Mittwoch, 17. Februar 2010

Heute gibts Asche und Verzicht:
Tschüss Fleisch, Guinness und Schokoriegel

Kein Karneval. Nirgends. Im katholischen Irland liefert sich der gute Christ der Fastenzeit aus, ohne zuvor noch einmal richtig auf die Pauke gehauen zu haben. Karneval, Fasching, Fasnacht. Fehlanzeige.*** Allenfalls am "Shrove Tuesday" (shrove, von shrive = beichten), auch bekannt als "Fat Tuesday" oder "Pancake Tuesday" kommt ein wenig Stimmung auf, wenn die irischen Kinder traditionell zum Pfannkuchen-Wettessen antreten. 


Im Übrigen darf man sagen: Es ist geschafft. Auch in Deutschland und anderen Hochburgen der Narretei. Der inszenierte Frohsinn hat wieder mal ein Ende. Heute ist Aschermittwoch. Auch im immer noch sehr katholischen Irland sind die Kirchen heute gut gefüllt, denn es gibt wieder Asche auf die Stirn. Die Pfarrer (und die Lehrer in den Schulen) segnen ihre Schäfchen mit den Überresten verbrannter Palmblätter und zeichnen ihnen ein schwarzes Kreuz auf die Stirn.  Was das bedeutet, erklärte uns Nicht-Mitgliedern des Clubs ein befreundeter Messdiener: 


Die Asche gilt als Zeichen der Vergänglichkeit: Der Mensch ist aus Staub geworden und er wird wieder zu Staub werden. Zum Zeichen der Demut, der Trauer und der Reue wird der Gläubige deshalb zu Beginn der 40tägigen Fastenzeit (die eigentlich 46 Tage dauert, aber am Sonntag muss sich der Katholik auch mal was gönnen dürfen) mit dem Aschekreuz gezeichnet. Wir sagen zum Beispiel "Asche auf mein Haupt", wenn wir einen Fehler zugeben oder Reue zeigen.

Besonders viel Asche wird es wohl in diesem Jahr auf die Häupter der katholischen Würdenträger, Pfarrer und Schafhirten selber geben, denn sie haben bekanntlich genügend Grund, Reue zu zeigen.


Heute also beginnt die Fastenzeit, in englisch "Lent" – was ursprünglich "lang" und "Frühjahr" bedeutete, also die Zeit, wenn die Tage länger werden. In vielen irischen Schulen verpflichten sich die Kinder und Jugendlichen heute zum Fasten. Dabei wird der Fasten-Begriff durchaus modern interpretiert: Die Menschen hier verzichten bis Karsamstag auf etwas, was sie im Übermaß genossen haben. Manche leiten deshalb am Aschermittwoch ein Fernseh-Lent ein, andere ein Playstation-Lent und ganz Radikale verordnen sich ein 40tägiges Medien-Fasten ohne Spielkonsole, Fernsehen, iPod und DVD-Payer. Wieder andere versuchen, sechs Wochen lang einen weiten Bogen um Süßigeiten, oder klassisch um Fleisch (Carnevale heißt bekanntlich "Tschüss Fleisch"!) oder um Alkohol zu machen. Auf was verzichten Sie? 

*** Bloggerfreund Sinnsucher merkte treffend an: "In Irland hingegen hat man mit Karneval weniger am Hut (hier regieren die Narren das ganze Jahr über).
Grafik: www.stuttgart.alt-katholisch.info

Kommentare:

  1. Eine andere Idee: in dieser klar umrissenen Zeit mal eine neue Lebensform ausprobieren - zum Beispiel mal sechs Wochen nur Bio-Lebensmittel kaufen. Austesten: Wie geht's mir damit, ist das alltagstauglich, wieviel Geld geb ich dafür aus? Ostern kann man dann schön überlegen, ob und wie man weiter macht.

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  2. ganz klar, ich werde die Süßigkeiten einschränken.

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