Dienstag, 31. März 2009

In Irland blüht der Schwarzdorn: Farbe verdrängt das Braun des Winters

Die gelben Ginsterblüten bekommen Gesellschaft, in der Landschaft Südwest-Irlands verdrängt Farbe allmählich das triste Ocker und Braun des Winters. Im keltischen Monat der Weide (Saileach) treiben die Blätter von Weiden und Birken aus – in diesem Jahr nach kaltem und langem Winter mit einiger Verspätung. 

In den Hecken, für die Irland berühmt ist, beginnt gerade der Schwarzdorn (Prunus spinosa) zu blühen. Die kleinen cremefarbenen Blüten (unser Foto) erscheinen zeitlich vor den Blättern an den schwarzen, mit bis zu fünf Zentimeter langen Dornen ausgestatteten Ästen des Draighean. Die alten Iren stehen dem Schwarzdorn zwiespältig gegenüber. Einerseits wird ihm zugesprochen, dass er die Menschen schützt, die einen Stock oder Knüppel aus Schwarzdorn bei sich tragen, andererseits wird erin der Folklore auch mit übelwollenden Kräften der Geisterwelt in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich denkt jeder, der sich einmal an einem Schwarzdornbusch verletzt hat, eher negativ über das Gehölz. Manchmal wird der Schwarzdorn geradezu als Unglücksbringer gebrandmarkt, der zwar "besser als der Teufel aber schlechter als die Brombeere" sei. 

Viele Urlauber verwechseln den Schwarzdorn wegen der weißen Blüten mit dem Weißdorn, der erst Wochen später blüht (Mehr zum ikonischen Feenbaum Weißdorn hier in wenigen Wochen). Die weißen Blüten jedenfalls ließen irische Dichter gerne den Vergleich zu Frauen ziehen: "My love is like the flower oft he dark blackthorn" – was eine Frau nicht nur als Lob nehmen muss,  impliziert die Metapher doch auch die dornige Seite der Wesen. 

In den traditionellen irischen Hecken hat der Schwarzdorn jedenfalls einen Stammplatz. Diese natürlichen Zäune wurden als Einfriedung von Feldern und Gehöften kunstvoll kultiviert und gepflegt, bis sie einen schier undurchdringlichen Wall bildeten. Der Niedergang der Hecken begann 1880 mit den ersten Importen von Stacheldraht aus den Vereinigten Staaten. Doch noch heute kennen alte Bauern die Kunst, im Lauf der Jahre durch behutsame Eingriffe schützende Hecken zu formen. Auch die Vögel des Landes ziehen eine ordentliche Hecke jedem Stascheldraht vor, und den Fledermäusen dienen die Hecken entlang der Straßen und Grenzen als Reisekorridore. 


Aus den dunkelblauen Beeren  (Sloes) des Schwarzdorns , die als Schlehen bekannt sind, wird übrigens Sloe Gin, Schlehenschnaps oder Schlehenlikör gemacht. Der Bluesmusiker Joe Bonamassa hat dieser Spirituose ein musikalisches Denkmal gesetzt: Sloe Gin.

"Volkszählung": Irlands Vögel fühlen sich auf der Insel wieder ganz wohl

Wir teilen unseren Lebensraum mit ihnen, wir vermissen sie, wenn sie uns am Morgen nicht singen und wenn sie am Abend den Tag nicht zwitschernd verabschieden: Die Vögel. Vielen Menschen gilt ein Ort als unheimlich , an dem es keine Vögel gibt – und selbst bei Menschenfeinden können die gefiederten Freunde oft noch einen Funken Lebensfreude wecken. Merkwürdig deshalb, dass die meisten Menschen die Abnahme der Vogel-Populationen und das Verschwinden ganzer Arten stoisch bis gleichgültig hinnehmen.  

In Irland gibt es endlich einmal gute Nachrichten über die heimische Vogelwelt: Birdwatch Ireland, mit 14000 Mitgliedern die größte Umweltschutzorganisation der Insel, hat gerade die Ergebnisse einer zehnjährigen Langzeitbeobachtung heimischer Vogelbestände veröffentlicht. Und siehe da: Die Populationen der meisten Arten sind stabil geblieben oder sogar gewachsen. Finken, Sängern, Meisen, Tauben und Ammern geht es so gut wie vor zehn Jahren. Vor allem die Mönchsgrasmücke, der Distelfink, der Dompfaff (Foto) und der Grauschnäpper haben sich sogar maßgeblich erholt und vermehrt. 

Zwar nehmen die Bestände von Feldlerche, Turmfalke und Misteldrossel weiterhin ab, doch insgesamt zeichnet auch der kritische Vogelschutzverband, der 145 heimische Vogelarten  überprüft hat, ein eher optimistisches Bild für die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre. Ein Grund könnte im Rückzug der Landwirtschaft und im stellenweisen Zuwachsen der Landschaft liegen.

Die häufigsten Vögel in Irland sind weiterhin der Zaunkönig, das Rotkehlchen, die Amsel und der Buchfink. Der seltenste dürfte der Wachtelkönig bleiben. 
Wenn übermorgen der April beginnt, ist nach irischem Zeitverständnis übrigens auch der Sommer nicht mehr weit. Im April nämlich kehrt der Kuckuck aus dem  Winterlager auf die Insael zurück und sein erster Ruf wird von der Landbevölkerung aufmerksam verfolgt. Denn die Ankunft des Kuckucks (r.) gilt als Beginn des Sommers, und als frühester überlieferter Ankunfttermin gilt der 2. April. 

In normalen Jahren allerdings sollte der Ruf des Kuckucks nicht vor dem 15. April zu hören sein. Bis zu 6000 Kuckucks-Paare leben in der warmen Jahreszeit in Irland und ihr Ruf ist keine Seltenheit, nur zu Gesicht zu bekommen sind die scheuen Vögel äußerst selten. Wir hören mit und halten Sie auf dem laufenden.


Die Illustration des Kuckuckmännchens stammt aus dem hervorragenden Vogelbestimmungsbuch "Irish Birds" von David Cabot, erschienen 2004 bei Collins 


Montag, 30. März 2009

Irland Update: Windenergie im Aufwind, Finanzlücke wächst ständig, Fußballer hoffen, Taxifahrer streiken.

Windenergie im Aufwind. Mitten in der großen Flaute investiert Irland in einen beträchtlichen Ausbau des Stromnetzes: Der nationale Netzbetreiber EirGrid hat einen 550-Millionen-Dollar-Auftrag an den Schweizer Technologiekonzern ABB  zum Bau einer 256 Kilometer langen Gleichstromleitung nach Wales vergeben. Das High-Tech-Kabel wird vor allem unter Wasser und 70 Kilometer weit unter der Erde verlegt und wird Irland in die Lage versetzen, das stärker zu nutzen, was es im Gegensatz zu Geld meistens zur Genüge hat: Wind.  Die Leitung nach Wales wird es ermöglichen, die Netzauslastung zu steuern, bei Windstille Strom zu importieren und in anhaltenden Windphasen Strom nach Wales zu exportieren. 

Hinter dem Projekt steht die energiepolitische Grundsatzentscheidung, stärker auf Windenergie zu setzen. Auch im Kleinen tut sich einiges: Demnächst soll es für Bürger möglich werden, eigene Windräder bis zu einer Kapazität von maximal 5 Kwh an das öffentliche Stromnetz anzuschließen und den eigenen Strom gegen Bezahlung in das Netz einzuspeisen. Die Rede ist von 19 Cent pro Kilowattstunde, die private Strom-Kleinerzeuger erhalten sollen. 

Jede Woche ein paar Milliarden weniger. Ob es an den unseriösen Steuerschätzungen liegt, ob es sich um die sogenannte "Salami-Taktik ("Die Wahrheit Scheibchen für Scheibchen") handelt  oder ob es die brutale Realität ist, die sich wöchentlich verschärft? Am Wochenende jedenfalls hat Ministerpräsident Brian Cowen die Aussagen seines Finanzministers Lenihan  von vergangener Woche korrigiert, die wiederum nur eine Korrektur der korrigierten Korrektur waren. Jetzt soll der Staat im Jahr 2009 laut Regierungschef nur noch 32 Milliarden statt 34 statt 37 statt... 40 Milliarden Euro einnehmen. Die Deckungslücke im Haushalt stiege dann auf 26 Milliarden Euro.  Am 7. April ist Schlachtfest. Dann soll der Nachtragshaushalt vorgestellt werden. Brian Cowen jedenfalls sagte es am Wochenende in seltener Klarheit: Die kommenden fünf Jahre geht Irland durch ein langes und tiefes Tal des Jammers. Mindestens fünf Jahre braucht es laut Taoiseach, um aus der wirtschaftlichen Sackgasse herauszukommen. 

Alle Kraft gegen die Blauen. Die irischen Fußballer konnten es Ihren Kollegen von der stimmungsaufhellenden Abteilung Rugby (Unsterblich geworden durch Grand Slammmmm!!!!) nicht gleichtun und kamen am Samstag zuhause über ein unglückliches 1:1-Unentschieden samt Eigentor gegen Bulgarien nicht hinaus. Nun müssen die Grünen auf einen Sieg gegen Weltmeister Italien hoffen, um sich die Tabellenführung in der WM-Quali zu sichern. Mit dem gerade 70 Jahre alt gewordenen Giovanni Trapattoni haben die Iren einen Trainer, der zumindest theoretisch weiß, wie man die Squadra Azzurra schlägt. Der "Habe-Fertig-Coach" jedenfalls freut sich schon auf das Match am Mittwochabend in Bari: Er rechnet für sich selbst mit einem herzlichen Willkommen zuhause, wähnt er sich doch an der Spitze der meistgeliebten italienischen Fußballtrainer – auch wenn er in diesem Fall nur kommt, um drei Punkte mitzunehmen. 

