Freitag, 25. Dezember 2009

Irische Weihnachts-Traditionen (Teil 2):
Der Tag des Zaunkönigs






Ja ist denn schon Fasching? Morgen, am 2. Weihnachtstag, ziehen in einigen Orten Irlands verkleidete Menschen musizierend von Tür zu Tür und halten die Hand auf. Sie tragen Hüte und Gewänder aus Stroh, ihre Gesichter sind schwarz angemalt und an der Spitze des Umzugs marschiert der Träger eines Holzstabes. Traditionell steckte auf der Spitze dieser Stange aus dem Holz der Stechpalme (Holly) ein toter Zaunkönig. Diese Tradition des aufgespießten Vogels ist verloren gegangen. Dennoch: Morgen ist "The Wren" – und die verkleideten Gestalten, die durch die Straßen ziehen, sind die "Wren Boys". Der "Wren", einer der kleinsten Vögel der Erde, spielt dabei noch immer eine interessante Rolle.

*

"The Wren", auch bekannt als "The Wran" und im Westen der Insel genauso ausgesprochen, rührt im kollektiven Gedächtnis der Iren an Zeiten, die mehr als 1200 Jahre zurückliegen. Die alten Geschichten wollen wissen, dass irische Soldaten auf dem Sprung waren, die Wikinger, die Invasoren aus dem Norden, überraschend zu schlagen. Im letzten Moment haben Zaunkönige die schlafenden Feinde gewarnt - in einer Version der Geschichte trommelten die kleinen Vögel mit ihren Schnäbeln auf den Schildern der Wikinger, in einer anderen auf den Schlagzeugen. Die "Norsemen" jedenfalls wachten rechtzeitig auf und es wurde nichts aus dem hinterhältigen Angriff.

Der Zaunkönig ist seit diesen Zwischenfällen in einem früheren Jahrtausend bei den Bewohnern der Grünen Insel in Ungnade gefallen - er gilt seitdem als Vogel des Teufels. Und das erklärt, warum die Wren Boys vor dem Umzug in den Wald zogen, um einen Zaunkönig zu töten, der dann auf den Pfahl gespießt und durch die Straßen getragen wurde.

Bezeichnenderweise hatten die Kelten den Zaunkönig im vorchristlichen Irland in hohen Ehren gehalten. Der kleine Piepmatz galt als Vogel der Könige, sein Platz war an der Seite der Druiden. Er wurde geehrt für seine überlegene Klugheit, die ihn noch über den Adler stellte: Die keltischen Sagen berichten vom Wettstreit der Vögel, wer am höchsten fliegen kann. Den Wettbewerb gewann der Zaunkönig. Er hatte sich – quasi als Blinder Passagier" – im Gefieder des Adler versteckt und stieg mit diesem hoch in die Lüfte. Erst als der Adler ermüdete und zur Umkehr ansetzte, stieg der Zaunkönig aus und flog zum Sieg.

Weitere Legenden wollen wissen, dass der "Wren" den Heiligen Stephan (Bild), der sich vor seinen Verfolgern versteckt hielt,  durch lautes Zwitschern verraten hat. Der im 1. Jahrhundert lebende Stephan wurde darauf bekanntlich gesteinigt. Dem Zaunkönig sicherte die christliche Fabel einen festen Platz im irischen Kalender: Der Stephanstag ist auch der Tag des Zaunkönigs.


Die katholische Kirche verfolgte im alten Irland nicht nur den Wren, sondern auch die Ziele der "Wren Boys". Denn wenn diese von Haus zu Haus zogen und die Bewohner um Geld baten, dann gipfelte der Umzug meist in einem Fest, das wir heute als Party bezeichnen würden – nach katholischem Verständnis eine Gelegenheit, Sünden zu begehen.  So passt es, dass "Wren" auch eine alte Bezeichnung für die Prostituierten in Irland ist.

Im Irland der Gegenwart hat die Tradition des "Wren", die fast schon vergessen war, eine neue Bedeutung gewonnen: Der Umzug der verkleideten Musikanten und der Strohmänner wird heute vor allem zum Spendensammeln genutzt. In der Gemeinde des Wanderers werden die "Wren Boys" morgen ausziehen, um Geld für die örtliche Schule zu sammeln. Das Dach ist undicht geworden und muss dringend repariert werden. The Wran, in Glengarriff organisiert vom traditionsbewussten Klempner Cornelius Connolly,  wird zur Instandhaltung der Schule maßgeblich beitragen.

PS: Wenn jemand gerne dieser sehr guten, aber auch sehr kleinen Zwergschule helfen will, deren Existenz im quasi-bankrotten Irland leider nicht gesichert ist, soll sich bitte beim Wanderer melden, der die Daten des Schulkontos gerne weiter gibt.







* Das Fest des Zaunkönigs wird auch in Dingle jedes Jahr mit einem Umzug begangen. Auf dieser Dingle-Website wird der  Brauch gut beschrieben. 

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Irische Weihnachts-Traditionen (Teil 1):
Der Christmas Swim im eiskalten Meer






Wer öffentlich zur Schau stellen will, wie mutig, abgehärtet und taff er (oder sie) ist, sollte sich morgen, am ersten Weihnachtstag, nach der Kirche, um 12:30 Uhr in Glengarriff, County Cork, am Pier einfinden. Der "Christmas Swim" gehört in Glengarriff mittlerweile zu Weihnachten wie die Bescherung für die Kinder. Zehn bis 15 kälteunempfindliche Iren, unterstützt von ein bis zwei Deutschen und genauso vielen Engländern stürzen sich jedes Jahr unter dem johlenden Beifall des vielköpfigen Publikums von der Kaimauer – fünf Meter tief hinunter ins eiskalte Wasser. Super abgehärtete Wassersportler sind über Weihnachten in vielen Teilen Irlands zu bestaunen (mehr dazu weiter unten). 


