Montag, 31. August 2009

Make Love – not Recession

75.065 Kinder kamen im Jahr 2008 auf der Insel zur Welt. Die meisten seit 112 Jahren. Die meisten seit 1896! Respekt Irland. Das läuft dem Geburtentrend in Europa extrem zuwider. Eigentlich waren die Geburtenraten in Irland in den vergangenen Jahren angesichts eines modernen Lebensstiles stark rückläufig – wie andernorts in Europa. Die gerade vom Statistischen Amt Irlands (CSO) bekanntgegebenen Zahlen legen jedoch nahe, dass auch der Mensch in Irland in unsicheren Zeiten sich vermehrt auf das Verbreiten der eigenen Art verlegt. Getreu dem alten Hippie-Motto "Make Love - not War" konzentriert sich Irland auf das Wesentliche. Fairerweise muss gesagt werden, dass ein Bevölkerungzuwachs – und der war zumindest in den vergangenen paar Jahren aufgrund der kurzen Phase der Zuwanderung eine Tatsache – sein eigene Dynamik entwickelt. Mit der Zahl der Bewohner wächst relativ zwangsläufig auch die Zahl der Geburten.

PS: Geburtenrate und Sterberate. Josef Ackermann – Auch du bist nicht mehr als ein Blatt am Zweig eines Pflaumenbaumes. Im Herbst weht der Wind.

Der irische Sommer (der keiner war)
ist vorbei


Nach zweieinhalb Monaten Ferien starten die Schulen auf der Insel in ein neues Schuljahr. In den irischen Familien kehrt Normalität ein, die vornehmlich für Erziehungsfragen zuständigen Mütter verkünden erfreut den Status "Back to Routine" ("Willkommen im Alltag"), und der erste Tag des Septembers markiert morgen das Ende eines irischen Sommers, der keiner war.

Nach dem im Regen versunkenen Juli, der als Rekordregenmonat in die Geschichte der irischen Meteorologie eingehen wird, sind wir auf die Wetterdaten des Monats August gespannt, die MET Eireann in Kürze bekanntgeben wird. Soviel weiß der Wanderer aus eigener Anschauung: Es war ein dunkler, kühler, regenreicher und ebenfalls rekordverdächtiger August. Jedes Gespräch der wetter-besessenen Iren beginnt in diesen Tagen mit einem Klagelied über den verlorenen Sommer; auch wenn sich Statistiker beeilen, die subjektiven Eindrücke der Menschen mit objektiven Zahlen ein wenig geradezurücken: Irland erlebte gerade den dritten Sommer in Folge, der keiner war.

Das wirkliche Wetter steht im krassen Gegensatz zu den Prognosen des Frühjahrs, als sich britische und irische Wetterfrösche mit der Vorhersage "eines Jahrhundertsommers" oder eines "Barbeque Summers" vorübergehend beliebt machten; und es steht im Widerspruch zu den Prognosen der Klimaforscher, die dem irischem Westen aufgrund der Klimawandels lange trockene Sommer und noch nässere, regenreichere Winter prophezeien.

Was aber kümmert sich das Wetter um Prognosen? Nehmen wir es also einfach, wie es war, wie es ist, und wie es sein wird – und nach dem Gesetzen der Zufalls-Statistik zumindest könnte der Sommer 2010 ja mal wieder ein richtiger "Jahrhundertsommer" werden; und an einen schönen November (!) haben wir uns auf der Insel ja fast schon gewöhnt.

PS: Sonne hin, Regen her. Der Wanderer ist in dieser Woche unterwegs und hält sich zwangsläufig etwas zurück mit neuen Berichten von der Insel.

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Back to school, back to routine, summer is over. This was a summer that wasn´t. Ireland suffered the third bad summer in a row - despite the forecasts of a "Barbeque Summer 2009". So what can we do? Let´s hope for another extraordinary sunny and warm one in 2010, or 2011, or....

Sonntag, 30. August 2009

It´s Cork vs. Kerry again

Die Gaelic Football Saison auf der Insel strebt ihrem Höhepunkt entgegen: Cork gegen Kerry heißtdas All-Ireland-Finale, das am 20. September in Croke Park in Dublin gespielt wird.

Wieder einmal treten die benachbarten Erz-Rivalen um die Krone des Gaelic Football in Irland gegeneinander an. Dem Team aus Kerry ("The Kingdom") reichte am Sonntagnachmittag eine durchaus schwache Vorstellung, um die Gegner aus County Meath im Halbfinale zu besiegen und ins Finale einzuziehen. Bereits am vergangenen Sonntag hatten die Rebels aus Cork den Titelverteidiger Tyrone - trotz Unterzahl aufgrund eines frühen unberechtigten Platzverweises – klar dominiert und besiegt.




Nun laufen bei den Buchmachern die Wetten: Cork oder Kerry? Eigentlich hatten das "Kingdom" in den vergangenen Jahren meist die etwas bessere und abgeztocktere Mannschaft, in diesem Jahr allerdings schwächeln die Grünen – die mental sehr stark wirkenden Roten aus Cork haben ihre Erzrivalen in den Munster Finals bereits zweimal geschlagen, und auch in anderen Matches machte Kerry bisweilen nicht den besten Eindruck.


Gaelic Football ist auf der Insel Sportart Nummer eins, Religion und Identitätsstifter zugleich, Zusammen mit dem Hurling macht Gaelic Football die Gaelic Games aus. Im Alltag redet man nur von " GAA" (was für Gaelic Athletic Association steht). Gaelic Football wird mit großer Härte und einem ebenso harten, fast fußball-großen Ball auf einem extrem großen Feld und auf ein dem Rugby ähnliches Tor gespielt. Die 15 Spieler pro Seite benutzen Hände und Füße, um den Ball ins gegnerische Tor zu transportieren.

Gaelic Football macht die Iren zu Iren, in den GAA-Clubs wurde der Freiheitskrieg gegen die Engländer organisiert und die GAA setzt den Kontrapunkt zum lange verhassten Spiel der Engländer: Fußball eben. Nicht verwunderlich deshalb, dass das GAA-Establishment den Jugendlichen bis weit in die 70er Jahre hinein rigoros verbot, das englische Soccer auzuüben. Eifersüchtig wachten die Communities darüber, dass ihr Nachwuchs nicht fremd ging, und manche Sportlerkarriere zerbrach unter diesem Druck. Denn die jungen Iren spielen seit den 60er Jahren wo immer sie sich ungezwungen treffen, eigentlich immer nur eines: das Besatzerspiel Fußball. Zwei Jacken und zwei Schultaschen auf den Boden geschmissen und das Spiel kann beginnen.



Der Publizist John Waters hat vor einiger Zeit an die Bedeutung der Fußballs für die jungen Iren in den 60 er und 70er Jahren erinnert. Waters zufolge stand GAA immer für Establishment, Druck, Struktur und Muss, Fußball dagegen war Herzenssache, war subversiv, weltoffen, war Jugendreligion, Rock n´Roll eben.

