Donnerstag, 30. April 2009

Die Gärtner sind die eigentlichen Gewinner der Krise in Irland

Eine Freundin aus dem Mealagh Valley bestellte vor zwei Wochen den Bagger und ließ ihren geliebten Zierpflanzen-Garten räumen. Was wir für ein Werk der Zerstörung hielten, ist in Wahrheit ein privates Vorsorgeprogramm für möglicherweise magere Zeiten. Die Frau machte Platz für einen Folientunnel; in dem kleinen Treibhaus wird sie künftig ihr eigenes Gemüse anbauen. Unsere Freundin liegt voll im Trend, denn der eigene Gemüsegarten ist wieder in. In wirtschaftlich turbulenter Zeit vertrauen viele Menschen in Irland wieder zuerst einmal sich selbst.

Wie jüngst in Clonakilty gründen sich landauf, landab sogenannte "Local Food Groups", um Wissen und Erfahrungen über den Anbau eigenen Gemüses zu sammeln und auszutauschen. Die professionellen Gärtnereien haben Hochkonjunktur, die Nachfrage nach Setzlingen, Samen und Gartenwerkzeugen lässt deren Geschäft boomen.

Manfred, ein Bio-Bauer bei Bantry, der neben Jungpflanzen und reifem Gemüse auch Folientunnel, Edelspaten und Dünger verkauft, freut sich über die Geschäfte seines Lebens. Tatsächlich wird im ländlichen Irland die Uhr derzeit zurück gedreht. Drängte es vor gerade zwei Jahren noch die letzten Bauern aus ihrem eigenen Garten in Richtung eines bequemeren Lebens mit Tiefkühl-, Dosengemüse und McDonalds, so haben heute viele Haushalte die Kehrtwende bereits vollzogen. Auch Stadtleute fahren wieder gerne hinaus in ihren Schrebergarten, um dort für den Eigenbedarf zu graben und zu pflanzen: Als "Smallholders´" bewirtschaften sie ihr eigenes gemietetes "Allotment".

Vor zwei Jahren gab es in den drei Townlands in unserer Umgebung noch einen einzigen Nachbarn, der selber Kartoffeln anbaute. Er wurde gerne mitleidig belächelt, galt doch der "Old Way" als geradezu unmodern verachtenswert. Seit diesem Jahr werden auch andernorts wieder kräftig Kartoffelbeete beackert.

Ein bemerkenswertes Revival erleben in diesen Monaten die gärtnernden Aussteiger, die der Wachstumswirtschaftswelt schon vor 15 oder 20 Jahren den Rücken gekehrt haben und sich mit großem eigenem Garten weitgehend selbst versorgen. Leute wie Sioned Jones (unser Foto), die abseits der Dörfer am Couzane Gap in West Cork lebt und dort sieben Acre Gartenland und Mischwald bewirtschaftet, fühlen sich plötzlich wieder auf der Gewinnerseite.

Selbstversorgerin Sioned jedenfalls mahnt alle Besucher zur Umkehr und zum eigenen Garten. Die Anhängerin des Szenarios 2012, demzufolge die globale Wirtschaft in drei Jahren komplett zusammenbricht, sieht auf die Menschen in Europa fundamentale Versorgungsprobleme zukommen. Während Wirtschaftsexperten den nächsten Aufschwung schon greifbar nah sehen, prophezeit Sioned den totalen Niedergang und die Rückkehr zur lokalen Selbstversorgungswirtschaft.

So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen, und Kartoffeln, Lauch, Kohl...

Mittwoch, 29. April 2009

Ryanair-Chef Michael O´Leary:
Ein Lautsprecher macht Fehler

Der publicity-verrückte Ryanair-Chef Michael O´ Leary konnte lange das Image vom beinhart-rücksichtslosen aber gnadenlos erfolgreichen und genialen Geschäftsmann aufrecht erhalten. Unter steigendem Wettbewerbsdruck fällt der irische Geschäftsmann aber seit einiger Zeit damit auf, dass er Fehler macht. Das viel gerühmte PR-Genie überzieht mit zunehmend kunden-verachtenden Vorschlägen wie Toiletten-Gebühr und Fat-Tax, einem Zuschlag für übergewichtige Passagiere.

Gestern nun outet sich der schreckliche Mike mit einem Kommentar zur Schweinegrippe als völlig unzurechungsfähig. O´Leary sagte laut Spiegel:

"Werden wir an der Schweinegrippe sterben? Nein. Sind wir durch Sars gefährdet? Nein. Maul- und Klauenseuche? Nein. Wird sie (die Schweinegrippe) in diesem Sommer Menschen auf Kurzstreckenflügen durch Europa betreffen? Glücklicherweise nicht", wurde O'Leary am Dienstag zitiert. Die Schweinegrippe sei "eine Tragödie nur für die Menschen, die in Armenvierteln in Asien und Mexiko leben".

Der Ryanair-Chef konterkariert mit seinem unverantwortlichen Werbesprech die weltweiten - und bislang erfolglosen - Bemühungen der Gesundsheitsbehörden, die Menschen zu sensibilisieren und die mexikanische Grippe-Epidemie einzudämmen. Michael O´Leary erweist sich einmal mehr als egomaner Lautsprecher.

Es sieht auch ganz danach aus, dass der Größte Airliner aller Zeiten heute die entscheidenden Fehler macht, die Ryanair morgen in Turbulenzen bringen können. Ryanair ist längst nicht nur eine Fluggesellschaft, die ihre Kunden nicht schätzt und die ihre Kunden als Zahl-Vieh behandelt, sie verletzt die Kunden auch in ihrer Würde und verwehrt ihnen das Gefühl willkommen zu sein. Beispiel Handgepäck-Bestimmungen: Wieviel Porzellan hat rigoroses Ryanair-Personal allein mit der Anweisung zerschlagen, die Ein-Taschenpolitik rüde durchzupeitschen und selbst ältere Damen wegen einer Mini-Fototasche oder eines Taschentuch-Täschchens zu bedrängen? Das wird sich rächen.

Ein Unternehmen, das seine Kunden nicht schätzt und das es versäumt, Kundenloyalität aufzubauen, wird erleben, dass diese Kunden irgendwann keine Kunden mehr sind – spätestens, wenn es (nicht ganz so billige aber freundlichere) Alternativen gibt.

Dienstag, 28. April 2009

Dunboy Castle Hotel, Irland.
Willkommen im Haus "Größenwahn"

Wer den Beara Way wandert, den wir gestern vorgestellt haben, kann auf der Etappe zwischen Castletownbere und Allihies einen Abstecher zu einem irischen Großphänomen der jüngeren Geschichte machen: An einer Seitenbucht der Bantry Bay liegt das geschichtsträchtige Dunboy Castle – ein alter, mehr schlecht als recht konservierter Steinhaufen. Wenige Meter daneben strahlt Puxley Mansion wie ein Disneyland-Schloss in neuem Glanz (Foto). In neuem Glanz? Puxley Mansion, das ist die Geschichte vom doppelten Größenwahn – und ein Zeichen der Zeit.

Puxley Mansion präsentierte sich seit dem Jahr 1921, nachdem IRA-Leute das viktorianisch-gothische Schlösschen angezündet hatten, als prächtige Ruine (Foto unten). Bis ins Jahr 2004, als irische Investoren mit den Namen Harrington, Murphy, Kelly und Dillon dem Herrn Power das 40 Acre große Grundstück mit der Puxley-Ruine abkauften. Ein 60-Millionen-Euro-Super-Luxus-Hotel und Resort der (kaum ausreichenden) Fünf-Sterne-Klasse samt Hubschrauberlandeplatz für die fett-reiche Golfklientel aus den USA sollte mit neuem irischen Geld aus englischen Ruinen auferstehen. Der einsame Ort auf der einsamen Beara Peninsula liegt fernab von touristischer Infrastruktur – aber dafür gibt es bekanntlich Hubschrauber. Die Hotelkette Capella sollte das Management übernehmen, die Menschen auf der abgelegenen Halbinsel freuten sich: Endlich Arbeitsplätze!