Neues aus dem Streikkalender. Während die Gewerkschaften erst heute entscheiden wollen, ob sie die Flughäfen Dublin, Cork und Shannon am Donnerstag ins Chaos stürzen wollen, um ihre Gehaltsforderungen durchzudrücken, haben die Taxifahrer den Zündschlüssel heute bereits abgezogen und sind landesweit in den Ausstand getreten. Der für heute geplante und kurzfristig abgesagte nationale Streiktag ist zwar ausgeblieben, man muss aber kein Prophet sein um zu ahnen, dass wir demnächst mehr Streiks im Lande sehen werden. 

Sonntag, 29. März 2009

Das Wort zum Sonntag (2):

Warum schreiben wir Blogs?

Hier auf dem Irland-Blog stellen wir in den kommenden Wochen diese einfache Frage: Warum schreiben wir Blogs, warum bloggst Du? Wer uns die beste Antwort schickt, wird eingeladen, an unserer Wanderwoche im September in Irland teilnehmen. Ihr könnt klassisch mit uns wandern oder am Stock gehen (Nordic Walking), egal. Wir führen Euch zu den schönsten Orten des Südwestens, die dem Normalotouristen meist verborgen bleiben.* 

Jetzt aber erst mal an die Denkarbeit.  "Warum bloggst Du?", hatten wir bereits vor einer Woche gefragt. Die Reaktion: Immerhin vier Leser haben sich schon Gedanken gemacht und ihre Version formuliert. Nachzulesen in der Seitenspalte links. Für alle, die noch am Formulieren sind: Einsendeschluss ist der 1. Mai 2009. 

Also: Warum bloggst Du, warum bloggen wir? Antworten bitte im Kommentarfeld. 

Das Foto eines Fotografen, der sich selbst im Spiegel sieht, entstand 1981 in Clifden, Connemara.


*Die Teilnahme an unserer Wanderwoche kostet bei normaler Bezahlung 390 Euro. der Gewinner mit der besten Antwort nimmt mit einer Begleitperson seiner Wahl umsonst teil. (Dem Gewinner bleiben als Kosten An- und Abreise nach Glengarriff, West Cork und ein Eigenanteil an den subventionierten Unterkunftskosten von 20 Euro pro Nacht und Person).  Der Gewinner wird übrigens aus den 10 besten Antworten ausgelost. Alles streng neutral natürlich.

Einige Eindrücke von Earth Hour Samstagnacht in Europa

Beeindruckend, was alles verdunkelt wurde am Samstagabend. Beeindruckend aber auch, was hell blieb. Earth Hour darf nun eigentlich nicht in der lustigen Eventhaftigkeit einer globalen Wahl per Lichtschalter verharren, sondern muss - natürlich neben der eigentlichen politischen Kampagnenarbeit - lokale Konzepte für die Wiedereinführung der Nacht propagieren. Alleine das Nichtmehreinschalten aller unnötigen nächtlichen Lichtquellen würde für sich eine Menge Strom sparen helfen und vor allem: der Erde die Nacht zurückgeben. 


(Video entfernt.)

Samstag, 28. März 2009

Fällt die Weltrettung aus Sicherheitsgründen aus?

...und daran denken: Heute abend ist Earth Hour: Heute zwischen 20.30 Uhr und 21.30 Uht Ortszeit gehen weltweit die Lichter aus. Auch in Irland. Zumindest stellenweise. Menschen werden global die  Dunkelheit symbolisch sprechen lassen. 

Was vor zwei Jahren als lokale Aktion vom WWF in Australien ins Leben gerufen wurde, um gegen die globale Erwärmung und unsen gedankenlosen Umgang mit Energiereserven aufmerksam zu machen, ist letztes Jahr zu einer weltweiten Kampagne angewachsen, die nun auch von den Vereinten Nationen unterstützt wird.  

An diesem Samstag, so hoffen die Initiatoren vom WWF, sollen sich eine Milliarde Menschen an der symbolischen licht-freien Stunde beteiligen: Die Aktion steht unter dem Motto "Vote Earth" . Von ihr soll ein mächtiges Signal an die politischen Führer und an die nächste Welt-Klima-Konferenz in Kopenhagen ausgehen. Die  Botschaft des Votums mit dem Lichtschalter soll sein, den Klimawandel und die Erderwärmung mit allen Mitteln zu  bekämpfen.

Wer wo in großem Stil mitmacht und das Licht symbolisch ausschaltet, werden in den kommenden Tagen die Satellitenbilder zeigen. In manchen irischen Gemeinden ist mit "Business as usual" , also "Hell wie immer" zu rechnen. Dort löste die Earth Hour nur das übliche Krisengeschwafel aus: Man könne doch nicht einfach das Licht ausschalten, eine Sicherheitslücke schaffen und schadensersatz-geiernde Mitbürger geradezu auffordern, massenweise umzufallen um dann die Gerichte zu bemühen. "No insurance" – "Wir sind nicht versichert": Das ist das Standard-Totschlagargument auf der Insel, um etwas Neues, Anderes, Ungewünschtes im Keim zu ersticken. 

So wird denn in manchen irischen Gemeinden die Weltrettung aus Sicherheitsgründen erst einmal ausfallen. Hoffen wir, dass wenigstens Mother Mary (oben) ihren neon-weißen Strahlenkranz für eine Stunde solidarisch mit der Welt abschaltet. Und hoffen wir auf den März 2010, wenn es wieder heißt: It´s Earth Hour".
 

Freitag, 27. März 2009

Die Fastenzeit endet in diesem Jahr nicht an Ostern

Die Schüler in Irland waren nicht begeistert. Sie brachten gestern eine Eltern-Info nach Hause, die ihnen die Hoffnung auf einen freien Tag und ein verlängertes Wochenende raubte: "Schulen am Montag geöffnet". Was dem Nachwuchs so gar nicht gefällt, mag für das Land wichtig sein: Die Gewerkschaften haben den für Montag angekündigten "Nationalen Aktionstag", den radikale Randgruppen schon zum "Generalstreik" hochstilisierten, kurzfristig abgesagt. Sie nehmen die Einladung der Regierung an, den Dialog er Sozialpartner wieder zu beleben und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. 

Ob dies  den sozialen Frieden im Land sichert, wird entscheidend von den kommenden zwei Wochen vor Ostern abhängen. Es zeichnet sich ab, dass einzelne Gewerkschaften Alleingänge versuchen werden. So rechnet man etwa am 2. April mit Streiks an den Flughäfen. 

Der Tax X der irischen Politik wird der 7. April sein. Während sich die christliche Fastenzeit dann dem Ende entgegen neigt, wird die Regierung dem Land zum Auftakt der Osterwoche  einen Diätplan verordnen, der die biblischen 40 Tage für viele Bürger zur Ganzjahres-Veranstaltung ausweiten dürfte. Am 7. April wird die Regierung ihren Nachtragshaushalt vorstellen, mit dem das Kunsttück gelingen muss, ein Finanzierungsloch von mittlerweile 24 Milliarden Euro zu schließen. Die Ausgaben des Staats belaufen sich für das Jahr 2009 bislang auf 58 Milliarden Euro, dem stehen geplante Einnahmen von gerade noch 34 Milliarden gegenüber. 

Finanzminsier Brian Lenihan musste die Steuerprognose gestern gerade erneut um drei Milliarden Euro senken. Wie dramatisch die Steuereinnahmen einbrechen zeigt der Vergleich: 2008 waren es immerhin noch 41 Milliarden, 2007 stolze 48 Milliarden, und keiner weiß heute, ob die geschätzten 34 Milliarden Euro im diesem Jahr wirklich auch eingenommen werden. 

Die klaffende Lücke im Staatshaushalt muss also geschlossen werden – und dies in der heftigsten Rezession (oder bereits Depression), die ein Land in Europa durchzustehen hat. Die dramatischen Kürzungen der Sozialausgaben und die vielen offenen und verdeckten Steuererhöhungen den Gewerkschaften friedensbewahrend zu verkaufen, wird schwer werden.

Vieles wird davon abhängen, wie gerecht das große Streichkonzert ausfallen wird, das hier gerne vorauseilend als "Blutbad" bezeichnet wird. Wer wird am Ende die Zeche bezahlen? Werden auch die Nadelstreifenträger mit den Milliarden-Boni zur Verantwortung gezogen? Werden auch die vielen (waren es 32.000?) Neu-Millionäre, die Profitler der letzten zehn Jahre in die Verantwortung genommen, wenn es nun darum geht, dem Land aus der Krise zu helfen? Oder werden am Ende Paddy und Mary, also die kleinen Leute, die ganze Last schultern müssen?

Donnerstag, 26. März 2009

Irland neuer Weltmeister im Schwarzmalen

Die Deutschen sind bekanntlich die Weltmeister im jammernden Pessimismus. Teils fasziniert, teils angewidert starren sie auf den Hurra-Optimismus der US-Amerikaner ("Yes, we can", Irisch: "Can do").  Nun aber wird ihre Spitzenstellung von Irland bedroht: Die Iren glauben einer neuen internationalen Umfrage in 19 Ländern zufolge am wenigsten an die Zukunft ihrer Wirtschaft und ihres Lebens. Die Rezession werde schlimmer sein und länger dauern als irgendwo sonst, denken die vom Institut "Behaviour & Attitudes" befragten Iren. Die Schuld an der Misere geben sie übrigens nicht etwa den Banken oder der "Globalisierung", sondern vor allem der eigenen Regierung. (Mr Cowen, ziehen Sie sich warm an!)