Der Christmas Swim von Glengarriff, der eigentlich ein Kurz-Triathlon ist (Jump, Swim and wieder Rausklettern), wurde vor mehr als 15 Jahren von einem Mann namens Long John O´Sullivan ins Leben gerufen. Unterstützung bekommt der Lange regelmäßig von Pat O´Shea, dem Betreiber des Sparladens, vom Ortsarzt Jeremy Cotter und Frau Aisling (Kaltbaden ist gesund!) und von ein paar Nachwuchskräften. Die deutschen Farben vertritt würdig einer der ohnehin härtesten Burschen der Region. Stefan (der Mann mit der hellblauen Mütze) schwimmt jeden Tag jahrein, jahraus frühmorgens im Meer und sieht den Weihnachts-Schwimm eher als gemütliches Späßchen.



Warum sich Leute im Winter in kaltes Wasser stürzen? Viel Geld zum Unterhalt von Schulen, Sporthallen oder Gemeindehäusern, wird in Irland bei Charity-Veranstaltungen gesammelt. Die einen schwimmen und lassen sich feiern, die anderen schauen zu, zahlen für die Gaudi und bekommen noch einen heißen Whiskey obendrauf. Die Einnahmen fließen auf das Konto zum Unterhalt der Gemeindehalle, von der fast jeder im Ort profitiert. Das ist Weihnachten in Irland - am Ende gibt es nur Gewinner.


Auch in Dingle wird geschwommen


Gast-Autorin Nicola hat die mutigen Weihnachtsschwimmer, die nun vielerorts für einen guten Zweck ins Wasser gehen, an ihrem Lieblingsort in Irland, auf der Dingle Peninsula, beoabachtet. Nicola machte sich Gedanken, wie man und frau diese Mutprobe möglichst schadlos überstehen. Hier ihr Bericht: 



"Wie an vielen anderen Küsten auch, fühlen auf der Dingle-Halbinsel um die Jahreswende herum manche Menschen den unwiderstehlichen Drang, sich in kaltes Winter-Atlantikwasser zu stürzen (und auch wieder herauszukommen). Diese Neigung ist mir völlig fremd, übt aber eine gewisse Faszination auf mich aus. Immerhin gehe ich ja auch in die Sauna, wo ist da der Unterschied, könnte man fragen. Ich würde antworten: Es ist ein großer Unterschied, ob ich aus 90 °C Hitze in 10 °C kaltes Wasser im sogenannten Eisbecken springe, oder ob ich mich aus einer kalten Umgebung in ein kaltes Wasser bewege, dessen Oberfläche meinen Körper erst nach und nach bedeckt. Plus kalter, nasser Boden und kalter Wind und kalte Spritzer  vorab . . .

Die Leute von Dingle beleben auch dieses Jahr ihre "coolste Weihnachtstradition" und zelebrieren ihren Christmas Day Swim am ersten Feiertag am Strand von Beenbawn, an der Ausfahrt des Dingle Harbour. Die Wassertemperatur dürfte tatsächlich unter zehn Grad liegen, aber es werden wieder "large crowds" erwartet - genaue Zahlen liegen nicht vor. Natürlich wird der Startschuss nicht vor halb eins gegeben, damit die Kirchgänger/innen keinen Stress bekommen, und hinterher gibt es eine heiße Suppe. Bei der Gelegenheit wird auch Geld für einen guten Zweck gesammelt, dieses Jahr fiel die Wahl auf Autism Ireland. Würde ich in der Nähe leben, würde ich mir das sicher anschauen...


Falls jemand Lust hat, am heimischen Strand oder Flussufer ein ähnlich cooles Erlebnis durchzuführen, hier die einschlägigen Tipps der Veranstalter:


:: In den Stunden vorher viel dicke Kleidung tragen, um den Körper richtig aufzuheizen.


:: Eine Stunde vorher etwas warmes Zuckerwasser trinken.


:: Mütze und Handschuhe mitbringen, besonders für hinterher.


:: Möglichst wenig mit nassem Sand und kalten Steinen in Berührung kommen, so lange wie möglich auf einem Handtuch stehen.


:: Die Kleider erst im letzten Moment ablegen.


:: Nach dem Verlassen des Wassers von oben nach unten anziehen (zuerst die Mütze auf), und die Füße auf etwas Trockenes stellen. 


:: Für Kinder: warme Kleidung und warme Getränke, wie heißen Fruchtsaft. Kinder haben wenig Temperaturgefühl und merken nicht, wenn sie kalt werden, daher gut darauf achten, dass sie es den Rest des Tages richtig warm haben. 




Ein Gläschen Hot Whiskey nach dem Bad – und man fühlt sich warm. Die perfekte - und gar nicht gesunde Illusion, wie uns die Ärzte versichern. 


Mittwoch, 23. Dezember 2009

Bilderbuchwetter im winterlichen Irland



Am Mittwochmorgen setzen Regen und Schnee ein im Südwesten Irlands. Während MET Eireann für Mittwochnacht minus acht Grad und die kälteste Nacht des Jahres ankündigt, ist das Thermometer am frühen Morgen erst einmal deutlich über den Gefrierpunkt gestiegen. Wir sind derweil gespannt, ob Donegals Wetter-Prophet Michael Gallagher recht behält: Der Postbote aus dem Norden hatte der Insel "Weiße Weihnacht" versprochen.




Blue Pool, Glengarriff, County Cork.

Hier noch ein paar Fotos von gestern, einem sensationell schönen Wintertag, dem 22. Dezember 2009. Die Aufnahmen entstanden im Blue Pool von Glengarriff, das unterste hoch über Bantry Bay in Ardaturrish.



Blue Pool, Glengarriff, County Cork.




Bantry Bay, County Cork.


