Freitag, 25. Juni 2010

Ist das der Todesstoß für Irlands Pubs?

Gegen den Widerstand der Alkohol-Wirtschaft hat das Parlament Irlands die Promille-Grenze für Autofahrer von 0,8 auf 0,5 gesenkt. Das neue Gesetz, mit dem Irland mit anderen  europäischen Ländern gleichzieht,  soll schon in wenigen Wochen in Kraft treten und Irlands Straßen sicherer machen. Anders als in Deutschland werden Alkoholfahrer mit einem Blutalkohol-Gehalt zwischen 0,5 und 0,8 Promille aber kein Fahrverbot erhalten sondern ein Bußgeld und drei Punkte im Verkehrsregister.  Für junge Fahrer und Berufsfahrer gilt künftig die 0,2-Promille-Grenze. Bei Verkehrsunfällen werden Alkohol-Tests nun zur Pflicht.

Pünktlich zur Verabschiedung der strengeren Verkehrsregeln meldete sich gestern Richter Michael Pattwell aus Nord-Cork zu Wort und attackierte die Regierung und die irische Polizei. Des Richters Lamento: Eigentlich hat niemand in Irland wirklich Lust und Mut, das Alkohol-am-Steuer-Problem zu lösen und Alkis hinterm Lenkrad konsequent zu bestrafen. Richter Pattwell hatte wieder einmal über einen Wiederholungstäter zu urteilen, der zur Tatzeit eigentlich eine viermonatige Haft wegen mehrerer Trunkenheitsfahrten hätte verbüßen sollen, der aus unerklärlichen Gründen aber schon nach einer Woche Knast wieder betrunken mit dem Auto unterwegs war.

Dass Polizei und Gerichte es weiterhin locker nehmen mit den Verkehrsregeln, darauf setzen die Wirte Irlands. Die Pub-Funktionäre schimpften gestern in allen Medien, die neue Promille-Grenze würden den Pubs auf der Insel endgültig den Todesstoß versetzen. Das Gesetz sei der letzte Nagel im Sarg des Irish Pubs. Auf dem Land, wo es keinen öffentlichen Nahverkehr gibt, gilt die Heimfahrt mit drei Pints Bier als völlig normal, zumindest wenn man der Wirtevereinigung glauben darf: Wirte-Lobbyist Con Dennehy sagte dem Evening Echo: "Ein erfahrener Trinker kann doch mit drei Pints Bier problemlos Auto fahren". Alkoholkontrollen werden von diesem Lager als zerstörerischer Angriff auf die dörfliche Gemeinschaft gebrandmarkt.

Wie auch immer: Künftig gilt in Irland auch für Touristen die 0,5 Promille-Grenze. Das entspricht ungefähr einem Pint Bier oder einem Glas Wein, und während Ausländer bislang gelassen ihr Guinness trinken konnten, weil die Strafpunkte ihren Weg nach Flensburg oder in andere Verkehrssünderregister gar nicht finden konnten, so soll sich das nun ändern: Das neue Gesetz sieht vor, dass die Koordination mit den Behörden anderer EU-Länder  verbessert wird. Ob´s mehr ist als eine weitere nette Absichtserklärung?

Kommentare:

  1. Interessanter Artikel und bin sehr gespannt, ob und wie hart diese Regeln denn dann durchgesetzt werden - aber hättest Du nicht wenigstens ein Guinness-Foto dazu finden können...???

    Schmunzelnd,
    Millie

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  2. Heineken ist zwar ein Invasoren-Lager, aber doch sehr beliebt in irischen Trinkstuben. Und Murphy´s, das Guinness des Südens gehört zu Heineken.

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  3. Das neue Gesetz sieht vor, dass die Koordination mit den Behörden anderer EU-Länder verbessert wird.
    Da muesste erstmal die Koordination im eigenen Land funktionieren. Ausserdem sollen doch die Wirte statt sich zu beschweren kostenfreie Taxi-Heimnfahrten fuer die Kunden nach Pub-Schluss organisieren. Das belebt die Wirtschaft ...

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  4. In Ordnung, Wanderer - da hab ich gerade was gelernt und werde nie wieder über Heineken-Fotos im Irland-Blog meckern...

    :-)
    Millie

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