Auch heute noch setzen ländliche GAA-Funktionäre junge Ballportler mit Hilfe der Eltern gewaltig und oft erfolgreich unter Druck. Zwar hat sich Fußball schon lange vor der Ära Trappatoni (neben dem derzeit extrem populären Rugby) als Mannschaftssport Nummer 2 etabliert; wenn allerdings im Herbst oder im Frühjahr ein GAA- und ein Fußballspiel auf denselben Termin fallen, wird den Dorf-Jugendlichen noch immer ganz eindeutig bedeutet, wo der Hammer hängt: Auf dem GAA-Pitch nämlich. Irish first – da wird selbstverständlich erwartet, dass die Lads Gaelic und nicht Englisch spielen.


Also, Termin vormerken: Am Sonntag, dem 20. September spielen im Croker vor einer 80.000-Zuschauer-Kulisse Cork und Kerry um den All-Ireland-Titel 2009, die Krone des Sports auf der Insel.

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It is Cork vs. Kerry again. After winning today´s semi final a non convincing Kerry team will meet Cork at Croke Park on September 20th to decide over the All-Ireland winner 2009

Samstag, 29. August 2009

Deutsche Botschaft Dublin:
Nur Schweigen über das "Schalterklo"


Seit Monaten steht die Deutsche Botschaft in Dublin, Irland, in der Kritik, weil sie ihre Kunden unangemessen, schlecht, und wahrscheinlich sogar gesetzeswidrig behandelt. Anfang April versprach der Sprecher von Alt-Botschafter Christian Pauls auf diesem Blog die Neuregelung des Kundenverkehrs. Geschehen ist gar nichts. Wer in der Botschaft einen Pass oder ein Visum beantragt, muss sich weiterhin schwer erträglichen Prozeduren (für Details auf den roten Link klicken) aussetzen.

Es gibt keine individuellen Sprechstunden, es gibt keinen Schutz der Vertraulichkeit, und oft auch keinen vor Regen und Kälte. Kunden der Botschaft stehen stundenlang vor dem Tor im Regen, bevor sie in dem kleinen, meist überfüllten Warteräumchen - inzwischen weithin bekannt als "Schalterklo" – alle Gespräche zwischen anderen Kunden und Botschaftsmitarbeitern brühwarm und Wort für Wort mitverfolgen müssen.


Während der Botschaftssprecher auf Tauchstation ging und sich hinter dem Auswärtigen Amt in Berlin verschanzte, zog in Booterstown ein neuer Botschafter ein: Anfang Juli trat Busso von Alvensleben (Foto) die Nachfolge von Botschafter Christian Pauls an. Zu den weniger erfreulichen Angelegenheiten, die von Alvensleben zu regeln hat, zählt sicher die Schalterklo-Affäre. Wir haben den Botschafter um eine Stellungnahme gebeten, bislang allerdings hüllt sich auch Herr von Alvensleben (Foto) in diplomatisches (?) Schweigen – während
sich der Unmut von unzufriedenen Botschaftsbesuchern präzise artikuliert. Ein Geschäftsmann schrieb uns diese Zeilen:

"Die von Ihnen geschilderten Vorgaenge in der Deutschen Botschaft Dublin kann ich bestaetigen.Ich musste beruflich fuer 3 Geschaeftskollegen aus China, Algerien und Pakistan, mit denen ich auf einen Kongress nach Berlin und Bruessel wollte, bei der VISA Beantragung assistieren.
Am fraglichen Morgen haben sich die 3 bei mir erwartungsfroh in Anzug und Krawatte eingefunden. Was wir dann an der Botschaft erlebt haben, entspricht genau Ihrer Darstellung. Anfaenglich wechselten sich Inkompetenz, Faulheit und Unhoeflichkeit bei den Sachbearbeitern ab. Erst nach meiner Intervention, dass es sich bei meinen Geschaeftspartnern nicht um 08/15 Personen handelt (und auch diese sollten so nicht behandelt werden), wurde uns ein extra Raum und eine Sachbearbeiterin zugeteilt.
Ich habe mich bei meinen Kollegen fuer den Umstand, wie sie von dieser Deutschen Behoerde behandelt wurden, entschuldigen muessen und Deutschland darf sicher sein, dass in Zukunft Investitionen aus dieser Richtung nicht zu erwarten sind. Aber - das stoert einen Deutschen Botschaftsbeamten, der um 3 Uhr nachmittags nach Hause geht, ja nicht."

Ein in West Cork lebender Deutscher, der seine Negativ-Erfahrungen in der Deutschen Botschaft Dublin im Juni hier im Blog schilderte, hat sich derweil mit einem Brief an Botschafter von Alvensleben über die Zustände in der Botschaft beschwert – mit Kopien an das Auswärtige Amt in Berlin und an die Deutsche Vereinigung für Datenschutz. Der Mann zählte bei seinem Besuch im "3,50m x 3,50m großen Schalterraum ca. 25 Menschen", und davor weitere 25. Er schreibt über die Art, wie Antragssteller im "Schalterklo" der Botschaft behandelt werden, unter anderem:

"Wir haben diese Verhöre in aller Öffentlichkeit als menschenverachtend und würdelos empfunden und uns als Deutsche für diese Umstände geschämt. Sind solche Methoden nicht auch grobe Verletzungen der Datenschutzbestimmungen?"

"Die räumlichen Gegebenheiten und die technische Vorgehensweise sind für einen Staat wie Deutschland als SKandal zu bezeichnen. Wir möchten auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Arbeitsbedingungen für das Botschaftspersonal unerträglich sind."

"Sollte das in der Welt angesehene und wohlhabende Deutschland sich nicht schämen, deutsche Bürger und ausländische Gäste auf diese Art und Weise weiterhin zu behandeln?"

Abgesehen davon, dass sich auch die Entscheidungsträger weniger wohlhabender Staaten über einen solchen Umgang mit ihren Botschafts-Besuchern schämen sollten: Wir fragen erneut bei Botschafter von Alvensleben nach: Herr Botschafter, wann stellen Sie die unhaltbaren Zustände in Ihrem Haus endlich ab? Ab wann wird die Deutsche Botschaft in Dublin wieder eine würdige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland sein? Wir freuen uns auf eine positive Antwort.

PS:
Aufschlussreich sind auch manche Schilderungen von Botschaftsbesuchern in diesem Thread des Irland-Forums.


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German Embassy in Dublin has been annoying customers for months now. Germans and non-German maybe-visitors-to-Germany consulting the Embassy in Booterstown, Dublin are "serviced" in a loo-like outlet lacking any privacy, confidentiallity and respect. Then Embassador Pauls promised changes of the procedures in April. Retired Pauls has been replaced by Busso von Alvensleben since, but nothing has changed. German people living in Ireland are ashamed of the poor performance of "their" embassy.

