Samstag, 28. Februar 2009

Das Wort zum Sonntag in Irland:
Vorsicht, akute Sehnsuchts-Gefahr


5,5 Millionen Menschen haben die Irland-Soap "Unsere Farm im Irland" am vergangenen Sonntag im ZDF gesehen. Das ist eine Menge. An der Qualität des Filmchens kann es nicht gelegen haben, vielleicht aber an den Landschaftsaufnahmen. Welche Gefühle die Aufnahmen aus West Cork auslösen können, beschreibt Elsbeth auf Ihrem Blog "Meine Welt - Irland" sehnsüchtig:


"Es ist verrückt! Ich vermisse Irland. Ich vermisse das Leben, das ich dort geführt habe. Ich vermisse die Wiesen, den wilden, oft grauen Atlantik. Ich vermisse das alte Haus und ich vermisse es aus dem Haus treten zu können und ganz weit schauen zu können. Nichts hinderte mich dort bis zum Horizont zu sehen, wo, wie die Menschen dort sagten, Kanada liegt. Ich vermisse es mit meinem Hund Gwenda im Sommer die Küste entlang zu gehen wo der gelbe Stechginster blüht. 

Es ist verrückt! Warum schaue ich mir auch einen schmalzigen Film wie "Unsere Farm in Irland" an? Vollgepackt mit allen romantischen Klischees, die man sich nur denken kann. Die Bilder jedoch sind atemberaubend schön. Jetzt beginnen dort meine Lieblingsblumen zu blühen; die Narzissen. Sie werden Irland in Gelb tauchen, als hätte der Schöpfer einen Topf Farbe über die Insel ausgeschüttet.
Ich wollte nie wieder zurück nach Irland. Heimweh nach Deutschland und andere widrige Umstände ließen mich meine Koffer packen. Jetzt vermisse ich die Insel manchmal so sehr."



Morgen Sonntag 20.15 Uhr gibt es eine weitere Folge (Foto). Vorsicht, akute Sehnsuchtgefahr. Und nicht auf der Schmalzspur ausrutschen...


"Die Frauen sind schuld am Niedergang Irlands"



Die wahren Schuldigen für den wirtschaftlichen Niedergang Irlands, für Kreditklemme, Arbeitslosigleit und Celtic-Tiger-Konsumwahn sind endlich ausgemacht: Es sind die arbeitenden Frauen. "Braucht Ihre Frau wirklich einen Job?", fragte der Polit-Kommentator Newton Emerson diese Woche in der Irish Times und antwortete sich selber: Die arbeitenden Frauen haben die Kreditklemme verursacht. Mit dem zweiten Haushaltseinkommen haben sie die Hauspreise in schwindlige Höhen gepuscht". Als Heilmittel empfiehlt Emerson, die Frauen zurück ins Heim zu holen und damit die Arbeitslosigleit und die Folgen ihrer "östrogen-getriebenen Raffgier" zu beseitigen. 

Vorsicht, Satire! Der Beitrag zur Befeuerung des häuslichen Geschlechterkriegs rangiert in der Online-Ausgabe der Irish Times auf der Liste der meistgelesenen und meistversendeten Artikel derzeit auf Platz 1. Hoffen wir, dass alle Leser wissen, wer Newton Emerson ist. 

Der 38-jährige Satiriker aus dem Norden hat mit seinem beißenden Humor und mit intelligentem Sarkasmus schon manche Debatte humoristisch befeuert. Er verlor wegen seines Schandmauls mehrere Jobs, überlebte aber immerhin die Jahre der Gewalt in Nordirland unbeschadet: Mit Vorliebe und viel Geschick goss er in den unruhigen Jahren  mit seinen "Portadown News" (Foto) bis ins Jahr 2005 Öl ins Polit-Feuer und genoss den Schutz des Narren. Es heißt, alle am Konflikt beteiligten Spitzenpolitiker bis hin zu Tony Blair hätten die Emerson-Eskapaden mit Genuss gelesen.

Es gibt in Irland sicher eine Menge Männer, die den vermeintlich frauenfeindlichen Beitrag für bare Münze nehmen und ihm aus vollem Herzen zustimmen. Gerade auf dem Land wird das traditionelle Familienideal und die althergebrachte Arbeitsteilung des frühen 20. Jahrhunderts in Ehren gehalten. Wie schreibt Emerson so schön: Die Antwort auf alle Deine Probleme starrt Dich vermutlich gerade an. Nimm die Zeitung runter und stelle Dir diese selbstlose Frage: Braucht diese Frau wirklich einen Job?"

Freitag, 27. Februar 2009

Bono - Eine irische Lichtgestalt jault

No Line on the Horizon. Heute erscheint das neue Album der irischen Rockband U2. Fast größer als das musikalische ist allerdings das politische Getöse um den Ober-Gutmenschen der Band: Sankt Bono, dem Fast-Nobelpreisträger, Weltenretter und Buddy der Mächtigen, wird nun in seiner irischen Heimat mal wieder Scheinheiligkeit vorgeworfen.

Grund ist erneut die Steuerflucht in die Niederlande im Jahr 2006, nachdem die irische Regierung die Steuerfreiheit für Künstler auf 250.000 Euro pro Jahr begrenzt hatte. Heute nun jault Bono in der Irish Times laut auf und jammert, dass ihn vor allem der Vorwurf der Scheinheiligkeit sehr schmerzt, und dass die Aufrichtigkeit seines Aktivisten-Daseins für die geschundene Welt in frage gestellt wird. 

Pro Globo, pro Patria oder nur pro Bono? Irische Jungs, die selbst ihren musikalischen Aufstieg aus vermeintlich kleinsten Dubliner Verhältnissen wie einen irischen Traum  stilisieren, sollten ihre Steuerangelegenheiten möglichereise nicht zur "Privatsache" erklären und dem Land, das sie groß gemacht hat, in schwierigen Zeiten die Unterstützung versagen. 

Der Konzern U2 spart, während alle irische Welt nun erwartet, dass Bono-Kollegin Angela (die Mörkel) die Kohle in den kommenden Monaten kistenweise über die Irische See westwärts schippert, um den Staatsbankrott auf der Insel abzuwenden. 

Praktiziertes Gutmenschentum in Irland könnte heißen: Bono und Co. tragen dazu bei, dass die Schüler des Landes auch künftig Schulbus fahren dürfen, ohne dass die Familie Privatkonkurs anmelden muss, dass die Renter ihre Rente bekommen und dass Kranke in Irland eine faire Überlebenschance, vergleichbar mit der in anderen Ländern Europas, bekommen.

 Blogger-Freund Harald kommentiert die Kritik an der irischen (Zwie-) licht-Gestalt Bono gestern so:


... Demonstration in Dublin gegen die Steuerpolitik von U2: Die Demonstranten beschwerten sich über die Scheinmoral, dass U2 immer für die Armen der Welt Steuernachlässe fordern (was ich ja gut finde), selber aber schon seit 2006 einen Großteil ihres eigenen Unternehmens aus Steuergründen in die Niederlande ausgelagert haben ...Der Umsatz von U2 belief sich selbst in einem Jahr ohne neues Album und Tournee wie 2007 auf ca. 21 Millionen Euro. In Zeiten von Sparpaketen und Jobverlusten stößt diese "finanzschonende Firmenpolitik" der Vorzeigerocker den Iren wohl eher bitter auf.



Man muss ihm zustimmen. 

PS: Habe gerade das neue U2-Album bei iTunes heruntergeladen und im Schnelldurchlauf gehört: Es klingt richtig gut, frisch, leichter als zuletzt. Ich mag´s.

Kleine Nabelschau: Love-Spam flutet Irland Blog

Eigentlich wollten wir es den LeserInnen einfach machen, auf unserem Blog Kommentare zu schreiben. Wir bauten deshalb keinerlei Schranken auf, mussten allerdings bald feststellen, dass wir durch falsch verstandene Liberalität den Missbrauch einer fairen freien Aussprache durch kleine anonyme Feiglinge erst möglich macht und fördert. Daraufhin schlossen wir die Funktion  des anonymen Kommentierens aus.

Gestern abend um 18 Uhr nun eine Attacke der anderen Art: Ein Google Blogger namens "Love" schreibt fleißig drei, vier Kommentare hintereinander. Es handelt sich wohl um eine Spam-Schleuder. Sie hinterlässt auf den ältesten Posts jeweils einen jeweils identischen 18-zeiligen Text aus japanischen Zeichen, der bei genauer Betrachtung aus vielen einzelnen Links besteht. Die Links führen zu diversen Schmuddelseiten im virtuellen Puffviertel. 

Wir beschließen, wegen "Love" die Schotten dicht zu machen und sperren die automatische Kommentar-Funktion. Seit gestern abend um 18.10 Uhr werden Kommentare auf diesem Blog nun leider auch moderiert, also erst geprüft und dann freigeschaltet. Sorry, muss aber sein.

Weiß jemand Genaueres über diese Art von Spam, die immerhin die Hürde der Wortbestätigung umgehen konnte? Hat sonst jemand japanische Post von "Love" bekommen, und was sind die geeigneten Mittel, sich dagegen zu schützen? Danke im Voraus für Eure Tipps.    

