Montag, 11. Januar 2010

Sex, Geld, Macht und Iris – Nordirlands Regierung wackelt



Na, auch ruhige Feiertage gehabt, Gentleman, fragt der Pförtner die beiden Spitzenpolitiker Gerry Adams und Peter Robinson in der Karikatur des Belfast Telegraph, heute bei Ihrer Rückkehr in den politischen Alltag in Nordirland.

Das Gegenteil ist natürlich der Fall. Ein brisanter Cocktail aus Sex, Geld und Macht hält Nordirland in Bann – und das Publikum auf der ganzen Insel inhaliert jedes neue Detail des Skandals begierig.

Der katholische Spitzenpolitiker Gerry Adams und der protestantische Regierungschef Nordirlands, Peter Robinson, traten beide während der Feiertage mit dramatischen privaten Enthüllungen an die Öffentlichkeit, die das politische Klima im nur halbwegs stabilen Nordirland nun maßgeblich prägen: Der Chef der republikanischen Sinn Fein-Partei, Gerry Adams, teilte einer erstaunten Öffentlichkeit mit, dass sein eigener Vater, ein hochrangiger Sinn-Fein-Funktionär, mehrere eigene Kinder sexuell mißbraucht habe. Währenddessen wurde Adams Bruder von der Polizei gesucht, weil er die eigene Tochter vor Jahren ebenfalls sexuell missbraucht haben soll. Damit war die irische Mißbrauchs-Debatte von der Katholischen Kirche auch auf die Politik übergeschwappt.

Der nordirische Regierungschef Peter Robinson, Spitzenpolitiker der Großbritannien-treuen
Unionisten von der DUP, gab derweil unter dem Druck von journalistischen Recherchen der BBC Details aus seinem Eheleben und dem Liebesleben seiner Frau Iris preis. Die 60jährige First Lady, die in Belfasts Politik bis vor wenigen Wochen ebenfalls kräftig mitmischte, bis sie mit der Begründung einer angeschlagenen Gesundheit von ihren Ämtern zurücktrat, hatte ihren Peter mehrfach und am Ende auch spektakulär betrogen. Sie hatte unter anderem ein Verhältnis mit einem örtlichen Metzger – und nach dessen Tod bandelte die damals 59jährige mit dessen 19jährigem Sohn an.

Na und, möchte man ausrufen, ganz schön heiß drauf, diese Mrs. Robinson. Soll sie doch treiben, was sie will. Wenn Iris nur nicht ein paar Monate zuvor Homosexuelle als abnormal beschimpft hätte – und wenn sie nur dem 40 Jahre jüngeren Lover kraft Ihrer politischen Ämter nicht Startkapital in Höhe von 50.000 Pfund zugeschanzt hätte und einen Teil davon nach dem Ende der Liaison für sich zurückgefordert hätte, um ihre eigenen Schulden zu begleichen.

So haben die beiden einst tief verfeindeten Parteien in Nordirland, die jetzt in einer gemeinsamen Regierung aneinandergeschweißt sind, ein gewaltiges Sexualität-bedingtes Problem in ihren eigenen Reihen zu bewältigen. Die pro-irische Sinn Fein und die pro-britische DUP bemühen sich, die mühsam austarierte Provinzregierung im Stormont nicht über diese Krisen stürzen zu lassen und gehen vergleichsweise behutsam miteinander um.

Während sich Iris Robinson depressionsbedingt in die Psychiatrie zurückgezogen hat, versucht Mann Peter seine politische Karriere mit einer sechswöchigen Auszeit und der Behauptung, er hätte von allem nichts gewusst, zu retten. Und Gerry Adams ist mit seiner Version von den innerfamiliären Ungeheuerlichkeiten zumindest politisch schon so gut wie über dem Berg. Es bleibt trotzdem spannend in Nordirland.


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