Vor allem diese Aussage gibt zu denken: Die Mehrheit der knapp 1000 befragten Iren sagte, die aktuelle wirtschaftliche Lage sei "die bislang schlechteste in ihrem Leben".  Kann das Gedächtnis von so vielen Menschen so kurz sein?  Remember the 80-ies... 

Komisch auch: Noch vor einem  halben Jahr war hier ausgelassenste Party-Stimmung. Irland feierte sich als Master Country of the Universe, oder zumindest of Europe, und nun: Depression pur. Immerhin: Die Umfrage stammt aus dem Februar und hat den positiven  "Grand-Slam-Rugby-Effekt" noch nicht verarbeitet.  

Die Realität ist möglicherweise eine ganz andere: Die Menschen in diesem Land, vor allem die älteren, sind eigentlich krisen-erfahren und wissen, wie man in schwierigen Zeiten halbwegs gut überlebt. 

Und das noch***
Der Titel "Dümmlichste Headline des Jahres 2009 in der Irland-Berichterstattung" geht bislang an die ansonsten geschätzte Süddeutsche Zeitung für diesen gedanklichen Dünnpfiff:


In welche Armut denn? Fragen Sie den SZ-Autoren Hans-Peter Kunisch selbst.

Das Foto von den skeptischen Iren entstand 1979 auf der Aran-Insel Inisheer. 


Mittwoch, 25. März 2009

Das Gesicht der Irland-Krise – Ministerpräsident Brian Cowen nackt

Der schlitzohrige Langzeit-Ministerpräsident Bertie Ahern hat sich rechtzeitig vom Acker gemacht, bevor die Wirtschaft des Landes kollabierte. Das ist Volkes Meinung in Irland. Fakt bleibt, dass sein Nachfolger, der ehemalige Finanzminister Brian Cowen, die üble Suppe der schier unlösbaren Probleme nun auslöffeln muss. Cowen gilt inzwischen als das Gesicht der irischen Krise ("Der irische Patient") schlechthin. 


Nun wurde der in Irland "Taoiseach" genannte Minsterpräsident Cowen zu allem politischen Druck hin auch noch Opfer eines Guerilla-Künstlers. Die Porträts eines nackten Brian Cowen, der mal mit Unterhose in der Hand, mal mit einer Rolle Klopapier gezeigt wird, hingen plötzlich in den beiden bedeutendsten Kunstausstellungen des Landes, in der Royal Hibernian Gallery und in der National Gallery in Dublin. 


Während das Publikum über den Landeslenker ohne Kleider herzlich lacht und die Kunstszene so tut, als wolle sie den versierten Übeltäter demnächst outen,  tobt das politische Establishment in Dublin - was dazu führte, dass sich der öffentlich-rechtliche Fernssehsender RTE schon alleine für seine Berichterstattung über die Kunst-Polit-Aktion untertänigst beim Regierungschef entschuldigte. 



Nun muss Brian Cowen zeigen, dass er wirklich Jacke und Hose anhat und dass er das Land wieder in ruhige Fahrwasser zurückführen kann. Mit dem Abhängen von zwei unliebsamen Bildern ist es sicher nicht getan. Wundersam übrigens, warum die Polizei in dem Fall ermittelt. Wegen Majestätsbeleidigung? Wegen unerlaubten Eindringens in eine Galerie? Oder wegen des zu hohen Wahrheitsgehalts der Werke? Schöne Grüße von Gottfried Keller jedenfalls!

Fotos courtesy The Times 

Dienstag, 24. März 2009

Die Zerstörung der Nacht : Europa in Festbeleuchtung, Irland ein Platz für Romantiker


Wenn am kommenden Samstagabend genügend Menschen bei "Earth Hour" mitmachen und für eine Stunde das Licht ausschalten, dann wird Europa von oben völlig anders aussehen als auf unserem Satelliten-Photo. Die Aufnahme des hell erleuchteten Kontinents offenbart das ganze Dilemma des menschlichen Konsumverhaltens: Die Zerstörung der Nacht ist weit fortgeschritten. Warum muss es nachts taghell sein?  Gut zu erkennen sind die Metropolen wie Berlin und London, Ballungsräume wie das Ruhrgebiet und Benelux. Großbritannien scheint geradezu in Flammen zustehen. 

Die atlantische Westküste Irlands dagegen lässt sich - ähnlich wie Teile Osteuropas - nur sehr unscharf erkennen.  Die Lichtorgie hält sich hier in Grenzen – auch wenn der Hang zur nächtlichen Beleuchtung in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Noch immer gilt Südwest-Irland als eines der bedeutenden nacht-licht-freien Gebiete in Europa, es ist noch am wenigsten "lichtverschmutzt", wie man heute sagt. Auch deshalb empfiehlt sich Irlands Südwesten als idealer Platz für Romantiker: Hier kann man den unendlichen Sternenhimmel besonders intensiv genießen.   

Die Satelliten-Aufnahme Europas stammt von der DMSP, einer Abteilung des amerikanischen Verteidungsministeriums. Weitere Fotos der nächtlichen Erde findet man auf der Website des Non-Profit-Konsortiums UNAVCO .

Earth Hour: Am Samstag gehen weltweit die Lichter aus


Earth Hour: Am kommenden Samstag, dem 28. März, gehen weltweit die Lichter aus für die "Earth Hour". Menschen werden global um 20:30 Uhr (jeweils lokale Zeit) für eine Stunde (deshalb das Logo 60) das Licht ausschalten und die  Dunkelheit sprechen lassen. Was vor zwei Jahren als lokale Aktion vom WWF in Australien ins Leben gerufen wurde, um gegen die globale Erwärmung und unsen gedankenlosen Umgang mit Energiereserven aufmerksam zu machen, ist letztes Jahr zu einer weltweiten Kampagne angewachsen, die nun auch von den Vereinten Nationen unterstützt wird.

Zahlreiche internationale Konzerne, weltberühmte Gebäude und Bauten, prominente Menschen aus allen Sparten und Millionen Privatmenschen haben 2008 bereits mitgemacht. An diesem Samstag nun, so hoffen die Initiatoren vom WWF, sollen sich 1 Milliarde Menschen an der symbolischen licht-freien Stunde beteiligen: Die Aktion steht in diesem Jahr unter dem Motto "Vote Earth" . 

Von ihr soll ein mächtiges Signal an die politischen Führer und an die nächste Welt-Klima-Konferenz in Kopenhagen ausgehen. Die  Botschaft des Votums mit dem Lichtschalter soll sein, den Klimawandel und die Erderwärmung mit allen Mitteln zu bekämpfen.


(Video entfernt)

Lasst uns also am kommenden Samstag, den 28. März 2009 eine Stunde lang bei Kerzenlicht an ruhige alte Zeiten denken und an eine Zukunft, die auch für unsere Kinder und Enkel lebenswert sein wird. Weitersagen und das Video empfehlen! 














* Mehr Information zur Earth Hour gibt es auf dieser Website des WWF: http://www.earthhour.org
Hier kann man sehen, welche Initiativen in Irland stattfinden:

Join in for Earth Hour, the truly global earth vote, and switch off your lights for one hour: 8:30 PM to 9:30 PM local time on Saturday, the 28th of March 2009. Watch the video and pass it to all your friends! Campaigning organisation WWF hopes to see 1 Billion people to participate in this mass rally against global warming and climate change. For more information see the campaign website.


Montag, 23. März 2009

Müllabfuhr in Irland: Großer Müll

Tatsächlich gibt es seit einigen Jahren im äußersten Südwesten Irlands eine geregelte Müllabfuhr. Bis 2002 warfen die Leute ihren Müll in schwarzen Plastiksäcken an die Straße, wo er irgendwann vom County Council kostenlos abgeholt wurde, viele sparten sich den Weg und verbrannten den Abfall hinter dem Haus. Dann kamen die Mülltonnen und die Müllgebühren, das Kosten sparende Verbrennen wurde seitdem zum Massenphänomen und die schwarzen Müllbeutel in Wiesen, Flüssen und Straßengräben nahmen rapide zu.

2004 dann der große Wurf: Das Cork County Council als lokale Abfallbehörde führte ein hyper-modernes Abfallsystem ein und rechnete die Müllgebühren verursacherorientiert nach Gewicht ab – ein Chip an der Mülltonne und eine Waage am Müllwagen machten es möglich. Doch es half alles nichts: Man hatte versäumt, die Pflicht zur Tonne einzuführen, und ohne diese Kontrolle drücken sich nun noch mehr Haushalte um Abfuhr und Gebühr. Der Müll der Tonnenlosen wandert irgendwohin, wird verbrannt, vergraben, in den Straßengraben oder in den Wald geworfen, im besten Fall privat zur Deponie gefahren.

Die schwache Beteiligung an der öffentlichen Müllabfuhr ließ den eigentlich vorbildlichen Abrechnungmodus nach Gewicht vorerst scheitern, die Behörde erhöhte die allgemeine Grundgebühr für die angeschlossenen Haushalte drastisch, um sich wenigstens einen Grundstock an Einnahmen zu sichern. Und jetzt meldet das Council die totale Kapitulation: Allzu viele Kunden haben der öffentlichen Müllabfuhr den Rücken gekehrt, die Finanzierung ist komplett ins Wanken geraten. 

Wortreich beschwört der Müllbeauftragte des County Councils, Teddy Brown, derzeit die Bürger, wo er kann, sich wieder für die Tonne zu entscheiden. Selbstkritisch räumt er ein, dass die  Abrechung nach Gewicht zu früh eingeführt worden sei, weil es in Südwest-Irland vor vier, fünf Jahren noch gar keine Recycling-Kultur und kein Bewusstsein dafür gegeben habe; und um die Leute zur Rückkehr zur Müllabfuhr zu bewegen, kördert er sie jetzt mit einer Jahres-Flatrate von 250 Euro. Hau alles in die Tonne, bis sie randvoll ist - ob das Council mit diesem Konzept die "Recycling-Kultur" fördert oder ob das Gegenteil eintritt? 