Freitag, 28. August 2009

Irisch feiert "Online-Triumph"

Wer zuviel Zeit hat und gerne lacht, kann sich die eine oder andere Website von Google in eine ihm vertraute Fremdsprache übersetzen lassen. Google Translate sorgt immer für einen Brüller – aber: Wer die Computerübersetzungen nicht allzu genau nimmt, kann sich auf sprachfremdem Terrain mit dem Übersetzungssprogramm zumindest einen groben inhaltlichen Überblick verschaffen.

Ab sofort kommen auch Freunde der irischen Sprache und Irish Speakers auf ihre Kosten: Google hat den Translator um die Sprache Gaelisch erweitert. Webseiten-Inhalte können nun in Sekundenschnelle vom Irischen in 50 andere Sprachen (und auch umgekehrt) übersetzt werden. So erfährt der Wanderer, dass dieser Irland Blog "as Gailge" so heißt: "Ireland - Tuarascàlacha as an Oileán. Laethúil".

Nach der Einführung von Irisch als offizieller Amtssprache bei der Europäischen Union – was bedeutet, dass alle amtlichen Dokumente der EU-Superberhörde und des EU-Parlaments auch in Irisch übersetzt werden müssen – ist die Anerkennung durch die Internetkrake Google ein weiterer Triumph für die Verfechter der irischen Sprache.

Viele Iren, die das Irisch schon deswegen ablehnen, weil sie in jungen Jahren in der Schule oder im Summer Camp damit übermäßig gequält wurden, halten die Unterstützung von Gaelisch für reine Geldverschwendung und vergleichen die originäre Sprache der Insel ungalant mit einem Komapatienten. Wie es wirklich um diese urige Sprache steht, die nur noch ein paar tausend Menschen auf der Insel aktiv sprechen, werden wir demnächst einmal auf dem Irland Blog besprechen.

Wie gut oder schlecht der Irisch-Übersetzer von Google ist, kann der Wanderer aufgrund seiner allzu rudimentären Irisch-Kenntnisse nicht beurteilen. Fragen wir deshalb den Irelandman um Hilfe, den der Sprache mächtigen Irland-Fan Jürgen Kullmann, der eine immer aktuelle Irland-Website mit schönen Irlandgeschichten, Nachrichten und einem Gaelisch-Sprachkurs betreibt. Lieber Irelandman, kann man das Google- Übersetzungs-Programm für Irisch-Deutsch- oder Deutsch-Irisch-Übersetzungen benutzen, oder sollte man die Finger davon lassen?

>>>>Aktualisierung, Samstag 22.00 >>>> Jürgen Kullmann hat die Fähigkeiten des Translators am Beispiel des Begriff "Wetter" getestet und produzierte dabei das folgende für sich selbst sprechende Ergebnis: Klicken. Des Doktors Kommentar: "Ich denke, das Ergebnis muss man nicht weiter kommentieren." Stimmt wohl leider, Translator, lern weiter. Irisch, Deutsch.... Ein Dank jedenfalls an den Irelandman für seine Antwort!

Das Online-Übersetzungprogramm, das aktuell 51 Sprachen anbietet, gibt es zentral hier: www.translate.google.com. Testet selber.

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Another victory for a language under threat: Google has added Irish to its online translator application. You can test it here: www.translate.google.com. What do you think, is it good enough? As The Wanderer´s Irish is less than bad he asks German Irish speaker Jürgen Kullmann for assistance: How good is Google Translate for Irish-German translations? Jürgen by the way is a true fan of Ireland with great knowledge of the country, its culture and its language. He maintains a website about Ireland known as The Irelandman.

Die gibt es schon länger in Irisch: Die Google Suche google.ie

Donnerstag, 27. August 2009

Keine Chance für gestrandeten Entenwal


Zum Vergrößern auf das Foto klicken / Click photo to enlarge

Warum stranden Wale und Delfine? Theorien gibt es einige, doch die vermeintlich einfache Frage ist bis heute nicht beantwortet. Heute morgen fanden Fischer zwei gestrandete Entenwale im flachen Wasser bei Whiddy Island, Bantry Bay. Den Seeleuten gelang es, die schlanken und rund acht Meter langen Tiere in tieferes Wasserzurückzuführen. Einer der beiden Entenwale trieb dann allerdings bald in das flache Wasser am Bantry Pier nahe dem Eingang zu Bantry House zurück und verendete. Er wies kleinere Verletzungen an den Finnen auf. Der Wal zog eine Menge Schaulustiger an, die den gestrandeten Meeressäuger von der Straße aus beobachteten.

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Two bottlenose whales stranded off Whiddy Island, Bantry Bay, in shallow waters. Local fishermen tried to rescue the two slender roughly 8 meter long mammals by guiding them into deeper water. While one of the animals obviously has been saved the other whale stranded again near Bantry peer. The dying whale drew the attention of a big crowd of people, who wished in vain it would have made it back into the open see. Whale strandings happen frequently in Ireland and elsewhere. The reason for the phenomenon is not yet understood.

Jan Deiters macht "Lust auf Irland"

Alte Gewohnheiten: Trotz ausgeprägter Internetgläubigkeit liest sich der Wanderer noch immer Woche für Woche durch einen kiloschweren Stapel Papier – gemeinhin bekannt als Zeitungen und Zeitschriften. Gerade deshalb wunderte er sich kürzlich über die Selbsterkenntnis, dass er die gedruckten Periodika, die einzig und allein über Irland "berichten", bislang nie richtig zur Kenntnis genommen hat – offensichtlich ganz nach dem journalistischen Grundsatz: "Das bisschen was wir lesen, schreiben wir uns selbst".

Ein objektiver Grund ist natürlich, dass es so viele Irland-Zeitschriften gar nicht gibt und dass einige Irland-Zeitschriften-Projekte scheiterten und eingestellt wurden. Nun aber tut sich wieder was an Druckmaschine und Kiosk: Die "IRLAND Edition", anfang 2009 mit dem Anspruch gestartet, in sechs Ausgaben pro Jahr deutschsprachige Irland-Fans gut zu informieren und künftige Irland-Freunde zu gewinnen, hat gerade die vierte Ausgabe an die Kioske gebracht. 68 Seiten Umfang, gute Themenauswahl, eine ästhetische Aufmachung, mattes Qualitätspapier und auch Interesse von Anzeigenkunden. Der Wanderer, selbst lange Jahre als Zeitungsmacher und Zeitschriften-Konzeptionist tätig, meint: Diese Zeitschriften-Neugründung kann was werden. Trotz Zeitschriftensterben. Trotz Internet. Trotz Anzeigenkrise. Auch, wenn es nicht leicht ist, im deutschen Mediendschungel mit einem kleinen Special Interest Magazin zu reussieren.

