglichkeiten.

 Der 39jährige Badener, der sieben Jahre als Redakteur bei der FAZ schrieb, zieht diese geschichtliche Analogie:

 "Die bürgerliche Demokratie hat auch ein paar Anläufe gebraucht. Zunächst mal ist sie in Frankreich im Blut ersoffen... Und doch leben wir heute nicht mehr wie vor 1789, sondern eher so, wie es die bürgerlichen Revolutionäre wollten. Es ist Zeit für die nächste Stufe."

Eine Leseprobe der Streitschrift Maschinenwinter spendiert uns der Suhrkamp Verlag hier.

  

Samstag, 24. Januar 2009

London calling

Die Wirtschaft liegt zwar am Boden, aufs Reisen sollen die Iren aber zu allerletzt verzichten. Vom Urlaub träumen wird man ja noch dürfen. Deswegen macht der Irische Reisebüroverband ITAA schwer in Optimismus, rechnet 2009 allenfalls mit einem Einbruch von zehn Prozent und nennt die fünf größten touristischen Krisengewinner. 

Der Verband zumindest sieht irische Urlauber nun vermehrt nach Südafrika, in die Türkei, in die Karibik, nach Kanada und natürlich nach Großbritannien reisen. Der starke Euro macht diese Urlaubsländer attraktiv. Die traditionell teure Metropole London (Foto) scheint erschwinglich wie selten, mit dem Euro kaufen sich zahlungskräftige Iren preiswert durch die Londoner Einkaufsstraßen.  

Man glaubt es kaum, das Pint Guinness, ein untrüglicher Preisvergleichsindex, kostet in England mit 2,50 Pfund Sterling (2,70 €) deutlich weniger als in der Heimat der schwarzen Brühe, wo man bis zu 4,50 € für 0,56 Liter (= 1 Pint) los werden kann. 

Schon lange treibt der Promille-Tourismus Iren tageweise außer Landes. Beliebtes Beispiel: Billigflug mit Ryanair zur nächtlichen Sause nach Paris, ordentlich feiern, bechern, durchmachen, tags darauf zurück und dabei viel Geld sparen. Die hohe Alkoholsteuer in Irland macht es möglich, beim Reisen zu sparen. Und nun wieder London. In den schlechten Zeiten der frühen 80er Jahre reisten Iren massenweise in die englische Hauptstadt, um dort Arbeit zu finden. Die gibt es derzeit auch in Großbritannien nicht. Dafür aber zumindest billiges Stout. 


Freitag, 23. Januar 2009

Wenigstens ist er nie gegangen

Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami ("Kafka am Strand") wurde im vergangenen Jahr 59jährig vom Magazin "Der Spiegel" gefragt, wie lange er noch Marathon laufen will. Der passionierte Läufer, der seit einem Vierteljahrhundert jährlich die Königsdistanz meistert, antwortete: "Solange ich gehen kann, werde ich laufen". Und dann verriet er, was am Ende des Laufens auf seinem Grabstein stehen soll: "Wenigstens ist er nie gegangen." 

Der im Westen wohl bekannteste und angesagteste japanische Autor hat seine Leidenschaft für das Laufen im vergangenen Jahr in einem Buch seziert. In "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" (Dumont 2008) beschreibt Murakami das Laufen als eine Art geistiger Entleerung und keineswegs als die Quelle jeglicher Inspiration. Er räumt aber ein, dass ihn die täglichen zehn Kilometer zu einem besseren Schreiber gemacht haben: Der Geist wird klarer, das macht das Schreiben einfacher und besser.