An die einfachste Lösung, die Einführung einer Teilnahmepflicht einzuführen, traut sich die Behörde jedenfalls nicht heran. Zu groß scheint die Angst vor dem rebellischen Freiheitsdrang der Bevölkerung – zu groß zumindest in einem Jahr, in dem die Regionalparlamente neu gewählt werden. 

Ja wo bloggen Sie denn? Eine Wanderwoche in Irland zum Preis von einer coolen Antwort

Hier auf dem Irland-Blog stellen wir in den kommenden Wochen diese Frage: Warum schreiben wir Blogs, warum bloggst Du? Wer uns die beste Antwort schickt, wird eingeladen, an unserer Wanderwoche im September in Irland teilnehmen. Ihr könnt klassisch mit uns wandern oder am Stock gehen (Nordic Walking), egal. Wir führen Euch zu den schönsten Orten des Südwestens, die dem Normalotouri meist verschlossen bleiben.* 

Jetzt aber erst mal an die Denkarbeit.  "Warum bloggst Du?", hatten wir bereits gestern gefragt. Die Reaktion: ernüchternd, nämlich keine. Zahlreiche Abrufe des  Post, doch niemand denkt bislang mit. Klar, es ist noch viel Zeit. Einsendeschluss ist der 1. Mai 2009. 

Also: Warum bloggst Du, warum bloggen wir? Hier ein weiterer Vorschlag von uns: Weil wir anspruchsvolle Narzisten sind. Im Blog spiegeln wir uns soo schön. Schöner als auf jedem Foto. 

*Die Teilnahme an unserer Wanderwoche kostet bei normaler Bezahlung 390 Euro. der Gewinner mit der besten Antwort nimmt mit einer Begleitperson seiner Wahl umsonst teil. (Dem Gewinner bleiben als Kosten An- und Abreise nach Glengarriff, West Cork und ein Eigenanteil an den subventionierten Unterkunftskosten von 20 € pro Nacht und Person). 

Sonntag, 22. März 2009

Das Wort zum Sonntag (1):

My Blog is my Castle

Warum tun wir, was wir tun? Warum schreibe ich täglich eine halbe Stunde diesen Blog? Warum bloggen wir? Millionen Menschen weltweit tun mittlerweile, was vor zehn Jahren nur wenige Eingeweihte kannten. Warum bloggen sie? Warum bloggst Du? 

Hier auf dem Irland-Blog stellen wir in den kommenden Wochen diese Frage: Warum bloggst Du? Wer uns die beste Antwort schickt, wird eingeladen, an unserer Wanderwoche im September in Irland teilzunehmen* 
Jetzt aber erst mal an die Denkarbeit. Wir legen vor mit ein paar rein theoretischen Gedanken zur Frage: "Warum bloggen wir?"

"Bloggen ist eine zeitgemäße Form, Tagebuch zu schreiben". Stimmt. Warum aber lassen wir plötzlich alle Welt in unser Tagebuch schauen, das wir früher so sorgfältig vor den Blicken anderer gehütet haben? 

Bloggen ist die zeitgemäße Form des Tratschens. Bloggen stillt unser Mitteilungsbedürfnis, und wenn wir Glück haben, finden wir da draußen im virtuellen Treppenhaus geistige NachbarInnen, mit denen wir über unsere Lieblingsthemen tratschen können, ihnen sogar die Bilder von unseren Handarbeiten, Freunden, Kindern und Lumpis zeigen können – und von von denen wir Neuigkeiten erfahren.

Ich blogge, also bin ich. Im Blog schreiben wir, was wir denken, was uns ausmacht, was uns etwas angeht. Der Blog ist unser Strukturierungsmittel: Er zwingt uns jeden Tag zu gedanklicher Disziplin. Mein Alltag wird nun beherrscht von der Frage: Ist das Erlebte blog-wichtig, blog-bar, Blogfutter? Die Kamera darf nie fehlen. Sie liefert täglich neu den Nachweis meiner Existenz.

My Blog is my Castle. Dieser vertraute Gedankenraum, der sich vor mir , um mich, für mich auftut, wann immer ich will, ist mein nicht-materielles Zuhause. Meine geistige Zuflucht. Mit Fenster zur Welt. Hier bin ich daheim, hier kann ich sein, wie ich will. Hier sagt mir kein Chef, was ich denken und tun soll. Mein Blog heißt "myhomeismycastle" oder "meindaheimmeinblog". 

Ich blogge, weil ich ein Missionar bin. Wir haben ein großes Sendungsbewußtsein, und erstmals können wir aller Welt mitteilen, was sie tun muss, ohne dass uns jemand daran hindert. Früher waren wir auf den Zugang zu den Medien angewiesen, damit sie stellvertretend für uns senden. Fernsehen, Radio, Zeitung, Konrads-Blatt, Metzger-Rundschau, Tagblatt - alles vorbei.  Heute senden wir selber: "Post veröffentlichen".
 
Wenn ich blogge, ist ein Mantra in mir (frei nach Klaus Hofmann). Bloggen konzentriert, Bloggen zentriert, Bloggen bringt mich in meine Mitte. (Die Version für Esoteriker).

Ich bin die Verona Feldbusch Poth des Journalismus. Wir haben den Beruf des Schournalisten zwar nie gelernt, aber jetzt sind wir selber welche. Wir können nichts, aber das macht nichts. Ist doch ganz leicht: Blog einrichten, ein paar Bilder von anderen Webseiten kratzen, meine Vorurteile in das Textfeld eingeben, Taste "Posten" drücken – und fertig sind die Nachrichten, die die Welt nicht braucht. 

Ich blogge, weil ich Verkäufer bin. Unsere Werbeagentur meint, wir müssen unbedingt einen Blog machen. Wer jetzt keinen Blog hat und mit dem ganzen Web-2.0-Zeug nicht mitmacht, wird in drei Jahren businessmäßig am Arsch sein, sagt der Werbefutzi. Also werben wir jetzt in einem Blog. Wenn´s nur nicht so mühsam wäre, sich jeden Tag diese 25 Zeilen aus den Fingern zu saugen.


Jetzt aber genug: In den nächsten Wochen bitten wir um Eure Gedanken: "Warum blogge ich, warum bloggen wir, warum bloggst Du"? Wir freuen uns auf Schlaues, Simples, Smartes, Lustiges. Einsendeschluss ist der 1. Mai 2009.

*Die Teilnahme an unserer Wanderwoche kostet bei normaler Bezahlung 390 Euro. Der Gewinner mit der besten Antwort nimmt mit einer Begleitperson seiner Wahl umsonst teil. (Dem Gewinner bleiben als Kosten An- und Abreise nach Glengarriff, West Cork und ein Eigenanteil an den subventionierten Unterkunftskosten von 20  Euro pro Nacht und Person). 

***Blog, das, sächlich. Bekannt, bekannt. Wir bekennen uns zur Devianz, unser Blog ist ein Mann. Der Testosteron-Blog, der y-Blog. DER Blog. 


Samstag, 21. März 2009

Die Nordic Walking-Welle in Irland rollt

Klack, klack, klack, klack, klack, klack. Klick. Klack. Die bisweilen lautstark ausgetragenen Dispute zwischen Nordic-Fans und Stock-verachtenden Lauf-Normalos scheinen in Deutschland allmählich zu verstummen. Wahrscheinlich haben die meisten Stock-Hasser sich inzwischen klammheimlich eingestanden, dass das gute alte Gehen oder neudeutsch "Walken" ziemlich unclevere Traditionen sind – zumindest, wenn man das wöchentliche Bewegungspensum unter Fitness- und Effizienz-Aspekten betrachtet. 

Vor sechs Jahren jedenfalls, im Jahr 2003, war ich aufgrund eines schmerzenden rechten Kniegelenks mit meinem alten Läufer-Latein am Ende, ich fing an, am Stock zu gehen und fand Gefallen am Modesport Nordic Walking. Schon in den 70er Jahren hatten wir aktiven Ski-Langläufer im Sommer unsere langen Bergläufe regelmäßig mit Langlaufstöcken absolviert und so – genau genommen – das Nordic Walking begründet. Ich jedenfalls beschloss, die Trainerlizenz zu machen, wanderte mich stockgestützt aus dem Körpertief .   Heute zeigen wir  Gästen und irischen Hausfrauen, wie sie sich mit Nordic- Walking-Stöcken erfolgreich aus den Sofakissen stemmen. 

Die Menschen, die uns aus den Ländern mit einer nordischen Tradition besuchen, gehen meist gerne mit am Stock, weil sie Nordic Walking seit Jahren kennen.  Ganz anders die Iren. Das Skifahren haben sie erst für sich entdeckt, seit sie dank eines gewissen Wohlstandes zum Vergnügen ins Ausland reisen können, also vor fünf oder zehn Jahren.  Vormittags und in der Dämmerung am Straßenrand platzgreifend mit den Armen rudernde Frauen - manchmal alleine, manchmal im Pulk - frönen dem stocklosen "Power Walking", das es hierzulande zu einer gewisse Popularität gebracht hat, seit es als gesund gilt. 

Die Iren haben uns Deutschen bekanntlich ab dem 5. Jahrhundert knallhart und ungemein erfolgreich das Christentum antrainiert.  Vor zwei Jahren haben wir deshalb beschlossen, zurückzumissionieren, Wir geben Nordic Walking Kurse für die Frauen (und einige Herren) in der Bantry Bay und haben Glengarriff kurzerhand zur Nordic-Walking-Metropole Irlands erklärt. Inzwischen hat selbst der katholische Pfarrer von Bantry in seiner Sonntagspredigt die segensreichen Wirkungen des "pole walking" gepriesen, und Mary Finucane, eine populäre Radio-Moderatorin trommelte in ihrer Morning Show für unsere Disziplin. 