Die Hauspreise purzeln munter weiter

Wir fragten gestern morgen exemplarisch: Wieviel würden Sie für dieses nette Haus bezahlen? 1,2 Millionen Euro verlangte der Besitzer des 1993 gebauten Hauses vor knapp zwei Jahren. Er hat das Geld freilich nie gesehen. Statt dessen senkte er den Preis vor kurzem auf  595.000 Euro. Das sind 50 Prozent Discount!

Ein Schnäppchen-Preis? Wohl kaum. Nach dem Platzen der Immobilienblase vor 18 Monaten wird es nach Ansicht von Immobilienexperten noch eine Zeitlang für die Preise nur eine Richtung geben: abwärts.


Das schnucklige Cottage im zweiten Foto wurde einst vom County Council mit Staatskohle gebaut. In den Boomzeiten glaubten auch die
Eigentümer dieses Häuschens an den großen
 Hauptgewinn: Sie schrieben das schlichte Gemäuer für stolze 900.000 Euro zum Verkauf aus.  Einwände? Eigene Wände mit Super-Meerblick für weniger als eine Million? 

Der Dumme, der zu diesem Deal gepasst hätte, ist offensichtlich nie aufgetaucht. Jetzt steht der Preis bei einem Drittel: 300.000 Euro. Mehr Lust auf Meerblick?


Oder diese Luxusherberge: Mit fantastischem
 Blick auf Berge und Meer war die "Villa" in Glengarriff lange Zeit für 2,9 Millionen Euro zu haben. Nach zwei Preisanpassungen mit  insgesamt 48 Prozent Rabatt kann man nun bei 1,5 Millionen Euro zuschlagen – oder warten. Oder aber gleich ganz exklusiv und extravagant wohnen: Holen Sie sich doch diese ehemalige methodistische Kirche. Für nur 1 Million Euro gehört sie Ihnen. 

Auch evangelische Gotteshäuser haben in Irland ihre beste Zeit längst hinter sich. Die Eigentümer dieser Immobilie glauben allerdings an den Gott der Beständigkeit und an Wertstabilität seit 1921. Sie haben ihren Preis nicht reduziert, ihre Millionenforderung hat die Krise bislang unbeschadet überstanden. Verkauft hat sich die Kirche bei aller Standhaftigkeit noch nicht.   

Doch nun genug von Immobilien. Wenn Sie weiter Ihr Traumhaus suchen, das irische Immobilien-Portal www.daft.ie setzt Sie gerne umfassender ins Bild als wir. 


Donnerstag, 26. Februar 2009

Irland Update zu: Ölpest, Fähre und Deutsche

Die Russen gestehen: Der aus 1000 Tonnen Treibstoff bestehende Ölteppich vor der irischen Südküste bewegte sich gestern im Zeitlupentempo 50 Kilometer südlich der Stadt Cork Richtung Osten. Er wird die irische Küste nach neuesten Informationen möglicherweise verschonen. Die irischen Behörden haben das ausgelaufene Öl eingehend untersucht und bekanntgegeben, dass es sich um Leichtöl handelt, das weitgehend verdunsten würde. Immerhin: Die russiche Amrine hat inzwischen zugegeben, dass sie für den Ölunfall, der sich während des Auftankens eines Flugzeugträgers südlich von Fastnet erreignete, voll verantwortlich ist. Irland versucht nun, den Russen die Kosten für das Überwachen des Ölteppichs aufzudrücken. die Rede ist von 250.000 Euro.  

Endspiel für die Cork-Swansea-Fähre: Die Initiative der Tourismuswirtschaft von West Cork zur Wiedereinführung der Autofähre zwischen Cork und Swansea (Wales) ist in der entscheidenden Phase. In den kommenden drei Tagen heißt es "Make or Break". 2,5 Mllionen Euro hatte die Initiative bis vorgestern als Anteilsscheine für die Fähr-Kooperative gesammelt, um  die Finanzierungslücke von drei Millionen Euro zu schließen. Mit der restlichen halben Million tut man sich schwer, nachdem die untersützung aus dem Nachbar-County Kerry, vor allem aus der Touristenhochburg Killarney fast völlig ausgeblieben ist. Nun hofft man auf einen fulminanten Endspurt der Geldsammler, damit die Wiedereinführung der Fährverbindung im April nach zwei Jahren Pause gelingt. Sind die drei Millionen Euro bis zum Wochenende auf dem Tisch, kann das optionierte Fährschiff "Julia" für zehn Millionen Euro gekauft werden, wenn nicht, wird der Kahn per Auktion frei verkauft. 

Deutsche in Irland: Wir hatten in den vergangenen Wochen über Deutsche in Irland geschrieben und diskutiert. Nachdenkliches dazu fanden wir auf dem Blog Lexiophiles. Love your Words von Jonas:


"Was ist aber mit den deutschen Auswanderern, die sehr erfolgreich im Ausland sind? Sie sollten sehr weltoffen, tolerant und unvoreingenommen sein! Schließlich haben sie entschieden, einen großen Teil ihres Lebens fern der Heimat zu verbringen. Weit gefehlt! Die Deutschen sind clever und hervorragend organisiert, wenn es heißt, im Ausland möglichst deutsch zu bleiben. Die ersten von ihnen öffnen Bäckereien und Restaurants, wo sie sich einmal die Woche für den Stammtisch treffen können. Natürlich gibt es dann deutsches Bier und Schnitzel. ... Deutsche sprechen nicht wirklich englisch – sie reden auf Deutsch und benutzen dabei englische Wörter. 
Wirklich schockierend ist, dass viele Deutsche im Ausland weiter germanisieren! Plötzlich sind sie stolz auf Dinge, die sie vorher nie interessiert haben. Das Leben im Ausland ist wie ein Spiegel für die eigene Identität und gleichzeitig ein Lupe, durch die neue Details zu Tage treten. Die größte Herausforderung ist es, diese Erfahrung richtig zu nutzen."


Soviel Update für heute.

So purzeln in Irland die Immobilienpreise

Noch folgen die Preise nur dem Weg nach unten, doch schon in absehbarer Zeit könnte es wieder lohnen, sich in Irland nach einem eigenen Haus umzuschauen. Die vielen tausend Immobilien-Millionäre Irlands jedenfalls sagen derzeit leise Servus: Die aufgeblähten Preise für Luxushäuser befinden sich genauso im freien Fall wie die für schlichte Eigenheime. Der Wert vieler Häuser im Land hat sich seit dem Sommer 2007 glatt halbiert – und das Ende der Preisanpassung an realistische Bewertungsmaßstäbe ist noch nicht erreicht. Erlaubt sei in Klammern die Bemerkung, dass die Häuser in Irland in den vergangenen zehn Jahren nie den Wert hatten, der ihnen von einer gierigen Spekulations-Dreierbande aus Bauheinis, Banken und nach profit gierenden Bauherren beigemessen wurde. 

Man kann die Immobilienteile der Zeitungen lesen und die taktisch motivierten, manipulierten oder von massiven Interessen geleiteten "Preis-Trends" zur Kenntnis nehmen. Man kann sich aber auch einfach die lokalen Angebote genauer anschauen und vergleichen, wie sich die Preise zwischen Juli 2007 - dem Höhepunkt des Spekulations-Wahnsinns – und heute entwickelt haben. 

Beispiel 1: Das Haus auf unserem Bild oben steht in unserer Nachbarschaft. Es wurde 1993 gebaut, hat 230 Quadratmeter Wohnfläche, drei Schlafzimmer, 1 Bad,  steht auf 2 Acre Land (8000 Quadratmeter, nicht viel für irische Verhältnisse) und hat einen schönen Meerblick. 

Was würden Sie für dieses Haus im Moment bezahlen? 

Kleine Hilfe: Das Haus in der Bantry Bay (Foto oben) stand - wie so viele Immobilien in Irland - schon vor zwei Jahren zum Verkauf. Damals verlangte der Eigentümer 1,2 Millionen Euro. Preisvorstellungen werden im Kommentarfeld entgegengenommen. Heute verlangt derselbe Besitzer für dasselbe Anwesen die Summe X. (Auflösung und weitere Beispiele vom Preisverfall heute abend an dieser Stelle.)


Über dieses schnuckelige Cottage am Meer berichten wir heute abend.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Heute gibt es in Irland Asche aufs Haupt

Aschermittwoch. Im katholischen Irland sind heute die Kirchen gut gefüllt, denn es gibt wieder Asche auf die Stirn. Die Pfarrer (und die Lehrer in den Schulen) segnen ihre Schäfchen mit den Überresten verbrannter Palmblätter und zeichnen ihnen ein schwarzes Kreuz auf die Stirn.  Was das bedeutet, erklärte uns Nicht-Mitgliedern ein befreundeter Messdiener: 



Die Asche ist das Zeichen der Vergänglichkeit: Der Mensch ist aus Staub geworden und er wird wieder zu Staub werden. Zum Zeichen der Demut, der Trauer und der Reue wird der Gläubige deshalb zu Beginn der 40tägigen Fastenzeit (die eigentlich 46 Tage dauert) mit dem Aschekreuz gezeichnet. Wir sagen zum Beispiel "Asche auf mein Haupt", wenn wir einen Fehler zugeben oder Reue zeigen.