Die IRLAND Edition wird von einem Mann herausgegeben, redaktionell betreut und wirtschaftlich verantwortet, der selber einen engen Bezug zu Irland pflegt: Jan O. Deiters (49) aus Wehrheim, 50 Kilometer von Frankfurt am Main entfernt, ist eingefleischter Irland-Fan. Der Medienmann aus dem Taunus kam in jungen Jahren durch das Book of Kells zum Grafik-Design, über die Freude an der Musik zur Fiddle-Ausbildung und damit zum Irish Folk, und über seine Medienaffinität und die Liebe zur Insel nun auch zur eigenen Irland-Zeitschrift.

Liebe zum Thema ist eine hervorragende Voraussetzung für ein Zeitschriftenprojekt. Damit gut ausgerüstet sowie mit Erkenntnissen aus der Marktforschung, mit Marketing-Wissen und einer Portion Mut zum Risiko nahm Jan Deiters im vergangenen Jahr eine Menge Geld in die Hand und startete die neue Zeitschrift. Sie erscheint nun alle zwei Monate und ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel sowie im Abonnement erhältlich. Der Wanderer wünscht der neuen Irland-Zeitschrift alles Gute – und steuert gerne den einen oder anderen Bericht von der Insel bei.

Ausgabe 4 der IRLAND Edition berichtet über: Kilkenny, die Wicklow Mountains , den Mizen Head, über Wandern in Irland, den großen Literaten Seamus Heaney, über den Whiskey Red Breast, einen Stockmacher und einiges mehr. Der Slogan der neuen Zeitschrift lautet übrigens: "Wir machen Lust auf Irland". Wir - das sind vor allem Jan und seine Frau Anna Soldan (Foto), die die vielen Themenideen alle zwei Monate in eine Zeitschrift umsetzen.


PS: In der kommenden Woche stellen wir hier eine lange etablierte Zeitschrift, das Irland Journal, vor.

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Today The Wanderer introduces a new print magazine to his readers: IRLAND Edition was launched in January 2009. The special interest magazine reports about Ireland, people, culture and lifestyle on the Emerald Isle. Publisher is Jan O. Deiters from Wehrheim close to Frankfurt, Germany, who is a great fan of Ireland. Jan plays the fiddle himself and loves to travel Ireland to collect new stories for his magazine. Issue number 4 is out now. It is a good read indeed.

Mittwoch, 26. August 2009

Keine Zukunft für das Irish Pub?

Ob die Wirte Irlands wohl zu den Gewinnern der großen Wirtschaftskrise gehören würden, hatten wir im Dezember auf dem Irland Blog gefragt. Immerhin reimte schon Wilhelm Busch in der Frommen Helene: "Es ist bekannt von altersher, wer Sorgen hat, hat auch Likör". Sorgen haben derzeit viele Menschen auf der Insel, doch möglicherweise nehmen sie ihre vermeintliche Medizin inzwischen bevorzugt zuhause ein. Warum sonst hätte der Verband der irischen Pubs (außerhalb Dublins) gestern einen derart dramatischen Appell abgesetzt: "Rettet das Irish Pub" skandiert die Wirte-Lobby "Vintners Federation of Ireland" (VFI) und ruft ungeniert nach Staatshilfen.

Die Wirte machen geltend, dass seit Jahresbeginn im ländlichen Irland ein besorgniserregendes Pub-Sterben eingesetzt habe, das sich nach der Urlaubssaison noch verschärfen würde. Einer Umfrage zufolge berichten über 80 Prozent der befragten Wirte im Jahresvergleich über Umsatzeinbußen in der Hauptferienzeit dieses Sommers. 5000 Pub-Arbeitsplätze sieht der VFI bereits verloren und fordert deshalb ein staatliches Beshäftigungsprogramm, den Verzicht auf die geplante Absenkung der Promillegrenze von 0,8 auf 0,5 sowie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Getränke und der Wassergebühren.

Das Gejammer über den Niedergang des Pubs gibt es natürlich schon lange. Heute allerdings ist ein Pub mit Schanklizenz, traditionell die Lizenz zum Gelddrucken, schon für den Preis eines Appartements zu haben. Der lange Abstieg des Pubs begann in den 70er Jahren, als das Fernsehgerät in der Bar und in allen Wohnungen Einzug hielt. Seitdem hat sich der irische Lebensstil dramatisch verändert, die Leute sind abends genauso müde vom hektischen Arbeitsalltag wie andernorts in Europa, sie können vergleichsweise preiswerteren Alkohol in Supermärkten und vielen Off-License-Geschäften kaufen und genehmigen sich ihren Absacker lieber zuhause. Dass die Leute selbst am Wochenende oft nicht mehr ins Pub strömen, besorgt viele Wirte umso mehr.

Als Nachrichtenbörse, Heiratsmarkt und Lebensmittelladen hat das Pub ohnedies lange ausgedient. Dazu kam im April 2004 das erste Rauchverbot in ganz Europa; und seit ein, zwei Jahren überzieht die Polizei auch die ländlichen Straßen regelmäßig mit Alkoholkontrollen. Vorbei die Zeiten, als John und Mary ihre Halbwüchsigen am Freitagabend in den Jugendclub fuhren und die zwei Stunden Wartezeit bis zum Abholen mit zwei, drei Pints überbrückten.

Das Pub - eine Institution nur noch für Urlauber?

Auch am anderen Ende der Service-Industrie wird Gegenwind für das Irische Pub erzeugt: Viele Iren bevorzugen längst einen Abend im feinen Speiserestaurant und blicken eher verächtlich auf "die primitive Kneipe" mit allenfalls spartanischem Barfood-Angebot. Der Restaurantkritiker John McKenna haut genau in diese Kerbe: "Unsere Pub-Kultur liegt im Sterben, die Ära des Public House in Irland geht zu Ende, die Ära des Qualitäts-Restaurants hat begonnen". Der Autor des Bridgestone-Restaurantführers macht den Lifestyle-Wandel der Iren dafür verantwortlich, andererseits aber auch das Versagen der Pub-Wirte, sich an die neuen Zeiten anzupassen. Der scharfzüngige Mckenna ließ sich im Januar von der Irish Times mit einem Abgesang auf die klassische irische Institution der Geselligkeit zitieren: "Service ist ein Fremdwort im irischen Pub und deswegen ist das Pub-Konzept am Ende."

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Is there a future for the Irish pub? The Vintners Federation of Ireland (VFI) has started a campaign "Save the Irish pub" and is looking for the helping hand of the government. Grants for workers, a reduction of VAT and less püressure on drink drivers are the main points on the wish-list of the publicans. Obviously many rural pubs have closed down in the past months and VFI warns there is more bad news to come.
The decline of pub culture has actually begun three decades ago on the brink of the age of television, wealth and modern lifestyle. Today many Irish prefer to buy at the off-license, to drink at home or to visit a nice restaurant instead. Some say, the pubs have missed out on adapting to the changes of the times and lack of service is the main reason for the end of the pub age. What do you think?

