Mittwoch, 14. Juli 2010

Die Iren wandern wieder massenweise aus

Was unterscheidet Irland von Deutschland oder Frankreich in wirtschaftlich schlechten Zeiten? Arbeitslose Deutsche und Franzosen gehen zum Arbeitsamt, arbeitslose Iren gehen zum Flughafen und wandern aus, dorthin, wo es Arbeit gibt. Zugegeben, Ausnahmen bestätigen diese Regel, die Auswanderung ist jedoch im kollektiven Bewusstsein Irlands eine bevozugte Option in Krisen. Generationen von Iren wussten sich in vergangenen Jahrhunderten nicht mehr anders zu helfen, als ein neues Leben im Ausland, in den USA, in Australien, Neuseeland oder Großbritannien zu versuchen.

Irland renommiertes Forschungsinstitut ESRI stellt heute morgen seine neuen Prognosen zur Lage der irischen Wirtschaft vor. Ein Befund: In den Jahren 2010 und 2011 werden rund 120.000 Iren emigrieren, jeden Monat gehen derzeit 5.000 Menschen  – das sind Ende 2011 immerhin 2,6 Prozent der Gesamtbevölkerung in der Republik. Der Wanderungssaldo dreht deshalb nach einigen guten Jahren wieder stark ins Negative – und Besserung ist nicht in Sicht: Das ESRI  teilt zwar die Auffassung, dass die irische Wirtschaft in kommenden Jahr wieder moderat wachsen wird, am Arbeitsmarkt wird dieser fragile Aufschwung - der zudem von erneuter Rezesssionsfgefahr bedroht wird - komplett vorbeigehen.

Noch eine Horrorzahl beschäftigt seit heute morgen die Medien und die internationalen Finanzmärkte: Das Staatsdefizit Irlands wird im Jahr 2010 fast 20 Prozent betragen, das ist mit Abstand die größte Deckungslücke aller EU-Staaten. Ursprünglich ging man von 14,3 Prozent Defizit aus, diese Zahl war allerdings durch einen Buchhaltungstrick künstlich "niedrig" gehalten worden: Die Regierung hatten die staatlichen Milliardenopfer zur Rettung der maroden Anglo Irish Bank als "Investitionen" ausgewiesen. Die EU-Verwaltung hatte Irland die frisierten Zahlen allerdings nicht durchgehen lassen und darauf bestanden, dass die Banken-Miliarden schnöde Ausgaben sind, die die Neuverschuldung drastisch nach oben treiben.

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