Heute also beginnt die Fastenzeit, in englisch "Lent" – was ursprünglich "lang" und "Frühjahr" bedeutete, also die Zeit, wenn die Tage länger werden. In vielen irischen Schulen verpflichten sich die Kinder und Jugendlichen heute zum Fasten. Dabei wird der Fasten-Begriff durchaus modern interpretiert: Die Menschen hier verzichten bis Karsamstag auf etwas, was sie im Übermaß genossen haben. Manche leiten deshalb am Aschermittwoch ein Fernseh-Lent ein, andere ein Playstation-Lent und ganz Radikale verordnen sich ein 40tägiges Medien-Fasten ohne Spielekonsole, Fernsehen, iPod und DVD-Payer. Wieder andere versuchen, sechs Wochen lang einen weiten Bogen um Süßigeiten, oder klassisch um Fleisch (Carnevale heißt bekanntlich "Tschüss Fleisch"!) oder um Alkohol zu machen. Auf was verzichten Sie?

Unser Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Gemälde "Der Kampf zwischen Karneval und Fasten", das Pieter Brueghel der Ältere im Jahr 1559 malte. Links im Bild sieht den man fetten Karneval auf einem Fass sitzend. Er trägt einen Bratspieß als Waffe und ist umringt von Fettleibigen. Rechts auf dem Wagen der Gegner, das personifizierte Fasten, das zwei Fische auf einer Stange dagegenhält. Das Bild des Niederländers stellt einen Fastnachtsumzug dar, wie er vor 450 Jahren tatsächlich stattfand. Wer das Bild im Original anschauen will: Es hängt im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Dienstag, 24. Februar 2009

Irland – Berichte von der Insel. Täglich.
In eigener Sache: Wir haben einen neuen Titel

Kleiner Hinweis für hoffentlich völlig un-irritierte Leser. Der Irland Blog von Wanderlust aus Irland wächst und entwickelt sich Stück um Stück. Wir haben die Site umgestaltet und umbenannt, im neuen Titel steckt auch ein kleines Versprechen: Wir aktualisieren künftig täglich mit einer aktuellen Story aus Irland. Sie erreichen dies Website natürlich unter der bekannten Adresse: irland-erleben.blogspot.com . Egal ob mit oder ohne www. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Übrigens: Das leicht bearbeitete Panorama-Foto im Header zeigt die Bantry Bay mit den Caha Mountains und dem Suggarloaf im Hintergrund, so wie wir sie täglich sehen (wenn die Sonne scheint). 

Irland brennt wieder. Die Zeit der Feuer hat begonnen

Dies ist keine Allegorie auf die aktuellen Verhältnisse, auch wenn die Nervosität im Lande hysterisch zunimmt.
Viele trockene Spätwintertage an einem Stück und man kann sicher sein: Das ländliche Irland steht in Flammen. Jetzt ist es wieder soweit: Überall auf dem Land brennen in den kommenden Wochen wieder die Berge, die Weiden, und manchmal auch die Wälder und einzelne Häuser.  

Diese Flächenfeuer gehören auf dem Land in West-Cork zum Jahresritual wie Ostern und Weihnachten. Man nennt sie Bog Fire (Moor-) oder Gorse Fire (Ginster-) und sie flackern während trockener Perioden zwischen Januar und April. Geredet wird darüber nur hinter vorgehaltener Hand. Doch oft sind es Farmer, die sich mit einem schönen windgetriebenen Großbrand die Arbeit sparen, ihre Schafweiden offenzuhalten, den Ginster, die Brombeeeren, den Gagelstrauch und das Pionierhölzer herauszuschneiden. 

Im vergangenen Jahr erzählte ein erschöpfter Feuerwehrmann, dass die Feuer in West Cork dramatisch zugenommen hätten und dass dies vor allem mit der Lage der Landwirtschaft zu tun hat: Diese ist auf dem Rückzug, das Land wächst zu, und die Farmer betreiben ihre Landwirtschaft meist nur noch nebenbei. Deshalb ist es oft dass Leichteste, bei trockenem Ostwind einfach ein Streichholz ans dürre Gras zu halten.  
 Diese Feuer sind ökologisch katastrophal, sie zerstören einseitig einen Großteil der Vegetation, toten Dachse, Käfer und andere Insekten, zerstören Vogelnester und Gelege, geraten oft außer Kontrolle und bedrohen auch schon mal Wohnhäuser, Schulen, Ställe. Die Feuer bereiten allerdings auch die Wiesen bestens als Schafweiden vor: Im Winter abgebrannte Wiesen stehen im Frühjahr als erste in sattem Grün.  

Ein besonnener und naturnaher Bauer erklärte uns, dass es diese Feuer in der Vergangenheit tatsächlich nicht in dieser Menge und Größe gegeben habe. Der Grund: In den "alten Zeiten" (die vor vielleicht zehn Jahren zu Ende gingen)  haben die Bauern ihr Vieh zweimal pro Jahr auf dieselbe Weide geschickt: Um die weniger schmackhaften Pflanzen wie Ginster und Gagel wegzubekommen, muss die Wiese auch im Winter beweidet werden, wenn das Nahrungsangebot eingeschränkt und das Vieh weniger wählerisch ist. Das allerdings passiert heute fast gar nicht mehr. Große Flächen liegen völlig brach, und so findet das Feuer reichlich Nahrung und kann sich rasend schnell und großflächig ausbreiten. 

Meist weiß übrigens die gesamte Gemeinde, wer das jeweils aktuelle Feuer gelegt hat. Es herrscht allerdings so etwas wie "Omerta", die Pflicht zu schweigen. Man sagt nix und man deckt die Zündler, regt sich künstlich über die Autofahrer auf, die wieder die berühmte "Zigarettenkippe aus dem Fenster geworfen haben". In unserer Gemeinde in der Bantry Bay wüten jedes Jahr vier, fünf große Weidefeuer – bis heute hörten wir von keinerlei Konsequenzen für die Verantwortlichen. (Allerdings riskiert absurderweise derjenige, der die Feuerwehr ruft, um ein Feuer zu melden, dass er die Einsatzkosten bezahlen muss.) 

Die Feuer werden übrigens nur im Winter gelegt. Wenn die Urlauber ab Mai nach Irland kommen, sehen sie nur die herrlichen saftig-grünen Wiesen und fragen nicht lange nach, wie das vermeintliche Idyll zustande kam.

(Unsere Fotos entstanden in Glengarriff und Umgebung. Sie stammen aus den Jahren 2007 und 2008) 

Montag, 23. Februar 2009

Irland wartet auf die ersten Blüten des Frühlings
Die Vegetation kommt nach strengem Winter mit Verspätung

Die Gartenfreunde in Irland warten nach langem, hartem Winter auf die ersten Blüten. Wir beispielsweise sehnen die Blüte unserer „Haustür-Kamelie“ herbei. Die Camellia x Williamsii ‘Donation’ gehört zu den sehr früh, also im Spätwinter, blühenden Exemplaren: Viele irische Gartenfans haben sie in guter Sichtweite ihrer Wohnzimmerfenster oder Haustüren gepflanzt.

Als einer der ersten nach unserer Einwanderung im Jahr 2000 gepflanzten Sträucher hat dies Kamelie seitdem circa 3 Meter an Höhe gewonnen und erfreut uns jedes Jahr zeitig im Februar. 2008 beglückte sie uns sogar bereits Ende Januar mit einem Meer an pink-farbenen Blüten. Nach dem außerordentlich strengen Winter hat sie nun Startprobleme, die Knospen sind dick und rosa, doch sie wollen sich einfach noch nicht entfalten. Und so können wir mal wieder nicht recht glauben, dass der irische Frühling, der traditionell am 1. Februar beginnt, bereits eingetroffen sein soll.

Die gesamte Natur blickt derzeit noch ziemlich verschlafen drein, die Vegetation hinkt drei bis vier Wochen hinter den sonst üblichen Wachstumstempo her. Die vielfältigen Moose sind allerdings überall tüchtig gewachsen – viele dunkle, nasse Tage sind der Moose Freund. Wir hoffen, dass die manchmal rekordverdächtige bittere Kälte des nun zu Ende gehenden Winters auch etwas Gutes mit sich bringt: weniger Schnecken und eine Reduktion der Mottenplage, die uns seit zwei Jahren widerfährt.

Seit einigen Tagen entdeckt man entlang vieler Einfahrten sich gierig vermehrende Narzissen in voller Blüte. Und der Krokus verrichtet bereits seit seinen Job der Beeteverschönerung. Bis nun die vielen Rhododendren die Bantey Bay in ein sensationelles Blühspektakel verwandeln, wird es zwar noch etwas dauern, doch der Anfang ist immerhin  gemacht. 

