Montag, 5. April 2010

Irlands Bankster im Visier

Nicht umsonst werden Boulevard-Zeitungen auch als Revolverblätter bezeichnet. Der Irish "Daily Star" nahm die zweifelhafte Bezeichnung in der vergangenen Woche allzu wörtlich und ließ seine Leser wissen: "Sie haben es verdient, erschossen zu werden". Gemeint waren die beiden Ex-Chefs der Anglo Irish Bank und der Irish Nationwide Building Society. Die mediale Dreckschleuder begründet den Aufruf zum Banker-Mord so: "Diese beiden Bastarde haben uns 25 Milliarden Euro gekostet".

Stimmt wohl. Dennoch sind ein ordentliches Gerichsverfahren und je nach Beweislage ein paar Jahre Knast für die Skandal-Bänker, die Irland in den ökonomischen Abgrund gerissen haben, das angemessene Mittel. Dass die Medien nun derart über das Ziel hinausschießen, wird genährt von einer großen Wut in der Bevölkerung. Während die 25 "erfolgreichsten" amerikanische Finanzjongleure im vergangenen Jahr mit Wetten auf unsere Zukunft jeweils über eine Milliarde Dollar (!) eingestrichen haben, kann man nicht erkennen, wo die Verantwortlichen für den Weltfinanz-Crashs zur Rechenschaft gezogen würden. Das Gerechtigkeitsbedürfnis vieler Menschen weltweit bleibt ungestillt, die "Bankster" scheinen nichts zu befürchten zu haben. Zumindest nicht von den Gerichten und den Regierungen. Und deshalb brodelt es bei denen, die nun die Zeche zu zahlen haben, bei Hinz und Kunz, bei Mary und Paudy. Der Bürgermeister von London äußerste bereits ähnliche Befürchtungen: Es werde nicht mehr lange dauern, bis wütende Bürger den ersten Banker lynchten.

Damit es so weit nicht kommt, müssen die verantwortlichen Regierungen endlich mit dem  großen Reinemachen beginnen. Der soziale Frieden ist tatsächlich in Gefahr – nicht nur in Irland.

1 Kommentar:

  1. Dass Hinz und Kunz auch ihren Anteil am Banken-Desaster haben, sollte man nicht ganz aus den Augen verlieren. Wahnsinns-Kredite sind gerade auch von einer Gier-Mentalitaet abgerufen worden, die unbedingt noch ein drittes oder viertes Haus verlangt hat, selbst wenn dies nie im Leben finanzierbar gewesen ist Von anderen Konsum- und Prestige-Investitionen gar nicht zu reden, die jedes vertretbare Mass eines Privathaushalts gesprengt haben. Auch das gehoert zum heutigen oekonomischen und kulturellen Katzenjammer auf der Insel.

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