Dienstag, 25. August 2009

Mein Leben in Irland (2):
Dirk Huck, IT-Consultant

Auswandern, Ortswechsel, Neubeginn: Warum zieht es Deutsche (auch Schweizer und Österreicher) ausgerechnet nach Irland? Wie leben sie dort? Wurden ihre Erwartungen erfüllt, was gefällt ihnen, womit haben sie Probleme? Wir stellen Menschen vor, die den Sprung gewagt haben und auf der Insel leben.

Dirk mit Brendan Behan

Dirk Huck (41) lebt seit zweieinhalb Jahren in Dublin. Er ist studierter Nachrichtentechniker und arbeitet als IT-Consultant auf der Insel.

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:: Dirk, warum lebst Du in Irland? Was hat Dich hierher geführt?

Anfang 2006 spielte ich mit dem Gedanken, mein privates und berufliches Umfeld zu ändern. Wenn ich schon bereit war, innerhalb Deutschlands umzuziehen, so sagte ich mir, konnte ich auch genauso gut ins (europäische) Ausland gehen. Die EU macht es möglich. Die Aussicht auf eine interessante Tätigkeit im englischsprachigen Ausland ließ mich bei meinen Überlegungen konkreter werden. Das damals noch sehr große Angebot an offenen Stellen für IT-Fachkräfte in Irland sorgte dafür, dass den Überlegungen bzgl. eines Wechsels schnell Taten folgen konnten. Den alten Job gekündigt, neuen Job gesucht, Koffer gepackt, fertig. Seit April 2007 lebe ich in Irland.

Mein Interesse an Irland rührt aus den 1980ern. Bei der Beschäftigung mit Themen wie z. B. der Megalith-Kultur oder den Kelten, stolperte ich immer wieder über Irland. Ende der 1980er fiel mir das Buch „Keltische Sagen aus Irland“ von Martin Löpelmann in die Hände, das mir zeigte: Da ist ein kleines Land, das ein Kulturgut aufzuweisen hat, dass so ganz anders ist als das der Länder Europas, die einst unter römischem Einfluss standen. Auf der anderen Seite gab es die schlimmen Nachrichten aus Nordirland, die auch im Englischunterricht besprochen wurden. Wer fragt sich da nicht, was es mit Irland wirklich auf sich hat? Mein erster Besuch in Irland erfolgte 1998. Seitdem hat mich die grüne Insel immer wieder beschäftigt.


:: Ist Dein Aufenthalt zeitlich begrenzt?

Eigentlich nicht. Ich bin einer der vielen Immigranten, die im Zuge (bzw. Ausläufer) des Celtic Tiger nach Irland kamen, als die Nachfrage nach IT-Spezialisten noch groß war. Nun bröckelt die Wirtschaft. Solange Irland mir aber eine wirtschaftliche Perspektive bieten kann, sehe ich keinen Grund, wieder abzureisen. Denn inzwischen fühle ich mich hier sehr wohl.


:: Haben sich die Erwartungen an das neue Leben erfüllt? Wie gefällt es Dir heute?

Ich hatte keine besonderen Erwartungen an das neue Leben, außer vielleicht, dass ich ein Leben vergleichbar dem in Deutschland würde leben können. Dies hat sich im Wesentlichen erfüllt. Ich kannte Irland von Urlaubsreisen her, nicht jedoch den Berufsalltag. Doch auch dieser hat sich als nicht anders als der in Deutschland herausgestellt. Einzig was die Freizeit-Möglichkeiten angeht, musste ich bislang einige Abstriche machen; einiges, das ich von Deutschland her gewohnt war (z. B. Sportverein), ist hier entweder gar nicht vertreten oder nur umständlich zu erreichen (oder zu teuer). Auf der anderen Seite aber habe ich auch neue Freizeitbeschäftigungen angenommen, so z. B. das Erlernen eines Musikinstrumentes. Hinzu kommt, dass nach wie vor vieles in Irland für mich Neuland ist, das lohnt, ausgiebig erkundet zu werden. Sollte ich irgendwann das Land wieder verlassen, möchte ich zurückblicken und recht häufig sagen können: Been there, done that.


Dirk mit Pint of Guinness

:: Wie lebt es sich als Deutscher auf der Insel? Wie kommt Du mit der irischen Mentalität und mit den Menschen zurecht?

Deutsche genießen hier einen guten Ruf. Sie bringen Ordnung in eine Sache und haben immer einen Plan. Ehrfürchtig schauen die Iren auf die deutschen Erzeugnisse in Sachen Technik und Organisation. Viele Iren bewundern, mit welcher Disziplin sich Deutschland aus den Trümmern zweier Weltkriege wieder hocharbeitete. Ich habe es im Beruf selbst erlebt, dass man eine Aufgabe, die besondere Sorgfalt erforderte, ausgerechnet mir, dem einzigen Deutschen im Team, zuwies.

Allgemein gelten ja Deutsche als etwas humorlos. Da kann es im Zusammentreffen mit den Iren schon mal Reibungspunkte geben. Da ich selbst aber einen recht guten Humor habe, komme ich mit der irischen Mentalität ganz gut zurecht. Es hilft, wenn man nichts und niemanden wirklich ernst nimmt, und seine Erwartungen in Sachen Ordnung, Pünktlichkeit und Sauberkeit herunterschraubt.


:: Hast Du irische Freunde, einen Freundeskreis, gute Bekannte?

Wie das Leben so spielt, habe ich inzwischen eine irische Lebensgefährtin. Dies brachte auch den engeren Kontakt zu anderen Iren, die mich in ihren Kreis aufgenommen haben. Sehr groß ist dieser Kreis jedoch nicht. Kontakte zu Arbeitskollegen außerhalb des Büros beschränken sich auf das gelegentliche Treffen im Pub.

Interessanterweise ergeben sich leichter Kontakte zu anderen Immigranten, als zu Iren. Vielleicht weil sich die Einwanderer alle in einer vergleichbaren Lage befinden und sich eher zusammenschließen, während die Iren lieber unter sich bleiben. Dies finde ich etwas schade, da sich so kaum ein engerer Kontakt zu Iren ergeben kann. Für Immigranten ist es schwer, in den Augen der Iren ihren Status als „Besucher“ abzulegen. Eine der mir am häufigsten gestellten Fragen, wenn ich mit Iren ins Gespräch komme, ist denn auch: „So, how long are you going to stay?“ So, als ob es nicht lohnenswert erscheint, sich näher mit Immigranten zu beschäftigen. Aber vielleicht ist dies eine Erscheinung, die man vorrangig nur im Raum Dublin antrifft, wo es die Iren gewohnt sind, dass ständig Immigranten kommen und gehen.


:: Was magst Du besonders an Irland?