Alle Fotos: © Markus Baeuchle 2009

ARD: "Die Korruption verhindert, dass Irland sich nachhaltig erholt"

Die tiefe und anhaltende Wirtschaftskrise in Irland hat es gestern nacht dann endlich auch in die ARD-Tagesthemen geschafft. Tenor des Beitrags: Hoch geflogen, tief gefallen. Ein absehbarer Absturz, weil sich "im Land der grünen Hügel" niemand um das gesunde Fundament und die Substanz (neudeutsch: "Nachhaltigkeit") der Wirtschaft gekümmert hat.

Auch der Hinweis auf Filz, Vetternwirtschaft und allzu enge Verflechtungen der seit Jahrzehnten amtierenden Fianna-Fail-Regierung mit der Bauwirtschaft fehlt nicht: "Manche Baufirma beispielsweise, eng verflochten mit irischen Kabinettmitgliedern."

Der Baumarktbesitzer Richard Cummings im Westen Irlands berichtet: Er hat 20 von 40 Mitarbeitern entlassen müssen. So schlecht ging es dem Geschäft, das seit über 50 Jahren besteht, noch nie. Richard fährt den Gabelstapler jetzt wieder selbst. Bis zu acht Tonnen Zement pro Woche hat er bis vor einem Jahr verkauft, jetzt sind es noch zwei Tonnen pro Monat.

Die Bauwirtschaft ist am Ende. "Hausbau in Dublin gilt mittlerweile als schlechtestmögliches Investment in Europa. Jedes fünfte Büro steht leer." In der Haupteinkaufsmeile Dublins, Grafton Street, stehen derzeit 8 Läden leer, in der engeren Umgebung 22, berichtet ein Makler. Und irische Geschäfsfrauen, die sich zum Frühstück treffen, üben Selbstkritik: "Diese Krise ist zu 70 Prozent hausgemacht".  

Auch der politische Kommentator Fintan O´Toole, Autor des aktuellen Buches "Ship of Fools", kommt in der ARD zu Wort. Sein Ausblick ist pessimistisch:

 "Auf längere Sicht wird die Korruption verhindern, dass Irland sich nachhaltig erholt. Es geht nicht darum, dass jemand Dich mit Geld schmiert, sondern darum, dass es Beziehungen gibt, einen inneren Kreis, der aufeinander aufpasst, dass niemandem etwas passiert."

Wer den Bericht anschauen will, die Tagesthemen gibt es hier in der Mediathek.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Tödliche Tage für Irlands Truthähne


Irland kurz vor Weihnachten. Diese Tage sind gefährlich und sie enden in der Regel tödlich – für die Truthähne unter uns. Der "Turkey" ist der irische Weihnachtsschmaus. Ohne Truthahnbraten empfinden die meisten Iren Weihnachten als mäßig bis misslungen.

Während Großstädter sich den maschinell enthaupteten Truthahnbraten ofenfertig vorbereitet und gestopft bei SuperValue oder SuperQuinn abholen, ist die Vorbereitung des Festtagsbratens auf dem Land meist noch mit Arbeit verbunden. Zwei, drei Tage vor dem Fest wird die Luft dann meistens dünn für die plump-fleischigen Vögel, deren Leben meist nur einige Monate dauert. Dann kommt der Bauer mit Holzscheit und abwaschbarer Schürze, und das letzte Stündchen hat geschlagen. Nach dem Rupfen hängt der Truthahn zwei Tage kühl, mit Kopf nach unten, bevor er sich für die Bratröhre qualifiziert.


Der Braten stammt aus dem BBC-Kochstudio. Unsere Fotos entstanden in einer Bauernstube in West Cork kurz nach der Schlachtung (Der blutbefleckte Farmer erzählte uns, es hilft, wenn man den Tieren erst gar keinen Namen gibt) und auf einem Bio-Bauernhof hoch in den Bergen, der in diesen Tagen 80 selber aufgezogene Truthühner in Richtung Kochtöpfe schickt (Die Bäuerin stöhnte über die viele Arbeit, über die Verdorbenheit der Kunden, die nur noch Truthühner akzeptierten und über die große Ruhe, die sich über die Farm gelegt hat, nachdem der letzte Truti ausgegluckst hatte . . .


Kleine (und auch größere) Geschenke erhalten des Lehrers Freundschaft

Irlands System der allfälligen Gefälligkeiten, über das wir gestern berichtet haben, treibt auch an den Schulen des Landes bunte Blüten mitten im Winter: In den Celtic-Tiger-Jahren ("Alles ist käuflich") war es üblich geworden, die Lehrer der eigenen Kinder mit einem ansehnlichen Geschenk zu Weihnachten zu beglücken und sie – man kann ja nie wissen, für welche Note es gut ist – bei Laune zu halten. Dieser Akt reinster Nächstenliebe wurde bald zum sozialen Zwang, dem sich kaum jemand entziehen konnte, und viele Lehrer freuten sich über beachtliche Weihnachts-Gratifikationen aus den Taschen der Eltern.

Jetzt allerdings fordert das Netzwerk der Rektoren irischer Grundschulen (Primary Schools) ein Ende der teuren Gefälligkeiten. Denn vergangene Woche war bekannt geworden, dass ein achtjähriges Mädchen im County Dublin ihrem Lehrer zu Weihnachten einen Einkaufsgutschein in Höhe von 200 Euro mitgebracht hatte. Die Rektoren erkennen im weihnachtlichen Geschenkereigen einen deplatzierten Wettlauf um die Gunst der Pädagogen und fordern die Eltern zur Besonnenheit auf: Wer schenken wolle, solle sich auf eine Karte oder etwas Selbstgebasteltes beschränken. Auch eine Spende an die Schule oder eine Gabe an wohltätige Organisationen könne überbordende Spendierfreude kanalisieren, schreiben die Schulleiter – und versuchen einen Misstand zu korrigieren, der sich in den fetten Jahren eingeschlichen hatte.