Dann aber kam alles ganz anders: Tatsächlich investierten die Bauherren viele Millionen Euro, und heute glänzt die alte sandgestrahlte Fassade des Puxley-Landsitzes als zentrale Front-Fassade eines riesigen Gebäudekomplexes. Hinter den Fassaden, auf der Großbaustelle allerdings ruht die Arbeit seit geschätzten 15 Monaten. Die Schlösser an den Bauzäunen sind verrostet, Handwerker weit und breit keine zu sehen. Der angekündigte Öffnungstermin im Jahr 2008 ist lange verstrichen, auch in diesem Jahr wird nichts gehen auf Puxley-Dunboy-Castle – und was 2010 passiert, weiß heute in der tiefsten Wirtschaftskrise wahrscheinlich niemand. Amerika ist fast so pleite wie Irland. Der Tourismus nimmt eine Auszeit. Derweil wird die Edelherberge im Internet weiter in den schönsten Farben beworben – so, als gäbe es sie wirklich.

Im Jahr 1812 hatte John Puxley, ein englischer Landlord, damit begonnen in den Minen von Allihies Kupfer abzubauen. Einige Jahrzehnte später verwirklichte der dank des Kupfers zu immensem Reichtum gekommene "Copper John" seinen größenwahnsinnigen Lebenstraum. Er baute den besten, größten und schönsten Landsitz weit und breit – manche sagen, in ganz Irland. Puxley Mansion geriet zum grotesken Triumph – nur einen Steinwurf vom echten alten Dunboy Castle entfernt, dort, wo das Schicksal des letzten irischen Chieftains Donal Cam O´Sullivan Bere von den Engländern im Juni 1602 besiegelt worden war.

Die IRA beendete die Ära Puxley im Unabhängigkeitskampf auf ihre Weise. Mit der Fackel. Geschichte wiederholt sich, ätzte einst Karl Marx, nur um zu relativieren: allenfalls als Farce oder als Tragödie. Ob das Fünfeinhalb-Sterne-Hotelprojekt nun zur Farce oder zur Tragödie verkommt, werden wir sehen. Das 60 Millionen-Projekt "Capella Dunboy Castle Hotel" erinnerte manchen Betrachter jedenfalls sehr an den einstigen Größenwahn der Puxleys – und vielleicht erzählen sich kommende Generationen einmal vor den Ruinen eines Hotels, das nie geöffnet wurde, vom Größenwahn der Celtic-Tiger-Jahre.

PS: Der Kuckuck ist angekommen! Am 28. April um 7.30 Uhr hörten wir den ersten Kuckucksruf dieses Jahres. Spät, aber laut.

Montag, 27. April 2009

Tipps zum Wandern in Irland (7):
196 Kilometer auf dem magischen Beara Way






Hoch über dem Meer in einsamen schroffen Bergen unterwegs. Landschaften von einmaliger Schönheit. Dem Himmel ganz nah: Der Beara Way kann ohne jegliche Übertreibung als Langstreckenwanderweg der europäischen Spitzenklasse bezeichnet werden. Teils in West Cork, teils in Südkerry gelegen, führt der Beara Way 196 Kilometer lang von Glengarriff bis zur Spitze am Dursey Sound und zurück über die gesamte Beara Halbinsel.

Der Weg ist gut ausgeschildert, jedoch nicht immer leicht zu laufen. Oft geht man querfeldein, nur geleitet vom nächsten Wegweiser, der sich in der Ferne erkennen lässt. Der Weg führt durch die Caha und durch die Slieve Miskish Mountains, Abstecher zu benachbarten Gipfeln wie dem einzigartigen Aussichtsberg Sugar Loaf hoch über Adrigole sind ein Muss.


Der eingefleischte Irland-Fan Werner Isenbuegel aus Kriftel bei Frankfurt nahm sich im vergangenen Jahr zwei Wochen Zeit und genoss den gesamten Beara Way samt einigen Abstechern. Wir haben Werner (das Foto unten zeigt ihn in der Seilbahn nach Dursey Island) nach seinen Erfahrungen gefragt:

Werner, Du bist den Beara Way im vergangenen Jahr komplett gelaufen. Wie viele Kilometer bist Du gewandert und wieviele Tage hast Du Dir Zeit genommen?

Mit dem "Spaziergang" ohne Gepäck zum Barley Lake und der Rundwanderung auf Dursey Island waren es 220 Kilometer. Ich war zwölf Tage unterwegs, davon zwei Tage "Ruhe" und zehn Tage echte Wanderung.

Was waren die Highlights auf Deiner Tour über die Beara Peninsula?

Glengarriff und die Umgebung mit dem Glengarriff Nature Reserve und dem Barley Lake; Dursey Island natürlich und die Cable-Bahn-Fahrt; Allihies mit seinen Kupferminen; und vor allem Kilmackillogue Pier bei Lauragh: Land, Leute und Teddy O´Sullivans Harbour Inn. Einfach gut. Im Grunde durfte ich täglich Highlights erleben.

Bist Du mit der Orientierung und der Wegmarkierung gut klar gekommen?

Die Wegmarkierung ist ausgezeichnet. Die Orientierung anhand der Markierungen in Verbindung mit der jeweiligen Wanderkarte "Ordnance Survey/Discovery Series Nr. 84 und 85 hat bestens funktioniert.

Wie sieht es mit dem Übernachten aus aus? Gibt es Hütten am Weg?

Nein, Hütten gibt es keine, das kennt man nicht in Irland. Man muss zum Übernachten vom Weg runter in die Dörfer. Kenmare, Glengarriff, Castletown Bere oder Ardgoom bieten aber ausreichend Möglichkeiten in Bed & Breakfasts oder in Hostels; in Adrigole empfehle ich das Beachmount B&B - es gibt dort Abendessen und Jane fährt den Wanderer gerne am nächsten Tag das Stück Landstrasse an der Küste entlang bis zum Wiedereinstieg in die Natur. In Garnish, an der Spitze der Halbinsel, gegenüber Dursey Island, empfiehlt es sich im Windy Point House zu übernachten - eine Reservierung vorab ist sinnvoll. Windy Point bietet geschmackvolles Abendessen und einen der besten Irish Coffees weit und breit. In Ardgroom ist es sehr gemütlich im B&B von Marie Freitag. Und dann ganz klar das B&B in Teddy O´Sullivans Harbour Inn, Kilmackillogue Pier. Wer schon mal dort war, kennt Pauline.

Worauf sollten Beara-Wanderer besonders achten, wenn sie ihre Vorbereitungen für die Tour treffen?

Den Weg so zu planen, wie er im Führer (The Beara Way, 1:25.000, OS Wayfarer Series) beschrieben ist. Start ist in Glengarriff (oder Kenmare), man läuft im Uhrzeigersinn auf der südlichen Halbinsel nach Westen. Die stationen sind Adrigole, Castletown Berehaven, Allihies, Garnish und Dursey Sound. Dort ist der Wendepunkt und es geht zurück auf der Nordseite über Allihies, Eyeries, Ardgroom und Lauragh. Steht der Plan für die einzelnen Etappen, kann man die Übernachtungen organisieren. Es versteht sich wohl von selbst, das man sich gut ausgerüstet auf den Weg macht: Gute Schuhe, Schutz vor Regen und Sonne, Ersatzkleider, und und und.


Werner Isenbuegel wird in diesem Frühjahr übrigens den Kerry Way wandern. Im alten Streit, ob die berühmte Kerry Halbinsel oder aber die Beara Peninsula die schönste Gegend Irlands ist, wird Werner schon im Mai ein fundiertes Urteil abgeben können. Werner Isenbügels kompletter Reisebericht über seine zwölf Tage Beara Way wird ab Dienstag auf unserer Wander-Website als Download zu finden sein.

Wanderlust bietet geführte Ein- und Zweitages-Touren auf dem Beara Way. Für Wanderer mit wenig Zeit wählen wir die schönsten Abschnitte mit den besten Ausblicken. Wir führen unsere Gäste zu Steinkreisen und Jahrtausende alten Steingräbern, wir fahren in der einizgen Seilbahn Irlands, wir wandern auf den Aussichtsberg Sugar Loaf.

Fotos: Werner Isenbuegel (5), Karte: Beara Tourism (1). Gute Informationen über den Beara Way findet man online bei: Beara Tourism

Sonntag, 26. April 2009

Das Wort zum Sonntag (4): Warum bloggen wir?