So freuen wir uns auf die übermorgen einsetzende mehr als 40-tägige Fastenzeit (lent), denn danach ist Ostern und dann öffnen die Fähren zur Pflanzen-Insel Garinish Island im Hafen von Glengariff wieder ihre rostigen Klappen und dem ultimativen Frühlingsblüten-Genuss steht nichts mehr im Weg. Auf dem Foto sieht man einige der im Mai und Juni pinkfarbenen Inselchen im Hafen von Glengarriff.

Sonntag, 22. Februar 2009

Irland im Fernsehen: Schwachsinn vor Traumlandschaft

Unsere Farm in Irland (Teil 3), heute abend im ZDF. Haben Sie es gesehen? Wunderbare Kulisse West-Cork, Rosscarbery, der Galley Head, Lisselane Gardens, Baltimore und natürlich Glengarriff Harbour, die Caha Mountains und die sagenhafte Garteninsel Garnish Island. Ein Kompliment an die Film-Crew, sie hat bei den Dreharbeiten das Beste aus dem schwachen Sommer 2008 herausgeholt. Ein Schmäh allerdings für die Drehbuchschreiber: Die Story (der Plot, wie Filmleute sagen) ist Flachsinn, Schwachsinn, mehr als dünn. "Unsere Farm in Irland" - ich schau mir trotzdem Teil 4 am kommenden Sonntag (1. März) an – der Kulisse wegen.

Das politische Klima in Irland verschärft sich.
Die Schuldigen am Crash werden gesucht

Das politische Klima in Irland verschärft sich angesichts der Wirtschaftskrise zunehmend. Schärfer als in Deutschland, wo diese Diskussion noch unterdrückt wird (Ausnahme war die "Knast für Ackermann"-Forderung), fragt Irland nach den Schuldigen für das Banken- und Wirtschaftsmassaker. Dieses Wochenende stand Dublin im Zeichen von Massenprotesten und die Gewerkschaften hatten ihren großen Auftritt.Patricia McKeowen, die Präsidentin des Irish Congress of Trade Unions (Irischer Gewerkschaftskongress) rief vor 120.000 (!)  Demonstranten: 

"The Government wants workers who built the economy to make the sacrifices while it protects those who wrecked it." Sinngemäß: Die Regierung lässt nun die Arbeiter, welche die irische Wirtschaft aufgebaut haben, die üble Brühe auslöffeln und schützt jene, die die Wirtschaft an die Wand gefahren haben. Die Gewerkschafterin sagte auch: "WIr wollen in solch einer Gesellschaft nicht leben", während ihr Generalsekretär eindringlich forderte, die Schuldigen des Crashs konsequent zur Rechenschaft zu ziehen.

Tatsächlich verschweigt die Regierung nach bester Kohl-Manier die Namen der ominösen zehn Mitglieder eines "Goldenen Zirkels". Diese zehn mit der Bank eng verbandelten Geschäftsleute hatten sich von der (wegen Pleitegefahr mittlerweile verstaatlichten) Anglo Irish  Bank zusammen 451 Millionen Euro geliehen und damit offensichtlich Aktien der Bank gekauft, um den abschmierenden Kurs zu stützen. Die Regierung kennt die Namen, weigert sich aber aus formalen Gründen, die zehn Abräumer zu "outen". Den Steuerzahlern, denen die Anglo Irish nun gehört, drohen derweil 5,3 Milliarden Euro Verlust aus faulen Krediten.

Die  irischen Medien gehen von einem Kreis von 25 "Ex-Masters of the Irish-Universe" aus, der die irische Wirtschaft mithilde einer riesigen Immobilen-Maschine in den Abgrund gestürzt hat. Es sind die Bank-Direktoren, die einem kleinen Kreis von Bauträgern und Bauunternehmen leichtfertig  hunderte Millionen Kredite hinterherschmissen. Es sind diese Bau-Titanen selbst, die das Land mit deen Krediten blindwütig in einen Betonfelsen umzuwandeln versuchten. Es sind die Versager der Finanzregulierungsbehörde und es sind die entscheidenden Mitglieder der alten Ahern-Regierung (mit Jetzt-Premier Brian Cowen), die ihre Manager-Freunde unter dem Deckmantel der Wirtschaftsförderung nicht nur gewähren ließen sondern ihnen auch noch schöne Gesetze servierten.  

Man darf gespannt sein, ob die Verantwortlichen am Ende wirklich identifiziert und zur Rechenschaft  gezogen werden – einige stehen übrigens bereits am Pranger – oder ob man nach guter Landessitte wieder eine Untersuchungskommission (Tribunal) einsetzen wird, die weitere Millionen verschlingt und am Ende außer viel Papier nur bescheidenste Ergebnisse produziert.  

Freitag, 20. Februar 2009

Das ist Irlands wahrer Rezessions-Indikator:
Die Zahl der Autokäufe sinkt dramatisch

Im Januar ist der Verkauf von Neuwagen in Irland um zwei Drittel zurückgegangen. Wurden im Januar 2008 noch 32.961 neue Autos zugelassen, so waren es in diesem Jahr nur 10.997. Genau zwei von drei Autos blieben verglichen mit dem Vorjahr auf dem Hof der Händler stehen. Das ist eine der wirklich harten Kennzahlen, die das Ausmaß des Crashs im Land richtig deutlich macht. 

Jetzt verstehen wir, warum die 09er-Autos auf unseren Straßen noch seltene Erscheinungen sind. In den Boomjahren hatten statusbewusste Iren zwei Drittel aller Neuautos in den ersten drei Monaten  des Jahres gekauft: Auf dem Nummernschild wird als erstes das Jahr der Erstzulassung angegeben, und es gilt eigentlich als todschick, in manchen Kreisen sogar als absolut notwendig, bereits im Januar den neuen Wagen mit dem brandaktuellen 09er-Nummernschild zu fahren. 

TV-Tipp: Irland mal seicht, seifig und sympatisch

Gestern riefen wir nach der positiven Image-Kampagne für Irland, hier kommt sie schon: Wenn Sie Pilcher-Filme und ähnlich leicht gängige Fernsehkost mögen oder aber nur tolle Landschaftsaufnahmen von der Südküste Irlands sehen wollen: An den kommenden zwei Sonntagen strahlt das ZDF ab 20.15 Uhr zwei neue Filme der Reihe "Unsere Farm in Irland" aus. Die ersten beiden Teile waren 2007 gesendet worden.  Erwarten Sie abermals nur die allergrößten Gefühle zwischen der Schäferin Erin O´Toole und dem ausgewanderten Witwer-Doktor Martin Winter. Auf jeden Fall aber jede Menge tolle Landschafts-Kulisse aus West Cork. 
Das ZDF bewirbt seine Irland-Romantikreihe mit Sätzen wie diesen: "Auch die dritte Folge entführt die Zuschauer in die sympathische und romantische Welt des dortigen Landlebens." Aber holla. Der Cineasten-Fachdienst Cinema.de urteilte über die erste Folge: "Seicht, seifig und nicht unsympathisch". 

Warum Leute freiwillig ausgerechnet in Irland leben
oder: Irische Hecken statt schwedischer Gardinen


Warum man und frau freiwillig in diesem Land leben, in dem es doch immer nur regnet (unausrottbares Fehlurteil Nummer eins), wo der Besuch im Krankenhaus einem Besuch in der Dritten Welt gleicht, und wo jetzt auch noch die Wirtschaft den Bach runter und der Staat pleite gehen? Es gibt viele gute Gründe auf diese ewige "Warum ausgerechnet Irland"-Frage. Wir Natur-Romantiker haben sie für uns skizzenhaft hier beantwortet, und jede Einwanderer-Generation stellt und beantwortet sie vermutlich neu.

Schon in den frühen 6oer Jahren zog es Deutsche in größerer Zahl nach Irland. Sie waren vor allem von Angst motiviert, fürchteten die Eskalation des Kalten Krieges, der Kuba-Krise, und flüchteten vorsorglich und vorübergehend vor dem möglichen atomaren Fall-out an den vermeintlich sicheren Rand Europas.

In den 70er Jahren bahnten sich die 68er - gelockt von Gertrude Degenhardts Illustrationen (im Bild: There is a Hurling Queen), von Planxty, den Dubliners und ihren Heile-Welt-Visionen den Weg zum eigenen Cottage - das man zumeist schon von weitem an den bunt gestrichenen Fenstern erkannte. 

In den 70er und 80er Jahren erinnerte das Irland der Immigranten bisweilen auch an Australien, das die Briten bekanntlich als Sträflingskolonie umtrieben.  Neben vielen ehrbaren Leuten zog es auch finanziell Schiffbrüchige an die Peripherie Europas. Nicht wenige Bankrotteure, die in Deutschland eine private oder firmenrechtliche Bauchlandung hingelegt hatten, wählten den Last Exit Lisdoonvarna, weil sie sich hier am Rande Europas vor dem Zugriff der heimischen Behörden recht sicher fühlen durften. Sie meldeten sich nach "New York City, Campingplatz" oder nach einem anderen schwer zugänglichen Ort wie "Tel Aviv" ab und vollendeten ihre Lebens-Karriere eher leise hinter irischen Hecken statt hinter schwedischen Gardinen. 

