Freitag, 30. April 2010

Die Leute von Dunmanus Bay ziehen in den Kampf gegen den Lachsgiganten

Was ist los im kleinen und stillen Durrus in Irlands Südwesten, wenn sich 100 Küstenbewohner zu erregten Diskussionen in der Gemeindehalle treffen? Wenn Petitionen kursieren, Kamera-Teams auftauchen und die Schaufenster lokaler Geschäfte zu viel frequentierten Schwarzen Brettern mutieren? 

Durrus liegt am Ende der Dunmanus Bay  in Irlands Südwesten zwischen dem Sheeps Head im Norden und dem Mizen Head im Süden. Die Dunmanus Bay gilt als eine der schönsten Buchten Irlands. Die wirtschaftliche Nutzung und die Ausbeutung der natürlichen Resourcen hält sich bis heute in Grenzen. Doch nun droht ein skandinavischer Fischereigigant die Idylle zu zerstören: Er heißt "Marine Harvest" und ist gefürchtet als moderner Raubritter der Weltmeere. Der Konzern überzieht die schönsten und saubersten Gewässer der Welt mit Lachszucht-Anlagen, er zieht die Profite des Multi-Milliardengeschäfts in die Taschen der Aktionäre ab und hinterlässt vor Ort nicht viel mehr als Schmutz, Krankheiten und Zerstörung.  

Seit einigen Monaten sondiert "Marine Harvest" die Südwest-Küste Irlands, um neue Standorte für ihre riesigen Zuchtanlagen zu finden. Erst wurde bekannt, dass das Tochterunternehmen Silver King Seafoods in der Dunmanus Bay, einer der schönsten und ursprünglichsten Buchten Irland, eine Lachszuchtanlage aufbauen will. Nun wird allmählich klar: Die Dunmanus Bay ist nur einer von zahlreichen neuen Standorten, den der Fischereikonzern im Auge hat: Auch in den benachbarten Buchten, in der Kenmare und der Bantry Bay, glaubt Marine Harvest sich festsetzen zu können. 

Ein Auge hat der Fischereiriese  auch auf einen Standort bei Adrigole in der Bantry Bay, westlich des Fleming-Steinbruchs geworfen. Die ohnehin von rieisigen Muschelzuchtanlagen ökologisch überstrapazierte Bucht würde von einer weiteren Lachsfarm zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen - doch anders als in der Dunmanus Bay hat sich relevanter Widerstand zwischen Glengarriff und Castletownbere bislang nicht organisiert. Das Harbour Board in Bantry zeigt sich uneinig – nicht wenige unterstützen dort die Sache der Lachsfarmer. Doch entschieden ist nichts.

Während sich andernorts auf der Welt - beispielsweise in Kanada - massiver Widerstand organisiert hat, um die norwegischen "Neo-Wikinger" zum Rückzug zu zwingen, muss der Kampf in Irland erst noch geführt werden. Gute Argumente haben die Gegner der Lachszucht-Industrie viele: Die Lachsfarmen verschmutzen das Wasser, die Küsten, den Meeresboden. Schlimmer noch: Von den Zuchttieren gehen tödliche Krankheiten für die Wildlachs-Bestände aus. Und für ein Kilo Zuchtlachs wandern bis zu fünf Kilo Fischmehl in die riesigen Wimmelbecken. Dass der oft mit Medikamenten vollgepumpte Farm-Lachs am Ende, wenn er auf den Teller kommt, nicht zu den reinsten und besten Lebensmitteln zählt, hat viele Köche dazu veranlasst,  Zuchtlachs auf die schwarze Liste zu setzen.   


Aus der Dunmanus Bay hat Marine Harvest bislang rund 200 ablehnende Stellungnahmen von Fischern, Anwohnern, Unternehmen und Organisationen erhalten. Die Bevölkerung auf dem Sheep's Head und dem nördlichen Mizen Head rechnen sich von der am Dooneen Point (Foto oben) geplanten 300.000 Quadratmeter großen Anlage keinerlei Vorteile und viele Nachteile aus. Der Kampf hat dort jedenfalls begonnen.


Auf dem Sheeps Head sprechen die Menschen von "Eindringlingen", die aus fremdem Eigentum Profit schlagen wollen. Es heißt, das Geld fließe dann nicht in die Bucht zurück, sondern in die Taschen von Geschäftsleuten, die der Region nicht verpflichtet fühlten. Es heißt auch, die Farmzuchtanlage würde in der Dunmanus Bay kaum Arbeitsplätze schaffen.

