Donnerstag, 27. Mai 2010

Irlands Eircom spielt den Internet-Sheriff

Hand aufs Herz: Haben Sie auch schon mal fremdes Eigentum an sich genommen? Also geklaut? Natürlich nicht, werden Sie denken. Wie kommt der bloß drauf? Zumindest manche Menschen, sie zählen weltweit einige Millionen, würden niemals einem anderen einen Gegenstand widerrechtlich wegnehmen. Wenn es aber um das fremde Eigentum in digitaler Form geht, sind die Hemmschwellen deutlich geringer: Die unsichtbaren, gewichtslosen und ziemlich schlanken Bits und Bytes etwa, die sich in Massen zu netten Musikstücken kombinieren: Wer hätte davon nicht auch schon einmal ein paar Millionen in Form von wohlklingendem Ohrenschmaus aus dem Web gesaugt?

Kostenlose Musik-Downloads gelten zwar als illegal, und doch immer noch weitgehend als Kavaliersdelikt. Das Filesharing hat auch nach über zehn Jahren Kampf und einigen großen Prozessen noch immer starke Standbeine im Internet. Das soll nun endlich anders werden, und ausgerechnet Irland, das Land in dem Gesetze besonders geduldig sind, will den weltweiten Vorreiter spielen. Die Eircom, mit 40 Prozent Marktanteil größter Internetprovider auf der Grünen Insel, wird der irischen Musikindustrie ab sofort die Steigbügel halten und Jagd auf die Musikpiraten im Land machen.

Ganz freiwillig geht die ehemalige Staats-Telekom nichts ans Werk, nach mehreren Gerichtsverfahren knickte Eircom schließlich gegenüber der "Irish Recorded Music Association (Irma) ein und liefert den hinter der INRA stehenden "Schallplattenfirmen" nun illegale Musik-Downoader ans Messer. Um sich nicht das Mäntelchen des gänzlich doofen Internet-Sheriffs umhängen zu lassen, spricht Eircom derweil von einer "rein pädagogichen Maßnahme": Die musikklauenden Übeltäter werden drei mal verwarnt, erst dann folgen ernsthafte Konsequenzen:  Ein Jahr Internetsperre soll jeder uneinsichtige Musikpirat bekommen. Auch wenn Internetzugang mittlerweile als Grundrecht des Menschen gilt – das Eigentumsrecht soll auf der Insel nun Vorrang bekommen.

Ob das was wird? Wer den traditionell inkonsequenten irischen Gesetzesvollzug kennt, mag es bezweifeln. In Kreisen der musikproduzierenden Industrie immerhin wird Irland nun als Musterknabe und als Künder einer neuen Zeit gefeiert. Voreilig wahrscheinlich.

Kommentare:

  1. http://cliphead.wordpress.com/2010/04/12/sind-leer-cassetten-der-tod-der-schallplatte/
    ein kleiner nostalglischer Blick in die Vergangenheit - das Thema Untergang der Musikindustrie gabs vor 30 Jahren schon und die Argumente sind heute immernoch so bekloppt wie damals.
    Schlimm, dass die trotzdem damit durchkommen. Ich gebe dir aber recht, im Umfeld des hiesigen Laissez-faire wird das keine grosse Zukunft haben.

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  2. Die Geschaeftemacher von Eircom sollten sich lieber mal ueberlegen, ob sie nicht durch diese Aktion noch mehr Kunden verlieren als es eh schon der Fall ist.

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