Murakami, ein medienscheuer Einzelgänger, suchte vor Jahren den ultimativen Kick und nahm an einem 100-Kilometer-Rennen teil. Er schaffte die Distanz, verfiel danach aber monatelang dem "Runner´s Blue", der großen Laufmüdigkeit. Der großen Euphorie folgte die Leere und das Gefühl, nie wieder laufen zu wollen. Harukami schaffte nach einiger Zeit den Anschluss und rennt wieder – ich bin hoffentlich auch bald soweit: Bis dahin in Superform, warf mich im Mai 2008 ein Perifomis-Anriss mit Ischias-Maladie in das große schwarze Sportlerloch. Eine Achillessehnen-Entzündung und ein Fersensporn fügten sich nahtlos an – an Laufen war acht Monate lang nicht zu denken. 

Am 3. Mai, also in knapp drei Monaten, findet vor unserer Haustür zum vierten Mal der Bay Run Halbmarathon von Glengarriff nach Bantry statt. Mein Laufkumpel Mike O´Shea (unten rechts) und ich haben an allen drei Läufen teilgenommen – und wir wollen auch in diesem Jahr an der Startlinie stehen. 

Das Training muss also beginnen für den Bay Run 2009, der als einer der härtesten und landschaftlich schönsten Halbmarathons Europas gilt. Die grandiosen Ausblicke auf die Bantry Bay versöhnen für den harten langen Aufstieg vom Eccles Hotel hinauf auf die Höhe der Pilgerschaft (Ardaturrish). Wer Lust hat mitzulaufen: Anmeldungen sind hier möglich.

***Und das noch:
Anfang Juni veranstalten wir mit unserem Partner Laufkulttour aus Augsburg im irischen Südwesten eine Laufwoche für Genussläufer. Wer sich die schöne Landschaft an der Atlantikküste und in den mystischen Bergen West Corks laufend erschließen will, kann sich die Details auf unserer Wanderlust-Website anschauen

Akustischer Nachtrag zu Dylan Thomas

Gestern schwärmte der Wanderer in diesem Blog von einer Erzählung des Walisers Dylan Thomas aus dem Jahr 1945. Wer "Early one morning" anhören will, kann sich das vom Autor für die BBC  gesprochene Original bei salon.com zusammen mit anderen Hörstücken kostenlos herunterladen. Wer lieber bezahlt, wird auf iTunes und bei den Amazons fündig. Dem Schriftsteller (gest. 1953) zahlt das freilich kein Pint und keinen Whiskey mehr. 

Donnerstag, 22. Januar 2009

Ganz früh eines Morgens im Winter in Wales...

Australiens Regierung schenkte ihren Bürgern vor kurzem Konsumgutscheine im Wert von je 500 Dollar, die deutsche Regierung schenkt Autokäufern 2500 Euro Abwrackprämie, die US-Bürger dürfen hoffen, dass Obama das (mit chinesischem Geld finanzierte) Füllhorn demnächst über ihnen ausschüttet. Was aber bekommen die Iren? Ein Nachbar forderte gestern, der Staat müsse ab sofort allen Irland-Touristen die Flugreise mit Ryanair bezahlen, damit endlich wieder Geld ins Land kommt. Keine schlechte Idee, aber wahrscheinlich in Dublins Regierungskreisen  nicht ganz mehrheitsfähig.

Dennoch gibt es viel versprechende Nachrichten für die vielen kleinen Tourismusbetriebe und B&Bs hier in West Cork: Die Chancen, dass die Fähre zwischen Swansea (Wales) und Cork in diesem Jahr wieder verkehren könnte, stehen sehr gut: Die Hafenbehörde von Cork und die rührige Bürgerinitiative "Bring Back The Swansea Cork Ferry" meldeten übereinstimmend, dass eine Lösung zur Wiedereinführung in greifbarer Nähe ist. 