Mir gefällt besonders seine Kompaktheit. Irland ist ein Mikrokosmos. Alles ist auf kleinem Raum verdichtet, nicht nur im geografischen Sinne. Das schließt die Geschichte des Landes ein, deren Spuren heute noch überall sichtbar sind, oder die Politik, die sich direkter bemerkbar macht, als sie dies im großen Deutschland tut, oder die Wirtschaft, die wesentlich anfälliger für kleine Störungen ist. Wenn man die nationalen Tagesnachrichten verfolgt, hat man eher den Eindruck, die lokalen Nachrichten zu lesen. Dies führt dazu, dass man seine Umgebung bewusster wahrnimmt.

Besonders gefällt mir auch, dass in Irland die beiden Welten, das „alte“ und das „neue“ Irland, die unterschiedlicher nicht sein könnten, nebeneinander existieren. Man kann ohne großen Aufwand und fast jederzeit von der einen in die andere Welt wechseln und zurück. Ein Wochenendausflug hat eine völlig andere Dimension, als z. B. in Deutschland.


:: Was magst Du nicht an Irland?

Am meisten missfällt mir die Situation auf dem Wohnungsmarkt, insbesondere bei Mietwohnungen. Mietverträge sind in der Regel auf ein Jahr befristet. Dies sorgt nicht gerade für langfristige Planungssicherheit. Solange man ständig damit rechnen muss, irgendwann weiterziehen zu müssen, kann man auch nicht so richtig sesshaft werden.


:: Was aus der „alten“ Heimat vermisst Du hier?

Manchmal vermisse ich schon Dinge wie eine zuverlässige Infrastruktur (öffentlicher Nahverkehr, Autobahnen etc.), umfangreichere Freizeitangebote (Sportvereine) und vor allem gutes Brot. Und weiß jemand, wo man in Irland richtigen Speisequark bekommt?


:: Würdest Du den Schritt noch einmal tun?

Auf jeden Fall. Ich habe bereits als Kind einige Jahre im Ausland gelebt. Ich bedaure Menschen, die Zeit ihres Lebens nicht aus dem Ort herauskommen, in dem sie geboren wurden. Der Aufenthalt in einem fremden Land ist immer eine lohnenswerte Erfahrung. Auch Irland würde ich jederzeit wieder in Betracht ziehen, auch wenn der drastische Wandel vom armen Agrarland zum modernen, multi-kulturellen Land jede Menge Chaos hinterlassen hat, das vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Aber dafür hat Irland auch für jeden etwas zu bieten, vom jungen, aufstrebenden Berufseinsteiger, der Auslandserfahrung sammeln und nach der Arbeit Spaß haben möchte, bis zum Naturliebhaber, der Ruhe und Abgeschiedenheit in einer faszinierenden Landschaft sucht.


Dirk mit Kreuz

:: PS.

Die drei Fotos zeigen die drei wichtigsten Bestandteile der irischen Kultur: Religion (Kreuz), Musik & Geschichtenerzählen (Brendan Behan) und Trinken (Guinness).


Bisher erschienen:

Mein Leben in Irland (1): Bodo J. Baginski, Autor.

Bitte um Reichtum und Glück.
Das macht der Buddha in Cork

Foto zum Vergrößern anklicken / Click to enlarge

Diesen Buddha trafen wir in einem kleinen Thai-Restaurant in Corks Maylor Street. Beim ersten Blick erschrak der Wanderer, wirkte die Fingerhaltung, die Mudra des Wirtshaus-Buddhas doch glatt wie ein doppelter Stinkefinger. Wir sahen schon viele Buddhas, allerdings noch keinen, der diese Fingerübung praktiziert.

Wir fragten die Expertin für Mudras und Fingeryoga, die Yogalehrerin Gertrud Hirschi in Winterthur: "Was bedeutet diese Fingerhaltung des Buddhas von Cork?" – und Gertrud Hirschi weiß Rat. Sie schreibt uns:

"Den Namen der Mudra konnte ich nicht herausfinden, wohl aber die Bedeutung: Die Mudra gehört zu einem tibetanischen Ritual, der so genannten Mandala-Puja. Die beiden nach oben zeigenden Mittelfinger sind das Symbol für den mystischen Berg Meru. Meru sybolisiert den Aufstieg der Erde zum Himmel, bzw. der menschlichen Seele zur Weltenseele. Es ist auch eine Geste, die Reichtum, Wohlergehen und Glück bringen soll .... Es ist auch interessant, dass heilige Gesten des Ostens im Westen eine obszöne Bedeutung haben ...."

Wohl wahr. Jetzt wissen wir auch, warum die Buddhafigur in Cork direkt neben der Kasse steht. Ein Dank in die Schweiz! Wer mehr über Mudras, Fingeryoga und Yoga im allgemeinen erfahren will: Gertrud Hirschi hat einige wichtige Bücher zum Thema geschrieben, die hier zu finden sind.

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The Wanderer recently met Buddha in Cork´s Maylor Street in a Thai restaurant. The gesture of the Buddha statue´s fingers - what would it mean? We asked Gertrud Hirschi, well known expert for Mudras and Finger-Yoga. Gertrud informed us in Tibetan Buddhism the holy gesture showing the two middle fingers symbolizes the rising of the human mind towards the sky and the mind of the world. The same gesture is asking for wealth, wellbeing and happiness. Swiss Yoga teacher Gertrud Hirschi finds it interesting enough that holy gestures of the East are considered obsecene in the west. Gertrud´s books about mudras, finger yoga and yoga are selling world wide.

Montag, 24. August 2009

Tour of Ireland in Bantry:
Wo ist Lance – und wo das Foto?


Irland, Sonntag, 10 Uhr. Ein paar hundert tropfnasse Schaulustige versuchen dem Start zur dritten Etappe der "Tour of Ireland" einen würdigen Rahmen zu geben. Sie verharren trotz strömenden Regens auf dem Square in Bantry, um den Start der Rad-Profis um 10:25 Uhr zu beklatschen. Eine Menschentraube hängt um den Reisebus des Astana-Teams. Wo ist Lance? Epo hin, Doping her – Lance Armstrong wollen alle sehen. Er ist der Star der dreitägigen Irlandrundfahrt. Und da kommt er, der siebenmalige Tour-Gewinner aus Texas, der Rückkehrer ins Rad-Business. Zwei Minuten vor dem Start rollt er lässig an die Startlinie – ganz in schwarz gedressed, Leute greifen nach ihm, wollen ihn, den Star, einmal im Leben berühren, ein wenig von der Sonne abbekommen, in der Armstrong trotz des Dauerregens steht.

Da ist Lance – da war Lance, schon rollt das Peloton an, heraus aus der Stadt, in Richtung Cork, dem 180 Kilometer entfernten Ziel entgegen. Armstrong gibt später auf. Zu viel Regen, zu starke Schmerzen. Ein Brite gewinnt die Tour. Doch wo sind nun die Fotos von Lance?