Montag, 21. Dezember 2009

Wintersonnenwende in Irland - Ein kurzer und doch strahlender Tag


Wintersonnenwende in Irland. Der 21. Dezember, der kürzeste Tag des Jahres – und einer der schönsten des Jahres 2009. Kurz und eindrucksvoll. Klirrende Kälte unter minus 5 Grad - eine absolute Seltenheit – keine Wolke am Himmel, die Farben intensiv und betörend. Hier ein paar Eindrücke aus West Cork.



Das Meer ruhig, klar und tief blau.



Rauhreif auf den Wiesen und den Bergspitzen.



Das Meer dampft - es ist wärmer als die Luft.



Ein Weißdorn-Solitär im Schnee.



Die Straßen - heute wie leer gefegt. In einem Land, das keine Winterreifen kennt, will kaum jemand auf eisigem Untergrund unterwegs sein. Viele Schüler feiern "eisfrei".


Junge Birken - Winterwald in West Cork.

Irland – Land der Stämme

Irland geht in diesen Monaten der Krise hart mit sich selbst ins Gericht – die Debatte über die eigenen Fehler, die in Gottes Namen begangenen Verbrechen an Kindern, das eigene Versagen, Politik zu gestalten und das öffentliche Leben zum Wohle möglichst Vieler zu planen; die Gier, die das Land in den Abgrund trieb: Diese abgründigen Themen bestimmen derzeit die öffentliche Diskussion. Ob das Jammern, das Wehklagen, das Analysieren, das Postulieren, Monieren und Selbstzerfleischen zu positiven Veränderungen führt – wer weiß es?


Heute setzt die Kolumnistin Ann Marie Hourihane in der Irish Times ein extra großes Ausrufezeichen der Selbstkritik. Wie gut, dass wir es nur zitieren und so vielleicht den verbalen Prügeln dafür entgehen, wieder unberechtigt über unser "Gastgebervolk mit dem naturgegebenen Heimrecht" herzuziehen. 


Ann Marie schreibt unter der Überschrift "It´s a country where the personal is all too political":


In Ireland our systems are so lousy, our management is so appalling, our morality so non-existent, that our only recourse is the personal, the family, the tribe.
The thing is that it is terribly tiring living in a country where everyone has to be wheedled and humoured and seduced into doing the job that they are being paid to do anyway. It’s so draining keeping everyone on side. It’s so humiliating to think that the provision of public services depends on individual whim. This is usually the time of year at which a lot of schoolteachers get a nice bottle of wine; it would be interesting to know how those donations hold up this year. 


Die kluge Analytikerin Hourihane beschreibt in ihrem Leitartikel eine Gesellschaft, in der das zu Persönliche, das allzu Personenbezogene ein Grund für deren Niedergang ist. Gescheiterte Banker, die egoistisch wegducken (und ungestraft davonkommen) statt Flagge zeigen, Bischöfe, die am Amt kleben, weil sie nur sich selber sehen können, all die kleinen Leute, die so viele Entschuldigungen haben, um nie Verantwortung übernehmen zu müssen. Obendrauf Patronage, Vetternwirtschaft und Korruption: Wer etwa einen zeitnahen Termin bei einem irischen Facharzt im Krankenhaus braucht, muss die richtigen Leute kennen und sie gut bei Laune halten. Dann klappt´s. Sonst in der Regel nicht. 


Die Abwesenheit einer allgemein akzeptierten, objektiven Moral, das Fehlen von gesellschaftlichen Werten, die das Gesamte zusammenhalten, machen das Leben in Irland für die irische Bevölkerung zu einem Abenteuer, in dem derzeit nur die Solidarität der Stämme, der Familien und der Beziehungen zählt. Hourihane beschreibt diesen Zustand als heillos und mittelalterlich.  


Es ist zu hoffen, dass die Menschen in Irland in diesem schmerzhaften Prozess der Selbstwahrnehmung und der Selbsterkenntnis zu sich selber finden. In einem Umfeld, in dem jeder fast jeden kennt, ist das kein automatisch garantierter Erfolg. 

Sonntag, 20. Dezember 2009

Wir suchen das lustigste Irland-Foto



"Beware of Dog" von Roman Spirgi. Zum Vergrößern aufs Foto klicken.

Unsere Gute-Laune-Offensive geht in die Verlängerung. Wir suchen das witzigste, das lustigste Irland-Foto. Alle Leser des Irland Blogs können mitmachen und ihr Foto mit Irland-Bezug einschicken. Wer noch nicht in Irland war, kann auch gerne den Schnappschuss aus dem Irish Pub oder ein anderes Motiv mit "Irland-Bezug" senden. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Heute wieder eine kleine Kostprobe: Roman Spirgi aus Affoltern in der Schweiz sandte uns seinen Irland-Schnappschuss vom Hund, oder besser Wolf (?) im Schafspelz. Danke, Roman. Das Foto entstand in der Nähe des Powerscourt Wasserfalls im County Wicklow.

Einsendeschluss für unseren Wettbewerb war ursprünglich der 20. Dezember. Da wir bislang aber erst zehn Einsendungen bekommen haben, gehen wir in die Verlängerung: Die Zeiten in Irland sind zu hart, um Ihnen nur mit einer Mini-Spaßoffensive zu begegnen. Also, liebe Leserinen und Leser des Irland-Blogs, sendet uns Eure Foto gewordene gute Laune. Helft mit, dieses schöne Land aus der Krise zu lächeln.