Hier auf dem Irland-Blog stellen wir in den kommenden Wochen immer wieder sonntags diese einfache Frage: Warum schreiben wir Blogs, warum bloggst Du? Wer uns die beste Antwort schickt, wird eingeladen, an unserer Wanderwoche im September in Irland teil zu nehmen. Ihr könnt klassisch mit uns wandern oder am Stock gehen (Nordic Walking), egal. Wir führen Euch zu den schönsten Orten des Südwestens, die dem Normalotouristen meist verborgen bleiben.*

Jetzt aber erst mal an die Denkarbeit. "Warum bloggst Du?", hatten wir bereits zwei Wochen lang gefragt. Die Reaktion: Immerhin sieben Leser haben sich schon Gedanken gemacht und ihre Version formuliert. Leser "Numen" hegte die Befürchtung, unsere eigenen theoretischen Gedanken zum Thema würden den Wettbewerb geradezu "killen". Ob er meinte, wir seien zu mind-tricky? Wir wissen es nicht, schweigen aber heute zum Thema selbst, wissen wir doch gerade selber wieder nicht, warum wir (uns) das jeden Tag (an)tun.

Die bisherigen Beiträge zum Wettbewerb samt Antworten in den Kommentarfeldern sind nachzulesen in der Seitenspalte links. Für alle, die noch am Formulieren sind: Einsendeschluss ist der 1. Mai 2009 – wahrscheinlich verlängern wir sogar um vier Wochen.

Also: Warum bloggst Du, warum bloggen wir? Antworten bitte im Kommentarfeld.

*Die Teilnahme an unserer Wanderwoche kostet bei normaler Bezahlung 390 Euro. der Gewinner mit der besten Antwort nimmt mit einer Begleitperson seiner Wahl umsonst teil. (Dem Gewinner bleiben als Kosten An- und Abreise nach Glengarriff, West Cork und ein Eigenanteil an den subventionierten Unterkunftskosten von 20 Euro pro Nacht und Person). Der Gewinner wird übrigens aus den 10 besten Antworten ausgelost. Alles streng neutral natürlich.

Irland - "Insel der Sehnsucht"

Heute morgen macht mich dieser Textschnipsel im News-Reader neugierig:

"Später hob sich die Erdkruste und Irland tauchte aus dem Meer auf."

Es ist Werbung des österreichischen ORF-Radios Ö1. Wofür wird auf den zweiten Blick klar: weniger für eine Radiosendung heute morgen um 10:06 Uhr, viel mehr für die radio-eigene Studienreise nach Irland.

Zur "Insel der Sehnsucht mit weitgehend intakter Natur, vielfältiger Kultur und einer gelassenen Lebensart."

Wofür sich öffentliche-rechtliche TV- und Radiosender heute hergeben. Wie eigenwillig diese steuerfinanzierten Institutionen ihren Versorgungs-Auftrag interpretieren. Andererseits: Intakte Natur, gelassene Lebenart? Da will ich hin...

Samstag, 25. April 2009

Ein Morgen in Derreen Garden und die
traurige Geschichte der Gärten Irlands

Der milde Südwesten Irlands ist berühmt für seine wilden Herrschafts-Gärten. Immer waren es alteingesessene englische Landadelige (die sich als Anglo-Iren verstanden), die das vorteilhafte Klima auf der Insel nutzten und großzügige Gärten mit Pflanzen aus aller Welt anlegten. Die stummen grünen Bewohner dieser Gärten erzählen von der einstigen weltumspannenden Größe des englischen Empire (in dem im 19. Jahrhundert bekanntlich "die Sonne nie unterging"). Sie stammen aus aller Welt, mit Ausnahme des vergessenen Kontinents Afrika und natürlich der Antarktis.

Ireland is most famous for its wild anglo-irish demesnes and gardens. Though contrasting the lack of diversified woodland in most parts of the country, the anglo-irish gardens are not really liked by many Irish – the innocent green inhabitants of the old gardens appear to be too much the symbols of english oppression. Even the Irish State has no priority for saving the fabulous and valuable old gardens as a rich part of the national cultural heritage for future generations. Whereas in other countries national trusts would do everything to conserve and maintain these jewels of the 19. century, money-stricken garden-owners in Ireland are left to themselves. The future of many Irish gardens remains bleak.


Irland hat im 21. Jahrhundert einen eklatanten Mangel an Bäumen und Wäldern – und wo immer man auf gepflegte und artenreiche Waldgebiete trifft, darf man davon ausgehen, dass Engländer am Werke sind oder waren. Bis heute sind die anglo-irischen Anwesen jedoch bei vielen Iren unbeliebt. "Englische" Bäume, gepflanzt von englischen Unterdrückern, möchte mancher tumbe Landmann am liebsten fallen sehen. Die Wunden der Jahrhunderte langen Konflikte scheinen noch immer zu frisch, als dass Irland die anglo-irische Gartentradition als Teil des eigenen Erbes annehmen könnte.

Auch dem irischen Staat ist es kein großes Anliegen, diese herrlichen Landschaftsparks, die Arboreten, die Rhododendron- und Azaleen-Gärten als Kultur- und Naturerbe des Landes zu schützen und für deren Erhalt einzustehen. Die einst privilegierten adeligen Eigentümer kämpfen heute zumeist mit den hohen Arbeitskosten, viele haben ihre Gärten aufgegeben, andere suchen ihr Heil in einer Schenkung an den Staat, was jedoch auch für nichts garantiert. So stehen grandiose Kultur-Oasen wie Annes Grove in County Cork oder Mount Congreve in County Waterford, eine Schenkung an den Staat, vor einer ungewissen Zukunft.

Einer der großen und tadellos gepflegten anglo-irischen Gärten liegt auf der nördlichen Seite der Beara Peninsula, westlich von Kenmare im Süden Kerrys. Der seit 1870 auf 24 Hektar gepflanzte Derreen Garden schmiegt sich in die gut geschützte Bucht von Kilmakilogue bei Lauragh. Bis heute befindet sich Derreen im Besitz der Gründerfamilie der Lansdownes, die stolz darauf verweist, den riesigen Park seit der Gründung aus eigener Kraft und ohne jegliche staatlichen Zuwendungen zu unterhalten.

Den Freitagmorgen verbrachten wir auf Einladung der Senior-Eigentümer Anthea und David Bigham (Foto) in Derreen und genossen eine ungemein interessante und kundige Führung der Hausherrin, einer seit 45 Jahren passioniert praktizierenden Gärtnerin. Das Ehepaar Bigham legte vor allem in den letzten 15 Jahren sehr viel selber Hand an in Derreen und pflegte den Garten in mühsamer Arbeit, nur unterstützt von Chefgärtner Jacky Ward (seit vier Jahren in Rente) und zwei Halbtagsgärtnern, zu alter Pracht. In den Gründerjahren, als die Herren des Lansdowne Estates über Heere billiger irischer Arbeitskraft verfügen konnten, hatte der Garten mit dem Sommerlandsitz 40 bis 50 Arbeiter beschäftigt.

Friday morning we spent in one of the finest gardens in Ireland: Derreen Garden, west of Kenmare on the Beara peninsula in South Kerry. Owners Anthea and David Bigham, descendants of the Lansdowne family, guided us through their splendid 30 acres of gardens and woodland. Derreen was set up in the 70ies of the 19. century and presents itself in great shape this spring - due to the work of the owner family and part-time gardeners Eoin and Ted. The Bighams are proud to say they never ever financed the costly garden by accepting any public funding. Derreen is being famous for its big variety of tree ferns, the dinosaurs of plants, the rhodos and for the unique vistas over Kilmakilogue Bay and the Kerry mountains.


Vor der Tour erlaubten uns die Bighams einen Blick in die Familien-Bibliothek: die seit 1870 nahzu lückenlos geführten Pflanzbücher der Lansdownes, alte Bildbände aus den Kinderzeiten der Photografie mit beeindruckenden Aufnahmen der berühmten Lawrence-Sammlung aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Sie zeigen die alte Schmuggler-Bucht von Kilmakilogue in den Zeiten vor den ersten Pflanzungen für Derreen.

Derreen Garden, ein absolutes Muss für jeden Besucher der südwestlichen Peninsulas, ist vor allem berühmt für seine teils über 100 Jahre alten Baumfarne (Foto), für die selbst von Rhododendron-Papst Kenneth Cox gerühmten Rhodos, für die von Baum-Papst Alan Mitchell (+ 1995) gepriesenen Pseudo-Zypressen und Riesenlebensbäume und natürlich für die sorgfältig gepflegten Ausblicke, die sogenannten Vistas.