Warum nur dürre Worte, wo doch ein Foto von Lance in Bantry, Lance in Bantry !!! so viel mehr ausdrücken könnte? Der Wanderer hatte - was alle paar Jahre einmal vorkommt - keine Batterie in der Kamera stecken. Wir nehmen heute allzu leicht an, dass nur stattgefunden hat, was wir auch fotografiert haben, dass nur wahr ist, was Foto geworden ist. In Abwesenheit einer Kamera offenbarte sich dem Wanderer jedenfalls der journalistische Berufs-Defekt, die Wirklichkeit vornehmlich als Feld der Möglichkeiten für gute Motive zu begreifen.

Die Abwesenheit der Kamera erinnerte ihn an die amerikanische Essayistin Susan Sonntag (1933 - 2004, ab 1988 Lebenspartnerin der gerade vor einem finanziellen Abgrund stehenden US-Fotografin Annie Leibovitz). Sontag hatte 1977 mit "Über Fotografie" ein brillantes und scharfsinniges Buch über das Medium Fotografie geschrieben, das bis heute - da kein Mensch mehr ohne Digitalkamera oder Handy-Cam auskommt – absolut lesenswert geblieben ist. Hier einige Zitate:

"Wie Fotografien dem Menschen den imaginären Besitz einer Vergangenheit vermitteln, die unwirklich ist, so helfen sie ihm auch, Besitz von einer Umwelt zu ergreifen, in der er sich unsicher fühlt. So entwickelt sich Fotografie zum Zwillingsbruder der kennzeichnendsten aller modernen Aktivitäten: des Tourismus...

Es scheint ... unnatürlich, zum Vergnügen zu reisen, ohne eine Kamera mitzunehmen. Fotos sollen den unwiederleglichen Beweis liefern, dass man eine Reise unternommen, das Programm durchgestanden und dabei seinen Spaß gehabt hat. Fotografien dokumentieren Konsumakte, die außerhab der Reichweite der Familie, der Freunde und der Nachbarn vollzogen werden."

"Die Abhängigkeit von der Kamera als jener Erfindung, die das, was einer erlebt hat, erst zur Wirklichkeit macht, schwindet nicht, wenn die Menschen öfters verreisen."

"In jüngster Zeit (1977!!!) ist das Fotografieren ein ebenso weitverbreiteter Zeitvertreib geworden wie Sex oder Tanzen – was bedeutet dass die Fotografie, wie jede Form der Massenkunst, von den meisten Leuten nicht als Kunst betrieben wird. Sie ist vornehmlich ein gesellschaftlicher Ritus, ein Abwehrmittel gegen Ängste und ein Instrument der Macht."

Wer Susan Sontag im Original lesen will, erhält das Buch hier: Über Fotografie

Der 23. August wird dem Wanderer jedenfalls als der Tag in Erinnerung bleiben, als Lance in Bantry war, obwohl die Kamera nicht funktionierte. Er wird sich erinnern, dass Lance wirklich da war, dass er schwarz gekleidet war und dass er 40 Kilometer vor dem Ziel in Cork aufgegeben hat. Darauf wird ihn auch der kleine Kater immer wieder hinweisen, der seit dem 23. August zum Haushalt gehört, der das Fell in der Haarfarbe von Jan Ullrich trägt, und der nun ertragen muss, dass er Lance heißt.

PS: Um wirklich ganz sicher zu gehen, zum Nachschauen: Der Foto-Beweis (Lance Armstrong in Bantry, im Hintergrund zwei ambitionierte deutsche, in der Bantry Bay wohnende Freizeitradler, Wolfgang und Peter). Zu sehen im britischen Telegraph.

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The Wanderer travelled to Bantry yesterday to attend the start of the Tour of Ireland´s final stage. Unfortunately he left the camera´s battery pack at home. So there are no photos of the Cycling race – and some reasoning instead, if Lance Armstrong had really been to Bantry, although no photos had been taken. The absence of the camera reminded The Wanderer of a brilliant book of Susan Sontag, "On Photography", published first in 1977 and still a good read after all these years. Sontag analysed photography as a modern medium sharply, deeply and with great insight.

Inspiration für Irland-Neulinge und Kenner


Tolle Tipps, famose Orte! Der Wanderer dankt allen Schreib-frei-Autoren fürs Mit-Schreiben. Lieblingsorte in Irland: Da entdeckt jeder Irland-Neuling sicher genug Inspiration für eine ausgedehnte Jungfernfahrt. Und auch der Kenner kann noch dazulernen. Beim Lesen über die Lieblingsorte kam ich übrigens ins Sinnieren:

Ist es nicht geradezu fahrlässig, seinen Lieblingsort preiszugeben? Was wird aus ihm, wenn ich mich plötzlich im Einklang mit Tausenden anderen wiederfinde? Was, wenn der Lieblingsort plötzlich von allzu Vielen allzu sehr geliebt wird? Wenn er zum Aufmarschplatz für die Massen wird? Hätte ich ihn tatsächlich preisgeben sollen? Wird er dann noch mein, sein, dein Lieblingsort sein?

Der Regen schütze dieses Land und (fast) all seine Lieblingsorte...

Sonntag, 23. August 2009

Heute ist schreib-frei:
"Mein Lieblingsort in Irland ist . . . "


Heute ist Sonntag, der Wanderer nimmt ausnahmsweise einmal schreib-frei, lehnt sich zurück und bittet Euch um Eure Gedanken. Das Wunsch-Thema für diesen 23. August: "Mein Lieblingsort in Irland ist . . ." Das Kommentarfeld weiter unten will beschrieben sein. Danke im Voraus.

PS: Mein Lieblingsort auf der Insel. Nach all den kleinen und großen Reisen, den langen und weniger langen Wanderungen, all den Auf- und Abstiegen, ist Irland - neben dem Dreiländereck der Regio Basiliensis (Foto) – ohne Abstriche mein Lieblingsort auf diesem Planeten. Und der Lieblingsort in Irland selber? Eher langweilig: Daheim, in der Bantry Bay mit Blick auf die Berge.

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Once every week or fortnight The Wanderer abstains from writing. He will then kindly ask the readers of this Ireland Blog to contribute with their own experience and knowledge: Today everybody is asked to to comment on his or her favourite spot in most beautiful Ireland. Please feel free to join and use comment link below. I appcreciate it.

Samstag, 22. August 2009

Schluss. Aus. Und Tschüss.
Irland-Forum macht dicht.

Bernd Biege, eine (zunehmend frustrierte?) Stimme der deutschsprachigen Community in Irland, macht sich bei der eigenen Hausmacht unbeliebt. Gestern schloss der Mann aus Cavan in einer einsamen Entscheidung das Irland Inside Forum , das er mit eigenem Einsatz seit 2008 für in Irland lebende deutschsprachige Einwanderer, Übersiedler, Expatriates im Internet betrieben hatte.