Die Swansea Cork Ferry beförderte jedes Jahr rund 120.000 Menschen durch die irische See zwischen Wales und Irland, wurde aber 2006 eingestellt, als die Fährgesellschaft das Schiff verkaufte. Viele Engländer, Waliser und Schotten bevorzugen den Irlandtrip mit eigenem Auto, und so begründen Tourismus-Deuter das Ausbleiben der Besucher von der Nachbarinsel gerne mit dem Fehlen dieser Fährverbindung. Das Pfund Sterling hat zwar dramatisch an Wert verloren hat und sucht seit einigen Wochen gar die Parität mit dem Euro (was eine Abwertung des Pfunds um fast ein Drittel bedeutet), Der Kaufkraftverlust und die angespannte Wirtschaftslage zuhause wird die Reisefreude der Briten im Jahr 2009 wohl nicht überborden lassen, dennoch würde die Rückkehr des Fährschiffs gerade dem Südwesten Irlands in den kommenden Jahren helfen.  

Die Rückkehr der Fähre wäre auch für Autofahr-Fans und Flug-Phobiker aus Deutschland eine schöne Alternative zu Aer Lingus, Ryanair und Co. Wer tatsächlich in einigen Monaten im eigenen Auto über Wales anreist, sollte vielleicht zur Vorbereitung ein paar Seiten Dylan Thomas lesen. Der Schriftsteller, der "Under Milkwood" oder "Fernhill" schrieb, wurde 1914 in Swansea geboren und trank sich im Winter 1953 in der White Horse Tavern in New York City in die andere Welt.  Auf dem West Wales Trail im Umland von Swansea kann man die Orte, die Landschaften und die Kneipen besuchen, in denen und über die Dylan Thomas schrieb. 

Ich würde mir das Manuskript von Dylan Thomas Erzählung "Quite Early One Morning" mitnehmen und an das Küstenörtchen Newquay fahren, um sie wieder zu lesen. In seiner bekanntesten Radio-Erzählung, die er selber auf Band sprach und die am 31. August 1945 von Radio BBC Wales ausgestrahlt wurde, beschreibt Thomas das Erwachen des walisischen Städtchens an einem friedlichen Wintermorgen nach stürmischer Nacht. Sie beginnt mit den wunderbaren Zeilen: "Quite early one morning in the winter in Wales, by the sea that was lying down still and green as grass after a night of tar-black howling and rolling, I went out of the house, where I had come to stay for a cold unseasonable holiday, to see if it was raining still..." 


Dienstag, 20. Januar 2009

Zeit für Pläne - Irland lockt

"Was ist der Unterschied zwischen Island und Irland?", fragt ein in Politkreisen derzeit beliebter Witz. Antwort: "Ein Buchstabe und ein halbes Jahr". Die Nordinsel Island hat sich bekanntlich in den Staatsbankrott manövriert, und seitdem die Wirtschaft der "Grünen insel" mit rasendem Tempo quasi über Nacht in eine tiefe und schwere Rezession gerauscht ist, rechnen viele mit dem Schlimmsten: dass auch der irische Staat zahlungsunfähig werden und auf die rufzersetzende Hilfe des Internationalen Währungsfonds angewiesen sein könnte.

Keiner weiß, ob es soweit kommt, der Ruf des Finanz- und Wirtschaftsstandorts Irland jedenfalls hat weltweit bereits dramatisch gelitten. Kein Tag vergeht, dass nicht wichtige Medien weltweit die alarmierende Mutation des Keltischen Tigers in einen halbtoten Esel kommentieren und analysieren. Von Cowboys, Wild-West-Methoden und Anarchie ist die Rede, wenn die irische Finanzwelt beschrieben wird.

Derweil sieht unser Haus- und Feld-Ökonom Patrick H. , der gerade unser im Sturm beschädigtes Dach reparierte, dem Verfall der irischen Ökonomie gelassen zu. "Das bringt endlich die völlig überhöhten Preise für Häuser, Waren und Lebenshaltung runter und macht das Land wieder attraktiv für ausländische Investoren und Hauskäufer" - meint Pat und hat sicher nicht ganz unrecht: Viele Gäste hatten sich in den vergangenen Jahren über die Preise und das Preis-Leistungs-Verhältnis im zweitteuersten Land Europas beklagt; jetzt ist die Inflation bereits gestoppt, die Preise sinken und sicher wird auch der zahlende Gast, der zuletzt bisweilen als eher lästig wahrgenommen wurde, künftig wieder geschätzt und in Ehren gehalten.

