Dienstag, 18. Mai 2010

Deutscher Alptraum – und der Ire ist an allem schuld

Der Untergang des Celtic Tigers in Irland hat nicht nur irische Opfer gefordert. Auch manche Deutsche, die in den fetten Jahren auf die Insel zogen, um hier ein besseres, reicheres oder beruflich lohnenderes Leben zu finden, betrachten sich heute als gestrandet – die einen ohne Job mit einem bedrohlich hohen Hypothekenkredit auf dem Buckel, die anderen mit sinkenden Einkommen, einem Leben im Mietshaus, mit Monster-Jeep, Boot und manch anderem einst teurem Schnickschnack. Hier und dort hat sich der Ausflug ins Auswandererleben nicht ausgezahlt und nicht gerechnet.

Dass Auswandern nicht immer die gewünschten Ergebnisse bringt,  spricht nicht gegen das Auswandern. Leben ist immer lebensgefährlich – und vielen Deutschen, die brav daheim geblieben sind, blieb ein derartiges Schicksal auch in Bochum oder Ibbenbüren nicht erspart. Interessant ist allerdings, wie besagte Aus-Wandervögel nun mit dem Schicksal hadern und die Welt an ihrem Leid teilhaben lassen. So liest man im Internet derzeit manche selbstmitleidige Zeile, die die Schuld für das Scheitern bei allem und jedem sucht - nur nicht in den eigenen Motiven und Entscheidungen. Foren, Blogs und Facebook-Einträge sind voll davon.

Mal sind es die Iren und Irinnen, die sich ständig derart "daneben benehmen", dass die Autoren des Scheiterns sie am liebsten kollektiv außer Landes schicken möchten. Mal ist es dieses grässliche Land Irland, diese Insel des Grauens, auf der das eigene Leben einfach nicht gelingen mag. Manchmal sind es sogar die ungeliebten Mit-Deutschen, denen der ganze Zorn der Frustrierten gilt. So deuten die geplagten Seelen mit dem Zeigefinger auf andere – und gleichzeitig mit drei Fingern auf sich selbst.

Dass wir diesen Psycho-Exhibitionsimus heute auch als völlig Unbeteiligte miterleben, ist dem Internet und diversen Push-Diensten zu "verdanken", sowie zwei modernen Phänomenen der überbordenden Mediengesellschaft:

1. Wer kann, der darf – und wer nicht umso mehr.
2. Jeder blamiert sich selber so gut er kann.

Die Schwäche des Internets macht aber zugleich seine Stärke aus: Die nächste Webseite ist immer nur einen Klick entfernt.

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