Dienstag, 13. Juli 2010

Exodus auf Irlands kleinen Inseln

Irland ist bekanntlich eine Insel, die drittgrößte in Europa. Wer in Irland von "den Inseln" spricht, meint die vielen Inseln vor der Küste der Hauptinsel. Wer die vielen Inselchen und Felsen im Meer mitzählt, kommt schnell auf ein paar hundert Inseln, die zu Irland gehören. Etwa 80 davon haben eine nennenswerte Größe – und 65 waren in den vergangenen 50 Jahren bewohnt und sind es immer noch. Allerdings: Irlands Inseln erleiden in der anhaltenden großen Wirtschaftskrise  einen Substanzverlust, wie es ihn seit der großen Hungersnot vor 165 Jahren nicht mehr gab: DIe Bevölkerung wandert ab.

Die ohnehin kleinen Inselgemeinden schrumpfen, die Inseln werden entvölkert. Auf mehr als zehn Prozent wird der Bevölkerungs-Rückgang in den letzten zwei Jahren geschätzt - dabei hatte es vor zehn Jahren erstmals seit der Hungersnot eine Trendwende gegeben: In den Wohlstandsjahren zogen viele Neu-Insulaner auf "ihre Insel", lange unbevölkerte Eilande wie Horse, Foynes oder Deer Island wurden von Menschen, die es sich leisten konnten, wieder bewohnbar gemacht. Auch viele Ausländer lebten ihren Insel-Traum.

Das Leben auf den Inseln war schon immer härter, schwieriger und fragiler als auf dem Festland. Zwar haben sich die Transport- und Kommunikationsverhältnisse in den vergangenen Jahrzehnten  dank staatlicher Unterstützung stark gebessert, doch nun scheint die Krise des Tourismus, der Landwirtschaft und der Fischerei viele Menschen zum Verlassen der Inseln zu bewegen.

Irlands Inseln sind ein nationaler Mythos, ihre Bewohner werden gerne zu Helden des Alltags stilisiert, und die öffentlichen Mittel, die zur Stabilisierung der Inselgemeinden in den vergangenen Jahrzehnten flossen, sind enorm. Die größten Gemeinden leben heute laut Census auf Achill (2620 Einwohner), Gorumna (1015) und Aran (543). Auf vielen anderen Inseln leben nur ein, drei oder sechs Einwohner, wie etwa auf Deer oder Dursey.

Auf Garinish Island, in der Bantry Bay, lebte übrigens bis zum Jahr 1999 eine alleinstehende Frau: Margaret O'Sullivan, genannt "Maggie The Island". Sie war die letzte Bewohnerin der Garteninsel – von einst acht oder zehn. Doch davon ein andermal mehr.

Foto: Warentransport nach Inisheer, Aran Islands, 1979.

Kommentare:

  1. Verzeih mir den Einwurf, aber ... Achill kann man nun wirklich nicht mehr als Insel werten. Geographisch schon, das stimmt, aber die Anbindung ans Festland ist da und würde auch beim Brücken-GAU binnen weniger Tage wieder hergestellt werden können.

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  2. Wie Du selber sagst: Jain. Natürlich ist es eine Insel, die respektable Größe der Inselgemeinde resultiert aber vor allem aus der Tatsache , dass Achill durch die Brückenanbindung eigentlich zum Festland gehört.

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