Warum aber heute 20- und 30-Jährige Irland freiwillig als ihren Lebensort wählen, hat meistens ganz andere Gründe. Der junge Österreicher Harald, der seit einem halben Jahr mit seiner Familie in Blessington lebt, legt seine Gründe auf  "News aus Irland"  dar und kommt zu interessanten Antworten. Wir verlinken gerne auf den Blog, auf dem Harald täglich seine Erfahrungen in der neuen Heimat beschreibt und aktuelle Ereignisse kommentiert. 

Die Woche in Irland - eine kurze Zusammenfassung

Jetzt auch noch BILD:  Das Irland-Image im Ausland leidet in den letzten Monaten gewaltig. Nach den Negativ-Kommentaren zum irischen Nein zu Lissabon und zum lauten Platzen der Immobilien-Blase verkünden die Medien in Europa nun seit Wochen den nahenden Bankrott derInsel. Das Irland-Bashing hat sich mittlerweile von den Wirtschaftsseiten auf den Boulevard ausgebreitet. Das Massenblatt "BILD" erklärte seinen Lesern gestern "den Aufstieg und Fall" Irlands unter der Headline "Vom Tiger zur Maus". Irland muss nun nicht nur die Ökonomie reparieren sondern auch hart am Image arbeiten. Wir empfehlen: Die Vorzüge der unvergleichlich schönen Natur, die vom wirtschaftlichen Niedergang am ehesten profitiert, wieder stärker herauszustellen (und die Natur als wichtiges Asset pfleglicher zu behandeln).   

Sie glauben, diese Meldung hier bereits gestern und doch anders gelesen zu haben? Sie haben recht: Man muss auch loslassen können. Gerade habe ich die Posts der letzten sieben Tage gelöscht. Unabsichtlich natürlich und ohne ein Backup gemacht zu haben. Ich sollte mich jetzt elend fühlen, habe aber beschlossen das nicht zu tun und den Verlust als interessante Erfahrung zu akzeptieren. 

Hier deshalb eine kleine Zusammenfassung der Meldungen dieser Woche:

Ein Ölteppich gefährdert die Küste von Wexford: Der aus 1000 Tonnen Treibstoff bestehende sechs auf sechs Kilometer große Ölteppich vor der irischen Südküste treibt langsam auf das County Wexford im Südosten der Insel (und auf Wales) zu. Die mutmaßlich von der russischen Marine verursachte Ölverschmutzung, nach Ansicht von Umweltschutz-Organisationen die schlimmste seit zehn Jahren,  wird auf hoher See kaum beseitigt werden können. Die flüchtigen Anteile des Öls verdunsten, an den Stränden werden in etwa zwei Wochen klebrige Ölbrocken angespült werden. Die irischen Behörden beobachten den sich ausbreitenden Ölteppich und erwägen den Aufbau von Ölbarrieren an den Hot Spots, während die russische Marine sich im Abstreiten der Verantwortung erschöpft.  Allerdings: Vorhandene Satellitenphotos sind ein fast sicheres Beweismittel, wenn es später darum geht, wer für die Kosten der Ölpest aufkommen muss.  

Interessante deutschsprachige Blogs über Irland: Es muss nicht Bernd Biege sein, der Irland und die Iren bevorzugt herablassend und schulmeisterlich beschreibt. Wir hatten ihn für seine besserwisserische iren-feindliche Kommentierung kritisiert, was den Caveman Cavan-Man vom Mount Nugent zu unflätigen, Fladen assoziierenden Bemerkungen hinriss – und zu einer bemerkenswerten Offenbarung. Er stellte die Kommentierfunktion für den Post ab, um Reaktionen zu vermeiden. So samma. (Fairerweise sei gesagt, dass Bernds Betrachtungen in dieser Woche milde, nett und bisweilen interessant daherkamen). Wir empfehlen als Alternative jedenfalls die fast tägliche Medienschau des Altmeisters Jürgen Kullmann, der als The Irelandman milde kommentierend eine Auswertung der wichtigsten irischen Zeitungen und RTE veröffentlicht. (Zur Zeit macht der Irelandman aus Dortmund eine Woche nachrichtenfreien Urlaub). Weitere Tipps zu interessanten Irland-Blogs folgen demnächst. 

Neue Hoffnung für die Cork-Swansea-Fähre: Die Tourismuswirtschaft von West Cork beschließt, die Finanzierungslücke von drei Millionen Euro innerhalb einer Woche zu schließen, um die Wiedereinführung der Fährverbindung im April nach zwei Jahren Pause wieder zu ermöglichen. Aktuelles Update: Die Aktion verläuft erfolgreich, bislang haben Firmen und Privatleute hier im Südwesten Irlands Anteilsscheine in Höhe von knapp 2,5 Millionen Euro unterschrieben. Ein starkes Stück Arbeit von Conor Buckley und seinem Team. Es könnte also doch noch klappen...

Kleine Typologie der Deutschen in Irland: Wir hatten verschiedene Existenzformen des Irland-Deutschen anhand von Beispielen skizziert.
1. Der "Ich bin der beste Ire, den es je gab" -Typ.
2. Der "Wir sind alle gute Europäer"-Typ.
3. Der "Ich bin Deutsch und das ist besser so"-Typ. 
Wir kommen darauf zurück, vor allem auf Typ 3. Ende der Zusammenfassung. 

Freitag, 13. Februar 2009

Tipps zum Wandern in Irland (4):Vom spurlosen Verschwinden

Haben Sie schon einmal das schöne Wort "Wander-Ethik" gehört? Es könnte von unserem Oberethiker Immanuel Kant stammen und ist doch nur eine freie Übersetzung des englischen Begriffs "Outdoor Ethics". Die "Wander-Ethik" weist uns darauf hin, was wir tun und lassen sollen, wenn wir uns in der freien Natur bewegen. Die irischen Tourismusverbände und die wichtigen Umweltschutzorganisationen haben diese aus den USA stammenden Richtlinien zur Ethik des Wanderns ratifiziert und unterstützen sie. "Leave No Trace" (Hinterlasse keine Spuren) nennen sich die sieben in der Richtlinie zusammengefassten Prinzipien. Sie fassen in einfachen Regeln zusammen, wie sich Wanderer in Irlands herrlicher Natur verhalten sollen, um diese Natur zu schonen, zu schützen und zu bewahren. 

Zusammenfassen kann man die Ratschläge für ethisches Wandern in einem einfachen Satz: Bewege Dich möglichst unsichtbar und leise, hinterlasse in der Natur keinerlei Spuren, verschwinde so spurlos, wie Du aufgetaucht bist. Im Einzelnen beschreibt  "Leave No Trace", dass man keinerlei Abfälle in der Natur zurücklassen soll, auch nicht die vielzitierten organischen Abfälle (weil auch Bananenschalen oder Obstreste das Ökosystem beeinflussen können), sie sagt, wie man umweltgerecht auf die Natur-Toilette geht, wo Lagerfeuer am wenigsten schädlich sind, wie man sich Wildtieren und anderen Wanderern gegenüber verhält, oder dass man aus der Natur nichts mitnimmt. 

Wir von Wanderlust unterstützen diese Konvention ausdrücklich und erklären den Teilnehmern unseren Touren genau, wie sie sich unterwegs richtig verhalten. Gerade in Irland, wo wir uns sehr oft abseits befestigter Wege im freien Gelände bewegen, muss zum Beispiel ständig abgewogen werden,  wo die Teilnehmer einer Gruppe laufen, ob sie besser im Gänsemarsch oder besser weit verteilt über eine Moorwiese gehen sollen. Vollkommen spurlos geht leider keine der beiden Varianten an der Moorwiese vorbei, da würde nur Zuhausebleiben wirklich 100-prozentig helfen. Es geht deshalb darum, Fußabdrücke, Schäden, Spuren möglichst gering zu halten.

Die Broschüre mit den Richtlinien zum Wandern halten wir auf unserer Website zum Download bereit. In der nächsten Folge unserer Tipps für Wanderer veranstalten wir das kleine Wanderethik-Quiz "Können Sie spurlos verschwinden?"



Donnerstag, 12. Februar 2009

Neues vom kuscheligen Scharfrichter: Warum wir Ryanair lieben sollten

Ein Anonymus (nur Mut, melde dich!) aus Kildare machte mich heute darauf aufmerksam, dass Bernd Biege, der rhetorische Scharfrichter der "gierigen Iren" (siehe Story des Tages) auch ganz zuckersüße Seiten hat. Und tatsächlich: Während der  in den späten 90er Jahren nach Irland gezogene und wohl im nordirischen Ulster lebende Bernd "DIE IREN" in seinem deutschsprachigen Blog  fast täglich abwatscht, raspelt er auf  www.goireland.about.com in einem englischsprachigen Travel Blog mächtig pro-irisches Süßholz. 

