Freitag, 14. Mai 2010

Sind wir nicht alle Che oder JFK in einem Film namens Wirklichkeit?

Vor ein paar Tagen stürmte ein Grüppchen linker Iren das Tor des irischen Parlaments in Dublin und lieferte sich in eine Schlägerei mit Polizisten. Aufstand? Revolution? Das nahende Ende des Kapitalismus? Der Kolumnist John Waters hat sich in der Irish Times seine Gedanken über das Phänomen gemacht und gibt dem Gewalt-Theoretiker Slavoj Zizek Recht: Der Ausbruch der Gewalt auf der Straße ist eine Antwort auf die versteckte Gewalt, die die Gesellschaft zusammenhält, so etwas wie die Dramatisierung der Ohnmacht.

John Waters sieht die politische Kultur des Landes (und wahrscheinlich der westlichen Welt) eingefroren auf dem Stand der späten 60er Jahre. Er-leben wir derzeit, einem Filmpublikum gleich, die schale Wiederholung einstmals inspirierender Augenblicke des vergangenen Jahrhunderts? Waters zumindest beschreibt sinnlose Medienrituale und Simulationen, die am Ende nur sicher stellen, dass "systemweise" alles beim Alten bleibt:


"I have this odd feeling of late that everything is being acted out as a reprise of some inspirational moment from deep in the last century. Half of those who address us want to be Che, and the remainder JFK. Each development in the public lives of our societies becomes like a movie in which everyone becomes infused with a sense of what “should” happen, ie what would happen if it really was a movie. The media whip this up for all its worth, unleashing massive collective disappointment when it emerges that, actually, it’s the same plot as last time and drifting again in the same direction.
Laut Waters sind wir alle entweder "Che" oder "JFK". Helden in einer Filmwiederholungsschleife.

Although we live in an advanced capitalist society, in which psychology is far more important than ideology, our political culture remains frozen somewhere short of 1970. Although the real divisions are now to be located within the torn, paradox-ridden heart of the individual, we still describe things in terms of “us” and “them”. Although our market culture conditions us to lionise and covet private property, our public discussions seem simultaneously to hold that wealth somehow rightly belongs to everyone. And, although welfare and other radical forms of redistribution have unleashed a statist monster that now threatens to throttle the life out of the individual, we find, while the “have-nots” are utterly uninterested in left-wing ideas, a ludicrous pseudo-socialism persists among the “haves”, more and more of whom employ the “most vulnerable” as human shields to protect their own stashes of loot."

Der "Gegen-den-Stromschwimmer" Waters teilt auch gegen die eigene Zunft, die Medien und Journalisten aus: Eigentlich müsste die Wirklichkeit dieser Jahre den Medien hoch-interessantes Material liefern, sie müssten beschreiben, was sich wirklich ereignet. Statt dessen aber sieht John Waters nur Versagen: "Drehbuchschreiberei der allerschlechtesten Qualität".

Könnte sein, dass der Kolumnist Waters den Geist der Zeit ganz gut erfasst?  In Zeiten rapiden Wandels haben wir Menschen nicht viel mehr im Arsenal als die alten Antworten und Strategien, mit denen wir allzu wenig ausrichten.




Quelle:http://www.irishtimes.com/newspaper/opinion/2010/0514/1224270369918.html

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