Farn-Fan Anthea Bigham zeigt das kleinste irische Farn, das auf Baumstämmen in der Feuchtigkeit des Waldes gedeiht.

Der Rhododendron falconeri blüht – eine von Dutzenden Arten der vor allem aus dem Himalaya stammenden Rhododendren.

Übrigens: Derreen Garden liegt am Fernwanderweg Beara Way, den wir am Wochenende endlich vorstellen werden.

Freitag, 24. April 2009

Bilderbogen:

Frühjahrsputz an Irlands Stränden.
National Spring Clean in West Cork

Menschenmassen, ausgerüstet mit Handschuhen, Gummistiefeln, Messern, Scheren, Schaufeln und Müllsäcken, haben am vergangenen und werden am kommenden Wochenende in die Fluren, die Wälder und zu den Stränden Irlands ziehen. Es ist Frühjahrsputz, riesige Mengen Haushalts- und Industriemüll, von den einen achtlos oder absichtlich in die Natur gekippt, werden dann von achtsameren Zeitgenossen eingesammelt und von den Behörden auf die Müllkippen transportiert.

It is National Spring Clean Season. Thosands of volunteers are cleaning road sides, fields, woodlands and beaches these weeks. A coalition of residents and fishermen cleaned beaches in Bantry Bay last weekend. The mariculture companies in the bay - besides droppers of household rubbish the main polluters in recent years – have accepted responsibility for protecting the environment and signed a Code of Practice in March in Bantry.


In Bantry Bay reinigte eine ganz besondere Koalition ausgewählte Abschnitte der Küste von den Sünden der Vergangenheit: Anwohner und Muschelfischer trafen sich, um gemeinsam herrliche Strände zu reinigen. Die Muschelindustrie in der Bucht ist der eigentliche Großverschmutzer, der die Umwelt in den vergangenen zehn Jahren mit Unmengen von Plastikmüll überzogen hat. Doch die Zeiten ändern sich: Die Muschelfarmer haben kürzlich auf öffentlichen Druck hin einen freiwilligen Code of Practice unterschrieben und stellen ihre Arbeitsabläufe systematisch auf sauberere Produktionsweisen um.
Wir sehen engagierte Anwohner und Kommunalpolitiker beim Müllsammeln am Strand und beim obligatorischen Foto mit "Beute". Der Blick in einen Müllsack zeigt Muschelindustrieabfälle in allen Farben: Schnüre, Seile, Netze.


Nachdem die Anwohner ihre Arbeit erledigt haben, schlägt die Stunde der Muschelfarmer. Sie kommen im Boot an die Strände, laden die Müllsäcke auf und sammeln sie zentral auf einem Schiff im Pier von Glengarriff, von wo der Müll seine letzte Reise auf die Deponie antritt.
Our photos show the cleaning of beaches in the townlands of Ardnatrush Beg and More and Derrycreigh in Glengarriff, West Cork. The stages are: working hard, posing,fishermen coming in by boat and collecting bags filled with rubbish, then bringing them to a bigger vessel at Glengarriff pier from where the nasty load will be transported to the dump.


Mittlerweile ist das jährliche "National Spring Clean" von An Taisce und den County Councils eine Institution auf der Insel – und es besteht Hoffnung, dass die unrühmliche Wegwerfmentalität im Lande ("Das Meer ist eine kostenlose Müllkippe") durch derlei Rituale ganz langsam untergraben wird.

Donnerstag, 23. April 2009

Irland update:

Die politische Führung Irlands hat abgewirtschaftet.
Kommen die Deutschen, kommt die Swansea-Fähre?

Der Wanderer meldet sich zurück mit Meldungen aus dem Land der Krise.

Die Regierung irrlichtert. Der Rückhalt in der Bevölkerung für die "Fianna Fail-plus-Grüne- plus-gekaufte-Unabhängige-Regierung" war schon größer. Es gärt mächtig bei den Leuten, die nun die maroden irischen Banken und den Staat mit heftigen finanziellen Opfern retten sollen. Die Arbeitslosigkeit steigt unaufhörlich, während die Regierung mit wenig Überzeugunskraft versucht, das Land aus der tiefsten Krise seit Bestehen der Republik zu steuern, indem es die Menschen heftigst besteuert und den Binnenmarkt möglicherweise komplett matt setzt.

Der UCD Professor Ray Kinsella rechnete heute in der Irish Times in einem grandiosen Rundumschlag mit der Regierung ab. Unter der Headline "Die Wahrheit ist: Wir haben es vermasselt" analysiert Kinsella das totale Versagen der macht-besessenen Cowen-Regierung und die Fehler ihrer Politik, inklusive des desaströsen Not-Budgets vom April. Kinsella fordert eine ethische Begründung aller Politik, das Ende des paternalistischen Filzes, der politischen Erbfolgen nach geografischen und familiären Aspekten. "Wir brauchen eine völlig neue politische Ethik und eine auf Werten ruhende Führung, wir brauchen einen Sinn dafür, was richtig und was falsch ist".

Wohl war, Mister Kinsella. Nur: Woher kommt der Sinn, woher kommen die Werte? Wo sind die politischen Alternativen, wo die kompetenten Leute, die das Wohl der Allgemeinheit vor die Selbstbedienung und den Erhalt der eigenen Macht stellen? Ob sie vom Himmel fallen werden? So lasset sie beten. Die politische Führung Irlands hat ethisch abgewirtschaftet – und dies ist der wahre Kern, warum es Irland zur Zeit noch schlechter geht als fast allen anderen Ländern Europas.

Deutschland soll es richten: Bei Fáilte Ireland, dem nationalen Tourismusvermarkter der Insel, richtet man sich seit Monaten schon auf ein desaströses Jahr ein. Amerika und England sind für 2009 abgeschrieben, die Tourismusbranche hofft auf ein aus der Not entstehendes Revival des Inlands-Tourismus: Die Iren sollen daheim Urlaub machen und das Geld im Land ausgeben. Die Chancen stehen nicht schlecht: Mary ist Lehrerin und weiß seit einigen Wochen, dass sie in diesem Jahr aufgrund der regierungsamtlichen Wegelagerer 4000 Euro weniger in der Tasche wird. Erste Aktion: Sie und ihr Mann haben den geplanten Spanienurlaub mangels Euros gestrichen. Padraig tat dasselbe. Er ist Polizist und durfte bis vor kurzem Überstunden bis zum Umfallen fahren. Mit dem zusätzlichen Einkommen finanzierte er einen Hausbau und die jährlichen Auslands-Ferien. Jetzt ist Schluss mit dem Mehrverdienst. Die Ferien sind passé, das Haus kann wohl nicht gehalten werden und muss weg.

Bei Fáilte Ireland hofft man derweil auf einen wichtigen und verlässlichen Dauerpartner: Die Deutschen sollen es richten und die Insel mit Sommergästen überziehen. Tourism Ireland in Frankfurt trägt nun die große Bürde und muss in Dublin gehegte Höscht-Erwartungen erfüllen. Ob dies angesichts der steil nach unten zeigenden Konjunkturprognosen für Deutschland berechtigt ist?

Rätsel um die Widerauferstehung einer Fähre. Kommt sie nun oder kommt sie nicht, die Swansea-Cork-Fähre? Nach drei Jahren Pause soll die Autofährverbindung zwischen Wales und Cork bekanntlich reanimiert werden. Eine beeindruckende Basis-Kooperative in West-Cork hat mehrere Millionen Euro aufgebracht, um ein Fährschiff in Finnland zu kaufen. Die Verhandlungen sind allerdings noch immer nicht abgeschlossen und die Zeit verrinnt. Die Tourismus-Saison hat längst begonnen, noch allerdings ist das Schiff nicht in Irland eingetroffen, auch gibt gibt es kein Reservierungsssystem und keine tragfähige Administration für die künftige "Fastnet Line".

So mehren sich hinter den Kulissen die Stimmen, die von einem Start der Fähre in einem fortgeschrittenen und wirtschaftlich äußerst schwierigen Jahr 2009 abraten und einen Wiederbeginn im Jahr 2010 bevorzugen würden. Die Zeit läuft, das Tauziehen hat begonnen.