Das geht so weit, dass er uns neben vielen aufgekochten Kleeblatt-Klischees eine Firma ganz besonders ausführlich ans Herz legt: Die Hass-Ikone Ryanair. Nein, Ryanair ist doch eigentlich ganz super-toll, sagt PR-Bernd. Sagen wir so: Ryanair ist die einzige Airline,  die bestimmte Strecken nach Irland bedient. Das macht sie zur Zeit unentbehrlich. Wir warten auf den Tag, da es Alternativen gibt. Und Markentreue ist ein Wort von vorgestern. 

Die Gier der Anderen oder: Deutsche und Iren


Kennt Ihr Bernd, den Scharfrichter aus Mount Nugent, County Cavan, der dem Padraig und der Mary (also dem typischen Iren) fast täglich die Leviten liest? Unter der Headline "Irische Schuldigensuche"  macht Bernd im "Irland Inside Blog" nun die wahren Schuldigen für die dramatische Wirtschaftsmisere in Irland aus:

"Irlands Misere ist ein Resultat von nackter Gier. Gier nach Prestige, einem überhöhten Champagner-Lebensstil und nach dem schnellen Euro ohne eigene Leistung. Diese Gier zeigte die Regierung, diese Gier zeigte aber auch der kleinste Bürger in Finglas und Ballymun, der mit seiner vom Staat teilfinanzierten Sozialhütte den fetten Reibach machte. Und sich jetzt verwundert ziegt, warum sein Anwesen in Kildare "negative equity" aufweist und sein Job als Teilzeittaxifahrer nicht mehr die goldene Nase bringt ..."


Dem kann man zustimmen, wenn man akzeptiert, dass die Iren den Amis, den Deutschen, den Isländern und vor allem den Briten keine Nachhilfestunden im Gierigsein erteilen müssen. Bernd jedenfalls liebt es, "DEN IREN" immer mal wieder so richtig die Meinung zu geigen. Schade, dass die meistens kein Deutsch verstehen und seinen Blog deshalb nicht lesen.


Mich hat Bernds deutsche Schuldigensuche an dieses alte Lieblingsthema erinnert: Wir Deutschen in Irland. Wir Deutschen und die Iren. Wir Besser-Ossis-und Wessis. Haben wir es nicht immer schon gewusst, dass...?


Es gibt nach meinen Beobachtungen drei idealtypische Existenzformen des in Irland lebenden Deutschen (des Einwanderers oder Übersiedlers):
1. Der "Ich bin der beste Ire, den es je gab" -Typ.

2. Der "Wir sind alle gute Europäer"-Typ.

3. Der "Ich bin Deutsch und das ist besser so"-Typ.



Zum 200. Geburtstag von Charles Darwin könnten wir dieses Thema in den kommenden Wochen ein wenig vertiefen und das Überleben zwischen Anpassung und Demonstration der überlegenen Stärke in der fremden Nische etwas genauer betrachten. 


Im Vorgriff ein kleines Beispiel: Nicht weit von Glengarriff lebt seit über 20 Jahren ein Deutscher, den man zutiefst erzürnt, wenn man ihn in Deutsch anspricht. Der gute Mann verurteilt muttersprachliche Art der Kommunikation als nazihaftes Gehabe und pocht auf die Unterhaltung in Kauderwelsch (schlechtem Englisch). Er lebt das irische Leben des besten Iren, den es nie gegeben hat. Er hat sich seiner Herkunft entledigt und amalgamiert seitdem mit dem Vakuum, das er zu hinterlassen glaubt. Ein typischer Fall von Typ 1: Ich bin der beste Iren-Darsteller aus Deutschland. 




Mittwoch, 11. Februar 2009

Tipps zum Wandern in Irland (3):Die Berge Irlands fordern Respekt

Die herrlichen Berge Irlands werden gerne belächelt oder sogar in Abrede gestellt: Viele Kontinental-Europäer stellen sich die Insel als große grüne und völlig flache Schafswiese vor. Auch die Höhe der Berge beeindruckt auf den ersten Blick nicht: 700 Meter, 800 Meter, na ja, 1039 Meter der Corrán Tuathail (Carrauntuohil), der höchste Berg des Landes. 

Was soll da schon passieren? Das ist wie ein Hügel im Schwarzwald, kleiner als der Brocken im Harz oder der Belchen in den Vogesen. Doch Vorsicht: Diese Berge wachsen direkt aus dem Atlantik, sozusagen von Null auf 700, und sie sind gefährlich für den, der ihnen nicht mit Respekt begegnet. Das mag pathetisch klingen, ist es aber nicht: Jedes Jahr geraten Dutzende unvorsichtige Wanderer in Bergnot und immer wieder auch endet das Vergnügen tragisch. Gerade am Wochenende mussten zwei Wanderer in den Wicklow Mountains von einer Hundertschaft Helfer vom Berg geholt werden, nachdem sie sich verschätzt hatten und die Nacht bei Minustemperaturen hoch oben im Freien verbringen mussten.

Stopp. Dies ist keine Anti-Werbung, wir betreiben kein Mountain-Mobbing. Im Gegenteil: Diese wunderbaren Berge wollen begangen, erobert, genossen, erfahren und verstanden werden. Es braucht gar nicht viel, um das, was ich Respekt genannt habe, für die Berge aufzubringen. Hier die Regeln für Alle, die in Irland hoch hinaus wollen: 

* Gehen Sie immer in guter Ausrüstung. Schützen Sie sich mit der richtigen Kleidung vor Wind, Wetter, Nässe. Der Zwiebellook mit leichter moderner Funktionswäsche, die je nach Temperatur und Feuchtigkeit in mehreren Schichten getragen werden kann, hat sich bewährt. Gute Wanderschuhe verstehen sich von selbst, genauso der Schutz gegen Regen und Sonne.

* Orientieren Sie sich: Lesen Sie das Gelände mit Landkarte (die Discovery Series Wanderkarten des Ordnance Survey im Maßstab 1:50.000 gibt es für das gesamte Land), wenn Sie können mit Kompass oder mit einem GPS mit Trackback-Funktion, die Ihnen im Zweifelsfall den Rückweg aufzeichnet. 

* Nehmen Sie auf jeden Fall ein gut aufgeladenes Handy mit. Hinterlassen Sie Ihre Nummer bei Freunden, Bekannten, im Hotel. Speichern  Sie vor der Wanderung die örtlichen Notfallnummern der Polizei (999 oder 112) und der örtlichen Bergrettung ein. Gerade Mobile Telephone haben in den Bergen heute einen großen Nutzen. Mancher fehlgelaufene Wanderer konnte sich mit Hilfe seines Handies aus seiner Notlage retten (lassen). 

* Machen Sie einen realistischen Zeitplan und bedenken Sie, wie lange Sie unterwegs sein können, bevor es dunkel wird. An Weihnachten vor 4 Jahren, den dunkelsten Tagen des Jahres startete ein englischer Familienvater mit seinen vier Kindern nachmittags um 14 Uhr zu einer Tour auf den Hungry Hill auf Beara, für die er 7 Stunden hätte einplanen müssen. Als es dunkel wurde, hatte die Gruppe noch nicht einmal den Gipfel erreicht - vom Abstieg gar nicht zu reden. Dank Handy konnte der Mann sich und seine Kinder in einer dramatischen Nachtaktion vom Berg retten lassen. Nicht erparen konnte er seiner Familie, dass die Zeitungen die Rettungsaktion hämisch kommentierten und die Namen der unfreiwilligen Nachtwanderer veröffentlichte, getreu dem alten Sprichwort: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

* Wenn Sie ganz sicher gehen wollen: Lassen Sie sich führen. Wir von Wanderlust  bringen Sie sicher hinauf und wieder runter – und dazwischen haben Sie beim Wandern in den herrlichen Bergen von Cork und Kerry viel Spaß. Wenn wir mit Gästen in die Berge gehen,  erzählen wir gerne all das, was wir in den letzten zehn Jahren hier gelernt und kennen gelernt haben: "Walk und Talk".  

Dienstag, 10. Februar 2009

Margaret genießt die neue Zeit in Irland

Heute sprach ich zum ersten Mal seit zwei Jahren mit unserer Anwältin Margaret Collins. Sie hatte in den letzten Monaten ihr viertes Kind auf die Bahn des Lebens geschoben und kehrte  kürzlich an den Schreibtisch in ihrer Kanzlei zurückt. Margaret kann dem großen Wirtschafts-Crash in  Irland Positives abgewinnen. Es ist tatsächlich Ruhe im Land eingekehrt, die Zeit des ewig-hektischen Geschäftemachens um jeden Preis ist erst einmal vorbei. Zu Zeiten des Booms beantwortete eine gehetzte, ausgezehrte und super verdienende Margaret Anrufe von Klienten manchmal erst eine Woche später, obwohl sie bisweilen "im Büro übernachtete", wie sie sagt. Heute schafft sie es wieder am gleichen Tag, sie redet entspannt, plaudert, geht auf ihre Kunden ein und genießt es. 

Die Wirtschaftskrise wird meistens nicht als Chance begriffen. In der Diskussion dominiert die Hysterie. Schon wieder 1000 Arbeitsplätze weg. Ja, das ist schlimm. Aber kaum jemand fragt, wie wir von einer Entschleunigung profitieren könnten, und wie wir mit moderatem Tempo und zum Nutzen Aller entspannter wirtschaften könnten. Sind wir wirklich nur hier, um immer mehr zu verdienen und immer mehr zu konsumieren? Wohl kaum. Wie muss das Wirtschaftssystem aussehen, das uns gut leben lässt? 