Zeit also, Pläne für den Irlandurlaub zu machen. Wir bereiten in diesen Wochen unsere Ferienangebote für kleine Gruppen vor (mehr dazu auf unserer Website) und schreiben an einem Mikro-Reiseführer für Glengarriff und die Bantry Bay. Auch wenn die Tage noch kalt, kurz und nass sind: Langsam freuen wir uns auf die neue Saison und auf viele schöne Wander- und Erlebnis-Touren am Meer, auf dem Meer und in den sagenhaften Bergen West Corks - mit netten und interessanten Menschen aus Europa.

*** Und das noch:
Jeder weiß es, alle Kanäle penetrierten heute nur eine frohe Botschaft: Dies war der Tag, an dem der neue Messias inthronisiert wurde. Die Antrittsrede Obamas liest sich wie eine Predigt aus der Gründerzeit, die Anbetung des smarten Erlösers trägt weltreligiöse Züge. Wünschen wir dem Mann Glück, Kraft und Durchhaltevermögen. Und dass er erträgt, wenn die Gläubigen allzu bald ihr Heil aggressiv einfordern.

Samstag, 17. Januar 2009

Der Stolz der Handwerker


Irische Handwerker auf dem Lande sind Meister der Improvisation. "Kaputt" gibt es hier nicht, Die fetten Jahre überdauert hat das Wissen aus den dunklen Zeiten der Armut, das Wissen darum, wie man sich mit einfachsten Mitteln hilft und Dinge wieder zusammenflickt, die woanders auf dem Müll landen würden. Diese Qualität hat in vielen Handwerkerhänden auch die Jahre des Keltischen Tigers überlebt – und ist nun Gold wert.

Dass die handwerkliche Exzellenz von Iren bisweilen hinter der kontinentaler Kollegen zurückbleibt, ist eine andere Sache. Manche Freunde meinen, es liegt an der eher dürftigen Ausbildung. Ein Bauunternehmer in Irland ist beispielsweise jemand, der 8 Jahre als einfacher Bauarbeiter in England überleben konnte und dann in besseren Zeiten in die Heimat zurückkehrte. Andere unterstellen irischen Handwerkern mangelnd ausgeprägten "Handwerker-Stolz", eine gewissse Distanz also zu ihrer Tätigkeit. Diesen Freunden muss man vorhalten, dass Handwerker-Stolz nicht die entscheidende Sekundärtugend für eine berufliche Tätigkeit ist.

Mein Freund LeBook gab immer große Stücke auf seinen ausgeprägten Handwerker-Stolz, auch wenn er nicht als Handwerker im engeren Sinne unterwegs war. Er schrieb und konzipierte als Journalist, er schrieb über dieses Metier, er entwickelte jene Zeitschrift, er konnte mit profundem Halbwissen fast alles für alle beschreiben – und freute sich stets, wenn die Beiträge handwerklich gelungen waren. LeBook begeisterte sich für die Apotheken-Rundschau genauso wie für die Werberpostille "horizont", das VW Magazin oder die Frankfurter Rundschau. Hauptsache das Ding war handwerklich gut gemacht. Handwerklicher Stolz kann den Menschen weit tragen, ohne dass er viel fragen muss – im extremen Fall bis zum Design einer neuen Droge oder eines menschenvernichtenden Super-Virus.

LeBook jedenfalls fand irgendwann heraus, dass auch die größte Leidenschaft für das Handwerk nicht weit genug trägt: Wer Tische tischlert, müsse Tische mögen, beharrte er nun apodiktisch und streng. Wer über die Erzeugung von Wurstwaren schreibt, muss die Wurst gerne essen und wer über Werbemenschen berichtet, sollte diese und deren manipulative Luftschlösser im Grundsatz gut leiden können.