Samstag, 18. April 2009

Spring Clean: Heute ist Großputz-Tag in Irland

Menschenmassen, ausgerüstet mit Handschuhen, Gummistiefeln, Messern, Scheren, Schaufeln und Müllsäcken, werden heute und am kommenden Wochenende in die Fluren, die Wälder und zu den Stränden Irlands ziehen. Es ist Frühjahrsputz, riesige Mengen Haushalts- und Industriemüll, von den einen achtlos oder absichtlich in die Natur gekippt, werden dann von achtsameren Zeitgenossen eingesammelt und von den Behörden auf die Müllkippen transportiert.

Mittlerweile ist das jährliche "National Spring Clean" von An Taisce und den County Councils eine Institution auf der Insel – und es besteht Hoffnung, dass die unrühmliche Wegwerfmentalität im Lande ("Das Meer ist eine kostenlose Müllkippe") durch derlei Rituale ganz langsam untergraben wird.

In Bantry Bay reinigt heute eine ganz besondere Koalition ausgewählte Abschnitte der Küste von den Sünden der Vergangenheit: Anwohner und Muschelfischer treffen sich, um gemeinsam herrliche Strände zu reinigen. Die Muschelindustrie in der Bucht ist der eigentliche Großverschmutzer, der die Umwelt in den vergangenen zehn Jahren mit Unmengen von Plastikmüll überzogen hat. Doch die Zeiten ändern sich: Die Muschelfarmer haben kürzlich auf öffentlichen Druck hin einen freiwilligen Code of Practice unterschrieben und stellen ihre Arbeitsabläufe systematisch um.
Erste Erfolge sind zu erkennen: Die Müllmengen an den Stränden haben erkennbar abgenommen. Es darf deshalb damit gerechnet werden, dass sich heute auch erstmals diverse Politiker zum symbolischen Putzen zeigen werden, um die Meriten für diese erfreuliche Entwicklung einzusammeln. Wir werden ihnen zurufen: Es ist nie zu spät, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen.

Die Fotos stammen aus dem Jahr 2007 von einer Putzaktion in Derrycreigh und Ardaturrish Beg im County Cork.

Donnerstag, 16. April 2009

Irland wartet auf Julia aus Finnland

Jetzt kann kaum noch etwas schief gehen: Im Lauf des Monats Juni wird die MS Julia den Fährverkehr zwischen Swansea, Wales, und dem Hafen von Cork in Irland nach drei Jahren Pause wieder aufnehmen. Eine Kooperative aus West Cork hat die Fähre in Finnland für 7,8 Millionen Euro gekauft. Die Vorbereitung für die "Fastnet Line" laufen. Ein Reservierungssystem fehlt noch, man kann sein Interesse an einer Überfahrt jedoch auf der Fähr-Website www.fastnetline.com anmelden.

Die irische Bevölkerung im Süden der Insel freut sich auf ihre ganz eigene Weise auf die Wiedereinführung der Verbindung, die eigentlich vor allem geld bringende Touristen von Großbritannien nach Irland transportieren soll. Bislang schauten sie eher neidisch auf die Mitbürger im Norden, die seit Monaten in Heerscharen über die Grenze nach Nordirland fahren, um dort billig einzukaufen. Seit der Wert des englischen Pfunds um rund ein Drittel gefallen ist, hat sich der kleine Grenzverkehr massiv entwickelt, und der irische Finanzminister beklagt einen erheblichen Kaufkraftabzug und den Verlust vom vielen Millionen Euro Mehrwertsteuer.

Nun hofft man im Süden auf Gleichbehandlung: Die Auto- und Passagier-Fähre könnte zum Einkaufsdampfer und Alkoholschlepper werden, die Shoppingtour von Cork, Midleton und Mallow in die walisischen Shoppingparadiese Swansea und Cardiff zum Sparvergnügen in der Rezession. Julia, Irland wartet auf Dich.

Mittwoch, 15. April 2009

Hitziger Protest gegen Landschaftsschutz


Sturmlauf gegen Landschaftsschutz-Pläne im Südwesten Irlands: 200 Protestanten von den drei großen Halbinseln West Corks haben gestern eine Sitzung des Regional-Parlaments gesprengt und Aufklärung verlangt, was das Cork County Council mit den Peninsulas Mizen, Sheep´s Head und Beara im Sinn hat.

Es kursieren derzeit Pläne, denen zufolge das County Council von Cork weite Teile der landschaftlich schönsten Gegend Irlands zu Landschaftsschutzgebieten erklären will. Gerüchte wollen auch wissen, dass daraus langfristig ein neuer Nationalpark entstehen soll.

Die Leute auf dem Land fürchten nun wieder einmal, dass es noch schwieriger werden wird, an Baugenehmigungen zu kommen, und werfen das volle Pfund in die Waagschale: "Bauverbote zwingen die jungen Leute zum Abwandern und schaffen überalterte Communities ohne Zukunft." Tatsächlich gibt es immer wieder Fälle, in denen die Baubehörde Alteingesessenen verwehrt, auf ihrem Land zu bauen, um "die Landschaft zu schützen". Die verhinderten Bauherren zeigen dann mit Verbitterung auf neue Ferienhäuser nebenan und auf ähnliche Fälle in der Nachbarschaft, die sich in Form großer zweistöckiger Häuser inmitten reizvollster Landschaft materialisiert haben.

Die Protestanten, die gestern die Sitzung des Cork County Council lahm legten, forderten deshalb zunächst einmal Transparenz. Sie wollten wissen, was geplant ist und was sich hinter großspuriger planerischer Terminologie wie "schützenswerte Landschaft" oder "nachhaltige Entwicklung" oder "zum Bauen geeigneter Ort" genau verbirgt.

Während County-Abgeordnete wie der Immbobilienmakler (!) Dermot Sheehan den Protest mit wonnigem Wohlgefühl entgegennahmen, reagierte County Manager Martin Riordan eher indigniert: Er hielt den Aufmarsch für vollkommen unglücklich und unnötig, da der Entwicklungsplan, der alle Schutz-Fragen regelt, schon im Februar in kraft getreten sei. Riordan sagte überrschenderweise auch, dass die Pläne, gegen die nun protestiert wurde, längst ad acta gelegt seien, dass sie aber – ganz im Gegensatz zu den Befürchtungen der Rebellen aus West Cork – zu einer Lockerung des Baurechts geführt hätten!

Genaues weiß derzeit also wieder einmal niemand – außer ein paar Strippenziehern: Die politischen Verfahren im Land sind wenig transparent ist und die Kommunikation darüber geschieht noch immer eher zufällig. Die Stimmung auf den atlantischen Halbinseln im Südwesten jedenfalls bleibt gereizt, und die Zeit, Forderungen zu stellen ist gut gewählt: Im Juni finden die Wahlen zum Regionalparlament statt.

Fotos: Eine Hochburg des Protests ist das Städtchen Castletown-Berehaven auf der Halbinsel Beara. Dort wurde mit Plakaten zum Protest aufgerufen: "Beara sagt Nein zu Landschaftsschutzgebieten".



Dienstag, 14. April 2009

Tipps zum Wandern in Irland (6): 88 Kilometer auf dem Sheep´s Head Way hoch über dem Atlantik

Die Bantry Bay, Irlands längste Bucht im Südwesten der Insel, liegt relativ geschützt zwischen den Halbinseln Beara im Norden und Muintir Bháire, dem Sheep´s Head im Süden. Die beiden Peninsulas werden komplettiert von Dingle und Iveragh (Kerry) im Norden und dem Mizen im Süden. zusammen bilden sie die fünf Finger, die auf der Landkarte "links unten" so markant in den Atlantik ragen.

Während Kerry mit Ring und Butter das international bekannteste Feriengebiet Irlands ist und Dingle sich auch einiger Berühmtheit erfreut, führten Beara und der Sheep´s Head lange Zeit ein wenig beachtetes Schattendasein. Das hat den beiden Halbinseln sicher gut getan, sind sie doch noch sehr viel ursprünglicher und unverbauter als die nördlichen Nachbarn.

Auf beiden Peninsulas haben engagierte Bewohner mit Unterstützung aus zahlreichen Fördertöpfen einen Langstrecken-Wanderweg gebaut, der jeweils die gesamte Landnase erschließt. In den beiden nächsten Posts stellen wir den Sheep´s Head Way und den Beara Way etwas genauer vor. Wir beginnen mit dem Schafskopf.