Die Anrufe aus den Tiefen des Insellandes mehren sich, manche Leute in Cork finden mittlerweile den Weg nach Glengarriff, um sich von uns die richtige Technik zeigen zu lassen, und bewegungswillige Damen aus Dublin wollen am Telefon wissen, wo sie ihrem Spontankaufbedürfnis nachgeben und in der Hauptstadt ein paar "richtige" Stöcke kaufen können. Am letzten Wochenende im April laden wir nun die begeisterten Stadtwanderer  aus Dublin und Cork zu einem Wochenend-Workshop "Nordic Walking" ein.  Zweieinhalb Tage beschäftigen wir uns in Theorie und viel Praxis draußen in den herrlichen Bergen und am Strand mit Nordic Walking, dazu gibt es eine Schwitzhütten-Zeremonie, einen Pub-Abend und viel Spaß. Mehr zum Thema auf www.irland-wandern.de.

Freitag, 20. März 2009

Wenn wir noch ein Jahr zu leben hätten

Was ist ein Tag, was ein Monat, was ein Jahr.  

Dem Nachbarn wurde von Ärzten mitgeteilt, er hätte noch höchstens zwölf Monate zu leben. Die Nachbarin sagte, seine Tage seien gezählt. Sind sie das nicht immer schon gewesen? 

Der Krebs hat das Ohr der Katze mittlerweile weggefressen und greift auf die Lymphdrüsen am Hals und auf das Gesicht über. Sie ist 15 Jahre alt. Sie blutet, sie sitzt in der Sonne und genießt die Sonnenstahlen, die den Hautkrebs verursacht haben. Sitzt sie noch einen Tag, noch ein Wochenende, noch eine Woche? Und wir? Wie lange leben wir noch?

Der tibetische Meister Sogyal Rinpoche (Foto) sagt: "Was ist unser Leben anderes als ein Tanz flüchtiger Formen. Alles ist vergänglich, nur die Vergänglichkeit hat Bestand". Rinpoche rät: "Wir müssen uns von Zeit zu Zeit fragen: Wenn ich heute Nacht sterben müsste, was dann?" Ein interessanter Ansatz, das Leben sozusagen vom Ende her zu betrachten. Wie würde ich leben, wenn ich noch zwölf Monate zu leben hätte, wie wenn noch vier Wochen, und wie, wenn noch einen Tag? 

Wir sind die Meister im Verdrängen des Todes. Leute, wie dieser kleine weise (und oft zornige) tibetische Buddhist Rinpoche weisen uns darauf hin, wie das Leben  wirklich ist – jenseits unser eingebildeten Identität, unserer Rollen und unseres Egos. Der Mann, der als Übersetzer des jungen Dalai Lama nach Europa kam und das bekannte "Tibetische Buch vom Leben und vom sterben" schrieb, leitet in Irland das Buddhistische Retreat "Dzogchen Beara" (Foto). Es liegt hoch über den Klippen von Garranes auf der Beara Peninsula, eine halbe Stunde von Glengarrifff entfernt. Dort lehrt Rinpoche jedes Jahr im Sommer zehn Tage lang, wie der Mensch besser lebt, wenn er den Tod versteht und akzeptiert, oder warum Mitgefühl so wichtig ist.

In diesem Sinne können wir selber üben: Wie lebe ich, wenn ich noch ein Jahr zu leben habe?


Unser ganzes Leben ist flüchtig 
wie Wolken im Herbst;
Geburt und Tod der Wesen
erscheinen wie Bewegungen im Tanz.
Ein Leben gleicht dem Blitz am Himmel,
es rauscht vorbei
wie ein Sturzbach den Berg hinab.
(Buddha)

 

Donnerstag, 19. März 2009

West Cork, Irland – Wo die Promis wohnen


Einerseits:  West Cork, der dem Atlantik zugewandte Teil von County Cork, Irlands größtem County, liegt traditionell im  "Zonen-Randgebiet" der Insel: strukturschwach, abgelegen, wenig Arbeit für wenig Menschen, ein Hauch von Harz und Bayerischem Wald, ein bisschen auch wie der Hunsrück vor Ryanair oder die Hinter-Pfalz. 

Andererseits: West Cork besticht mit Landschaften von beeindruckender Schönheit, mit reinster Luft, mildem Klima und viel, viel Ruhe. West Cork gilt deshalb als klassische Einwanderungs-Region und als einer der wahrhaft kosmopolitischen Orte in Europa. Die liberalen Land-Iren West Corks leben in einträchtiger Symbiose mit Engländern, Holländern, Deutschen, Amerikanern, Franzosen und Stadt-Iren. Die "Blow-ins", wie die Zugezogenen genannt werden, bringen Arbeit und Geld in die Gegend, sie sind deshalb erstmal gerne gesehen.

Die unaufgeregte Offenheit der Locals und die unverbrauchte Natur lockt auch viele "Promis" nach West Cork, die hier ein ungestörtes Leben fernab des Medienrummels führen können. Ganz diskret leben hier Geld- und Ausmerksamkeits-Millionäre,  Wirtschaftsleute und Künstler ohne die anderswo üblichen hohen Mauern und ohne Wachpersonal. Die Pfizers, die Hiltis, die Viessmanns, Peter Sutherland, der mächtige Cheflenker von BP,  der französische Skandal-Schriftsteller Michel Houllebecq, der begnadete Schriftsteller-Zeichner-Illustrator-Farmer Tomi Ungerer  - sie leben fast unbemerkt in den Hügeln, auf den Inseln, in den Buchten West Corks. 

Manche freilich genießen bei aller "Privatheit", die es hier im Übermaß gibt, auch den öffentlichen Auftritt. Maureen O´Hara, die ewige Filmbraut John Waynes, geht auf die 90 Lebensjahre zu, führt aber immer noch den Golf-Club von Glengarriff. Einmal die Woche lässt sich die einstige Hollywood-Diva auf einen Drink im örtlichen Hotel sehen. Oder Jeremy Irons: Der britische Schauspieler, der den tyrannischen Konsul Esteban Trueba im Geisterhaus so trefflich verkörperte, mischt sich gerne mal unters Volk. Der Oscar-Preisträger versteckt sich nicht, wohnt in einer aufgerüsteten Burg der MacDermot McCarthys aus dem 15. Jahrhundert bei Ballydehob (Foto oben) und spielt gerne mal öffentlich die Fiddle. Oder der Regisseur Neil Jordan ("Michael Collins"): Er amüsiert sich mit Schauspieler-Freund Colin Farrell gerne mal auf einem Volksfest auf der Beara Peninsula. 

Andere Promis mögen es diskreter und halten auch von ihrer Gemeinde so viel Distanz wie nur möglich. Ein mächtiger Konzernlenker, der die Sommer in den Hügeln des Mizen verbringt und  dessen Namen wir hier nicht nennen wollen, hat es geschafft, sich mit seiner Schroffheit (und seinem Geiz?) einen richtig schlechten Namen  zu machen. Der millionenschwere Manager wurde um einen bescheidenen Spendenbeitrag für eine örtliche Tourismuseinrichtung gebeten. Er hatte nicht einen Euro für die örtliche Initiative übrig und muss nun mit dem Spitznamen "Geiz-Peter" leben. 

Unser Foto zeigt Kilcoe Castle: Jeremy Irons hat mit der Entscheidung, seinen Burg-Turm in leuchtendem Pfirsich anzumalen, in West Cork für Furore gesorgt. Der Schauspieler wohnt einen Teil des Jahres in der Burg an der irischen Südküste. Einen Blick in das Burginnere und in Jeremy Irons Wohnzimmer kann man hier werfen.



Mittwoch, 18. März 2009

Neulich im Schalterklo der Deutschen Botschaft in Dublin


31 Trimleston Avenue, Booterstown, County Dublin, Irland. Wenn Sie in der Deutschen Botschaft in Dublin vorsprechen, um einen neuen Reisepass oder ein Visum zu beantragen, dann sind Sie für das Botschaftspersonal ein „Schalterkunde“. Sie werden innerhalb der festgelegten „Schalterzeiten“ bedient – allerdings nicht in einer „Schalterhalle“, wie Sie jetzt vielleicht vorschnell gefolgert haben. Nein bedient werden Sie in einem Räumchen, das etwa halb so groß ist wie ein Klo im Hilton, dafür aber meist fünfmal so gut frequentiert.   

Wenn Sie Glück haben, ergattern Sie eine der wenigen Sitzgelegenheiten im Schalterklo. Wenn Sie Pech haben, steht die Tür gerade offen und es ist drinnen kälter als draußen. Wenn Sie noch mehr Pech haben, sind ihre Unterlagen wieder nicht ganz vollständig oder das Passbild ist einen Millimeter zu groß und sie müssen leider noch ein drittes mal erscheinen. Wenigstens das haben Sie sich selber zuzuschreiben.   

Aus Sicherheitsgründen begegnen Sie den Schalterbeamten nicht direkt. Die Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland sind durch dickes Panzerglas von ihren Kunden getrennt. Damit man dennoch miteinander reden kann, gibt es eine Gegensprechanlage. Die hat den Vorteil, dass man auch bei stundenlangem Warten im Schalterklo nie Langeweile verspürt – nimmt man doch gerne und rege Anteil an den Schicksalen seiner Mitkundinnen und Kunden, die früher aufgestanden sind und nun gerade vom Kundenverwalter verangehört werden.  

