Sonntag, 25. Juli 2010

Ist Irland endgültig auf dem Weg in den Bankrott?

Irlands Star-Ökonom David McWilliams hat in dieser Woche wieder einmal vorgerechnet, dass die irische Regierung und die Medien den Inselbürgern die Wahrheit systematisch vorenthalten. Während die Regierung sich und den Bürgern die wirtschaftliche Lage im Land schön redet und Zeichen der Erholung erkennen will, während die Medien jede kleine Unternehmenserweiterung wie den Beginn eines neuen Booms feiern, besteht McWilliams darauf: Irland bewegt sich unweigerlich auf die Pleite zu, Irland wird bankrott gehen.

Warum der erklärungsbegabte Ökonom so beharrlich darauf besteht, der bitteren Wahrheit endlich ins Auge zu sehen, begründet er mit dieser schlüssigen Analyse:

* Die Bedingungen: Irland hat derzeit 450.000 Arbeitslose. In den vergangenen 18 Monaten sind 100.000 Menschen bereits ausgewandert, in den kommenden 18 Monaten werden 120.000 weitere das Land verlassen.

* Der Staat kann mit seinen Einnahmen nur noch 70 Prozent seiner Ausgaben decken – die Sonderausgaben zur Rettung der maroden Milliarden vernichtenden Anglo Irish Bank nicht eingerechnet.

* Die nationale Verschuldung Irlands bewegt sich aufgrund der hohen Kreditzinsen in Richtung der Höhe des Bruttoinlandsprodukts, will heißen: Die Schulden entsprechen bald schon der Wirtschaftsleistung eines gesamten Jahres.

* Um die Schuldenspirale unter diesen Bedingungen zu stoppen, müsste die Rate des Wirtschaftswachstums höher sein als der Satz der Schuldzinsen: Die allerdings liegen bei sechs Prozent und ein Wachstum von sechs Prozent wird Irland wohl in den kommenden Jahrzehnten nicht erreichen. Deshalb lässt sich die Verschuldung nicht stoppen.

* Welcher Gestaltungsspielraum bleibt dem Staat? Dramatisch sparen und/oder drastische Steuererhöhungen. Beide Maßnahmen aber bremsen das Wachstum und würgen die Wirtschaft weiter ab. Ein Weg aus der Schuldenfalle gelänge nur, wenn die Wirtschaft die Produktivität stark steigern oder die Preise stark senken könnte. Da aber die Produktivität nicht vom Himmel fällt sondern das Ergebnis von Investitionen ist, und da Euro-Irland an der Preisseite nicht drehen und die Währung nicht einseitig abwerten kann, ist eine Alternative zum Bankrott nicht in Sicht.

David McWilliams hält den Schuldzinssatz für eine der wenigen ehrlichen Aussagen in der Diskussion der wirtschaftlichen Lage Irlands:  Die Schuldzinsen für Irlands Staatsanleihen liegen bei drastischen sechs Prozent, weil die Finanzmärkte das Land für die schlechten ökonomischen Aussichten abstrafen. Die Schuldzinsen klettern parallel mit dem Risiko, dass das Land finanziell zusammenbricht.

Keine schönen Aussichten also. So scheint es nur eine Frage der Zeit, bis der Internationale Währungsfonds und die EU die Zügel auf der Insel in die Hand nehmen. Ist Irland doch Griechenland?

Kommentare:

  1. Lieber Markus,

    natürlich geht Irland langsam aber sicher bankrott! Um das zu wissen brauche ich nicht so einen dahergelaufenen Star-Ökonom, sondern muss mich hier einfach nur mal umschauen und mit den Leuten reden! Ich behaupte es wird sogar noch schlimmer als in Griechenland, weil man Zwecks Selbstversorgung in diesem Sumpf nichts anbauen kann.

    Ich sag's immerwieder: Irland ist scheiße. Das sage ich nicht, weil ich dieses Land hasse oder weil ich ein so unglaublich negativer Mensch bin, sondern weil ich denke, dass am Ende wenn alles wegbricht nicht mehr viel übrig bleibt.

    Aber wir werden ja sehen ...