Zu gewinnen gibt es übrigens auch etwas: eine kostenlose Teilnahme an der Wanderwoche 2010 in Irland*. Wer teilnehmen will, schickt das Foto per E-Mail an info@wanderlust.ie und ist einverstanden, dass es hier veröffentlicht wird. Der Gewinner nimmt kostenlos an der Wanderwoche vom 1. bis 8. Mai in Glengarriff, West Cork teil*. Mehr Informationen gibt es hier: Wanderwochen 2010 mit dem Wanderer. Einsendeschluss ist der 20. Dezember 2009. Also: Alle Bilder bitte diret per E-Mail an: info@wanderlust.ie


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* Anzeige:


"Mit erfahrenen Guides und Erzählern die Berge und Strände Irlands kennen lernen. Eine Woche Berg- und Strand-Wandern. Irland von seiner schönsten Seite erleben. Aktivferien im faszinierenden Südwesten: Beara Way, Sheeps Head, Mizen Peninsula, Kerry und Caha Mountains und am Atlantik. Eine Woche Bewegung, Entspannung, Natur pur. Kompetente Führung in deutscher Sprache." Die Termine 2010:


1. bis 8. Mai 2010
31. Juli bis 7. August 2010
4. bis 11. September 2010

Die Teilnahme an der Wanderlust-Wanderwoche in Irland kostet bei normaler Bezahlung 399 Euro. Der Gewinner mit dem besten= lustigsten Irland-Motiv nimmt umsonst teil. (Dem Gewinner bleiben als Kosten An- und Abreise nach Glengarriff, West Cork und ein Eigenanteil an den subventionierten Unterkunftskosten im Doppelzimmer Bed&Breakfast von 25 Euro pro Nacht). Der Gewinner wird aus den zehn besten Motiven ausgelost. Alles streng neutral natürlich. Einsendeschluss ist der 30. Januar 2010. Die Teilnahme gilt für die Wanderwoche vom 1. bis 8. Mai 2010.


Übrigens: Heute ist  letzter Anmeldetag für den Frühbucherpreis.

Samstag, 19. Dezember 2009

Irland 2009 ist ein ideales Winterreise-Ziel



See bei Bantry. Zum Vergößern Fotos anklicken.

Das winterliche Hochdruckwetter über und in Irland hält an, das Licht lockt die Fotografen in die Natur. Dieses ganz besondere, sehr intensive Winterlicht, erzeugt von der tief stehenden Sonne, die sich nicht durch Wolken kämpfen muss, hat seinen eigenen Reiz.



Abgesehen von den da und dort auftretenden Eispritschen auf den ansonsten trockenen und gut befahrbaren Straßen präsentiert sich die Insel in diesen Tagen als herrliches Winterreise-Ziel – mit Hoffnung auf eine weiße Weihnacht. Nach einem verregneten Sommer präsentiert sich das winterliche Irland als ideales Reiseziel.



Alle Fotos: 19. Dezember 2009 in der Banrtry Bay, West Cork, Irland.

Freitag, 18. Dezember 2009

Der hohe Himmel über Irland

Der Himmel ist hoch und fast wolkenfrei. Wir erleben den kältesten Tag seit zehn Jahren. Einen Bilderbuchtag. Minus drei Grad am Morgen, den ganzen Tag kriecht das Thermometer nur knapp über den Gefrierpunkt. Das ist selten hier am Atlantik. Frostnächte, die gibt es – doch dann erwärmt sich das Land üblicherweise im Lauf des Tages. Auch während der kürzesten Tage des Jahres. Nicht so heute. Und es wird noch kälter werden. Das Hoch steht stabil über Irland – es könnte uns mehrere Wochen guten Wetters bescheren.

Der hohe wolkenlose Himmel . .




über der Bantry Bay . . .



Sonnenuntergänge für Romantiker . . .



Der Blick aus unserem Fenster.



Am 24. Dezember senkt sich die Sonne genau in der Mitte der Bucht ins Meer.

Wer jetzt auf die Berge steigt, genießt grandiose Ausblicke und herrliche Sonnenuntergänge.
Am Wochenende geht es bergwärts.

Ort: Glengarriff, West Cork. Andernorts auf der Insel: Schnee. Prognose: Temperaturen sinken im Landesinneren bis auf -9 Grad (!).

Irland Blogs sind wieder online

Wir fragten gestern abend:

Manche Irland Blogs sind aktuell in Irland nicht mehr erreichbar. Ist das aus Deutschland genauso? Zum Beispiel der Blog von Freund Harald: Irlandnews. Bitte um kurze Reaktionen. Danke. Wanderer.

Heute morgen sind die Blogs von Harald und Bernd wieder online. Hier beschreibt Harald, wie Google seinen Blog einfach mal ausgeschaltet hat. Erschreckend, in welchen Abhängigkeiten wir mittlerweile stecken und wie Google agiert. Das ist die dgitale Dampfwalze, die unsere Online-Existenz unter Umständen ganz aus Versehen platt macht– und natürlich die Option hat, es jederzeit auch ganz absichtlich zu tun.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Irland wird Vize-Europameister im Weihnachts-Feiern*


Die Geschenkekäufer biegen weltweit auf die Zielgerade ein: Noch eine Woche bis Weihnachten. In Irland wird das  Fest traditionell als große und andauernde Familien-Party gefeiert. Iren aus aller Welt kehren nach Hause zurück ("Home for Christmas"), um Verwandte, Freunde und Bekannte zu besuchen. Die Party des Jahres wird stets mit großen Aufwand gefeiert. Lange Jahre waren die Iren  die Europameister des Weihnachtskonsums. Auch inmitten der großen Rezession will man sich auf der Insel die Laune nicht verderben lassen. Zwar werden die Ausgaben für Weihnacht 2009 um saftige 29 Prozent zurückgehen, doch mit 1.100 Euro gibt jeder irische Haushalt auch in diesem Jahr eine gewaltige Summe aus, die im Europa-Ausgaben-Ranking der Unternehmensberatung Deloitte für einen souveränen zweiten Platz reicht.

Irland wird demnach Vize-Europameister hinter Luxemburg, wo für das Fest der Feste 1150 Euro pro Haushalt "investiert" werden. Zum Vergleich: Ein deutscher Durchschnitts-Haushalt bringt es an Weihnachten 2009 gerade einmal auf 485 Euro, ein schweizer auf 685 und ein englischer auf 600.