Täuscht es, dass Russen oder Schwarzafrikaner, oder der nette Libyer, der in Dublin forscht und nun ein Visum für einen Kongress in Düsseldorf benötigt, schon mal etwas schnittiger zu ihrer persönlichen Situation befragt werden? Man mag sich täuschen, die Fälle sind ja meistens auch viel komplizierter – und zwischen Wirtschaftsasylanten und anständigen Besuchern zu unterscheiden, ist sicher ganz schön schwer. Wir wollen deshalb nicht auf der anderen Seite des Glases stehen.   

Wir würden uns dort auch ein wenig schämen. Weil wir dann Vertreter der Bundesrepublik Deutschland wären; und weil es so wirken würde, dass uns unsere Kunden nicht übermäßig willkommen sind. Oder würden Sie Ihre Gäste auf dem ungeheizten Klo empfangen?  

Dienstag, 17. März 2009

In Irland ist eigentlich nie "Tag des Herrn" – außer vielleicht für ein paar ausgelaugte Engländer


Nach einem langen Patrick´s Day Wochenende ist heute endlich Patrick´s Day. Viele mögen vom Feiern schon erschöpft sein, in Dublin und in vielen anderen Orten in Irland geht es erst richtig los: Die Paraden stehen an.   

Hier auf dem Land in West Cork war schon am Sonntag Paradetag, und so lädt ein stabiles atlantisches Hoch mit Sonne und viel blauem Himmel heute am Nationalfeiertag zum Arbeiten in den Garten oder zum Wandern in die Berge. Feiertag und Arbeiten, das geht hier bestens zusammen: Katholizismus hin, Frömmigkeit her: Wat mut, dat mut. In Irland haben sonntags viele Geschäfte offen, und wer am schönen Sonntag die Wiese mähen, eine Mauer bauen oder einen Baum fällen muss, der macht sich an die Arbeit.  Da kann der Herrgott doch nichts dagegen haben – allenfalls ein paar ausgelaugte ruhebedürftige Engländer, und der ein oder andere Deutsche, der auch abseits der Heimat von seiner alten Kehrwochenmentalität dominiert wird. 

Neben der falschen Vorstellung, am siebten Tage würde der katholische Ire bevorzugt ruhen, können wir ins unserer kleinen Reihe "Irland - Schein und Sein" auch gleich noch mit einem anderen falschen Vorurteil aufräumen: Die Gemütsmenschen in Grün seien besonders tierlieb, hört man immer wieder. Uns wunderte in unseren ersten Irlandjahren, wie wenig dies vor allem für die Leute auf dem Lande zutrifft. Sollte man das Verhältnis von Mensch und Tier hier an der Peripherie als zumindest äußerst distanziert bezeichnen? 

Der Hund (Foto oben, unten), das ist Tommi. Der Border Collie stammt aus einem Neuner-Wurf, den ein Mädchen vor Jahren aus dem Coomhola River gefischt hat. Junge Hunde in Plastiktüten im Fluß? Das machen manche Farmer hier so, der Fluss dient auch der Entsorgung von Müll und unerwünschtem Leben  – vier der jungen Hunde in der Plastiktüte waren tot, fünf überlebten. Das nur ein Beispiel von Vielen. Angesichts der zweifelhaften Qualität des Tierschutzes auf der Insel haben sich sogar merkwürdige Rettungsorganisationen etablieren können, die Border Collies außer Landes vermitteln.

(Unser Hund) Tommi führt derweil ein Luxusleben und säuft aus einem Waschbecken mit silbernem Wasserhahn, wie man sieht. Verglichen mit seinen Artgenossen über dem Großen Teich - ja, denen mit eigenem Spielzimmer, mit Friseur, Hunde-Restaurant und eigenem Friedhof - führt Tommi dennoch ein rechtes Hundeleben. 

Anthropologen wollen nachgewiesen haben, dass das Verhältnis der Menschen zu ihren Haustieren kein Selbstgewähltes ist, sondern vom sogenannten "Entwicklungsgrad" der Gesellschaft abhängt. Der Theorie zufolge steht die Zahl der Kinder und die der Haustiere in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis. Demnach haben Menschen in den traditionellen Agrargesellschaften viele Kinder und keine Haustiere (dafür viele Nutztiere). Ganz das Gegenteil ist in überentwickelten und überdehnten Gesellschaften wie den USA zu beobachten: Kaum noch Kinder, viele Haustiere. Die Hündchen und Kätzchen werden zum Kinderersatz und dementsprechend menschlich-untierisch, nein tierisch artungerecht behandelt. 

Wir wünschen einen tierisch guten Patrick´s Day! Und nein: Tommi läuft nicht in der Patrick´s Day Parade mit, auch wenn es diesen Blogeintrag abrunden würde.

Montag, 16. März 2009

Money, Money, Money, oder: Die "völlig normale" Gier


Irland und Deutschland. Zwei Männer, dieselbe Triebfeder: Gier. Der irische Finanzberater Ted Cunningham wurde dabei ertappt, wie er auf einem Kirchen-Parkplatz von zwei Engländern im Namen zweier bulgarischer Geschäftsleute vier Taschen voller Geld in Empfang nahm. Die Männer, die ihm die 800.000 Pfund Sterling – mit viel Vertrauen und ohne eine Quittung zu verlangen – in die Hand drückten, kannte Ted nach eigenem Bekunden nicht. Jetzt sagte der irische Geldjongleur vor Gericht in Cork aus, so ein Vorgang sei nichts Ungewöhnliches und völlig normal.

Dieselben Worte hörte man am Wochenende von einem gefallenen Manageridol in Deutschland: Klaus Zumwinkel, der Ex-Postchef  lässt sich von seinem ehemaligen Arbeitgeber Pensionsansprüche in Höhe von 20 Millionen Euro in einem Rutsch überweisen. Als kleine Belohnung sozusagen für die erlittene Härte, Steuer und Strafen nachzahlen zu müssen. Zumwinkel verteidigte seine unstillbare Gier in der BamS mit den Worten, der Vorgang sei "völlig normal". 

Die Fälle ähneln sich in der grotesken Beurteilung dessen, was heute als normal gelten darf. Beiden Männern ist der Blick für die Realität offensichtlich völlig entglitten. Die Fälle unterscheiden sich andererseits gravierend:

1. Klaus Zumwinkel ist ein rechtskräftig verurteilter Straftäter. Ted Cunnigham befindet sich allenfalls auf dem Weg dorthin.

2. Das irische Geldbündel stammt offensichtlich aus dem schlagzeilenträchtigen Überfall auf die Northern Bank in Belfast im Jahr 2004 und Ted war offensichtlich der Mann für die Hygiene, er sollte die Pfundnoten waschen.  Das meinen zumindest die Strafverfolgungsbehörden.  Das deutsche Geldbündel stammt weder aus einem Bank- noch aus einem Postbankraub, auch wenn es ein wenig so wirkt.

3. Während Ted und die Seinen ihren Geldgeber, nämlich die Northern Bank, unsanft von ihrem Eigentum trennten, bezahlt die Deutsche Post den unfreiwillig ausgeschiedenen Ex-Chef freiwillig – und ganz so, als ob da nichts gewesen wäre. Das ist der eigentliche Skandal.

Die vielen Menschen, die in Deutschland gerade um ihren Arbeitsplatz bangen, die kurzarbeiten oder sich um das Nötigste sorgen müssen, sie werden sich wundern, warum ein Herr  Zumwinkel und all die gierigen Bänker bislang so gut wegkommen. Aber vielleicht tut sich ja doch noch etwas, was das Gerechtigkeitsbedürfnis im Land stillen kann.

Spaßiges Detail am Rande: Ted Cunnigham war mit seinen vier Taschen sichtlich überfordert. Er schleppte erst zwei Taschen vom Parkplatz nach Hause und kam später zurück, um sich die beiden anderen unbeaufsichtigten Geld-Beutel abzuholen. War das Gottvertrauen oder einfach völlig normal?



Sonntag, 15. März 2009

Irland feiert Patrick, Rugby, Gaelic Football und Rezession


Die GAA feiert: Nicht nur Guinness feiert. Halb so alt, nämlich 125 Jahre alt, wird in diesem Jahr die Irische Institution schlechthin : die Gaelic Athletic Association, GAA. Über den Stellenwert von Gaelic Football (Foto) in Irland haben wie gestern hier berichtet.

Das Volk feiert: Heute finden landesweit Patrick´s Day-Paraden statt. Das ist wie Karneval am Liffey. Gestern abend sah das Land in Waterford am Ufer des River Suir ein gigantisches Feuerwerk, das von RTE live übertragen wurde. Man wurde den Eindruck nicht los: Hier wird hemmungslos Rezession gefeiert. 

Die Rugby-Fans feiern: Das irische Rugby-Team feiert in diesem Jahr im Six-Nations-Cup einen Sieg nach dem anderen. Gestern wurde  – nach Frankreich, Italien und England  – Schottland bezwungen, und nun winkt Irland im Showdown am kommenden Wochenende in Cardiff gegen Wales nach 24 Jahren erstmals wieder der Titel im wichtigsten Rugby-Turnier auf der nördlichen Halbkugel ( und vielleicht der erste Grand Slam seit 1948). Der Rugby-Fan in Irland feiert im übrigen mit dem offiziellen Rugby-Bier, genau, Proud Sponsor Guinness – weshalb auch Guinness wieder feiert.... 



Dies ist keine Anzeige: Guinness feiert den 253. Geburtstag






















253 Jahre alt: Guinness überzieht die Welt in diesem Jahr mit einer gigantischen Marketingkampagne zum 250. Geburtstag. Eigentlich braute Arthur Guinness, der als "Uncle Arthur" bis heute laut Umfragen zu den bliebtesten Iren zählt, das dunkle Porter-Bier bereits 1756 in Leixlip im County Kildare. Seit 1759 wird die schwarz-braune Sauce in Dublin vergoren.

