Montag, 19. April 2010

Mein Leben in Irland (8): Manuela Goeb, Bäckerin

Auswandern, Ortswechsel, Neubeginn: Warum zieht es Deutsche (auch Schweizer und Österreicher) ausgerechnet nach Irland? Wie leben sie dort? Wurden ihre Erwartungen erfüllt, was gefällt ihnen, womit haben sie Probleme? Wir stellen Menschen vor, die den Sprung gewagt haben und auf der Insel leben.


Manuela Goeb (48) lebt seit 6 Jahren in Kenmare, County Kerry. Manuela ist gelernte Krankenschwester und arbeitet heute als Bäckerin auf der Insel. Ihre Brote und Backwaren sind weit über die Grenzen Kenmares hinaus bei Kontinental-Europäern und Iren beliebt. 


Manuela warum lebst Du in Irland? Was hat Dich hierher geführt?
Vor mehr als 20 Jahren verliebte ich mich während einer Radtour in das Land und in die Leute, da entstand der Wunsch, in Irland zu leben. Zwischen dem „falling in love with the country“, und dem wirklichem Entschluss, hier zu leben und den Schritt zu wagen, lagen dann doch noch einmal fast 15 Jahre. Ich wollte allerdings niemals mehr als Krankenschwester arbeiten, so überlegte ich mir, was ich im Irland-Urlaub am meisten vermisste. Das war eindeutig: gutes Brot. Daher kam der Entschluss, eine Bäckerei zu eröffnen. So gründete ich 2004 "The Breadcrumb – bakery and pastry-shop" in Kenmare.

Leckeres aus der Bäckerei "The Breadcrumb" in Kenmare

Ist Dein Aufenthalt zeitlich begrenzt?
Zeitlich begrenzt nur dahin gehend, dass unser Leben endlich ist. Ich werde niemals mehr zurück nach Deutschland gehen, so hoffe ich, mein Leben in Irland zu fristen – abgesehen von einem längeren Abstecher eventuell nach Italien. The Breadcrumb wird es allerdings hier weiterhin geben.

Haben sich die Erwartungen an das neue Leben erfüllt? Wie gefällt es Dir heute?
Am Anfang war es natürlich schwer, die „weissbrot-verwöhnten“ Iren an richtig gutes Brot zu gewöhnen, aber steter Tropfen höhlt den Stein – es hat geklappt und ich zähle auch sehr viele Iren zu meinen Kunden. Ich liebe die Freiheit, die Natur, das Land und die Leute. Wie in jedem anderen Land gilt es ab und zu Hürden zu überwinden und Problemen zu begegnen, sprich Lösungen zu finden – das macht das Leben sehr interessant – aber noch interessanter in Irland.

Manuelas Marketing-Konzept :-)

Wie lebt es sich als Deutsche auf der Insel? Wie kommst Du mit der irischen Mentalität und mit den Menschen zurecht?
Ich habe keine Probleme, als Deutsche auf der Insel zu leben. Ich liebe die irische Mentalität, den Humor und die Leichtigkeit, mit der Iren leben – ganz im Gegensatz zu uns Deutschen.Als Geschäftsfrau hat es mich allerdings auch schon das eine oder andere Mal in die Verzweiflung getrieben, wenn ich dringend einen Elektriker benötigte und ich nie wirklich wusste, was „see you later“ eigentlich meint – Stunden, Tage, Woche? Aber es klappt dann schon immer – take it easy. Wie „wir“ Iren sagen – could be worse!

 Objekt der Begierde: Laugenbrezeln wie bei Bäcker Müller

Hast Du irische Freunde, einen Freundeskreis, gute Bekannte?
Ich habe seit vielen Jahren sehr gute irische Freunde in Dingle, Kenmare und West-Cork.
Bedingt durch mein Geschäft komme ich natürlich mit vielen Leuten in Kontakt, woraus sich schon die eine oder andere Freundschaft entwickelt hat. Schwieriger ist es für mich dann manchmal, wegen Zeitmangel, diese Freundschaften auch regelmässig zu pflegen – aber richtige Freunde haben auch hierfür Verständnis. Ich habe natürlich nach wie vor meine Freunde in Deutschland – die mich auch regelmässig besuchen kommen. Ob das wohl am Land liegt?.

Was magst Du besonders an Irland?
Die Leichtigkeit des Seins.
Den Humor.
Die Natur.
Schneckennudeln, eine Spezialität der Bäckerei "The Breadcrumb" 

Was magst Du nicht an Irland?
Dass Irische Produkte in Deutschland billiger sind, als in Irland, zum Beispiel Käse, Butter, Whiskey.
Dass jeder, der einen Schraubenzieher halten kann, behauptet, ein Mechaniker, Schreiner, Elektriker zu sein, sprich die Handwerks-Qualität.
Drei Wochen weniger Regen wären manchmal auch ganz schön.

Was aus der „alten“ Heimat vermisst Du hier?
Eine richtig gute Bratwurst – aber dank Lidl wird auch dieses Verlangen ab und zu befriedigt. Die Handwerks-Qualität, die in Deutschland wohl unschlagbar ist.

Hat sich Dein Blick auf Irland in der Zeit, in der Du hier lebst, stark verändert?
Viele Leute sehen Irland natürlich als romantisches Urlaubsland und sind überwältigt von der Schönheit und der Gastfreundschaft der Leute – aber der Alltag schlägt natürlich, wie in jedem Land zu, sobald du hier lebst und arbeitest. Es sieht von außen immer sehr easy-going aus, aber in Wirklichkeit hat auch Irland Bestimmungen, Vorschriften und Bürokratie.

 Manuelas Firmenauto vor der Bäckerei 

Würdest Du den Schritt noch einmal tun?
Auf jeden Fall: Wenn wir etwas Aussergewöhnliches erleben wollen, müssen wir etwas Aussergewöhnliches dafür tun. Ich liebe es, hier zu leben. Life is short!

Und ansonsten?
Ich würde mir wünschen, dass wir Deutsche uns eine schöne Scheibe von dieser Leichtigkeit und Sorglosigkeit, die in den Iren lebt, abschneiden könnten und wirklich viel gelassener werden. Die Iren tanzen, musizieren, treffen sich in Pubs und warten nicht, wie in Deutschland, bis sie die Rente erreichen, um dann anzufangen ihr Leben zu geniessen.

Mehr Informationen zu Manuela und ihrer Bäckerei in der New Road von Kenmare gibt es hier: www.thebreadcrumb.com

Kommentare:

  1. passt gut, ich esse hier in süddeutschland pausenlos laugenbrötchen und brezeln! allerdings für 50 bis 60 cent pro stück ;-)

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  2. Also, diese homepage hat uns unheimlich inspiriert und wir werden uns das Ganze im August gleich mal anschauen und freuen uns riesig darauf - Irland wir kommen! see you later ... greetings from Barbara, Cläudi, Uschi und Gaby

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