Freitag, 19. März 2010

Dienst nach Vorschrift in irischen Amtsstuben – Stillstand regiert.

Es war schon immer etwas Besonderes, von einer Behörde in Irland eine schnelle Antwort zu bekommen. Wer in die Verlegenheit geriet, die Baubehörde oder das Kindergeldamt anrufen zu müssen, war traditionell auf dem richtigen Weg, wenn er sich für das Projekt einen halben Tag frei nahm.

Jetzt aber will der ebenso aufgeblähte wie ineffiziente öffentliche Dienst des Landes beweisen, dass alles noch schlimmer geht. In vielen Amtsstuben wird angesichts der anhaltenden Tarifkonflikte mittlerweile "Dienst nach Vorschrift" geschoben. "Work to Rule" ist ein Verfahren, sich peinlich genau an die Dienstvorschriften zu halten und keinen Deut mehr (als verlangt) zu erledigen. Während man sich fragen kann, ob das nicht der Normalität definierende Maßstab in Irlands Behörden ist, treibt die öffentlich-dienstliche Quälerei immer neue bunte Blüten: Die Sprechzeiten werden noch mehr eingeschränkt, die Erreichbarkeit einzelner Abteilungen sinkt gegen Null.

Selbst die politische Kaste des Landes beginnt sich nun über den Staatsapparat zu beklagen. Parlamentarier im County Cork beispielsweise haben seit kurzem keinen direkten Zugang mehr zu den Behörden. Es ist Ihnen auch nicht erlaubt, eine Fachabteilung des County Councils zu besuchen oder anzurufen, um dringende Angelegenheiten für die Bürger zu regeln. Alle Eingaben müssen nun schriftlich per E-Mail erfolgen, und auf eine Antwort darf allenfalls gehofft werden.

Ein mehr als frustrierter County Councillor klagte gestern dem Wanderer: "Dieses Land ist total zum Stillstand gekommen. Hier geht nichts mehr. Es ist alarmierend". Auf die Frage, wer das zu verantworten habe, die knappe Antwort: "Die Regierung natürlich". Warum übernimmt die Opposition dann nicht endlich, will der Wanderer wissen und erfährt aus berufenem Politikermund die nackte Wahrheit: "Wer will schon diesen Sauladen übernehmen?"

Die Politikerkaste auf der Grünen Insel scheint ausgedient zu haben.  

Kommentare:

  1. Politikerkaste ausgedient?

    Vielleicht ist es besser so, denn das, was bei uns in Deutschland passiert, ist noch viel schlimmer.

    Davon abgesehen: Ich glaube, ich lese bei euch lieber nicht mehr mit. Ihr schafft es noch, mir die seit Jahrzehnten angestaute Vorfreude auf meinen ersten Irlandbesuch zu verhageln... ;o)

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Petra,

    Du wirst ja nicht in einer irischen Behörde Urlaub machen. Das Land ist wunderschön, du wirst nicht enttäuscht werden – und ich denke, dass die vielen schönen Seiten Irlands hier auch immer zur Geltung kommen. Schreib uns Deine Erfahrungen, wenn Du magst.

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Wanderer,

    weiß man's, womit man im Urlaub in Kontakt kommt?

    Ich werd ganz bestimmt meine Erfahrungen in einem meiner Blogs unterbringen, aber das dauert noch: Die Reise ist für Oktober geplant. So lange darf ich mich noch (vor)freuen :o)

    AntwortenLöschen
  4. Dafür sind die Banken flexibel und unkompliziert. Der zweite Bankwechsel innerhalb eines Jahres? Kein Thema... und keine Gebühren bei den ATMs.

    AntwortenLöschen
  5. Dafür sind die Banken flexibel und unkompliziert. Der zweite Bankwechsel innerhalb eines Jahres? Kein Thema... und keine Gebühren bei den ATMs.

    AntwortenLöschen

Wir freuen uns über Deine / Ihre Meinung. Zur Meinung gehört, dass man und frau auch zu ihr stehen und zu erkennen geben, wer diese Meinung vertritt.

Kommentare werden derzeit moderiert.

Bitte benutze (n Sie) eine der angebotenen Identitäten, um sich auszuweisen. Danke. Der Wanderer

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.

IMPRESSUM

Dieser Blog wird geschrieben und editiert von: Good News Media Markus Bäuchle, Eliane Zimmermann, Starlight House, Ardaturrish Beg, IRL-Glengarriff, Co. Cork. mbaeuchle (at) mac.com Haftungsausschluss: Die Texte in diesem Blog wurden von den Verfassern nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen und regelmäßiger Aktualisierungen dieses Blogs übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sowie für die Inhalte von Kommentaren sind ausschließlich deren Betreiber/AutorInnen verantwortlich.