Mittwoch, 10. Februar 2010

Der Kaiser von Kanada ist ein Ire

Da staunt der Ire: Für 4,78 Millionen Euro hat die Regierung die schlichte Residenz des irischen Botschafters in Kanada zum Luxus-Tempel mit Kunstgalerie, Weinkeller, Fitnessräumen und Bücherei ausbauen lassen. Botschafter Declan Kelly residiert nun auf 2230 Quadratmetern, zweimal der Fläche, die dem Ministerpräsidenten Kanadas zur Verfügung steht – und er darf sein Heim die größte Botschafter-Residenz in Kanadas Hauptstadt Ottawa nennen. Ein ortskundiger Bauarbeiter ließ sich mit dem Satz zitieren: "Fehlt nur noch der Kaiser-Thron." Ob dem Botschafter das kaiserliche Residieren noch Spaß macht, nachdem in der rezessions-gebeutelten Heimat ein bitterer Streit über den Botschafts-Umbau entbrannt ist, sei dahingestellt. 


Außenminister Micheál Martin jedenfalls verteidigt den öffentlich finanzierten Größenwahn tatsächlich mit dem Hinweis, der Ausbau sei notwendig gewesen, um Irland in Kanada gut zu repräsentieren. Dass "Wasser predigen und Whiskey trinken" eine ausgeprägte irische Polit-Strategie ist, beweist auch der aktuelle Regierungs-Coup, die angekündigten Gehaltskürzungen für 665 Spitzenbeamte rückgängig zu machen. Für das Fußvolk gibt es dagegen kein Pardon, das hat die Zeche zu zahlen. Am Ende wird allerdings sämtlicher Aufwand der Regierung kaum reichen, um die Finanzkrise Irlands zu bewältigen. 


Die Zahl der Arbeitslosen steigt stetig, tausende Bankangestellte werden nun nach dem Abzug der Bank of Scotland und den zu erwartenden Entlassungen bei den anderen krisengeschüttelten Banken der Insel ihren Job verlieren. Das Haushalts-Defizit ist trotz Sparkurs nicht in den Griff zu bekommen - der Euro leidet wie nie unter den Verhältnissen in Irland – und in den PIGS-Staaten Portugal, Spanien, Italien und natürlich Griechenland.


PS: Schön wäre es, wenn das Auswärtige Amt in Berlin nur 1 Prozent der irisch-kanadischen Summe locker machen würde, um die Deutsche Botschaft in Dublin endlich auch von den Räumlichkeiten her kundenfreundlicher zu gestalten. Mit 47.800 Euro ließe sich eine ganze Menge anfangen, um das Service-Trauerspiel in Booterstown für die Betroffenen zu lindern.


Die kanadische Zeitung Ottawa Citizen löste mit einem süffisanten Bericht die Botschafts-Krise aus (Ausriss oben). Der Beitrag ist online hier zu lesen.

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