Sonntag, 1. August 2010

Dancing at Lughnasa – oder die Ehe auf Probe

Der Sommer schreitet fort, die Früchte reifen, das Getreide wird gemäht, und kaum merklich werden die Abende wieder kürzer. Lughnasadh (sprich: LuNAsa), auch Lúnasa, Lugnasad, in Schottland Lunasdál, das erste Herbst- und Erntefest rückt heran, das die Kelten am 1. August feierten. Der Name leitet sich von dem Sonnen- und Lichtgott Lugh ab, dessen Verehrung im keltischen Kulturkreis weit verbreitet war. Der Legende nach stiftete Lugh dieses Fest zu Ehren seiner Ziehmutter Tailltu (die "Große der Erde"), in Telltown am Blackwater River im Co. Meath. In diesem altkeltischen Kultzentrum gab es dabei auch Wettkämpfe unter den Poeten und einen großen Markt. 


Tailltiu hatte ihre Existenz dem Weiterleben des irischen Volkes geopfert, dies Fest sollte ihr Gedenken sein. Es hieß, solange Lughnasadh in Irland gefeiert werde, solle die Insel niemals ohne Lieder sein... An der N3 zwischen Kells und Navan kann man heute noch alte Erdwälle und einen heiligen Berg besuchen und archäologische Funde aus der Zeit um 2.000 v.u.Z. entdecken. Ähnliche Feste finden sich auch in Cornwall, in Frankreich, in der Schweiz und in Italien. 

Während bei anderen keltischen Feiern oft das Jenseits und die Spiritualität der Druiden eine Rolle spielte, war Lughnasadh ein Fest des Diesseits, des Königs und seiner weltlichen Macht. Das Fest sollte Frieden, Überfluss und Sicherheit symbolisieren, und alle Gesellschaftsklassen nahmen daran teil. Deshalb fanden auch keine möglicherweise tödlichen Zweikämpfe statt: zu diesem Fest kam man ohne Waffen. 


Der König wird als Landesvater gefeiert, er überwacht die Pferderennen und sportlichen Wettbewerbe ("Tailltean games"), hält juristische Beratungen ab, und nach dem Druidenfest des ersten Mai (Beltane) und vor dem militärischen Samhain im November  ist dies ein politisches Fest, das der guten Regierung huldigt. Die königliche Kraft wird jetzt als am größten angesehen, und sie wird für die beginnende Erntezeit gebraucht. Nun wird die Grundlage dafür geschaffen, die kommenden dunklen Monate gut zu überstehen. 

Lughnasadh war einer der Festtage, an denen Ehen geschlossen wurden, die nach keltischem Brauch nach einem Jahr wieder gelöst werden konnten, falls sie sich als problematisch herausstellten. Keiner der Ehepartner ging ein Risiko ein, denn weitgehend wurde Gütertrennung praktiziert und nachgehalten, wer was in die Ehe mit eingebracht hatte. Dieser Brauch soll sich in Irland bis ins 16. Jahrhundert gehalten haben. Lughnasadh bezeichnete auch den Beginn der Jagdzeit, und die Jäger sammelten Kräfte für die damals oft noch gefährliche Jagd. 

Symbolisch wurde vom ersten geschnittenen Getreide ein Brot gebacken, das die Form eines kleinen Kornkönigs haben konnte. Die Botschaft hieß: Der Korngott gab zwar die Früchte, aber die Menschen mussten sich auch dafür einsetzen und sie ernten. Im Volksmund hieß das Fest auch Bilberry oder Blueberry Sunday, weil man an diesem Tag auf den nächsten Lughnasadh Hill stieg und die Heidelbeeren sammelte; in grauer Vorzeit wurde ein Teil davon als Tribut an den Hochkönig geschickt. Gab es reichlich Beeren, würde die ganze Ernte gut ausfallen. 

Das letzte Lughnasadh mit Poesie-Wettkämpfen und allem Drum und Dran ist für das Jahr 1169 unter dem letzten Hochkönig Ruraigh Ó Conchobar belegt. Die Sportveranstaltungen hielten sich bis ins 18. Jahrhundert, der Markt wurde bis 1806 abgehalten. Das Christentum hatte interessanterweise kein Interesse daran, das Fest abzuschaffen, sondern betonte seine friedfertigen und wohltätigen Tendenzen. Es wurde in "Lammas" (Brot-Messe) umbenannt, es gab Umzüge, und die Felder wurden gesegnet. Die Teltown Games wurden in den 1920er Jahren vorübergehend wieder belebt; die "Highland Games" in Schottland finden immer noch jedes Jahr in August statt. Der heutige Kalender bezeichnet im irischen Gälisch den ganzen August mit "Lúnasa". 

Auch die Kinowelt bediente sich der irischen Tradition: Der Spielfilm "Dancing at Lughnasa" (1998) unter anderem mit Meryl Streep und Michael Gambon zeigt den Zerfall einer irischen Familie im Lauf des Sommers 1936. 


Autorin dieses Beitrags: Nicola


Aus dem erwähnten Film stammen die Photos (Sony Pictures 1998) der fünf Mundy-Schwestern, die einen kurzen Sommer der Gefühle im County Donegal des Jahres 1936 durchleben.

Kommentare:

  1. Schöner und interessanter Beitrag von Gastautorin Nicola.
    Viele Grüße aus Dublin

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