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  2. Ich antworte immer wieder: Was hält Dich? Geh halt ins gelobte Land.

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  3. Kommt mir fast so vor als wolltest Du mich los werden. Nein mein Lieber, ich bleib noch hier und geh Dir auf'n Sack.

    Und wo ist das überhaupt, das gelobte Land?

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  4. Nana, Herr Nenad. Wenn ich mich recht erinnere, sind Sie in Irland, weil Deutschland einem Straßenmusiker wie Ihnen keine Chance gibt. Sie sind also quasi ein Wirtschaftsflüchtling, der in Irland seine berufliche Nische gefunden hat. Insofern sollten Sie Irland eigentlich dankbar sein.

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  5. Ich bin den Menschen hier dankbar aber nicht der Regierung, die ihre eigenen Leute bescheißt und das Land in den Ruin treibt. Das ist ein kleiner Unterschied, Herr Stefan.

    Und was glaubt ihr eigentlich, was die vielen ausgewanderten Iren in aller Welt von ihrem Land halten? Meint ihr etwa die weinen sich jeden Tag in den Schlaf weil sie nicht mehr hier sind? Die kümmert es einen Scheiß was hier abgeht!

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  6. Ich kann mir schon vorstellen, dass sich der ein oder andere emigrierte Ire wenigstens am Anfang in den Schlaf heult. Seine Familie/Freunde/vertraute Umgebung zu verlassen ist keine leichte Sache, und immer liegt ein mehr oder weniger großes Meer zwischen den Emigranten und der Heimat. Dass diese Entscheidung oft nicht aus "Lust auf was anderes" getroffen wird, sondern aus wirtschaftlicher Not, ist klar, sonst wären die Emigrantenzahlen nicht erst seit 2009 so stark angestiegen. Und viele der Ausgewanderten (be)kümmern sich auch noch um das, was in Irland passiert, weil sie sich den Zurückgebliebenen immer noch verbunden fühlen.

    Thema Selbstversorgung: lies mal Irlandwolfis Blog - in dessen "Sumpf" scheint kräftig was zu wachsen!

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  7. Also, mal ganz ehrlich - Irland und die Iren leben immer noch auf sehr hohem Niveau. Auch wenn im Land verstanden worden ist, dass es wirtschaftlich nicht gut geht, so habe ich den Eindruck, dass vielerorts der Ernst der Lage noch nicht angekommen ist. Meine Kollegen im öffentlichen Dienst können immer noch einen Lebensstil pflegen, von dem Angestellte hier träumen können. Solange Graduates nach ihrem Uniabschluß in Working Experience Programmes bis zu € 1800 netto (wenn sie im Ausland sind) verdienen, muss es allen noch verdammt gut gehen. Ausserdem wird diesen jungen Leuten vorgegaukelt, dass die Gehälter Standard sind. Gerade erst passiert: "Was, ich habe eine Stelle für € 2500 brutto angeboten bekommen. Das ist ja viel weniger als ich jetzt habe!" Wohlgemerkt, ein Berufsanfänger mit BA! Ich habe Irland viel zu verdanken und ich wünsche dem Land nichts Schlechtes, aber es müsste dringend wieder auf den Boden der Realität geholt werden. Und der heisst: keine Jeeps mehr, keine 5er BMWs mehr um entsprechend Expenses geltend machen zu können, keine Designerklamotten mehr - und vor allem keine Hochnäsigkeit dem Kontinent gegenüber, die doch ziemlich zugenommen hatte, vor allem im direkten Kollegenkontakt.

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  8. Naja, das mit dem Bescheißen des Volkes kommt mir doch in Deutschland bekannt vor! Da steht Deutschland in nichts nach.
    Ja, der Lebensstandard ist in Irland mit dem keltischen Tiger in die Höhe geschossen. Man meinte, das könnte immer so weiter gehen. Man hätte besser für schlechte Zeiten vorsorgen können. So einen Aufschwung hatte Deutschland zuletzt vor über 2o Jahren.
    Ich glaube, für alle Länder Europas wäre die beste Lösung noch eine Währungsreform mit einem Neuanfang anstatt weiter so rumzuhampeln.
    Alex

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