Samstag, 1. Mai 2010

Beltaine – Irland feiert das Fest des mächtigen Feuers

Ein Beitrag von Nicola.
Photo by Peter Zoeller.

Beltaine (auch Beltane, Bhealltainn oder Bealtaine), das große keltische Feuerfest des Frühlings, ist da! Es beginnt am Abend des 30. April und geht bis zum Abend des 1. Mai, denn die Kelten zählten die Tage von einem Sonnenuntergang bis zum nächsten.

Der Name stammt von den Licht-Gottheiten Beli/Belenus und Belisama, wird zuweilen aber auch mit "bel-tene", "mächtiges Feuer" übersetzt. Alle Symbolik ist dem Feuer und der Fruchtbarkeit gewidmet, auch sollen sich die Tore zur Anderswelt für ein paar Tage öffnen. Nach den beiden ersten Frühlingsfesten am 1. Februar (Imbolc) und am 21. März ist das Frühjahr nun in vollem Schwange. Bei diesem Fest spielte die Druidenkaste die Hauptrolle - sie beschwor die Kräfte der Flammen mit ihren Anrufungen. "Die heilbringende Flamme ist ein Feuer, welches die Druiden durch ihre Magie oder ihre großen Zaubergesänge machten", zitieren LeRoux und Guyonvarc'h das Cormacglossar. Neun Männer entzündeten mit neun Hölzern eine Flamme, die zum Entfachen der Feuer verwendet wurde.

Der Hügel von Uisnech war von jeher der Ort in Irland, an dem das zentrale Fest zu Beltaine stattfand. 20 Kilometer westlich von Mullingar an der Straße nach Athlone gelegen, wurde er lange als der "Nabel" Irlands, das geografische Zentrum angesehen. Man betrachtete ihn auch als Sitz der Göttin Eriu, die Irland der Sage nach den Namen gab: Eire. Nahebei findet sich eine Bridgid-Quelle... Auf jeden Fall ist der Hügel ein alter Feuerkultort, Ausgrabungen fanden jahrhundertealte Aschereste vor.  Er ist mit seinen 183 Metern nicht gerade hoch, aber trotzdem weithin sichtbar. Angeblich war das Feuer auf seinem Gipfel in einem Viertel der Insel zu sehen - das Beltaine-Feuer der Königsburg in Tara wurde erst entzündet, wenn sie von dort aus in der Ferne das Uisnech-Feuer erblicken konnten.

Das Vieh wurde zwischen zwei großen Feuern hindurch getrieben, um es nach dem langen Eingesperrtsein während des Winters zu "reinigen" und gegen Krankheiten zu schützen. Die Menschen sprangen über das Feuer direkt hinweg, besonders die, die sich ein Kind wünschten oder viel Glück für eine Unternehmung. Am Vortag waren alle Herdfeuer gelöscht worden; nun wurde neuer, frischer Brand von den Beltaine-Feuern in alle Häuser getragen und das Jahr über bewahrt. Die Asche der Beltaine-Feuer wurde später auf den Feldern verteilt.

Es war auch eine Feier der Vereinigung des männlichen und des weiblichen Prinzips, des Herrn und der Herrin des Landes, die zu einer reichen Ernte führen sollte. Die feiernden Männer und Frauen begaben sich – gleich ob verheiratet oder nicht - singend in die Landschaft und vergnügten sich. Ab Beltaine zogen auch die Fianna, die Krieger des irischen Heeres, aus dem Winterquartier wieder durchs Land und wollten während des Sommerhalbjahrs von der Bevölkerung versorgt sein. Alle bedeutsamen Invasionen neuer Bewohner der Insel scheinen immer zu dieser Jahreszeit stattgefunden zu haben, wenn man den Sagen Glauben schenkt.

Beltaine feierte einiges, was der christlichen Kirche verdächtig vorkam: Sexualität, ungestümes Tanzen und Singen, den Beginn der Zeit der hellen langen Abende, die kommende Wärme des Sommers. Der Heilige Patrick sorgte prompt für Ärger: er wartete nicht, bis die Druiden die Beltaine-Feuer entfachten, sondern zündete einfach vorher sein eigenes an – zu Ostern. Die christliche St. Bridgid soll aber ausgerechnet auf dem Hill of Uisnech den Schleier genommen haben... In der katholischen Kirche ist der Mai bis heute als "Marienmonat" immerhin dem heiligen Weiblichen gewidmet.

Auf den britischen Inseln soll es Beltaine sein, das von allen keltischen Festen heute noch am liebsten gefeiert wird. Fast überall gibt es örtliche Mairituale und Bräuche. Am Maitag wird um den (phallischen) Maibaum getanzt, um die Fruchtbarkeit des Landes zu feiern, eine Maikönigin wird als Herrin des Landes gekrönt. Auf Irisch-Gälisch heißt der ganze Monat Mai "bealtaine". Im schottischen Gälisch gibt es immer noch den Ausdruck "heißer als die Feuer des Bel". Auch in der französischen Bretagne gibt es noch viele passende Traditionen.

In Mitteleuropa und Nordeuropa entspricht Walpurgis dem Feuerfest. Die Hexen feiern und sind ebenfalls im Kontakt mit der Anderswelt. Heute wird mancherorts auch der zahllosen weiblichen und männlichen Opfer der Hexenverfolgungen gedacht. Bis heute gibt es Maifeste, Maifeuer, Tanz in den Mai, auf den Dörfern spielt man sich gegenseitig Streiche. Mairegen, Maitau und vor Sonnenaufgang geschöpftes Maiwasser werden als heilend, segnend und schützend angesehen. An Walpurgis soll man auch Gurken und Kürbisse stecken, da sie dann nicht mehr erfrieren können und gute Ernte bringen.

Der "Tag der Arbeit" ist nur zufällig durch bestimmte politische Ereignisse auf diesem Datum gelandet und hat mit spirituellen Hintergründen nichts zu tun. Aber sogar in der angelsächsischen Weltliteratur ist der erste Mai besonderen Festen vorbehalten: Im "Herrn der Ringe" von J.R.R. Tolkien findet an diesem Tag im Jahre 3019 DZ – der Ringkrieg ist glücklich beendet - Aragorns prachtvolle Krönung zum König Elessar statt, und ein Jahr später heiraten Samweis Gamdschie und Rosie Hüttinger im Auenland. Womit wir wieder bei der Fruchtbarkeit wären...

Kommentare:

  1. Beltaine? Doch wohl eher eine willkommene Möglichkeit, den Hausmüll (ungestraft?) zu verbrennen...

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