Fehlt diese grundsätzliche Sympathie, dann wendet sich das Handwerk im Laufe der Zeit gegen den Handwerker selbst und richtet in seinem Innersten zunächst kaum spürbare, mit den Jahren jedoch zunehmend schmerzende innere Verheerungen an. Diese schleichende Selbstvergiftung, diese subtile Autoaggression höhlt ihn von innen aus, sie brennt ihm die Leidenschaft aus dem Leib, bis nur Leere übrig bleibt – ein dumpfer Phantom-Schmerz und viel Zynismus. LeBook jedenfalls hat es so erlebt, und heute, nach Jahren heilsamer Abstinenz, wählt er seine Sujets mit Bedacht und innerer Anteilnahme.

Freitag, 16. Januar 2009

Es lebe die Liebe in Zeiten der Krise

Ciao Brasilien. Zurück in der Nässe, der Kälte, Irland, dem Land der schlechten Nachrichten und der Panik-Stimmung. Eine kleine Auswahl der Headlines der letzten Tage in den irischen Medien: Müssen wir alle auswandern? Arbeiten wir künftig in Polen? Geht der Staat pleite? Hauspreise verlieren bis zu 80 Prozent Ihres Werts. Das Traditionsinternehmen Waterford Crystal pleite, Dell Computers verlagert Produktion von Limerick nach Polen, wann folgen Apple, Intel, die anderen Multinationals? Die Arbeitslosenquote klettert unaufhaltsam. In den kommenden zehn Jahren werden in Irland mehr Häuser abgerissen als neu gebaut. Und, und, und. Kaum irgendwo in Europa sieht es wirtschaftlich mauer aus als auf der Grünen Insel ("The Emerald Blues")

Gerne wird der Zeigefinger jetzt auf die gerichtet, die das Riesenschlamassel angerichtet haben: Die Banker, die Bauunternehmer, die Spekulanten und die untätig zuschauenden Politiker.

Der Psychologe Robert Theodor Betz, ein Bekannter aus Münchener Tagen, hat kürzlich auf diesen Zusammenhang hingewiesen: "Die Aufmerksamkeit vieler Menschen liegt in diesen Wochen bei den Krisenerscheinungen im Außen, die in ihnen Verunsicherung und Ängste auslösen. Die meisten reagieren hierauf mit Verurteilungen der Führungskräfte in Wirtschaft und Politik. Die da oben haben Mist gebaut, heißt es ... Doch: Wir alle haben das gemeinsam erschaffen, was sich jetzt auf der Bühne der Wirtschaft und der Politik sowie auf der Weltbühne zeigt. Wer anderen hierfür die Schuld gibt und ihnen die Verantwortung zuschreibt, sorgt heute dafür, dass er auch morgen wieder die Erfahrungen eines Opfers macht und Mangelzustände im Innen wie im Außen erfahren muss. Wir haben genau die Manager und Politiker, die wir verdient haben und die zu unserem Bewusstsein passen; sie sind nicht besser und nicht schlechter als wir." Was also tun? Robert Betz, der vor kurzem sein neues Buch "Raus aus den alten Schuhen veröffentlicht" hat, rät uns: "Der Tsunami der Weltwirtschaftskrise, der gerade erst anrollt, ist ein Aufruf des Lebens an jeden von uns, Klarheit, Ordnung und Frieden in sein Leben zu bringen und sich zu besinnen auf das Wesentliche, darauf, dass es in Wirklichkeit keine Trennung gibt und dass das Leben selbst ein großes Geschenk ist, das gemeinsam gefeiert werden will – in der Liebe. Es lebe die Liebe in uns und zwischen uns allen".

 Soweit mein von Robert geliehenes verspätetes Wort zum Jahresbeginn und zu den 52 Sonntagen 2009. Suchen wir nach der neuen Richtung. Dass hier abrupt das Licht ausging, ist tatsächlich eine große Chance für Land und Menschen. Hoffentlich wird es bemerkt.....