Die irischen Festausgaben beinhalten 660 Euro für Geschenke und 265 Euro für zusätzliches Essen und Getränke. Eine stolze Summe, will man meinen, und dennoch: Der Einzelhandel stöhnt gewaltig über den Umsatz, der gegenüber dem Vorjahr um fast 30 Prozent schrumpfen dürfte. Deshalb werden zahlreiche Geschäfte auf der Insel erstmals am 2. Weihnachtstag ihre Türen öffnen – in der Hoffnung, dass möglichst viele mit Bargeld Beschenkte sich ihre Wünsche erfüllen werden.

Bargeld als Geschenk, so schnöde es wirkt, liegt ohnedies im Trend. Colette Sheridan wies gerade im Evening Echo darauf hin, wie ökonomisch unsinnig die große weihnachtliche Geschenke-Orgie doch ist: Viele Geschenke treffen nämlich abolut nicht den Geschmack der Beschenkten und landen ungenutzt in den Tiefen von Schränken und irgendwann im Müll. Deshalb sei Weihnachten eine großangelegte Aktion zur Vernichtung von Wohlstand. Kann man so sehen. Denn die 50 Euro für den Pyjama, der nicht gefällt, fehlen in der Kasse des Schenkenden und können auch nicht als Aktivposten im Warenbestand des Beschenkten verbucht werden.

Weltweit, so rechnete der Ökonom Joel Waldfogel vor, würden mit falsch gewählten Weihnachtsgeschenken Jahr für Jahr 15 Milliarden Euro vernichtet. Wie schief das Geschenkespiel auch in Irland 2009 wieder gehen dürfte, prognostizieren diese beiden Zahlen: 42 Prozent der erwachsenen Iren würden sich vor allem über Geldgeschenke zu Weihnachten freuen, aber nur 19 Prozent werden laut Deloitte Geldgeschenke machen. Das lässt Platz für Missverständnisse, Projektionen und viele, viele falsche Geschenke.

* Diese gute Nachricht des Tages ist allen gewidmet, die in diesem Blog das Positive vermissen.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Irland - das Land der Rothaarigen


Was sehen Sie? Eine Frau. Sie ist schwanger. Sie ist fast nackt – sie hat rote Haare. Das muss eine Irin sein.

Ist sie aber nicht. Es ist Maaike aus Holland. Gemalt wurde sie von Bart, einem Maler aus Holland mit Faible für Rothaarige. Bart Rouwenhorsts Begeisterung für rotes Haar geht soweit, dass er im Herbst im holländischen Breda bereits den fünften Rothaarigentag organisierte, an dem einige tausend Rothaarige Menschen teilnahmen. Der 39jährige Künstler gilt seitdem als Experte schlechthin für rotes Haar und die Rothaarigen.

Wie stellt man sich die Bilderbuch-Irinnen und Iren vor? Natürlich sommersprossig, weißhäutig und - rothaarig. Auch wenn nur jeder zehnte eingesessene Inselbewohner tatsächlich einen roten Haarschopf hat und neun von zehn keinen, hält sich das Image von den rothaarigen Iren hartnäckig – und ist auch nicht ganz falsch. Der Anteil der rothaarigen Menschen weltweit beträgt vier Prozent, in Irland sind es zehn, und 30 Prozent tragen die genetischen Anlagen in sich. Die Wikinger haben die Gene im 9. Jahrhundert auf die Insel mitgebracht und seitdem erfolgreich etabliert. Die mit Abstand meisten Redheads leben aber auf der anderen Seite der Irish Sea in Schottland: 13 Prozent tragen dort über dem Rock rot (und darunter auch).

Bart Rouwenhorst jedenfalls, der rothaarige Experte für alles Rothaarige, wurde von der Süddeutschen Zeitung befragt: "Werden  Rothaarige diskriminiert?" Offensichtlich werden Rothaarige vor allem in Großbritannien gehänselt und gestichelt, was mal wieder gut ins Bild der verfeindeten Völker passt. Bart führt das auf ein altes Vorurteil zurück: Viele der armen Auswanderer aus Irland im 19. Jahrhundert hatten rote Haare. Die Haarfarbe galt und gilt deshalb als ein Zeichen für Armut. Der Holländer mit Dreitages-Bart macht den Tizians, den Erdbeerblonden und Kupferfarbenen jedoch Mut: Wer als Kind oft gestichelt wird, mausert sich meist zu einer starken Persönlichkeit.

Jetzt wissen wir also endlich, woher die Iren ihre freundliche Dickköpfigkeit und Sturheit haben. Auch noch so ein Vorurteil.


Alles über Rothaarige, auch darüber, dass die Rothaarigen nicht - wie vielfach gemeldet - bald aussterben werden gibt es in diesem umfangreichen Wikipedia-Eintrag.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Irlands wirklich gefährliche Orte: Die Krankenhäuser


Für Gesunde existiert diese Schattenwelt nicht, im Alltag wird diese Realität gerne ausgeblendet – bis man selber Hilfe braucht oder einen Angehörigen oder Freund besuchen muss. Die Rede ist von den Krankenhäusern Irlands. Sie zählen zu den gefährlichsten Orten auf der Insel, und der nette Begriff "Hospital", in dem das Wort "Gastlichkeit" mitschwingt, sollte nicht darüber hinwegtäuschen: Irlands Krankenhäuser sind die ungastlichsten Orte schlechthin.

Es zählt zu den großen Tragödien dieses Landes, dass es in den Jahren des vorübergehenden Reichtums - bekannt als the Celtic Tiger Years – keinen politischen Willen gab, das Gesundheitssystem auf ein akzeptables Niveau zu bringen, das mit dem eines Viertwelt-Landes nicht verwechselt werden könnte. Jetzt sind die öffentlichen Kassen leer, und die Lage der Krankenhäuser wird sich in den kommenden Jahren nicht zum Guten verändern.