Statt dessen befürchten die Menschen in Ahakista, Durrus, Kilcrohane, Dunbeacon, Dunmanus und Goleen, dass die geplante Anlage die traditionellen Fischgründe zerstört, das Wasser verunreinigt, die Umwelt schwer schädigt, die örtlichen Immobilienpreise in den Keller zieht, die Landschaft verschandelt und das Tourismus-Business schwer in Mitleidenschaft zieht. Der Betreiber einer Pferde- und Rinderzucht und einer Ferienhausanlage in Durrus hat bereits seine Anwälte in Gang gesetzt, um die Lachsfischer mit rechtlichen mitteln zu stoppen: Er argumentiert vor allem mit gravierenden wirtschaftlichen und ökologischen Schäden und warnt vor einer Verletzung der europäischen Umweltgesetze (die in Irland weit ab von Brüssel bis heute nicht ihre volle Durchschlagskraft entfaltet haben). 

Während sich der Widerstand gegen das Lachszuchtprojekt formiert, ziehen beide Seiten kräftig an den Fäden nach Dublin, wo die Regierung sitzt, und nach Clonakilty, dem Hauptquartier der Fischereibehörde. Was ist von der irischen Regierung zu erwarten? Sie steht bislang voll hinter dem Kurs, aus dem Meer herauszuholen, was herauszuholen ist und die Fisch- und Muschel-Fördermengen kräftig zu steigern. Die Umwelt an sich hat bis heute wenig Kredit in der Politik des Landes. Einhalt kann nur Widerstand vor Ort gebieten. 


Die Dunmanus Bay jedenfalls hätte den Schutz der heimischen Menschen nötig. Bislang, so sagt ein Engländer in Kilcrohane hinter vorgehaltener Hand, waren es vor allem die "Zugereisten" ("Blow-ins"), die sich für die Natur in der Dunmanus Bay stark gemacht haben. Dieses Mal aber habe er das Gefühl, dass das Lachszucht-Projekt vielen "Locals" unter die Haut gehe. Und tatsächlich ziehen Einheimische schwer über "die Eindringlinge" her, die "den armen Fischern im Dorf" die Lebensgrundlagen zerstören wollen. 

Es wird nicht zuletzt darauf ankommen, ob sich der von verschiedenen Interessen motivierte Widerstand gegen die Lachsfarmen zu einer Bewegung zusammenschließen kann: Die heimischen Fischer, die ausländischen Betreiber von Ferienlanlagen, die Eigentümer von Ferienhäusern, die sich nicht immer "grünen" Bewohner der verschiedenen Orte in Dunmanus Bay – sie alle werden die gemeinsame Sache in den Vordergrund stellen müssen und das Trennende hintenan – sonst wird ein Konzern mit viel Geld und Einfluss am Ende leichtes Spiel haben.

Die Fragen aller Fragen sind diese: Wer profitiert von den geplanten Lachsfarmen – und wer verliert? Es ist nicht erkennbar, dass die Leute in der Dunmanus Bay außer Schmutz und Zerstörung viel erwarten können. Vielleicht bekommt der eine und die andere das eigene Häuschen für einen hohen politischen Preis abgekauft. Doch entstehen tatsächlich neue Arbeitsplätze? Mehr als alte zerstört werden? Profitiert die Infrastruktur? Wo fließen die Profite hin, wieviel davon bleibt in der Gegend und wer bezahlt für die Umweltschäden? Wer profitiert in den politischen Kreisen Dublins von einer Genehmigung der Lachsfarmen? Die Zeit ist reif, um klare Antworten auf diese Fragen einzufordern. 

Die Leute von Dunmanus Bay betreiben zur Aufklärung und Mobilisierung zwei sich ergänzende Webseiten (– und eine gemeinsame wäre die bessere Alternative): Die Dunmanus Bay Association betreibt www.savedunmanusbay.org.  Karin Steinbrenner, selbst Mitglied in der Association und Anwohnerin am Dooneen Point dokumentiert die Protestkampagne basisdemokratisch offen und unter Nutzung der kommunikativen Möglichkeiten auf der Plattform "Keep it Free, Keep it Clean, Keep it Wild".