 

 

Sonntag, 11. Januar 2009

Cork und Kerry fusionieren

Brasilien. Hochsommmer. 30 Grad und mehr. Jungs tragen T-Shirts der Fantasie-Mannschaft "Cork Kerry"; die Hemdchen vereinen mühelos die beiden irischen Football-Teams Cork und Kerry, die sich auf den Sportplätzen Irlands seit Jahrzehnten leidenschaftlich bekämpfen.

Den Jungen, der mit seinem Cork-Kerry-Shirt für uns posierte, trafen wir in der Zweimillionenstadt Curitiba, der Haupstadt des südlichen Bundesstaats Parana. Diese lebhafte Metropole knapp 1000 Meter über dem Meer rühmt sich des besten Irish Pubs in ganz Südamerika (Das "Slainté liegt im Stadtteil Batel und erinnert von außen an einen großen Stall auf einer brasilianischen Rinderfarm).

Luan (Fotos) ist 15 Jahre alt und ein typisches Kind der fortgeschrittenen Globalisierung: die Urgroßeltern Deutsche, die Mutter deutschstämmige Brasilianerin, der Vater italienischer Abstammung. Luans 21jähriger Onkel Phillippe ist Brasilianer mit deutschen und französischen Wurzeln. Er lebte vor vier Jahren sechs Monate als Aupair-Junge bei uns in Irland und verbesserte seine dritte Fremdsprache Englisch. Heute verkauft der junge Mann mit den drei Pässen erfolgreich edlen französischen Wein aus dem Bordelaise an Brasilianer, demnächst auch an Nordamerikaner und Chinesen.

Dass die Geschäfte derzeit auch in diesem Teil der Erde schwieriger werden, zeigen die Entlassungen und Beurlaubungen der hier ansässigen Großkonzerne wie Whirlpool, Volkswagen und Renault. Der französische Autobauer hat in den vergangenen Monaten hektarweise neue Parkflächen anmieten müssen, um die in Curitiba produzierten, jedoch nicht abgesetzten Neuwagen zu lagern. Neue Autos, so weit das Auge reicht, und Käufer nicht in Sicht.

Samstag, 10. Januar 2009

Tintenfisch, Badelatschen und Regenwald

The Wanderer meldet sich bald nach diesem Wochenende mit regelmäßigen Beiträgen zurück. Noch halten wir uns auf der südlichen Erdhalbkugel auf, in einem Land, dessen volksnaher Präsident übersetzt "Tintenfisch" heißt und dessen Einwohner auch bei hochsommerlichem Wetter stilvollendet Crocs-resistent flanieren. Es ist die Heimat der ultimativen Badelatschen, der Havaianas (Foto), die europäischen Füßen gerne Druckstellen zwischen großen und zweitem Zeh verursachen.  Es ist das Land, wo sich die Reichen hinter hohen Mauern vor den Armen (und der eigenen Angst) schützen und wo sich die weniger privilegierten Leute mit Witzen trösten:  Auf welcher Seite der Mauern leben die Gefängnissinsassen und wo die freien Menschen? Es ist auch das Land der vielen deutschen Einwanderer, die im 19. Jahrhundert Städte wie Blumenau und Joinville aufbauten. Und schließlich ist es das Land des ebenso faszinierenden wie bedrohten Atlantischen Regenwaldes (Mata Atlantica), der sich 3000 Kilometer lang von Nord nach Süd an der Küste entlang zieht.  

IMPRESSUM

Dieser Blog wird geschrieben und editiert von: Good News Media Markus Bäuchle, Eliane Zimmermann, Starlight House, Ardaturrish Beg, IRL-Glengarriff, Co. Cork. mbaeuchle (at) mac.com Haftungsausschluss: Die Texte in diesem Blog wurden von den Verfassern nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen und regelmäßiger Aktualisierungen dieses Blogs übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sowie für die Inhalte von Kommentaren sind ausschließlich deren Betreiber/AutorInnen verantwortlich.