Der Sheep´s Head Way zieht sich 88 Kilometer lang vom Wolfe-Tone-Platz im Städtchen Bantry westwärts an die Spitze des Sheep´s Head. Hinaus zur einsamen Signalanlage im Townland von Tooreen führt der ausgeschilderte Weg – mal über Straße, mal über Wege, mal über Pfade und mal schlicht über nackte Felsen – auf der der Bantry Bay zugewandten Seite. Man wandert vor allem auf dem Grat des zentralen Gebirgsrückens und über weite Strecken auch an der Küste entlang.

Zurück führt der Weg nach Bantry über die stärker bevölkerte Südküste entlang der Dunmanus Bay mit den Orten Kilcrohane, Ahakista und Durrus. Der Sheep´s Head Way wurde 1996 eingeweiht. Seitdem haben ihn die Initiatoren Stück um Stück ausgebaut. Heute gibt es zehn kleinere Rundwege entlang der Strecke, so lässt sich der Weg auch bequem in Teilen erwandern.
Unser Tipp: Für den gesamten Weg sollte man je nach Kondition 3 bis 6 Tage einplanen. B&B´s, wie das vom Landwirt, Rutenläufer und Wanderführer Charlie McCarthy laden zum Übernachten ein. Wer wenig Zeit hat, vielleicht nur einen halben Tag, sollte sich für den Rundweg um die Landspitze entscheiden, am Parkplatz am "Turning Table" starten und dann je nach Zeitbudget über den Poet´s Way oder den "Black Gate Path" zum Ausgangspunkt zurückkehren. Der Weg führt über dem Atlantik ans "Licht-Häuschen", weiter durch ein Felsenmeer und vorbei an einer spektakulären Aussicht hoch auf den (vorsicht: ungesicherten) Klippen.

Wer nach dem Sheep´s Head noch nicht genug vom Wandern hat, kann über eine lange Querspange vorbei am Carrigannas Castle nach Glengarriff gelangen und dort in den noch längeren Beara Way einsteigen. (Mehr dazu am Donnerstag).



Der Landkartenausschnitt stammt aus der offiziellen Broschüre für den Sheep´s Head Way. Sie kann auf der interessanten Website für den Fernwanderweg kostenlos geladen werden.

Montag, 13. April 2009

Tipps zum Wandern in Irland (5): Eine Fahrt mit dem berühmtesten Transportmittel der Insel

Die Seilbahn nach Dursey Island, das berühmteste Transportmittel Irlands, wird general-überholt. In der letzten Aprilwoche wird der luftige Verkehr von der Spitze der Beara Peninsula auf die vorgelegerte Insel Oileán Baoi, oder Dursey, einige Tage ruhen, damit eine neue Kabine installiert werden kann.

Die Seilbahn von Dursey wird gerne in Superlativen beschrieben: Es ist die einzige Seilbahn Irlands und sogar die einzige in ganz Europa, die über Wasser führt (dies ein ungeprüfter irischer Superlativ, der noch gecheckt werden müsste). In Wirklichkeit handelt es sich bei der Bahn um eine alte blaue, rostige und stinkende Kiste, die einige Male pro Tag hoch über dem herrlichen Dursey Sound zwischen Insel und Inselchen hin und her schaukelt.




Besucher der wild-romantischen Insel Dursey, auf der noch 12 bis 15 Menschen leben, sollten sich keinen Illusionen hingeben: Die Seilbahn ist nicht für sie gebaut, und so rangieren sie in der Transport-Priorität erst an vierter Stelle – hinter den Inselbewohnern, den Waren für die Bewohner und dem lieben Vieh. Denn die schwebende Kiste transportiert vornehmlich Lebensmittel, Schaf und Rind – sie ist für sechs Personen zugelassen.

Das Rückfahr-Ticket kostet vier Euro – und wer kein Pub, kein Restaurant und keinen Laden erwartet, sollte sich einen halben Tag auf Dursey gönnen. Vor allem Vogelliebhaber kommen dort auf ihre Kosten, auf der Insel brüten zahlreiche Seevögel. Der Trip mit der Seilbahn bietet sich für alle Wanderer des Beara Way an, sozusagen als Belohnung, das Ende, oder den Wendepunkt des einmaligen Fernwanderwegs erreicht zu haben (Den Beara Way werden wir in dieser Woche an dieser Stelle genauer vorstellen).Die neue Kabine steht bereits einsatzbereit hinter der Seilbahn-Station. Die Gondel "Marke Eigenbau" ist wie ihre verbeulte Vorgängerin (s.o.) keine Schönheit – doch was zählt Ästhetik, wo es um Sicherheit geht...
Hier im Bild der von starken Strömungen und den Gezeiten immer in Bewegung gehaltene Sund von Dursey. Die Beara Peninsula, für uns die schönste Halbinsel im Südwesten Irlands, erreicht man am besten über Kenmare oder über Glengarriff im County Cork. Hier ein Kartenausschnitt:

Sonntag, 12. April 2009

Alles über die irischen Mädchen, oder:
Wer keine Wahl hat, hat die Qual

Wenn es in Irland um das ewige Thema von Mann und Frau, um Liebe und Attraktion zwischen den Geschlechtern geht, hält man lieber den Mund – es sei denn, man will ihn sich absichtlich verbrennen.

Ein französischer Freund, zugegeben ein kleiner Don Juan, bemerkte am Ende einer Ferienwoche in Irland, dass er noch keine einzige attraktive Frau getroffen hätte. Nun flanierte er nicht die Straßen von Dublin oder Galway, und warscheinlich hat er auch nicht Rosanna Davison (Foto), Miss World 2003 und Tochter des irischen Barden Chris de Burgh getroffen; und nicht die besten Jahrgänge der Rose of Tralee.

Die französische Meinung deckt sich dennoch verblüffend mit der des 16jährigen Sohnes: Der behauptete vor einem Jahr: "Irische Mädchen sind entweder fett oder hässlich. Oder beides." Ich hielt ihm pflichtschuldig entgegen, das sei übler männlicher Chauvinismus – und ließ vor meinem geistigen Auge alle mir bekannten Mädchen dieser Insel vorbeiziehen. Wir haben die Debatte nicht vertieft.

Doch Schluss mit dem Stammtisch-Niveau. Die Internet-Kontaktbörse Parship hat jetzt wissenschaftlich seriöse Arbeit geleistet und mit den Mitteln einer europaweiten Umfrage herausgefunden, dass es sich für Männer in Irland (Nationalität egal) kaum lohnt, genauer hinzuschauen: Irlands Frauen sind die wählerischsten in ganz Europa.

Das Risiko, die hohen Erwartungen der Evas und Marias von der Insel nicht erfüllen zu können und abgewiesen zu werden, ist jedenfalls beträchtlich. High Risk Area Ireland: Ehrlich muss der Mann sein, immer treu – und reden und zuhören muss er können, sonst schafft er es nicht einmal ins Viertel-Finale. Vor allem aber muss er begabter Optimist sein und immer froh gelaunt in die depressive Zukunft blicken. Und Geld und einen guten Job muss er haben. Kleiner Trost: Der akademische Grad, Aussehen und Figur spielen für die Damen Eires beim Dating eine absolut untergeordnete Rolle. Egal also, ob sich Padonys im Fitness-Studio oder am Tresen stärkt.

Besonders zu denken gibt uns diese Erkenntnis: Fast die Hälfte der befragten alleinstehenden irischen Frauen hatte Parship zufolge seit drei Jahren keine Beziehung. Sind diese Single-Marys nun schlau genug, das Kreuz der Beziehung gar nicht tragen zu wollen? Haben sie überwältigende Angst vor Zurückweisung? Sind sie Opfer der eigenen hohen Ansprüche? Oder fehlt die Nachfrage (siehe ganz oben)?

Das mit der fehlenden Nachfrage können wir sofort und entschieden ausschließen. Der irische Mann ist nämlich im Gegensatz zur Frau überhaupt nicht partner-wählerisch. Und mit dieser Sorglosigkeit stürzt Paddy das gender-vereinte Irland im europäischen 13-Nationen-Vergleich auf einen undankbaren vierten Platz – hinter den Österreichern, den Schweizern und den Deutschen (Oha!).

Bei der Partnerwahl am wenigsten wählerisch und fordernd sind übrigens die Niederländer und die Franzosen. Wer Fräulein Antje und Mademoiselle Anne-Marie kennt, kann zum Schluss kommen: Wer große Auswahl hat, muss nicht wählerisch sein.