Vorausgegangen waren der Schließung Nickligkeiten und Streitigkeiten unter Forums-Mitgliedern. Was wieder einmal beweist: Der klassische deutsche Nachbarschaftsstreit, lautstark über die Buchenhecke im Reihenhaus hinweg ausgetragen, findet seine konsequente Fortsetzung nicht nur auf dem Deutschen Hügel von Bocarna, Irland, sondern auch in den virtuellen Reihenhäusern im Internet, wie eben dem Irland Inside Forum. DIe Gründe für die Forumsschließung mögen dennoch andere sein.

Bernds Andeutung vom Donnerstagabend jedenfalls, das Forum möglicherweise dicht zu machen, trug ihm einige Mitglieder-Schelte ein. Vor allem eine bekannte Autorin von Reiseliteratur schrieb Klartext:

"Mach dicht, was ich ziemlich stalinististisch bis kindisch fände, übergebe es jemand anderem ..., der es weiterführt, aber mache auf jeden Fall nicht so ein Geschisse. ... Ein Forum ist so gut wie sein Betreiber. Wenn du dich als Betreiber überfordert siehst, dann diskutiere das offen. Aber bitte nicht die Nummer: Wenn man mein Forum nicht liebt, mache ich dicht. Grow up."

Internet-Foren können sein wie Stammkneipen. Wer vor der plötzlich dichtgemachten Stammkneipe steht und keinen Zugang zu Zapfhahn und Zechgenossen mehr hat, fühlt sich möglicherweise vom Wirt verraten und innerlich heimatlos; er sucht nach einer neuen Bleibe. Möglicherweise landen viele Irland-Inside-Mitglieder nun wieder dort, wo sie einmal herkamen und sich aus Frust oder im Streit vor etwa zwei Jahren abgewendet haben: im Irland-Forum von Thorsten Blum, produziert in Brodenbach im Hunsrück; oder aber im irischen Forum boards.ie. Möglich auch, dass einige Irland-Deutsche die Lust am Thema verloren haben, weil sie von Irland nach Deutschland (Österreich oder die Schweiz) zurückgekehrt sind und nun als Ex-Ex-Pats in der neuen alten Heimat zurechtkommen müssen.

Ex-Forums-Betreiber Bernd Biege jedenfalls, der weiterhin seinen meist lesenswerten "bösen Blog" (Eigenwerbung) über Irland und anderes schreibt, verabschiedet sich mit der folgenden Eloge von seinen Fans, die wir hier zitieren, weil sie manchen Irland-interessierten Internetforen-Nutzern nicht zugänglich ist:


"Einige Worte zum Schluss
Ich habe eine (wie mir bewusst ist) nicht unbedingt populäre Entscheidung getroffen, was die Zukunft dieses Forums angeht – mit sofortiger Wirkung wird das Forum gesperrt und hört damit auf, als Irland Inside Forum zu existieren.

Um gleich den sicherlich folgenden Vorwürfen zu kontern, dass es hierbei um eine reine Zensur mir nicht lieber Themen geht, wird das Forum in seiner eingefrorenen Form erst einmal lesbar bleiben. Was nicht lesbar ist und was ich auch nie lesbar machen werde: Die vielerlei Dinge im Hintergrund, die mich zusätzlich zu einigen Geschehnissen im Forum selber letztlich dazu gebracht haben, diesen radikalen Schnitt zu machen. Dabei geht es weder um die von Harry vermutete “Midlife-Crisis” (lange hinter mir) noch um wie von Father Dougal hinterfragt Geldprobleme (das Forum trug sich, so weit ich das beurteilen kann, weitgehend selbst).

Nein, es handelt sich um rein persönliche Gründe, die aber untrennbar mit dem Forum verbunden sind. In den letzten Tagen wurde auch der Vorwurf gebracht, ich habe mich um das Forum nie richtig kümmern wollen. Abgesehen von der Frage, was mit “kümmern” da genau gemeint war – was im Hintergrund in Sachen Forum lief, kann ein Aussenstehender schlecht beurteilen. In den letzten Wochen nahm dieser Arbeitsaufwand erheblich zu und zehrte auch, das gebe ich zu, an den Nerven. Da wurde ich dann von A angeschrieben, dass ich B verwarnen oder am besten sofort löschen sollte, weil B in einem Posting C angegriffen hat. In derselben Inbox fand sich ein Schreiben von D, dass ich doch E verwarnen sollte, weil alles Lüge oder so. Und dann kam noch eine Nachricht von F, dass keine Nachrichten von G mehr möglich sein sollten ... und von G vice versa. Das Ganze mehrfach und in verschiedenen, bunt wechselnden Konstellationen, in die dann auch noch H, I, J, Tick, Trick und Track irgendwann hereinrutschten. Und eMails von gar nicht im Forum angemeldeten Menschen, die auch noch mitreden wollten und den guten Rat gaben, auf X, Y und Z als Teilnehmer doch besser ganz zu verzichten ...

Nein, solch einen Kindergarten kann und will ich nicht hüten. Und nach einer mehr oder minder stillen Phase des Überlegens nehme ich den Rat an, den einige Leute gaben: Mach’ dicht und basta!

Tut es mir leid? Ja und nein – das Forum war von Anfang an ein Experiment, ob sich mein Idealbild (mit Absicht nicht genau definiert) eines Ex-Pat-Forums auch ohne grosse Eingriffe eines Admins oder Moderators zumindest annähernd etablieren kann. Dazu gab es gute und vielversprechende Ansätze. Die dann aber im Lauf der Zeit einen meist stillen Tod starben, schlicht mangels Interesse und Aktivität der Forumsteilnehmer selber. So muss ich dann feststellen ... es klappt wohl nicht. Experiment missglückt. Such is life.

So sage ich dann “Tschüss!” . . . Ende des Textes. Ende des Threads. Ende des Forums."

Ende des Zitats. Die per einseitiger fristloser Kündigung gefeuerten Forumsmitglieder können darauf im Forum selber nicht mehr antworten. Sie haben Hausverbot, das virtuelle Haus ist abgeschlossen. Sie werden sich andernorts äußern, während Bernd Biege sich hoffentlich nicht darauf konzentriert, über Hausbootforen-Betreiber und Freizeit-Kapitäne abzulästern. Wünschen wir ihm, dass er sein enormes Irland-Wissen konstruktiv und gewinnbringend (für sich und andere) einsetzen kann.

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Today´ s post reports the closing down of "Irland Inside Forum" an internet message board for German expatriates living in Ireland by its operator Bernd Biege – known for his Ireland Blog and his travel reports on about.com.

IMPRESSUM

Dieser Blog wird geschrieben und editiert von: Good News Media Markus Bäuchle, Eliane Zimmermann, Starlight House, Ardaturrish Beg, IRL-Glengarriff, Co. Cork. mbaeuchle (at) mac.com Haftungsausschluss: Die Texte in diesem Blog wurden von den Verfassern nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen und regelmäßiger Aktualisierungen dieses Blogs übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sowie für die Inhalte von Kommentaren sind ausschließlich deren Betreiber/AutorInnen verantwortlich.