Die Petition der Lachsfarm-Gegner hat folgenden Wortlaut:

SilverKing Seefoods Ltd, a subsidiary of Marine Harvest a global aquaculture corporation, is planning to apply for a license to install a 70 acre salmon farm in Dunmanus Bay at Dooneen Point that would be visible from many points. It would impose major environmental damage to the whole natural feeding chain, especially to the wild fish stock which feed on the excrement and detritus of the farmed fish. The water in the area would be polluted and become unfit for swimming, boating, and fishing. Commercial use of the Dooneen pier would prevent residents and visitors from using it for recreation.
We, the undersigned, recognize the long-term environmental and economic damage the proposed fish farm in Dunmanus Bay would do the area's environment and its economy, and hereby register our opposition to such a development.  
Fotos: Wikipedia ; mab (oben); Dooneen Point, Kilcrohane, County Cork.


Here an English version of the story:
People stand up against Salmon Farm Intruders
Do you know the Dunmanus Bay? It is located in the southwest of Ireland between the Sheeps Head in the north and the Mizen Head in the south. Main towns in the bay are Durrus and Kilcrohane. The Dunmanus Bay is one of the most beautiful bays in Ireland. The economic exploitation and the destruction of natural resources to this day is limited. 


Well, "Trouble in Paradise”  is coming. The fishing company "Silver King Seafoods “ a subsidiary of the global aquaculture company “Marine Harvest”  plans to install a 70-acre salmon farm in the middle of the bay, next to the scenic Doneen Point. Taking up 280,000 square feet to the southwest of Kilcrohane, soon 18 large breeding tanks are supposed to be swimming in the sea – this prospect is creating resistance even in the most patient communities along the coast.

In the window of Frank O'Mahony's shop in Kilcrohane a photo of Dooneen Pier asks innocently, "Can you believe that someone wants to destroy this?" and calls upon the people of the area to get organized to "save our bay”.

The people living around the Bay have protested in recent years and have successfully opposed the extension of mussel farms: Now they have to deal with a larger opponent: Marine Harvest operates a large number of fish farms around the world, has offices in Castletownbere on the Beara peninsula and takes pride in having the best relations to the State Fisheries Board.

Meanwhile the Sheeps Head, people talk of "intruders" who want to profit from other people's property. The profit will not flow back to people in the bay, but into the pockets of business people who have no connection to and feel no responsibility for the region. Despite their claims, there will be no new jobs in the Bay Dunmanus but many fishermen will loose their livelihood.

People in Ahakista, Durrus, Kilcrohane, Dunbeacon, Dunmanus and Goleen fear that the proposed system will destroy the traditional fishing grounds, pollute the water, litter the landscape, and damage the environment.  It will cause the local real estate prices to plummet, and will have a negative impact on the tourism 
Business.

While the protest against the salmon farming project is being organized, both sides try to influence politicians in Dublin, and Clonakilty, the headquarters of SFA. What to expect from the Irish government? It is currently fully supporting  most aquaculture initiatives to get as much out of the sea as possible and increase the fish and shellfish export. To date, environmental consideration have not been a priority in the politics of the country. Only local protests may be able to change the political system and generate actions against the project.

The Dunmanus Bay will need the protection of the local residents. In the past
, it was mainly the "newcomers" ("Blow-ins") who have made a strong case for preserving the prestine nature of the Dunmanus Bay. But this time, the salmon farm project  goes many "locals" under the skin. And, indeed, both local residents and Blow-ins can now take on "the invaders" who want to destroy the fishermen in the area  as well as the natural beauty of the bay . (Translation: Karin Steinbrenner)

Kommentare:

  1. Wie wär's damit, auf den Homepages die Möglichkeit einzurichten, eine virtuelle Unterschrift abzugeben? Manche/r möchte helfen, aber nicht jeder möchte etwas spenden, und ein Aufkleber ist in Nicht-Irland wenig wirkungsvoll. Wenn sich aber im Laufe der Zeit Unterschriften - nicht nur aus Irland - ansammeln, hat das ab einer bestimmten Größenordnung auch Wirkung. Dann wird sichtbar, dass zB auch die gern belächelten Touris sich für das Thema interessieren und dass solche Dinge nicht unbemerkt von der europäischen/amerikanischen Öffentlichkeit ablaufen.

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  2. Das halte ich für eine gute Idee. Immerhin ist der Tourismus ja eine Hauptargumentationslinie und Menschen, die als Urlauber Geld in die Region bringen, können die Anwohner unterstützen. Fragen wir Karin Steinbrenner, wie die Chancen für eine Online-Petition stehen:

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