Guinness is Good for You? Besser als deutsches Bier jedenfalls, wenn man den Alkoholgehalt betrachtet: Das Dunkelbier, das viele Deutsche wegen seines würzig-bitteren Geschmacks für besonders stark halten, enthält mit 4,2 Prozent fast 20 Prozent weniger Alkohol als deutsches Bier.

"Die irische Art zu feiern": Die Werbung feiert Guinness als das Bier der Iren. Seit 1998 ist der Guinness-Konsum in Irland um fast 30 Prozent gesunken. Seit die Iren Wahlfreiheit haben, trinken sie auch gerne ausländische Ware – von Wein bis Wodka, und auf Kosten des Guinness-Absatzes. Als typisches Schankbier leidet Guinness auch unter dem Bedeutungsverlust des irischen Pubs. Erst 2008 gelang es, den Verkauf im Stammland zu stabilisieren. Mit teurem Marketing wurden nach Jahren des Rückgangs erstmals 2 Prozent mehr Guinness als im Vorjahr verkauft. Offensichtlich gelingt es zunehmend, den Leuten das Stout in der Dose schmackhaft zu machen.

Ein irisches Bier: Guinness gehört Diageo, einem weltweit operierenden Getränkekonzern mit Sitz in London. Diageo ist so etwas wie das British Empire of Drink. In diesem Empire geht die Trinker-Sonne niemals unter (Dia und Geo = Tag und Erde). Und wenn der Guinness-Konsum in Irland leidet, peppt Guinness Nigeria das weltweite Ergebnis auf.

Warum ist Guinness so dunkel? Es wird aus dunklem Malz gebraut.

Warum ist seine Krone so samtig? Das Guinness vom Fass wird hauptsächlich mit Stickstoff ins Glas befördert, der Stickstoff sorgt für den feinporigen Schaum.

Warum wir kein Guinness trinken? In Irlands Südwesten trinkt man, wenn schon Stout, dann Murphy´s.



Samstag, 14. März 2009

Happy Birthday, Guinness!

Guinness, die berühmte braune Brühe, das Nationalgetränk Irlands, feiert in diesem Jahr den 250. Geburtstag. Pünktlich zum Patricks- Day- Wochenende startet der Getränkemulti, der sich Guinness einverleibt hat, eine riesige Marketingkampagne. Wir würdigen die berauschende braune Sauce morgen. Versprochen!

Der Ball rollt über den englischen und über den irischen Rasen: Warum gestandene Iren Fußball nicht leiden können

In wenigen Wochen geht die Fußball-Saison in Irland zu Ende. Noch spielen die irischen Jungs landauf, landab begeistert ihren Soccer, doch demnächst schon übernimmt GAA, Gaelic Football, wieder das Regiment. Fußball kann auf der Insel nur als Nischensportart existieren und muss mit den Wintermonaten vorlieb nehmen. Irischer Soccer ist deshalb meist assoziiert mit Schlamm, Matsch, Nässe und Kälte – und mit himmlischem Vergnügen trotz aller Widrigkeiten. 

Sportart Nummer eins, Religion und Identitätsstifter zugleich, bleibt für die Iren der Gaelic Football, der zusammen mit dem Hurling die Gaelic Games ausmacht. Im Alltag redet man nur von " GAA" (was für Gaelic Athletic Association steht). Gaelic Football wird mit großer Härte und einem ebenso harten, fast fußball-großen Ball auf einem extrem großen Feld und auf ein dem Rugby ähnliches Tor gespielt. Die Spieler benutzen Hände und Füße, um den Ball ins gegnerische Tor zu transportieren. GAA macht die Iren zu Iren, in den GAA-Clubs wurde der Freiheitskrieg gegen die Engländer organisiert und GAA setzt den Kontrapunkt zum verhassten Spiel der Engländer: Fußball eben.

Nicht verwunderlich deshalb, dass das GAA-Establishment den Jugendlichen bis weit in die 70er Jahre hinein rigoros verbot, das englische Soccer auzuüben. Eifersüchtig wachten die Communities darüber, dass ihr Nachwuchs nicht fremd ging, und manche Sportlerkarriere zerbrach unter diesem Druck. Denn die jungen Iren spielen seit den 60er Jahren wo immer sie sich ungezwungen treffen, eigentlich immer nur eines: das Besatzerspiel Fußball. Zwei Jacken und zwei Schultaschen auf den Boden geschmissen und das Spiel kann beginnen. 



John Waters, der sich selbst als "der furchtloseste Dissident Irlands" bezeichnet und eine Kolumne für die Irish Times schreibt, hat vor einiger Zeit an die Bedeutung der Fußballs für die jungen Iren in den 60 er und 70er Jahren erinnert. Waters* zufolge war GAA Establishment, Druck, Struktur und Muss, Fußball dagegen war Herzenssache, war subversiv, weltoffen, war Jugendreligion, Rock n´Roll eben.

Auch heute noch setzen GAA-Funktionäre junge Ballportler  mit Hilfe der Eltern gewaltig und oft erfolgreich unter Druck. Zwar hat sich Fußball schon lange vor der Ära Trappatoni (neben dem derzeit extrem populären Rugby) als Mannschaftssport Nummer 2 etabliert; wenn allerdings im Herbst oder im Frühjahr ein GAA- und ein Fußballspiel auf denselben Termin fallen, wird den Dorf-Jugendlichen noch immer ganz eindeutig bedeutet, wo der Hammer hängt: Auf dem GAA-Pitch nämlich. Irish first – da wird selbstverständlich erwartet, dass sie Gaelic und nicht Englisch spielen.

John Waters hat in dem zitierten Beitrag* übrigens über die "Viertelfinals-Mentalität" seiner Landsleute geschrieben. Diese lebten überwiegend nach  dem Motto "Warum Finale, Viertelfinale ist doch auch schon was", was Waters damit erklärt, dass die Engländer Irland in einigen Jahrhunderten Besatzungszeit eine Verliermentalität aufgezwungen hätten. Wenn man bedenkt, wie Irland vor allem seine Niederlagen feiert ("The Flight of the Earls", oder den langen Rückzug von O´Sullivan Bere), muss man John Waters einfach beipflichten. Aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Post. 

* John Waters: "The Quartefinals Mentality", aus: The Politburo Has Decided That Your Are Unwell", The Liffey Press 2004 


Freitag, 13. März 2009

Die Wahrheit über das Wappen von Irland:
Willkommen im Land der Strippenzieher


Einer der großen "Aufreger" im Irland der vergangenen zehn Jahre war regelmäßig die Frage: "Warum darf der John ein neues Haus mitten in die Landschaft bauen und Paddy darf es nicht?" Formal gibt es auch in Irland ein Baurecht für Alle, und es gibt die Baubehörden der County und City Councils, die eigentlich jeden Bürger nach gleichen Maßstäben behandeln sollten. 

In der irischen Realität des großen Bauwahns allerdings fiel immer wieder auf, dass alle gleich und manche etwas gleicher behandelt wurden. Gerne weisen benachteiligte Bauwillige dann darauf hin, dass im Land der Familienclans, wo Jeder fast Jeden kennt, die Frage der richtigen Beziehungen eine überlebenswichtige ist. Nicht umsonst weiß ein alter Witz, warum ausgerechnet die Harfe das offizielle Wappen Irlands ist: Am besten fährt auf der Insel, wer die Strippen der förderlichen Beziehungen geschickt zupft ("pull the strings").  In Deutschland nennt man das etwas nüchterner "Vitamin B". Wer jedenfalls von der Harfe redet, kommt dann auch meist auf die berühmten Brown Bags zu sprechen, die netten braunen Briefumschläge, gefüllt mit zielförderndem Bargeld.

Das ganz große Rad der Immobilienspekulation drehten in den Boomjahren die Landbesitzer, die genügend Einfluß hatten, um ihre Grundstücke - oft ehemaliges Farmland – als zentrales Bauland ausweisen zu lassen. Wer im Powerplay von Zoning und Rezoning an den richtigen Strippen zog und etwas Glück hatte, war schnell ein gemachter Mann; und bald kümmerten sich öffentliche Tribunale mit Millionenaufwand und doch weitgehend erfolglos um das heiße Eisen Korruption, Politik und Bauwirtschaft. Verdächtigungen gab und gibt es viele, doch meistens blieb es dabei.

Nicht so im Fall eines bekannten Multi-Funktionärs und "Gschaftlhubers" aus Kerry: Vor Gericht stand gestern Patrick O´Donoghue, der Direktor des Gleneagle Hotels und Bürgermeister von Killarney.  Weil es sich bei der Stadt in Süd-Kerry um die touristische Kapitale des Südwestens und bei O´Donoghue um einen einflussreichen Mann aus einer einflussreichen Familie handelt, erregt der Fall landesweit Aufsehen.

Und siehe da: Laut Irish Times von heute bekannte sich der Politiker, der der Regierungspartei Fianna Fail angehört, schuldig: "Richter, ich bin schuldig", hat er gestern vor dem Strafgericht in Tralee bekannt. Erstmals überhaupt steht mit O´Donoghue ein Lokalpolitiker wegen "Verstoßes gegen die Ethik" vor Gericht, und der Grund ist sein Verhalten in Grundstückfragen. O´Donoghues Familie gehört das renommierte Gleneagles Hotel in Killarney samt dem Brehon Hotel und einem dem INEC, einem der größten Veranstaltungszentren des Landes.  Um die Hotel-Anlage, etwa 1,5 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums, besitzt die Familie weiteres Land, und so versuchte der Councillor, Tourismus-Funktionär und FF-Politiker, den Stadtrats-Kollegen von Killarney im Jahr 2006 die Umwidmung eines 20 Acre großen Grundstücks in Bauland "schmackhaft" zu machen.  