Foto: Wikipedia

Samstag, 11. April 2009

Der Keltische Tiger war eigentlich ein Esel


Die Landessymbole Irlands sind die Harfe, das Kleeblatt und bis vor kurzem der Bagger. Die Landesheiligen heißen St. Patrick, William Butler Yeats und Declan Kidney. Nationale Institution sind die Late Late Show und das Samstags-Lotto, das Fetisch-Tier der Insel heißt "Panthera tigris, var. celtica", der Tiger in seiner urtypisch keltischen Ausprägung.

Nun, da das kapitalistische Raubtier zahnlos und sterbenskrank in Leinster House zu Tode gehungert wird, wollen wir dem guten alten irischen Esel das Denkmal setzen, das ihm lange schon zusteht: Asinus, das ewige Langohr ist das eigentliche Nationaltier der Insel – auch wenn die ehemaligen neureichen West-Briten sich pferdenärrisch und viele "kleine Leute" sich windhund-besessen aufführen. Und selbst, wenn die nationale Buslinie Bus Eireann an ihrem irischen Setter als Maskottchen festhält.

Der Esel erzählt wie kein anderes Tier die Entwicklung Irlands aus der Armut in den Hochmut.

Noch vor 20 Jahren schickten entzückte Irlandromantiker die Postkarte mit dem Farmer auf der Eselskarre nach Hause, galt der Typus des aus der Zeit gefallenen Landmannes doch als geradezu ikonisch für die Insel, auf der die Zeit stehen geblieben schien. Trafen sich zwei Eselskarren postkartengerecht auf einer engen Landstraße, unterschrieb man den Gruß von der Insel gerne mit "Rush Hour Ireland".

Dann kamen die stürmischen Jahren des keltischen Tigers. Die Landwirtschaft trat Hand in Hand mit der Armut den Rückzug an, aus Farmern wurden Großgrundbesitzer, die Karren wurden von Traktoren und Quadbikes ersetzt – und aus dem ehedem überlebensnotwendigen Arbeitstier und Transportmittel Esel wurde ein nutzloses Anhängsel.
Bald sah man die typischen einachsigen Eselskarren hinter den Ställen verrotten, und überall im Land standen Esel auf den zuwachsenden Wiesen herum - zurückgelassen, arbeitslos, nutzlos, verwahrlost, zu langsam, zu eigensinnig und zu unschick für die große Party- und Immobiliensause, die nun anhob zwischen Waterford und Letterkenny. Der irische Esel hatte seine Schuldigkeit getan – und ausgedient.

Als Verlierer im großen Wohlstandspiel starben tausende ausgemusterte Langohren frühzeitig an Hunger, Krankheiten, manche auch an direkter Misshandlung. Der irische Esel war zum lebenden Symbol des Unzeitgemäßen geworden.

Oft heißt es, irischen Landbewohnern fehle das Mitgefühl für die Kreatur. Immerhin: Das tragische Eselleid rief vereinzelt Tierfreunde auf den Plan, die sogenannte "Donkey Sanctuaries" gründeten, verwahrloste Esel einsammelten, sie medizinisch versorgen und ihnen im Esels-Asyl das Gnadenbrot geben.

Im großen Vergessen lebte derweil auch das kleine Erinnern fort: Während viele Bauern der vierbeinigen Nutzlosigkeit nicht auch noch teuren Hafer hinterherwerfen wollten, begannen Romantiker, die die alten Zeiten gar nicht so schlecht gefunden hatten, oder zu Wohlstand gekommene Iren, sich zum Spaß Esel zu halten. So wurde der Esel zum neuen Status-Symbol in der Wohlstandsnische der Neureichen. Die stille Botschaft des im großen Vorgarten grasenden Vierbeiners: Seht her, ich bin traditionsbewusst, mein keltischer Esel ist zwar unnütz, aber das leiste ich mir (genauso wie die Gael Scoil für unsere Kinder.)


Wenn die Langohren mit ihrem sprichwörtlich sturen Kopf tatsächlich denken können, dann wird der graue Senior heute sicher still in sich hinein lachen und vergnügt fragen, wer nun der Esel auf dem irischen Wohlstandskarussell ist, wer runter fliegt und wer oben bleibt. Den vierbeinigen Eseln im Land kann es schlimmer nicht mehr gehen, als es ihnen in den vergangenen zehn Jahren erging. Den zweibeinigen sehr wohl. (Und Mitgefühl verlangt bekanntlich immer der zuerst von der Welt, dem es gerade schlecht geht. Ob der Esel davon nun auch etwas abbekommt?)

Die Spezies des Keltischen Tigers jedenfalls hat es in Irland auf dieselbe Liste geschafft wie die Schlangen, auf die der ausgestorbenen Arten. Gier, Maßlosigkeit und ein gehöriges Maß an zweibeiniger Dummheit ("dumme Esel") haben ihn zur Strecke gebracht. Der Esel hingegen lebt, und das gar nicht so schlecht. Sollte er in Form des Gold-Esels das Symbol für eine neue nachhaltige Ära des Wirtschaftens auf der Insel werden? Wir werden sehen.

Der aktuelle Bezug 1: Mit welchem Transportmittel ritt Jesus palmen-schwingend in Jerusalem ein und damit zielstrebig seiner österlichen Bestimmung entgegen? Genau.

Der aktuelle Bezug 2: Can do, und yes, we can. Wie Obama kommt auch der Esel vom vergessenen Kontinent. Als Symbol-Tier der Obama-Partei, den US-Demokraten, wird dem Donkey eine blendende Zukunft prognostiziert. Ihr wisst also, was Ihr zu tun habt, Brian Cowen und Konsorten.


Donnerstag, 9. April 2009

Irland knapp hinter Island und doch vor Deutschland

Der Scherz über den Unterschied zwischen dem bankrotten Island und dem angeschlagenen Irland ("ein Buchstabe und sechs Monate") wurde in den vergangenen Wochen zum medialen Folterinstrument für Vielleser. Journalisten schrieben solange voneinander ab, bis das laue Scherzchen in jedem Medium Europas mindestens einmal publiziert worden war.

Seit den irischen Spar- und Nimm-Beschlüssen vom 7. April macht eine neue vermeintlich schlaue Faustformel die Runde: Irland sei Deutschland und dem Rest Europas sechs Monate voraus. Will heißen: In einem halben Jahr werden die Staatsfinanzen in Deutschland und anderswo auch am Ende sein, die Regierungen werden ihre Investitionsprogramme aufgeben und statt dessen die Sparbremse ziehen müssen. Zudem kommen diesem Orakel zufolge genauso harte Zeiten auf die teutonischen Steuerbürger zu, wenn der deutsche Staat an der Steuerschraube dreht.

Na ja, so einfach ist Wirtschft dann doch nicht erklärbar – auch wenn es plausibel klingt.

Mittwoch, 8. April 2009

Das Geheimnis der Schwitzhütte:
Gelöst, gelassen, geläutert


Dies war einmal eine Schwitzhütte. Sie hielt im Seeklima der Bantry Bay, in Südwest-Irland, gerade einmal zwei Jahre.

Dies ist Donal O´Sullivan aus Cork. Der Schwitzhütten-Leiter bereitet den Bau einer neuen Schwitzhütte aus frisch geschlagenen Haselnussruten vor.
Voilá. Das ist die neue fertige Schwitzhütte. Sie bietet Platz für 15 Personen und wird am 25. April in Glengarriff, West Cork, eingeweiht.
Ein halbes Dutzend Mal im Jahr feiern wir auf unserem Land bei Glengarriff, am Meer, am Fluß und im Wald eine Schwitzhütte in der alten Tradition der Lakota-Indianer. Die meisten alten Kulturen kannten dieses Ritual zur Reinigung des Körpers, des Geistes und der Seele.

Sweat_Glengarriff.jpg.jpegIn Irland gingen die Menschen dazu in massive Schwitzhäuser aus Stein, im Orient ins Hamam, in Nordamerika bauten und bauen sie sich eine tragende, runde Struktur aus Haselnuss- oder Weidenruten und bedecken diese mit Wolldecken oder Fellen. In einem kunstvoll geschichteten Feuer werden rund 40 blumenkohlgroße Steine erhitzt, bis sie glühen. Dann werden sie in die vollkommen dunkle Schwitzhütte gebracht, wo die Teilnehmer vier "Türen" lang auf der Erde im Kreis um die Steine herum sitzen, schwitzen, Einkehr halten, sich mit inneren Bildern und manchmal auch mit den eigenen Dämonen auseinandersetzen. Später werden sich die meisten (wie) neugeboren fühlen. Frisch, rein und innerlich verändert: gelöst, gelassen, manchmal geläutert.