Unangenehm sind die Krankenhäuser, weil sie zumeist überbelegt, unterversorgt, schlecht ausgestattet und schlecht verwaltet werden. Gefährlich sind sie, weil es oft schon an der Einhaltung der einfachsten Hygienestandards mangelt. Der Bericht über das Krankenhaus von Limerick, der es vor wenigen Tagen in die TV-Hauptnachrichten schaffte, ähnelt dem aus anderen Heilsinstituten und ist deshalb typisch: Die Gastfreundschaft im Hospital von Limerick gilt vor allem Staub, Schmutz und Bakterien.

Wer in Irland wegen einer minder schweren Erkrankung ins "Kranke Haus" geht, muss mit dem Schlimmsten rechnen: Der ältere Herr, der seine chronische Bronchitis stationär behandeln lassen wollte und dann am allgegenwärtigen Krankenhaus-Superbazillus MRSA starb, ist einer von zahlreichen "Kollateralschäden" des irischen Gesundheitssystems.

In dieser Woche wurde bekannt, dass das irische Krankenhaus auch der Ort ist, wo man sich leicht die Schweinegrippe holt. 20 Patienten haben sich bislang nachweislich im Hospital infiziert, einer starb an der schweinischen Krankenhausgrippe.

Foto: University Hospital Cork

Montag, 14. Dezember 2009

Irland erwartet eine "weiße Weihnacht"


In einem Land, in dem das Klima bisweilen unberechenbar ist, werden zuverlässige Wetter-Propheten in Ehren gehalten. Umso mehr, wenn ihre Erkenntnisse nicht modernen wissenschaftlichen Methoden geschuldet sind sondern dem uralten Geheimwissen, das nur jahrzehntelange Naturbeobachtung erschließen kann. Michael Gallagher, ein 61jähriger Briefträger aus dem Nord-County Donegal, ist einer dieser irischen Wetterpropheten, die es sogar in die seriösen Tageszeitungen und ins Fernsehen schaffen, weil sie den Menschen etwas über die Zukunft "verraten".

Michael Gallagher jedenfalls hat die Natur ausgiebig gelesen in den letzten Wochen und kommt zum Schluss:  Es wird in Irland weiße Weihnachten geben. Die Chance, dass am 25. Dezember Schnee auf der Insel liegt, ist dem Briefträger zufolge "sehr, sehr groß. 90 Prozent." Woher der Mann aus dem Glenfin Valley das weiß?

Ganz einfach: Die Sonne über den Blue Stack Mountain wirft ein rötlich-braunes Licht in die Ebene. Schafe und Rinder drängen aus den Bergen und wollen in die Ställe. Der Fuchs verstärkt seine Bemühungen, an saftige Hühner zu gelangen und heult um zwei Uhr in der Nacht laut. Alle Wildtiere zeigen großen Hunger, denn sie wissen, was auf sie zukommt. Seine letzte Gewissheit zieht der "Postman" aus dem Wuchs des Grases im Oktober und aus der Menge der roten Beeren am Weißdorn.

Michael Gallagher hatte es vor zwei Jahren zu nationaler Berühmtheit gebracht, als er verzweifelten Inselbewohnern das Ende des anhaltenden Sommerregens versprach – und Recht behielt. Also: Schaumermal, ob der Sugarloaf in West Cork (Foto) am 1. Weihnachtstag eine weiße Mütze trägt.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Irlands Katholische Kirche: Der Fisch stinkt vom Kopf her

Der Fisch stinkt vom Kopf her – und katholische Pfarrer in Irland konnten Jahrzehnte lang vielfach, systematisch und ungestraft Kinder sexuell missbrauchen, weil die Kirchenführung vielfach und systematisch und ungestraft versagt hat. Nun stehen die Bischöfe selber am Pranger – und der Papst in Rom drückt sein "Bedauern" aus. Hinter den vatikanischen Floskeln dieses Wochenendes scheinen sich allerdings größere Veränderungen in der Führung der Katholischen Kirche Irlands abzuzeichnen. Die Rede ist davon, dass mehrere Bischöfe abtreten werden - unter ihnen der viel kristisierte Bischof Murray von Limerick.

Das Problem liegt tiefer – es ist eines der gesamten irischen Gesellschaft. Diese hat jetzt die Chance, sich aus den traditionellen Zwängen der starren katholischen Kirchen-Normen zu befreien: Weg mit den moralischen Zwangsjacken, den Keuscheitsgürteln und der feinstens kultivierten Doppelmoral, weg mit der Familienberatung durch zölibatär lebende Monaden in Kutte, weg mit der Hohheit der Kirche über die irischen Schulen.


Wie kann es sein, dass sich Wölfe weiterhin als Hirten der Lämmer ausgeben dürfen? Wie kann es sein, das ein vermeintlich aufgeklärtes weltliches Land wie Irland seine Schulen noch immer unter den besonderen "Schutz" der Katholischen Kirche stellt. Wie kann es sein, dass katholische Pfarrer maßgeblich die Geschicke der Schulen auf der Insel lenken.

Der Publizist Fintan O´Toole brachte es kürzlich auf den Punkt: Die Schulen des Landes sind in der Obhut von Agenten eines fremden Staates, schlimmer noch: einer Diktatur. Gemeint ist der Vatikan, gemeint ist der Papst, dessen Macht sich nicht demokratisch legitimiert. Eine kleine Gruppe alter, weltfremder, (sexuell) frustrierter Männer lenkt die Geschicke dieses mächtigen Kleinstaates im Herzen von Rom – und beeinflusst darüber hinaus das seelische Wohlergehen vieler Menschen weltweit.

