Freitag, 2. Juli 2010

Dursey Island: Irlands einzige Seilbahn hängt am seidenen Faden

Haben doch all die ängstlichen Gemüter recht, die Irlands einzige Seilbahn, den Dursey Cable Car, als Himmelfahrts-Kommando bezeichnen und sich jeder Fahrt über den Dursey Sound an der Westspitze der Beara Peninsula in West Cork schlicht verweigern?

Die Seilbahn hinüber nach Dursey Island jedenfalls ist im Moment außer Betrieb. Ein als "Mechanical Engineer" beschriebener Fahrgast hatte in dieser Woche offensichtlich "einen losen Bolzen"an der Konstruktion der gerade erst erneuerten Seilbahn entdeckt. Der "Maschinenbau-Ingenieur" hielt die Fahrt über das Meer in schwindelnder Höhe offensichtlich für gefährlich und teilte dies dem Betreiber mit – mit dem Ergebnis, dass die Seilbahn sofort stillgelegt wurde. Die verantwortlichen Ingenieure vom Cork County Council riefen zwar entrüstet, mit der Seilbahn sei alles in Ordnung, die Fahrt sei sicher, sie hatten aber nicht den Mut, auch die Verantwortung zu tragen. Der Betrieb wurde vorerst eingestellt. Demnächst wird sich der Betreiber, Cork County Council, mit der Seilbahn beschäftigen – und hoffentlich auch klare Entscheidungen treffen.

Bis heute gilt die mit öffentlichem Geld betriebene Bahn als Instrument, um die Bevölkerung auf der Insel zu unterstützen und das Leben dort zu sichern. Bevölkerung allerdings gibt es auf Dursey keine mehr - oder kaum noch: Einige wenige Menschen, fünf, oder sechs, verharren auf der Insel. Der Großteil ist abgewandert, gestorben. Die Gemeinden in den ehemals drei Dörfern sind keine Gemeinden mehr, sondern eine Ansammlung von Ferienhäusern, leerstehenden Häusern, Häusern, in denen ab und an jemand übernachtet, der das Vieh auf der Insel beaufsichtigt. Touristisch ist Dursey ein Höhepunkt jeder Reise durch Irlands Südwesten. Die einsame, verlassene Insel bietet eine tolle Kulisse für Wanderungen – und schon die Überfahrt mit der Seilbahn ist ein kleines Abenteuer. An der Küste des Dursey-Sunds werden Gäste allerdings eher geringschätzt - sie kommen in der Transport-Priorität erst an vierter Stelle: Nach den "Insulanern", deren Waren und auch nach dem lieben Vieh. Wo Schafe und Kühe im Denken Vortritt haben, da ist der Tourist schlicht der Esel.

Dursey und die  einzige Seilbahn Irlands hinüber zur Insel haben großes Potential - für den Tourismus, der Geld in die abgelegensten Gegenden am Rande Europas bringen kann – allerdings nicht als Lebensnerv für die Inselgemeinde. Die lebt nur noch in den guten alten Vorstellungen. Die gibt es nicht mehr. Die Dursey-Besucher aber kommen jedes Jahr erneut.

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