Aus dem erhofften Millionengeschäft wurde nichts. Offensichtlich zog der Hotelier dieses Mal die falschen Strippen und sieht sich nun mit dem Vorwurf der unzulässigen Einflussnahme auf ein politisches Entscheidungsgremium konfrontiert. O´Donoghue wurde offensichtlich von Stadtratskollegen geoutet. Interessanterweise wählten ihn diedieselben politischen Kräfte dann im vergangenen Sommer ohne Gegenstimme zum Bürgermeister der Stadt. Ein Urteil des Gerichts wird am 30. Juni erwartet. 

Donnerstag, 12. März 2009

Paddys Day 2009: Trinken, bis das Kleeblatt blau wird

Saint Patrick ist nicht "Lumpazivagabundus" und damit auch nicht Schutzpatron der Trinker. Das Saint-Patricks-Wochenende gilt in Irland dennoch traditionell als das alkoholischste Wochenende im Jahreszyklus. 

An Patricks Day, dem 17. März, wird der Todestag des Nationalheiligen gefeiert, der Irland im 5. Jahrhundert (zusammen mit anderen Missionaren natürlich) das Christentum bescherte. Am Patricks Day Weekend feiern die Iren mit Parties und Paraden daheim und in aller Welt ihr Irischsein – und das heißt für viele Iren auch in diesem Jahr wieder grün zu sein, blau zu sein, das Kleeblatt im Alkohol zu ertränken.

Doch das Blatt scheint sich langsam zu wenden. Zumindest öffentliche Besäufnisse finden vier von fünf Erwachsenen mittlerweile eher unakzeptabel, und genauso viele meinen, dass Trunkenheit in der Öffentlichkeit eine Sexbremse ist und das andere Geschlecht eher abschreckt. 

Wer das alles herausgefunden hat? Es ist die Getränkeindustrie selbst, die das irische Volk vor dem großen Festwochenende mahnt, mäßig Guinness, Whiskey und Wodka zu trinken, dafür aber umso mehr Wasser. In seltener Eindeutigkgkeit mahnt die Branchen-Inititiative drinkaware.ie

"An diesem Wochenende fordern wir die Konsumenten auf, mit dem typisch irischen Stereotyp der exzesisven öffentlichen Trunkenheit zu brechen. Dies war viel zu lange geradezu ein Synonym für die Patricks-Day-Feiern und muss ein Ende haben."

Dass sich die Zeiten ändern, belegt auch, dass Betrunkensein in der Öffentlichkeit seit dem vergangenen Herbst unter Strafe steht. Wird ein Zecher auf der Straße von der Polizei erwischt, kostet ihn das auf der Stelle 100 Euro und er kauft sich damit immerhin von einer Gerichtsverhandlung frei. Wer sich auch noch daneben benimmt und etwa Nachbars Blumen gießt, zahlt 140 Euro. 

Nach aktuellen Zahlen der Getränkeindustrie ist der Kauf von Alkohol in der Republik Irland in den vergangenen Monaten drastisch gesunken. Am Alkoholkonsum hat sich allerdings nichts geändert, nur die Quellen sind andere geworden: Das preiswerte Englische Pfund, das rund ein Drittel seines Werts gegenüber dem Euro verloren hat, lässt Republik-Iren massenweise über die Grenze nach Nordirland pilgern, um dort billigen Alkohol zu horten. Im Norden hat der Absatz der irischen Droge Nummer eins deshalb dramatisch zugenommen. 

Zwischenruf: Zuhause bei Google - ein zweifelhaftes und keineswegs kostenloses Vergnügen

Viele von uns nehmen die scheinbar kostenlosen Services von Google gerne in Anspruch. Wir suchen per Google, wir benutzen G-Mail, wir analysieren unsere Websites mit Google Analytics und schreiben unsere Blogs mit Blogger.com. Dieser Irland-Blog wird auf der Google-Plattform geschrieben. Es ist praktisch, leicht und angenehm, den Service in Anspruch zu nehmen. Kostenlos ist er jedoch nur vordergründig. Wir bezahlen mit unserer elektronischen Fährte, die wir hinterlasssen und die der Suchmaschinenbetreiber aus Mountain View systematisch aufsaugt, auswertet und ausbeutet. Wir bezahlen damit, ständiger Onlinewerbung von Google ausgesetzt zu sein. Und wir zahlen am Ende vielleicht mit der Plünderung unseres gesamten literarischen Kulturguts. 

Stichwort Google Books: Unbemerkt vom normalen Internetnutzer sind bei Google mittlerweile riesige Biobliotheken auf Server gescannt worden. Wer ein aktuelles Buch sucht, findet es oft fast komplett bei Google Books. Es heißt, es seien Sperren eingebaut, es heißt, man zeigt nur Ausschnitte. Doch die Wirklichkeit ist oft eine andere: Alles was man braucht ist ein wenig Geduld, und was nicht auf den deutschen Servern liegt, findet man vielleicht bei Google Luxembourg. Wir kennen Fälle, wo aktuelle wissenschaftliche Bücher fast komplett eingescannt zugänglich sind. Wer wird da noch 40 oder 50 Euro für Papier ausgeben, wenn es online alles umsonst gibt? 

Die deutschen Verlage spielen bis heute eine traurige Rolle, wenn es darum geht, die Urheberrechte der Autoren und ihre eigene Zukunft zu verteidigen. Sie kollaborieren halbherzig mit Google, sie bringen nicht den Mut auf, für ihre Interessen zu kämpfen und lassen zu, dass den professionell schreibenden Menschen in Europa von der US-amerikanischen Datenkrake der materielle Boden unter den Füssen weggezogen wird. Nun hat der Heidelberger Literaturwissenschaftler Roland Reuß in der Frankfurter Rundschau einen lesenswerten provokativen Beitrag über Google und die mutlosen Verlage, der in der Forderung gipfelt, Google zu enteignen: "Enteignet die schamlosen Enteigner". Reuß schreibt:



"Da viele auf diese Suchmaschine nicht mehr verzichten wollen (und wohl auch schon nicht mehr können), Google zugleich aber allein durch die Macht, die es mit seiner Datenerhebung akkumuliert, eine Gefahr für alle demokratischen Institutionen darstellt (und jetzt schon, wie gezeigt, Rechtsräume systematisch aushöhlt), führt auf Dauer kein Weg daran vorbei, dass man die Enteigner enteignet. Eisenhowers Programm einer Zerschlagung des militärisch-industriellen Komplexes ist auf den informationellen und digitarchischen Bereich zu übertragen. Wir brauchen, analog zur Weltbank, eine Weltdatenbank, die demokratisch legitimiert und überwacht wird und die universelle Verwertung von allem und jedem zu billigem Geld nicht als Geschäftsgrundlage hat. Ein gemeinsames Vorgehen von deutschen Autoren und Verlagen in dieser Frage ist dazu ein erster Schritt."

Jetzt hoffen wir mal, dass dies in den Verlagen gelesen wird und dass sich der eine und der andere Verleger auf die Socken macht und sich engagiert...

Mittwoch, 11. März 2009

Finanzkrise konkret: Die Schulbus-Preise in Irland explodieren

Die irische Regierung lotet derzeit alle Mittel aus, die Milliardenlöcher im Staatshaushalt zu stopfen und sich beim Wahlvolk noch unbeliebter zu machen. Soviel ist vor der Verabschiedung des Nachtragshaushalts, der im April verabschiedet werden soll, schon klar: Es wird in den kommenden Jahren deutlich weniger Leistung vom Staat geben - dafür dürfen die Bürger sich an allen Ecken und Enden auf höhere Steuern, neue Abgaben und Gebühren gefasst machen.

Auch wenn die Energiepreise momentan nachgeben und die Preise für Lebensmittel sogar leicht fallen: Das Leben wird teurer. Ein drastisches Beispiel: Bus Éireann, das staatliche Busunternehmen, das den öffentlichen Nahverkehr landesweit bestreitet, schockiert gerade Eltern landauf, landab: Die Preise für den Schulbus - auf den die meisten älteren Schüler angewiesen sind - explodieren geradezu: Vom letzten zum laufenden Schuljahr verteuerte Bus Éireann beispielsweise das Schulbus-Ticket für die 15 Kilometer vom Glengarriff nach Bantry von 99 auf 168 Euro pro Jahr. 

Die saftige Erhöhung wird nun in den Schatten gestellt von den angekündigten Preisen für das Schuljahr 2009/2010, das im September beginnt: Dann wird dasselbe Jahresticket fast doppelt soviel, nämlich 300 Euro kosten.  Der 100-Prozentaufschlag wurde in einem simplen Bescheid ohne ein erklärendes Wort mitgeteilt. Die meisten Iren sind geduldige Menschen und nehmen derlei Eskapaden ohne Widerspruch hin. Sie regeln das meist auf ihre Weise und verzichten dann einfach auf den Bus, was widerum dazu führen kann, dass eine der wenigen Buslinien in der Region mangels Nachfrage eingestellt wird.  

IMPRESSUM

Dieser Blog wird geschrieben und editiert von: Good News Media Markus Bäuchle, Eliane Zimmermann, Starlight House, Ardaturrish Beg, IRL-Glengarriff, Co. Cork. mbaeuchle (at) mac.com Haftungsausschluss: Die Texte in diesem Blog wurden von den Verfassern nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen und regelmäßiger Aktualisierungen dieses Blogs übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sowie für die Inhalte von Kommentaren sind ausschließlich deren Betreiber/AutorInnen verantwortlich.