*** Und das noch:
Teil 3 der Tipps zum Wandern in Irland gibt es morgen zum Thema: Die irischen Berge verlangen Respekt

Samstag, 7. Februar 2009

Tipps zum Wandern in Irland (2):Wenn Du vor einem geschlossenen Tor stehst...

Ein Deutscher steht in der Natur vor einem verschlossenen Tor. Er denkt sich: Durchgang verboten, dreht um, sucht sich einen anderen Weg entlang des Zaunes. Ein Ire steht in der Natur vor einem verschlossenen Tor. Er sieht keinen schriftlichen Hinweis, öffnet das Tor, geht hindurch, schließt das Tor hinter sich und  setzt seinen Weg unbeirrt fort.

Ein geschlossenes Tor auf dem Land in Irland bedeutet nicht das Ende des Weges. Sofern nicht schriftliche Hinweise wie "No Trespassing" (Unbefugter Zutritt verboten) oder "Private" (nichtöffentlich) oder ganz rüde "Keep out" (Bleib draußen) am Tor prangen, gilt das Prinzip "Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erst einmal erlaubt".  Da diese Tore jedoch meistens auch eine Funktion haben, in der Regel nämlich die, Tiere in einem Feld zu halten, hat der Torbenutzer eine oberste Pflicht: das Tor wieder zu schließen. Genauer gesagt: Er hinterlässt ein Tor in dem Zustand, in dem er es vorgefunden hat - manchmal auch offen. 

Hinter dem simplen Gang durch ein Tor verbirgt sich freilich ein Dickicht hoch komplizierter rechtlicher Probleme mit dem Namen "Wegerecht" (Right of way). Dieses Wegerecht ernährt den Berufsstand der irischen Anwälte seit nunmehr füber 90 Jahren hervorragend. Ganze Bibliotheken Rechtsliteratur sind geschrieben worden, um das Thema in den Griff zu bekommen – vergebens. Immer neue Fälle verleihen dem Streitobjekt Nummer 1 im Land immer neue Facetten. So gibt es Grundstücksbesitzer, die ihr geliebtes Stück Land gar nicht betreten können, weil sie kein Wegerecht und damit keinen Zugang haben – es sei denn, sie fliegen direkt mit dem Hubschrauber ein. 

Schwierig wird es immer dann, wenn Eigentum und regelmäßige Nutzung im Spiel sind. Wer beispielsweise regelmäßig einen Weg über Privatland geht, und dies über Jahre hinweg tut, kann nach zehn, zwölf Jahren daraus ein Recht postulieren und mit etwas Glück gerichtlich durchsetzen. 

Von derlei Problemen wird der einfache Wanderer nicht berührt,  ist er ein doch eher flüchtiges Subjekt. Er macht seine Wanderung – am besten mit einem ortskundigen Führer - und ist schon wieder weg. Ausnahmen bestätigen die Regel. So sperren zornige Bauern, die sich von der Regierung oder der County-Verwaltung ungerecht behandelt fühlen, schon einmal einen beliebten Wanderweg, und versuchen, arglose Wanderer mit dem Knüppel "Private Property" (Privatland) zu verscheuchen. 

In diesem Fall bleibt man am besten ganz ruhig, spricht ein paar freundliche Worte in welcher Sprache auch immer, lächelt und geht mit dem Mut des Ahnungslosen zielstrebig seines Weges. 

Am Vorbildlichsten verhält sich natürlich, wer schon vor der Überquerung von Privatland zielstrebig den nächsten Bauernhof ansteuert und nach einem Schwätzchen mit dem Farmer freundlich um Erlaubnis bittet, das Objekt der Begierde ansteuern zu dürfen. Nach unserer Erfahrung ist eine Ablehnung des Wunsches die absolute Ausnahme. 

Dieses "Benimm für Wanderer in irischen Gefilden" gilt übrigens nicht für ausgeschilderte offizielle Wanderwege.

Und das noch: 
Wenn ein Tor fest abgeschlossen ist, kann man immer noch klettern. In diesem Fall gilt: Der geübte Wandersmann steigt immer an der Tor-Angel – dort wo das Tor im Scharnier aufgehängt ist - über das Hindernis, und niemals auf der frei schwingenden Seite; eine Vorsichtsmaßnahme, um das Tor nicht zu beschädigen. 

Freitag, 6. Februar 2009

Tipps zum Wandern in Irland (1):Auf Wegen und auf eigene Faust

Die Iren sind eine junge Wandernation, entsprechend ausbaufähig präsentiert sich das landesweite Wanderwegenetz. Verglichen mit England oder Deutschland gibt es nur wenig ausgebaute und beschilderte Wanderwege. Die Geschichte weiß warum: Bis ins frühe 20. Jahrhundert war Irland von den Engländern besetzt und regiert, dann kam die Landreform, und das gesamte Land wurde zu Gunsten der davor weitgehend besitzlosen irischen Bevölkerung privatisiert. 

Von einem öffentlichen Wanderwegenetz wollte dann zunächst niemand etwas wissen. Wer hart auf dem Feld, im Torf oder auf dem Hof arbeitete, musste am Wochenende nicht auch noch an die frische Luft;  und von A(rdaturrish) nach B(allilicky) ging man gemütlich auf den wenig befahrenen Straßen – zumindest bis in den späten 80er Jahren auch im ländlichen Irland der Wohlstand einkehrte und mit ihm die Autos, der Verkehr, die Gefahren. 

Erst mit den Schreibtisch-Berufen, dem Geld, der Freizeit und den Zivilisations-Krankheiten kam in der breiten Bevölkerung der Wunsch auf, Wandern zu gehen, Spaziergänge zu machen, sich an der Natur zu erfreuen. Seitdem bemühen sich County-Verwaltungen und Gemeinden um Wanderwege. Es gibt mittlerweile mehrere ausgezeichnete Fernwanderwege wie den Beara Way oder den Sheeps Head Way auf den südwestlichen Halbinseln des Landes, es gibt auch eine zunehmende Anzahl schöner und gut ausgeschilderter Rundwege, etwa im Nationalpark von Killarney oder im Naturschutzgebiet von Glengarriff. (Diese Wege werden wir in einer der nächsten Folgen unserer Wander-Tipps auf diesem Blog vorstellen.) 

Erst seit etwa zehn Jahren setzen sich engagierte Menschen dafür ein, dass der irische Staat seine schützende Hand ausstreckt, die zunehmend aggressive Abschottung des Privatlandes eindämmt und den freien Zugang in die herrliche Landschaft und auf die faszinierenden Berge des Landes per Gesetz garantiert. Auch die schönsten Orte des Landes, die Berggipfel oder die Wiesen mit großartigen, jahrtausende alten Steinkreisen, gehören meist Privatleuten. Die Kämpfer für freien Zugang organisieren sich in einer Bürgerinitiative namens "Keep Ireland Open" und fordern, was man aus England lange schon kennt: das "Right to Roam", also ein allgemeines öffentliches Wegerecht und das Recht zu wandern, wo und wohin man will. 

Es sind vor allem die größten Landbesitzer, die Bauern, die überzeugt sein wollen, den Stacheldraht und die verschlossenen Feldtore zu öffnen. Seit einem Jahr lockt der Staat nun Bauern in schönen Landschaften, dass sie öffentlichen Zugang zu ihrem Land gewähren, dass sie die Wege öffnen und pflegen. Das Konzept ist durchaus umstritten, denn die Bauern erhalten nach dem Geschmack mancher Städter ohnehin schon viel zu viele Subventionen, als dass man ihnen nun auch noch den freien Zugang für Wanderer abkaufen müsste; und dem Staat geht nun in der Wirtschaftskrise auch zunehmend das Geld aus.

Im Alltag, fernab der in den Medien ausgetragenen Konflikte, herrschen ohnedies andere Regeln vor: Die meisten Bauern sind nette Menschen, die einem gerne zeigen, wie man den Gipfel am leichtesten erreicht. Und wo wenig geregelt ist, regelt mancher die Dinge am besten selbst. Man sucht sich seinen Weg fernab der Wege und der Wegweiser, wandert querfeldein, besteigt  Gipfel, schaut von Steilküsten hinaus aufs Meer. Denn immer gilt in Irland auch das libarale Prinzip: Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist zunächst einmal erlaubt. Warum das so ist und welche Spielregeln zu beachten sind: demnächst hier! 

Donnerstag, 5. Februar 2009

Aus der Traum von der Fähre von Wales nach Cork


Schade. Die Fähre zwischen Swansea und Cork bleibt vorerst ein Traum. Die Fährverbindung, die Wales traditionell mit Irland verbunden hatte (Story hier) und 2006 überraschend stillgelegt wurde, sollte mit vereinten Kräften wieder in Betrieb genommen werden. Die Chancen standen lange gut. Doch nun sickerte durch: Die Initiatoren der Wasser-Wiedergeburt hatten ein Schiff, sie hatten private Investoren, sie hatten am Ende aber kein Glück.  

