Dienstag, 20. April 2010

Irland steht zum Verkauf – und keiner greift zu

Was ist der Unterschied zwischen dem Celtic-Tiger-Irland vor fünf Jahren und dem Irland von heute? Vor fünf Jahren stand das halbe Land zum Verkauf, Immobilien und Grundstücke wechselten die Besitzer in Höchst-Geschwindigkeit. Heute steht fast das ganze Land zum Verkauf – und keiner will es haben.

Die Immobilienpreise auf der Grünen Insel haben seit dem irren Höchststand im Jahr 2007  kräftig Luft abgelassen, sie haben sich mehr oder weniger halbiert. Die Grundstückspreise sind noch stärker zurück gegangen. Und doch kommt der Hausmarkt nicht in Schwung. Kaum jemand kauft: "Greife nie in ein fallendes Messer", sagen die Glücksritter an der Börse, wenn die Kurse stürzen. Ähnliches gilt für den Immobilienmarkt. Irlands politische Führung will zwar an jeder Ecke erkennen, dass der Boden nun erreicht ist, der Markt kümmert sich jedoch wenig um die Beschwörungsrituale der Regierung. Die Preise fallen weiter.

Vor allem das massive Überangebot an leer stehenden, ungenutzten Häusern, an Geistersiedlungen, an gescheiterten, Beton gewordenen Steuerabschreibungsmodellen deutet darauf hin, dass die Preise den Boden nicht erreicht haben. Inzwischen hat auch die Staatliche Vermögensverwaltung NAMA (die gerade mit Steuerzahlers Geld für einen hohen zweistellligen Milliardenbetrag Schrott-Immobilien übernimmt, um die Banken zu entschulden) klargestellt, was mit den vielen leer stehenden Häusern geschehen wird: Viele werden abgerissen, ohne jemals genutzt zu werden.

Vier Jahre jung – und schon schwer beschädigt: Immobilien in Irland

Was sonst soll damit passieren: Manche schlagen vor, die Häuser billigst an Einkommensschwache zu vergeben. Das aber würde die Hauspreise noch weiter abstürzen lassen. Die im Schweinsgallopp hochgezogenen Massenbauten der Celtic-Tiger-Zeit können jedoch auch nicht einfach leer stehen, sie sind nicht wetterfest genug: Die NAMA geht davon aus, dass leerstehende Leichtbauhäuser dank Wind und Wetter nach spätestens zehn Jahren abrissfertig sind. So wird wohl eintreffen, was ein damals viel gescholtener Ökonomie-Professor aus Dublin schon vor drei Jahren prognostizierte. Der vorausschauende Mann sagte: "In den kommenden zehn Jahren werden in Irland mehr Häuser abgerissen als neue gebaut."  Ob die Celtic-Tiger-Denkmale kompostierbar sind?

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