Damit könnte nun Schluss sein. Wenn die irische Gesellschaft als Ganze die Aufgabe annimmt – und den jahrzehntlangen Missbrauch ihrer Jugend nicht nur beweint und bejammert, sondern positive Konsequenzen für die Zukunft daraus zieht und den Wandel einleitet. Hin zu einer menschlichen Gesellschaft, in der Menschen ihren Glauben leben können, ohne dabei von den iridischen -"Stellvertretern" des Göttlichen und von deren rigiden Institutionen missbraucht zu werden.

Samstag, 12. Dezember 2009

Ein Tag in Bildern / Photos of a day:
"12 aus 12" vom 12. Dezember in Irland


Irland im Winter. Irland im Advent. Heute ist der 12. Tag des Monats Dezember. Menschen aus vielen Teilen der Welt fotografieren immer am Zwölften 12 Motive aus ihrem eigenen Alltag und veröffentlichen die Fotos auf ihren Blogs. "12 aus 12", oder "12 of 12" wurde von Chad Darnell, einem Drehbuchautor aus Los Angeles, USA, im Jahr 2006 erfunden und in dessen Blog hochgepäppelt. Die Idee ist einfach und nett: Wer mitmachen will, zeigt zwölf Motive aus seinem Tag, in diesem Fall dem 12. Dezember. Danke, Chad, für die Idee. 
Chad, thanks again for this great idea and for parenting the baby so successfully.


Der 12. Tag im Dezember, ein Samstag, begann heute gnadenlos früh – mit Arbeit an einem kurz vor der Deadline stehenden Projekt. Beschäftigung mit anrührenden Glas-Skulpturen der jungen japanischen Künstlerin Masayo Odahashi.
The 12th day in December began more than early – working towrds the deadline of a nearly finished project. Wirting about the glas sculptures of Japanese sculpturer Masayo Odahashi. These small figures are amazing, they appear to be alive, to feel, to communicate.


Die linke Figur heißt "filled deeply III", die rechte "stillness". Es ist, als ob diese Figuren fühlen, als ob sie zu Dir sprechen. Große kleine Kunst.
The sculptures are "filled deeply III" on the left and "stillness", right.



Als es in Irland endlich hell wird, fahren wir zum Einkaufen in das 80 Kilometer entfernte Killarney im County Kerry. Der Tag beginnt trocken und düster.Über Kenmare blinzelt die Sonne erstmals durch die Wolken.
Soon after dawn we travel to the city of Killarney, 80 Kilometers north in County Kerry. The day begann dry but dull. Above Kenmare we recognise the sun peeping through thick winter clouds.



Die Seen von Killarney – auch im Winter ein Erlebnis. Die Sonne lässt sich blicken.
The lakes of Killarney – even in winter a great destination. The sun is out now (a bit).



Im Factory Outlet: Iren lieben Santa Claus und lassen sich gerne etliche Euros abnehmen für eine seichte Show in einem Bretterverschlag, vor dem sie zunächst geduldig warten.
Factory outlet Killarney: Irish people love Santa Claus. They wait patentiently, queueing in front of the timber shack where they meet "Santa". Usually Santa brings presents to the people – in this case the people pay the bearded man for creating some nice illusions.


Es ist das zweite dritte Adventswochenende. Die Geschäfte in Killarney sind nicht sonderlich gut frequentiert – die tiefe Rezession ist überall zu spüren. Auch der Straßen-Trommler versucht mit Santa-Look ein paar Euro zu erhaschen.
Christmas Shopping is not very busy nor lively in Ireland of 2009. Recession is very present these days. The street musician tries to make a few Bob in a Santa outfit.



Im provisorischen Eispalast der Stadt amüsiert sich die Jugend. Eishallen sind in diesem Teil des Landes eine Rarität. Wer unsicher auf den Beinen ist, erhält ein Gestell zum Üben.
Ice-Skating, still a rare event in Southwestern Ireland. The temporary ice palace is coming to town once a year.



Einkauf: Irland ist ein teures Land  – doch seit einem Jahr stürzen die Preise ab. Der Handel kämpft mit Sonderangeboten an allen Ecken und Enden ums Überleben: Reduktionen um mehr als 50 Prozent sind an der Tagesordnung. Das Weihnachtsgeschäft ist trotzdem sehr verhalten.
Shopping: Ireland is an expensive country to live in – more than a year ago however prices started to move south. Reductions of 50 percent and even more are supposed to attract more shoppers in these difficult times. 



Die Wirtschaftskrise lässt auch protektionistische Reflexe aufleben: Kauf mich, ich bin Irisch, lockt diese Wasserflasche. Schon Tucholsky mahnte während der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren: Deutsche, esst nur deutsche Bananen. 
Recession brings back protectionism: Buy me, I´m Irish, is what the water bottle tells us. Kurt Tucholsky, a prolific writer and ironist in the Weimar Republic told the Germans in the Great Depression of the 30-ies: "Germans buy German bananas - and only German bananas."



Irland treibt einen wahren Santa-Kult. Menschen kommen in die Einkaufszentren, um sich vor Installationen mit den roten Männchen zu fotografieren.
Santa is cult in modern Ireland. People travel to shopping centers to take photos of Santa and themselves.



Wir kaufen heute nicht bei Debenhams. Wir zeigen unserem erstaunten Sohn Ben aber, wie leicht sich aus dem Nachthimmel ein Schriftzug mit seinem Namen kreieren lässt: "DeBENhams". 
We did not shop at Debenhams today, but we took a photo for our son Ben, using parts of the bright Debenhams logo illuminating the night sky.



Wir sind Weihnachtsmuffel: Kein Truthahn, kein Rotrock im Haus. Das einzige Weihnachts-Souvenir, das wir ergattern: 1 Meter Dominosteine. Immerhin!
We´re not so much into Christmas. The only Christmas-like product we bought today was a big  box (actually one meter long) filled with typical continental sweets called "Dominos" . At least. At last.

IMPRESSUM

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