Eine mehrere Millionen Euro schwere Finanzierungslücke kann wohl nicht geschlossen werden, der klamme Staat wird nicht einspringen, und die in Irland und Großbritannien tobende Super-Rezession trug das ihre zum Scheitern bei: Investoren erkennt man derzeit vor allem an den kalten Füßen. 

Ein Ire redet kubanisch

Was unterscheidet diese beiden Männer?  Der Commandante Fidel Castro (links) ist legendär für seine ausufernden, oft fünf, sieben oder gar neun Stunden langen Reden. Der Senator Denis O´Donovan (rechts) ist es nicht. Könnte es aber ebenfalls werden. Denn während diese Zeilen entstehen, redet er wieder. Denis O´Donovan, ein Politiker aus Bantry in Irlands schönem Südwesten, sitzt seit 14 Jahren schon in einer der beiden Kammern des irischen Parlaments – mal als Abgeordneter, mal als Senator. Sein Erkennungszeichen als Fianna Fail Politiker war bislang seine Unauffälligkeit. Doch nun ist alles anders. Senator Denis ist empört über die Pläne seiner eigenen Partei, die Hafenbehörde seiner Heimatstadt Bantry aufzulösen und die Verwaltung der Hafenbehörde im 80 Kilometer entfernten Cork zuzuschlagen. 

Bei der ersten Lesung der Novelle des Unheil bringenden neuen   Hafengesetzes ergriff O´Donovan deshalb das Wort und erklärte seinen Parteifreunden wie den Kollegen der Opposition geschlagene vier Stunden lang, warum dieses Gesetz nicht kommen darf. Die Selbständigkeit des Hafens von Bantry, so der neuerdings unbeugsame Senator, muss erhalten werden. Bevor Denis letzten Donnerstag um 16.10 Uhr seine Rede beendete, ließ er den Senat wissen, das er nur  vorübergehend schweigen will. Und heute redet er weiter, um das Gesetzgebungsverfahren mit seinem Redestreik aufzuhalten, zu verzögern, am Ende erfolgreich zu torpedieren. 

Der konservative Politiker, der bislang auf den Hinterbänken als politischer Bodyguard des schlitzorigen Ex-Regierungschef Bertie Ahern auffiel ("Bertie´s Boy), ist auf dem besten Weg, in der Bantry Bay Helden-Status zu erlangen. Grimmig erklärte er der Lokalpresse: Ich rede weiter, bis ich mein Ziel erreicht habe. Sie können mich nur stoppen, wenn Sie mir Redeverbot geben oder wenn sie das Gesetz zurückziehen. Sie, das sind die Parteifreunde in der Regierung. Gut gebrüllt Denis  - und um der historischen Wahrheit die Ehre zu geben: O´Donovan sieht sich weniger in der revolutionären sozialistischen ("Bantry libre ó muerte") als in der republikanisch-irischen Tradition. Im 19.  Jahrhundert schon hatten irische Politiker mit Verzögerungs-Palaver und Redestreiks die englischen Besatzer parlamentarisch gequält. 

***Und das noch:
Denis O´Donovan muss in seinem Redefluss gestärkt werden. Die Bantry Bay braucht eine unabhängige Hafenbehörde, die das Zusammenspiel der Kräfte auf dem Wasser in Kenntnis der Probleme reguliert, die den Interessenausgleich zwischen Fischern und Tourismus, zwischen Kommerz und Umwelt  erfolgreich moderiert. Im fernen Cork würden die Belange der Bucht und der hier lebenden Menschen sicher nicht annähernd so gut vertreten. 

Dienstag, 3. Februar 2009

So wird das Wetter in Glengarriff, Irland

Das ist Stefan. Er setzte sich im Jahr 1986 in seinen Suzuki Allrad und ließ das Leben als  Zierpflanzengärtner in Frankfurt am Main hinter sich. Seit 22 Jahren wohnt Stefan nun schon in Derrycreigh, einem Townland von Glengarriff im Südwesten von Irland. Der Langener lebt mit Frau, Kind und Mutter direkt am Meer, er kultiviert einen großen Garten, hält Ziegen, lebt weitestgehend autonom und fährt noch immer seinen geliebten Suzuki Allrad . Zu seinen Hobbies zählt die Meteorologie. 

Als guter Nachbar versorgt uns Stefan immer wenn es wichtig wird mit der aktuellen lokalen Wetterprognose – zum Beispiel, wenn es zum Wandern in die Berge oder in die herrlichen Gärten der Bantry Bay geht. In 22 Jahren hat der Hobby-Metereologe gelernt, das Wetter in der Bucht zu lesen wie kaum ein anderer. Tag für Tag beobachtet er Himmel, Wasser und Bäume, misst die Sonnenscheinstunden, die Regenmenge, die Windstärke und überträgt seine Daten minutiös auf Millimeterpapier.  Wir staunen immer wieder, wie sehr seine Prognose und das tatsächliche lokale Wetter von der allgemeinen Wetterprognose für den Südwesten Irlands abweichen können.

Von Stefan haben wir es nun auch halb-amtlich: 2008 war ein recht scheußliches Jahr. Zwar lagen die Temperaturen (maximum: 26 Grad, Minimum -4 Grad) durchaus im Schnitt, doch die Sonne hatte sich 2008 deutlich weniger als in den Vorjahren blicken lassen. Stattdessen regnete es ein Fünftel mehr als in einem durchschnittlichen Jahr. Das erklärt vieles, denn wir erlebten 2008 als ein Jahr, dem der Sommer geklaut worden war. Wissenschaftlich ausgefuchste Klimamodelle wollen wissen, dass wir im Südwesten Irlands aufgrund der Erderwärmung sehr viel trockenere Sommer bekommen sollen, zumindest 2008 allerdings hielt sich Petrus nicht an die Prognosen. Hoffen wir also auf den Sommer 2009.

Der Januar in der Bantry Bay war übrigens laut Stefan der grimmigste seit 22 Jahren. Janeiro, Jänner, January, irisch: Eanáir kam extrem kalt und nass daher –  mit einigen Frostnächten und viel Regen. So kann´s gehen, im mildesten Land Mittel- und Westeuropas, das sich angesichts seiner aktuellen Staatsverschuldung und der drohenden Liquiditätsengpässe zumindest finanzwirtschaftlich  zum Club Méditerranée zählen lassen muss und in den Ratings für Staatanleihen nun in einem Atemzug mit Italien, Spanien und Griechenland genannt wird.   

Ein Blick auf das Wetter in der Bucht brachte gestern abend übrigens folgendes Ergebnis:
 

Montag, 2. Februar 2009

Geheimtipps: Wandern in Irland

Während in London der schlimmste Schneesturm seit Dekaden tobte und in Dublin der Verkehr am Flughafen und auf den Straßen zusammenbrach, genossen wir an der irischen Südwestküste zwei kristallklar-kalte und herrliche Sonnentage. Diese Wetterlage mit nordisch klarer Luft und minimaler Luftfeuchtigkeit bekommen wir hier am Meer eher selten geliefert, umso mehr genießen wir sie. 

Ob dies auch morgen noch so sein wird, wissen wir nicht. Die Lehrerinnen unseres neunjährigen Sohnes haben den Kindern heute zumindest eine spannende Notiz mitgegeben: Wir sollten die Kinder morgen früh an der Schule erst zurücklassen, wenn wir sicher sind, dass die Lehrerinnen die Schule wirklich erreicht haben. Die Damen rechnen mit Schnee und damit, dass ein, zwei Zentimeter weiße Ware morgen für "schneefrei" sorgen könnten. Die Kinder jedenfalls freuen sich schon.

Wir haben heute in der wärmenden Sonne mehr vom Frühling geträumt und hörten die Berge rufen. Bald ist es wieder soweit und die Zeit des Bergwanderns beginnt. 

Wandern in Irland, das ist ein echter Geheimtipp. Wir wandern hoch über dem Atlantik in 350 Millionen alten Sandsteingebirgen und steigen direkt vom Meer auf Höhen zwischen 600 und 1000 Metern. Viele Menschen wissen nicht, was Irland für Wanderer zu bieten hat. Selbst die Experten eines Online-Mediums, das sich ausschließlich den Bergen widmet, stellen sich Irland als eine große flache Schafwiese vor. Grund genug also, die Berge Südwest-Irlands auf dem Kontinent etwas bekannter zu machen. 

Deshalb gibt es an dieser Stelle in den kommenden Wochen die Geheimtipps "Wandern in Irland". 

IMPRESSUM

Dieser Blog wird geschrieben und editiert von: Good News Media Markus Bäuchle, Eliane Zimmermann, Starlight House, Ardaturrish Beg, IRL-Glengarriff, Co. Cork. mbaeuchle (at) mac.com Haftungsausschluss: Die Texte in diesem Blog wurden von den Verfassern nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen und regelmäßiger Aktualisierungen dieses Blogs übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sowie für die Inhalte von Kommentaren sind ausschließlich deren Betreiber/AutorInnen verantwortlich.