Schwitzhüttenleiter Uwe Backhaus (Foto oben rechts) hat das Ritual in jahrelanger Praxis von den Lakotas und von einem Schweizer Religionslehrer gelernt. Er kommt aus Brüssel, um die Schwitzhütten zu leiten. Donal O´Sullivan aus Cork hat dieselbe Ausbildung durchlaufen und wird in diesem Jahr neben Uwe auch einige Zeremonien in Glengarriff leiten.

Was "Türen" sind und wie eine Schwitzhütte genau abläuft, haben wir hier auf unserer Website beschrieben .

Sweat_decken.JPG.jpeg
Die erste Hüttenkonstruktion hielt im Seeklima von Glengarriff übrigens kaum zwei Jahre. Während der September-Zeremonie mussten wir die ächzende Haselnussruten-Struktur bereit von innen abstützen. Ein Grund für die Kurzlebigkeit neben salziger Luft und viel Winterregen: Die saftlosen Ruten waren im Dezember geschnitten und schnell brüchig geworden. In den letzten Wochen haben wir nun eine neue Struktur gebaut, dieses mal mit Haselnuss-Stangen, die voll im Saft standen.


Die erste Schwitzhütte in diesem Jahr findet am Samstag, dem 25. April, ab 15 Uhr statt. Neue Teilnehmer sind willkommen.

Dienstag, 7. April 2009

Das teure Vergnügen,
den Staat retten zu dürfen

Dass Zigaretten und Diesel in Irland ab Mai teurer werden, zählt zu den Petitessen in Finanzminister Brian Lenihans Katalog der Scheußlichkeiten, mit dem der Staat vor dem Bankrott gerettet werden soll. Die im Herbst beschlossenen Sonderabgaben auf Einkommen werden verdoppelt, die Gesundheitsabgabe ebenso, die Kinderbetreungszuschüsse dafür halbiert und die Eigenheimförderung auf sieben Jahre begrenzt. Auch Geringverdiener müssen künftig moderat Steuern bezahlen.

Der Finanzminister hielt heute nachmittag im Parlament die mit Spannung erwartete Rede zum Nachtragshaushalt und enttäuschte die negativen Erwartungen nicht: Die angekündigten Maßnahmen sind drastisch, in den kommenden zwei Jahren werden weitere Einschnitte wie eine CO2-Steuer und Steuern auf Wohneigentum (Foto) folgen, über die sich auch deutsche (Ferien-)Hausbesitzer heute schon freuen dürfen.

Der finanzpolitische Sprecher der Opposition, Richard Bruton, kalkulierte die zusätzliche Belastung für "viele Familien" in diesem Jahr auf 2.500 (!) Euro, nannte den Haushalt das Werk von kleinkarierten Buchhaltern und wies auf die Verantwortlichkeiten hin: Die Leute zahlen nun die Zeche für schlechtes Regieren und für die eklatanten Fehler der Fianna Fail-Regierung in den vergangenen Jahren. Die Gewerkschaften sind komplett gegen das Zahlenwerk. Es enthalte keinerlei Impulse für den Arbeitsmarkt.

Einzig gute Nachrichten für die "kleinen Leute": Die Sozialhilfesätze werden zunächst nicht gekürzt, obwohl die Regierung davon ausgeht, dass die Verbraucherpreise in diesem Jahr um vier Prozent sinken werden – gestrichen wird allerdings der Weihnachts-Bonus. Und Brian Lenihan ließ Ansätze erkennen, dass die Regierung endlich auch die Steuervergünstigungen für Großverdiener kappen wird.

So lasst uns denn den Staat retten, und die maroden Banken mithilfe der angekündigten Bad Bank dazu. Wer aber rettet uns Steuerzahler?


Iren revolutionieren den Sex

Endlich einmal gute Nachrichten aus dem Norden Irlands. Die Lösung für ein 100.000 Jahre altes Problem naht von der Insel. Mediziner des Royal-Victoria-Hospitals in Belfast haben ein Spray entwickelt, damit beim Sex nichts mehr in die Hose geht. Das Sex-Spray gegen Ejaculatio präcox (vorzeitige Ejakulation) wurde bereits von 300 Männern aus ganz Europa getestet. Neun von zehn sollen tatsächlich vier Minuten länger durchgestanden haben als ohne. Das Zauberspray, das offensichtlich "lokal" aufgesprüht wird, soll in zwei Jahren auf den Markt kommen.

Die "Sun" posaunte heute schon, das sei die Rettung für bis zu 40 Prozent der Männer und für viele Beziehungen. Der englischen Boulevard-Postille zufolge kommen im Umkehrschluss rund 40 Prozent aller Frauen leicht einmal zu kurz, weil ihre Männer es zu eilig haben.

Der Studienleiter in Belfast, Professor Wallace Dinsmore, zeigt sich überzeugt, dass das neue Spray die Schlafzimmer erobern wird. Der Fachmann für sexuelle Störungen zur Sun: "Es ermöglicht besseren Sex und mehr Befriedigung für beide Partner."

Nach Christentum, Guinness und Kerrygold könnte das der nächste große Exportschlager von der Insel werden.

Montag, 6. April 2009

Hände weg von Ostern!

Am 12. April ist Ostersonntag. Letztes Jahr fiel der höchste christliche Feiertag auf den 23. März, in zwei Jahren wird es der 24. April sein. Das ist eine Spanne von 32 Tagen. Immer wieder einmal meinen selbsternannte Kalender-Reformatoren deshalb, sie müssten dem frei marodierenden Christenfest die Zügel anlegen und fordern deshalb einen festen Termin für Ostern.

In der diesjährigen Fastenzeit will ein irischer Politiker für Ordnung im Kalender sorgen: Der Supermarkt-Pionier Feargal Quinn hat sich in seiner Eigenschaft als Mitglied des Senats zu Wort gemeldet und rief die Europäische Union auf, die Fixierung des Feiertags zu betreiben. Der unabhängige Politiker Quinn findet es unerträglich, dass Ostern die Jahresplanung für Schulen, Firmen, Familien und vor allem für die Tourismusindustrie erschwert – und dies seit 1684 Jahren!

Super-Quinn glaubt auch die Bevölkerung auf seiner Seite. Er unterstellt, dass das terminlich varriierende Ostern die Leute eigentlich ärgert, dass die meisten es aber im Irrglauben akzeptieren, die Terminsetzung habe zutiefst religiöse Gründe. Hat es natürlich nicht. Es handelt sich lediglich um eine Regelung aus der Zeit, als noch nicht alles der Linearität unterworfen wurde.

Ostern wird immer am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert. Der kalendarische Frühlingsanfang ist der 21. März, deshalb kann Ostern frühestens am 22. März und spätestens am 25. April stattfinden*. Festgelegt haben dies die Versammlungen früher Kirchenführer, allen voran das von Kaiser Konstantin im Jahr 325 einberufene Konzil von Nicäa (was in der heutigen Tükei liegt).

Die heutige Kirche hat eigentlich keine Probleme mit einem fixen Osterdatum, bereits 1975 hatte Papst Paul VI ("Pillen-Paul") den zweiten Sonntag im April vorgeschlagen. Auch die orthodoxen Christen haben eigentlich nichts dagegen, sie wollten sich aber nicht damit anfreunden, dass die Vorschläge vom Boss des Konkurrenzvereins im Vatikan stammten. Senator Feargal Quinn denkt nun, dass die Europäische Union – die im Normieren und Standardisieren viel Erfahrung mitbringt – ideologisch neutral genug ist, um den großen Osterkonsens zu schaffen.

Wir meinen: Hände weg von Ostern. Warum muss alles linear, ins letzte Detail planbar, höchst effektiv und voll effizient, komplett ausschlachtbar und total vermarktbar sein? Warum sollen wir uns ohne Not von einer alten Tradition trennen, die uns mit unseren Vorfahren über fast 1700 Jahre verbindet?

PS: Wir gehören dem Christen-Verein nicht an.

* Wer es ganz genau wissen will: Wikipedia hilft.

IMPRESSUM

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